Neujahrsbowle 2021 – Nachspüren und Vorfreuen

Viele Jahresrückblicke sind schon geschrieben, das neue Jahr ist bereits einen Tag alt – und doch möchte auch ich nochmal ganz kurz innehalten und diesem Jahr 2020 nachspüren und mit Euch ein paar meiner literarischen Glanzlichter dieses vergangenen, so schwierigen und seltsamen Jahres teilen.

Anbei in der Reihenfolge, in welcher ich sie gelesen habe, meine 10 Lese-Höhepunkte des Jahres 2020 (soweit ich sie auf der Bowle besprochen habe auch entsprechend verlinkt):

  • Katrine Engberg „Glasflügel“: Der dritte Band aus der dänischen Thriller-Reihe hat mir spannende Lesestunden beschert und mich in eine meiner Lieblingsstädte – nach Kopenhagen – entführt. Tolle Figuren, packende Handlung und viel Lokalkolorit!
  • Brigitte Fassbaender „Komm’ aus dem Staunen nicht heraus“: Die Memoiren der großen deutschen Opernsängerin, Theatermacherin und Regisseurin haben mich fasziniert und mir eine neue Sichtweise auf das Leben vor und hinter den Kulissen des Kulturbetriebs eröffnet.
  • Marco Balzano „Ich bleibe hier“: Der italienische Roman, der die Geschichte des Stausees am Reschen erzählt und das Leid spürbar werden lässt, welches diese unerbittliche Entscheidung, die Einwohner zu vertreiben und das Dorf zu fluten, in die Südtiroler Region gebracht hat.
  • Thomas Hettche „Herzfaden“: Der verspielte, poetische Roman über die Augsburger Puppenkiste und die Tochter des Gründers Hatü Oehmichen bescherte mir ein Leseerlebnis, das mich in meine Kindheit zurückversetzte. Zauberhaft!
  • Maggie O’Farrell „Judith und Hamnet“: Die gefühlvolle, wehmütige und traurige Geschichte der Familie Shakespeare. Im Zentrum die starke Frau an William’s Seite und der Schmerz der Mutter über den Verlust ihres Kindes. Herzzerreißend!
  • Ewald Arenz „Alte Sorten“: Ein stilles, intensives und eindringliches Buch, das lange nachhallt und ins rechte Bild rückt, was wirklich wichtig ist im Leben. Lebensweise, klug und ein Roman für alle Sinne! Ein wahrer Lesegenuss!
  • Volker Kutscher „Olympia“: Sehnsüchtig erwartet und die Erwartung mehr als übertroffen hat dieser achte Band der Gereon Rath-Reihe. Spannender Kriminalfall, gut recherchierter geschichtlicher Hintergrund und Figuren, die bereits ans Herz gewachsen sind – eine unwiderstehliche Kombination!
  • Reinhard Kuhnert „Abgang ist allerwärts“: Zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit ein autobiographisch geprägtes, eindringliches Zeitzeugnis über ein Künstlerleben in der Deutschen Demokratischen Republik.
  • Jacky Durand „Die Rezepte meines Vaters“: Ein Roman über Väter und Söhne und die Leidenschaft fürs Kochen und die Gastronomie. Liebenswürdig und mit viel Gefühl! Kulinarisch und literarisch genau mein Geschmack!
  • Ursula März „Tante Martl“: Eine starke, humorvolle und liebenswürdige Frau im Mittelpunkt und eine Nichte, die sprachlich gekonnt und mit viel Herz und Witz dem Leben ihrer Patentante ein literarisches Denkmal setzt. Kleines Buch ganz groß!

Mein Leben verändert und bereichert im abgelaufenen Jahr hat die Entscheidung, diesen Blog – meine Kulturbowle – zu starten. Am 14. August 2020 – vor gerade mal viereinhalb Monaten – habe ich meinen ersten Beitrag veröffentlicht „Auf zu neuen Ufern“ und seitdem habe ich viel Freude daran gehabt zu lesen, zu schreiben, zu gestalten, kreativ zu sein und vor allem habe ich mich riesig über die positiven Rückmeldungen meiner Leser gefreut. Diese motivieren und spornen mich an, in meinem ersten vollständigen „Blogger-Jahr“ 2021 meine Bowle weiter zu entwickeln, meine Freude an kulturellen und literarischen Erlebnissen mit Euch zu teilen und mich mit Euch auszutauschen.

Gaumen-Highlight 2020 (Essen):
Kulinarisch war dieses Jahr 2020 geprägt von viel Zeit und Gelegenheit, zu Hause selbst zu kochen. Eines der Lieblingsgerichte in diesem Jahr, das ich neu entdeckt und ins Küchenrepertoire aufgenommen habe, sind die römischen „Pasta cacio e pepe“, weil diese so herrlich einfach, alltagstauglich und doch wohlschmeckend sind. Ein schönes Rezept hierzu gibt es zum Beispiel bei „Ein Nudelsieb bloggt“.
Seit kurzem habe ich aber auch noch die Verfeinerung à la Yotam Ottolenghi (aus dem Kochbuch „Flavour“) getestet und für gut befunden, der zusätzlich zum Pfeffer noch Zatar verwendet.

Gaumen-Highlight 2020 (Trinken):
Mein neu entdeckter Lieblingswein im vergangenen Jahr wurde ein trockener 2019er Muskateller aus dem österreichischen Kamptal. Eine Rebsorte, die mir aufgrund der besonderen Aromatik – vor allem im Sommer – irgendwie besonders zugesagt hat.

Musikalisches in 2020:
Das große Beethoven-Jahr ist – wie so vieles in 2020 – viel kleiner, stiller und ruhiger ausgefallen, als es ursprünglich geplant war. Vielleicht wird es aber auch noch in 2021 ausstrahlen – in Kürze werde ich Euch hier im Blog einen musikalischen Buchtip dazu vorstellen.

***

Aber nach all der Rückschau, will ich vor allem auch Vorfreude spüren und wecken, denn ein frisches, neues Jahr hat begonnen, das gelebt und mit Leben gefüllt werden will. Mit schönen Erlebnissen (hoffentlich auch zu gegebener Zeit wieder in Theatern, Opernhäusern und bei Konzerten), mit Spaziergängen in der Natur, mit Begegnungen, feinen kulinarischen Genüssen und mit guten Büchern.

Dies kann und soll keine umfassende Vorausschau auf das Lesejahr werden, sondern ich habe lediglich exemplarisch ein paar wenige Titel ausgewählt, die derzeit (neben vielen anderen) auf meiner Wunschliste für das neue Jahr stehen und denen ich bereits jetzt mit großer Neugier entgegen sehe (beim Klick auf den Titel gelangt man zur Seite des jeweiligen Verlags). Darüber hinaus ist mein Regal noch gut gefüllt mit bereits Erschienenem und vielen Regalschlummerern, die auf den richtigen Zeitpunkt warten, gelesen zu werden und zudem möchte ich mich auch immer noch spontan inspirieren und verführen lassen.

Zum Weiterlesen – worauf ich mich in 2021 literarisch freue oder
„Sieben auf einen Streich“:

  • Julian Barnes „Der Mann im roten Rock“: „Der Lärm der Zeit“ ist für mich unvergessen und ich freue mich auf den neuen Roman des Briten, der den Leser ins Paris der Belle Époque mitnehmen wird.
  • Tove Ditlevsen „Kindheit“: Als großer Kopenhagen-Fan bin ich sehr gespannt auf den ersten Teil der Trilogie der bereits verstorbenen dänischen Autorin, welche in den 1920er Jahren beginnt und jetzt in deutscher Übersetzung erscheint.
  • Christian Schalke „Die Fälscherin von Venedig“: Bereits sein erster historischer Roman „Römisches Fieber“ konnte mich überzeugen und daher steht auch sein zweiter Roman weit oben auf meiner Wunschliste.
  • Ewald Arenz „Der grosse Sommer“: Mit „Alte Sorten“ hat sich der Franke im vergangenen Jahr in mein Leserherz geschrieben, daher freue ich mich um so mehr, dass es bald einen neuen Roman von ihm geben wird.
  • Steffen Kopetzky „Monschau“: Die Vorschau dieses Romans „im Ausnahmezustand“ liest sich ungemein fesselnd und schillernd – meine Neugier ist geweckt und ich werde mich ins Wirtschaftswunderjahr 1962 und in die Eifel begeben.
  • Sigrid Undset „Kristin Lavranstochter. Der Kranz“: Der Kröner Verlag bringt 2021 eine Neuübersetzung (durch Gabriele Haefs) des nobelpreisgekrönten Werks der Norwegerin heraus – für mich ein willkommener Anlass, mich wieder einmal mit einem Klassiker der Weltliteratur zu beschäftigen.
  • Robert Hültner „Lazare und die Spuren des Todes“: Da auch ein guter Krimi nicht fehlen darf und ich Hültner bereits seit vielen Jahren und aufgrund der Inspektor Kajetan-Reihe sehr schätze, wandert auch der zweite Band um Kommissar Lazare, der in Südfrankreich ermittelt, auf die Leseliste 2021.

Noch vieles ließe sich ergänzen, die Liste beliebig verlängern, denn die Verlage haben viel Schönes und Spannendes für 2021 in Aussicht gestellt und ich freue mich auf ein vielseitiges, kurzweiliges und schönes Lesejahr mit großartigen Autorinnen und Autoren, faszinierenden Büchern und unvergesslichen Lesemomenten.
Bleiben wir also gesund, positiv und zuversichtlich und freuen uns auf 2021!

„Bedenke, ein Stück des Weges liegt hinter dir, ein anderes Stück hast du noch vor dir. Wenn du verweilst, dann nur, um dich zu stärken, aber nicht um aufzugeben.“

(Augustinus von Hippo – 354-430 n. Chr.)

12 Gedanken zu “Neujahrsbowle 2021 – Nachspüren und Vorfreuen

  1. Auf den neuen Roman von Ewald Arenz freue ich mich schon sehr. Aus lokalpatriotischen Gründen, aber natürlich auch, weil „Alte Sorten“ wirklich ein wunderbares Buch ist.

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    • Vielen lieben Dank! Das Kompliment gebe ich gerne zurück – auch Arcimboldis World verfolge ich stets mit großer Neugier und freue mich, dass ich dort auch stets über die Themen lese, die mir ebenfalls am Herzen liegen: Bücher, Kultur (vor allem auch Oper) und gutes Essen. Die besten Neujahrsgrüße nach Zürich und ein gesundes, neues Jahr 2021 (mit hoffentlich irgendwann auch wieder mehr kulturellen Live-Erlebnissen)! Barbara

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    • Dankeschön! Ich bin sehr gespannt, was das neue Blog-Jahr für meine Kulturbowle bringen wird, aber ich freue mich schon jetzt, dass ich auf diesem Weg (zumindest) virtuell und digital in Dialog mit wunderbaren, gleichgesinnten Büchermenschen und Kulturfreunden treten konnte und kann. Ein gesundes, neues Jahr 2021 und herzliche Grüße!

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    • Liebe Nicole! Das wünsche ich Dir auch – und was Deine Bücherwunschliste angeht: ich werde mir Mühe geben. Oder um mit „Dinner for one“ zu sprechen (Silvester ist ja noch gar nicht so lange her): „I’ll do my very best!“ 🙂

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