Aprilbowle 2026 – Karfreitagszauber und Champagnerluft

Spät kommt sie, aber immerhin kommt sie: meine Aprilbowle – auch wenn mittlerweile der Mai schon fast wieder vorbeigerauscht ist.
April war für mich ein Monat und eine Zeit, in dem vieles anders und besonders war. Und auch der Monat, in dem man dem Frühling beim Aufblühen zuschauen konnte. Vielleicht können die Fotoimpressionen ein wenig vom Bergfrühling und der Champagnerluft im bayerischen Oberland vermitteln, die ich genießen durfte.

Auch wenn die Ruhe und Muße zum Schreiben fehlte und andere Dinge im Vordergrund standen, habe ich dennoch gelesen – viel sogar.
Und ich war im „Parsifal“ im Landshuter Theaterzelt, der bei mir auch noch am Karsamstag einen musikalischen Karfreitagszauber entfaltet hat.

Ja, selbst ins Kino habe ich diesen Monat (ungewöhnlicherweise) zweimal geschafft – in zwei Filme, die mich beide begeistert und auch sehr berührt haben. Senta Berger konnte meine stark ausgeprägte Grundskepsis gegenüber Literaturverfilmungen von mir geliebter Bücher in „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ durch ihre grandiose Schauspielkunst hinwegfegen und auch im zweiten Film hat mich eine großartige Frau nachhaltig beeindruckt: „Siri Hustvedt – Dance Around the Self“. Große Empfehlung!
Als kleinen Service verlinke ich hier auch gerne noch die Film-Besprechungen zur „Lücke“ und zu „Siri Hustvedt“ bei Frau Heming ist unterwegs – Blog, die mich kinotechnisch stets so wunderbar auf dem Laufenden hält.

Da ich blogtechnisch ohnehin zeitlich etwas hinterher hänge, werde ich mich bei den Ausführungen zu meinen Lektüren dieses Mal wirklich kurz fassen. Doch es war auch im April viel Schönes dabei, so dass ich schon aus Gründen der Vollständigkeit bzw. zu dokumentarischen Zwecken natürlich noch hier darüber berichten möchte. Denn es ging literarisch sowohl lustig, kurzweilig, aber auch nachdenklich und philosophisch zu:

Kurzweilig war auf jeden Fall der Cosy Krimi von Robert Thorogood „Mrs. Potts’ Mordclub und der tote Nachbar“ (der Auftakt einer mittlerweile mehrbändigen Reihe), der sich entspannt und locker mal zwischendurch so einfach weglesen lässt.

Als ich vor längerer Zeit Joachim Meyerhoffs vierten Band („Die Zweisamkeit des Einzelgängers“) gelesen habe, ist Sylvia Plaths „The bell jar“ wieder mal auf meiner Leseliste gelandet. Diesen Monat habe ich es dann auch endlich im englischen Original gelesen – und bin wie so viele andere vor mir natürlich ebenfalls beim Feigenbaumzitat hängen geblieben:

I saw my life branching out before me like the green fig tree in the story. From the tip of every branch, like a fat purple fig, a wonderful future beckoned and winked. One fig was a husband and a happy home and children, and another fig was a famous poet and another fig was a brilliant professor, (…) I saw myself sitting in the crotch of this fig tree, starving to death, just because I couldn’t make up my mind which of the figs I would choose. I wanted each and every one of them, but choosing one meant losing all the rest, and, as I sat there, unable to decide, the figs began to wrinkle and go black, and, one by one, they plopped to the ground at my feet.“

(Sylvia Plath „The bell jar“, S.73)

Ludwig Thoma ging für eine kurze Zeit in meiner Heimatstadt Landshut zur Schule und seine Theaterstücke, aber auch die Lausbuben-Filme begleiten mich schon lange. Daher war es an der Zeit auch mal ein wenig tiefer in seine Biografie einzutauchen mit Gertrud Maria Röschs „Ludwig Thoma – Der zornige Literat“.

Märchenhaft – vor allem auch aufgrund der wie immer zauberhaften Illustrationen von Kat Menschik wurde es mit dem schmalen Märchenbändchen aus der Lieblingsbücher-Reihe „Die Puppe im Grase – Norwegische Märchen“ von Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe.

Eine sichere Bank für entspannte, schnell verfliegende Lesestunden ist bei mir auch immer ein Maigret. So auch wieder geschehen mit Georges Simenons „Maigrets Memoiren“, der aber kein klassischer Maigret-Krimi ist, sondern ausnahmsweise Maigret selbst aus seinem Leben erzählen lässt.

Besondere Zeiten erfordern besondere Lektüren und ein Joachim Meyerhoff geht bei mir immer – so auch „Hamster im hinteren Stromgebiet“, in welchem er über seinen Schlaganfall und die Zeit im Krankenhaus, aber auch über Reiseerlebnisse und sein Leben im allgemeinen erzählt.

Durch Barbara Bleischs „Mitte des Lebens“ habe ich mich philosophisch dem Thema der Lebensmitte genähert, interessante Denkanstöße und auch wieder Inspiration für weitere Lektüren bekommen.

Passend zum Eindruck des Bad Tölzer Sommerhäuschens der Manns, gab es wieder mal eine Thomas Mann-Lektüre und zwar die neue, schön illustrierte Ausgabe aus der Insel-Bücherei von „Unordnung und frühes Leid“.

Kur- und Badeflair im Bad Nauheimer Hotel ‚Rastender Kranich‘ verbreitete der augenzwinkernde Roman „Einstein im Bade“ von Daniel Mellem.
Ausführliche und aufschlussreiche Besprechungen gibt es untera anderem bei Buchbube und Kultursalon.

Regional perfekt passend waren vor allem die nächsten beiden Bücher:
Zum einen Sandra Altmanns Roman „Triebwasser“, der am Ende des ersten Weltkriegs und während der Bauarbeiten zum Walchensee-Kraftwerk spielt – ein ganzes Dorf wird durch das Projekt gespalten.
Wer mehr wissen möchte, findet eine schöne Besprechung beim Buchuhu.

Zum anderen Elisabeth Sandmanns opulenter Familienroman „Porträt auf grüner Wandfarbe“, der von starken Frauen zwischen Bad Tölz, Schloss Elmau, Ostpreußen, London, Oxford und Berlin erzählt und einen weiten, generationsübergreifenden Bogen vom ersten Weltkrieg bis in die heutige Zeit spannt.

Und auch einen von Arnim-Doppelpack, der unterschiedlicher nicht hätte sein können, habe ich noch gelesen:
Gabriele von Arnims Buch „Das Leben ist ein vorübergehender Zustand“, in welchem sie eindrucksvoll und bewegend über die Jahre erzählt, in welchen sie ihren Ehemann zu Hause gepflegt hat.

Wir erzählen uns Geschichten, um zu leben. Wir brauchen Geschichten, um das Leben zu verstehen. Vielleicht ist ja auch das, was ich Dir erzählen soll, eine Geschichte. Erzähl es, hast Du gesagt, erzähl, wie es war und was es gemacht hat mit euch, was es gemacht hat mit dir.

(aus Gabriele von Arnim „Das Leben ist ein vorübergehender Zustand“, S.30)

Und – schon allein wegen des monatlich passenden Titels – den Reise- und Urlaubsroman von Elizabeth von Arnim „Verzauberter April“ aus dem Jahr 1922, der vier Damen aus London auf eine abenteuerliche und stimmungsvolle Reise in einen italienischen Palazzo am Meer führt – Liebeswirren inbegriffen.

Sie wünschte sich von diesen Ferien ein Wegkommen von allem Bisherigen, sie wünschte sich Erholung durch völligen Kontrast.“

(aus Elizabeth von Arnim „Verzauberter April“, S.82)

Und auch zwei literarische Reisen nach Triest standen für mich noch an – mit dem neuesten Band der Zabini-Reihe von Günter Neuwirth „Reigen in Triest“, in welchem er – gleich einer Hommage an große Literaten – neue Wege beschritten hat und das ich bald noch ausführlicher hier auf der Bowle vorstellen werde.

Und auch mit Marco Balzanos Roman „Bambino“, der eine tragische Geschichte erzählt und das sehr dunkle Kapitel des Faschismus in Triest aufschlägt.

Noch spät am Abend stiegen Rauchsäulen wie von einem Heerlager auf. Die Flammen der Bibliothek brannten noch heftiger als zuvor.
Mit den Büchern verbrennen auch die Hoffnungen“, sagte ein alter Mann im Dialekt, der den Platz überquerte.“

(aus Marco Balzano „Bambino“, S.41)

Was bringt der Mai?

Im Theater gibt es für mich Mozart im Mai, und zwar den unsterblichen Opern-Klassiker „Così fan tutte“ im Landestheater Niederbayern.

Für meinen Lesekreis steht Philip Roth „Der menschliche Makel“ auf dem Programm.

Und da der Mai ja schon fast rum ist, wenn dieser Beitrag erscheint, wünsche ich jetzt einfach allen zumindest noch eine schönen letzte Maiwoche und frohe Pfingsttage!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight April:
Zum ersten Mal verkostet habe ich eine Bayrisch Creme-Torte – eine kulinarische Premiere.

Musikalisches im April:
Musikalisch stand der April und vor allem der Karfreitag bei mir ganz im Zeichen von Gabriel Faurés Requiem – himmlische, sphärische Musik, die sich mir tief ins Herz geprägt hat.

Neu kennengelernt habe ich im April auch eine liebenswerte, aus England stammende Volksweisheit, und zwar, dass der Frühling angekommen ist, sobald man seinen Fuß auf sieben Gänseblümchen stellen kann:

Spring had arrived when you could put your foot on seven, or in some places nine, daisies – the number could very even between neighbours“

(Quelle: Plant-Lore bzw. Wicken, Cambridgeshire, April 1993)

8 Kommentare zu „Aprilbowle 2026 – Karfreitagszauber und Champagnerluft

  1. Es freut mich sehr zu hören, dass Du Zeit in Bad Tölz und im schönen Oberland verbracht hast! Ebenso, dass Du passend dazu „Triebwasser“ gelesen hast. Und vielen Dank fürs Verlinken!

    Gefällt 1 Person

    1. Ich habe zu danken, denn den Tipp bezüglich „Triebwasser“ habe ich schließlich Dir zu verdanken und das hat wirklich sehr gut gepasst! Sonnige Grüße und ein schönes Pfingstwochenende!

      Gefällt 1 Person

  2. Oh, die Gänseblümchen in großer Zahl gab es hier schon sehr früh 😅 „Verzauberter April“ ist wunderbar, (ich mochte auch die Verfilmung damals). Bei französischen Krimis bin ich eher der Leo Malet Typ. Das Märchenbuch hab ich mir mal notiert. Deine wunderbaren Fotos sind einfach nur zum dahin träumen. Ich hoffe, Du kannst Pfingsten entspannen. Mit lieben Grüßen und auf einen schönen MaiJuni.
    Nina

    Gefällt 1 Person

    1. Dankeschön, Nina. Von Leo Malet habe ich bisher tatsächlich noch nichts gelesen. Da habe ich wohl eine Lücke zu schließen. Hast Du da eine Einstiegsempfehlung?
      Ich hoffe jetzt auch auf ein ruhiges, langes Pfingstwochenende – hier in Niederbayern ist bereits der Sommer ausgebrochen und die Biergartensaison hat begonnen. ☀️
      Herzliche Grüße und schöne Pfingsttage auch für Dich! Barbara

      Like

    1. Ja, der April war in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich.
      Und die Verlinkung war mir eine Freude bzw. ein Anliegen.
      Sonnige Grüße und ein schönes Pfingstfest!
      Barbara

      Like

Hinterlasse einen Kommentar