Tizians Venus

Lea Singer ist eine Autorin, die mich bereits seit längerem begleitet und deren Bücher über Künstler – Musiker, Dichter oder Maler – mich immer begeistern und faszinieren. Auch der neueste Roman „La Fenice“ ist wieder ein literarisches Glanzlicht, das ich mit großem Interesse gelesen und als sehr bereichernd empfunden habe.

Angela del Moro – auch genannt „La Zaffetta“ oder die Tochter des Spitzels – weiß schon früh, dass sie sich nicht in das übliche Schicksal einer venezianischen Frau als Gattin, Mutter und Untergebene des Mannes fügen will. Sie will sich lösen vom Elternhaus und ihr Ziel ist es, frei und unabhängig zu sein. Sie möchte ihr eigenes Geld verdienen, unverheiratet bleiben und als Weg dorthin wählt sie es, eine Kurtisane zu werden. Bereits mit 16 Jahren lässt sie sich von „Mentor“ Aretino ausbilden, denn auch die käufliche Liebe im Venedig des 16. Jahrhunderts ist ein hart umkämpftes Geschäft und nur gebildete, gepflegte und schöne, junge Damen verdienen gutes Geld mit der gehobenen, reichen und oft adeligen Kundschaft. Sie zählt schnell zu den Gefragtesten in ihrem Metier, allerdings begeht sie dann einen verhängnisvollen Fehler: sie lehnt einen sehr einflussreichen und mächtigen Mann ab, stößt ihn vor den Kopf und zieht seine unerbittliche Rache auf sich.

Er lässt sie auf einer abgelegenen Insel vor den Toren Venedigs brutal vergewaltigen – ein sogenannter „Trentuno“, d.h. eine Massenvergewaltigung durch 31 Männer, die sie nur knapp und schwer verletzt überlebt. Diese rohe, überbordende Gewalt und der darauf folgende Rufmord, der ihr jegliche Basis entzieht, bringen sie an den Abgrund ihrer Existenz.

„Der Phönix steigt aus seiner eigenen Asche empor. Und in unserer Sprache, sagte Aretino, ist der Vogel Phönix bekanntlich weiblich.“

(S.183)

Doch wie ein Phönix erarbeitet sie sich Schritt für Schritt ihre eigene Wiederauferstehung und erkämpft sich ihr Leben und ihre Würde zurück.
Mit 23 Jahren wird sie zum Modell des berühmten und erfolgreichen Malers Tizian und wird seine „Venus von Urbino“ – dem bekannten Gemälde, das heute zu den Höhepunkten in den Florenzer Uffizien zählt. Und das Leben voller Höhen und Tiefen hält noch eine wahrhaftige Liebe als Überraschung für sie bereit.

„Dem Sänger, der bei einem Begräbnis singt, dürfen nicht die Tränen kommen, ein Narr, der für seine Späße bezahlt wird, darf nie über sich selber lachen. Eine verliebte Käufliche wurde unverkäuflich.“

(S.226)

Ich schätze die sinnliche und atmosphärische Art zu Schreiben, die Lea Singer auch in „La Fenice“ wieder eindrucksvoll unter Beweis stellt, außerordentlich. Die Düfte, die Geschmäcker, die Geräusche Venedigs sind so lebendig geschildert, dass man sich selbst fröstelnd in der nebligen Lagunenstadt wiederzufinden scheint. Ein pralles Bild der Serenissima in der Zeit der Renaissance, das die Lektüre erleben lässt – auch in aller Brutalität und Dunkelheit, denn gerade für Frauen oder Außenseiter der Gesellschaft war diese Zeit auch geprägt von Unterdrückung, Willkür und unmenschlicher Gewalt. Singer beschreibt das düster, sehr realistisch und drastisch – da muss man schon mehr als einmal schlucken und kann erleichtert sein, als Frau im Heute leben zu dürfen.

Der Kampa Verlag hat für „La Fenice“ eine puristisch-edle und sehr elegante, schlichte Aufmachung in Leinenbindung gewählt, die sehr schön anzusehen ist und das Herz eines bibliophilen Lesers höher schlagen lässt. Auch durch diese sehr gelungene Optik und Haptik ist es eine Freude, das Buch zur Hand zu nehmen.

Singer’s Romane sind stets unterhaltsam und spannend zu lesen, aber vermitteln zugleich auch immer geschichtliche Hintergründe und fundiertes Wissen über Epochen und Lebensläufe von berühmten Künstlern. Für mich ist das eine perfekte Kombination und macht ihre Bücher so attraktiv – lesend unterhalten werden und auch gleichzeitig noch etwas Neues lernen. Leserherz, was willst Du mehr?

Ein informatives, intelligentes, inspirierendes und großartig recherchiertes Buch, das man mit großer Neugier und Wissbegier nur allzu schnell verschlingt und das zugleich emotional bewegt und berührt. Eine klare Leseempfehlung für alle, die sich für Kunst, Geschichte und die italienische Renaissance interessieren.

Buchinformation:
Lea Singer, La Fenice
Kampa
ISBN: 978 3 311 10027 0

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich „La Fenice“:

Für den Gaumen:
Im Buch neu begegnet sind mir die Castraure, die ich bisher noch nicht selbst probieren konnte, was ich aber gedenke nachzuholen, sobald sich die Gelegenheit einmal bieten sollte. Castraure sind die jungen, ersten, lilafarbenen Knospen der Artischocken, die zurückgeschnitten werden, um den Ertrag der Pflanzen zu optimieren und wohl zart bitter schmecken. Die venezianische Gemüseinsel Sant’ Erasmo ist bekannt dafür.

Zum Weiterschauen:
Auch wenn die Uffizien derzeit pandemiebedingt geschlossen haben, lohnt sich ein Besuch der Website, um sich Tizians „Venus von Urbino“ anzusehen. Ich hatte vor einiger Zeit das große Vergnügen, das Gemälde in Florenz „live“ zu sehen und von einem hervorragenden Kunsthistoriker erklärt zu bekommen. Ein unvergessliches Erlebnis und für mich auch ein weiterer Grund, Lea Singer’s Buch sofort lesen zu wollen, als ich davon erfahren habe.

Zum Weiterlesen:
Ein Buch, das ich allen, die gerne über Venedig, aber vor allem auch gerne etwas über Künstler, Musiker und Komponisten lesen – so wie ich – empfehlen kann, ist Peter Schneiders „Vivaldi und seine Töchter“. Im barocken Venedig arbeitete der „prete rosso“ an einem Waisenhaus und förderte musikalisch begabte Mädchen. Ein spannendes Kapital aus Vivaldi’s Leben und zugleich sehr gut erzählt.

Peter Schneider, Vivaldi und seine Töchter
Kiepenheuer&Witsch
ISBN: 978-3-462-05229-9

Nomen est omen – Malvita

Irene Diwiak, die junge österreichische Autorin (Jahrgang 1991), legt mit „Malvita“ ihren zweiten Roman vor und nimmt den Leser nicht nur mit auf eine Reise in die Toskana, sondern auch in die düstere Welt menschlicher Abgründe.

Das farbenfrohe, stimmungsvolle Umschlagbild mit den leuchtend roten Mohnblumen – dem „papavero“, der so typisch ist für die Toskana – mag so manchen Leser auf eine falsche Fährte locken, denn hinter dem Buchdeckel verbirgt sich kein „Wohlfühl-Italien-Urlaubs-Roman“, sondern ein dunkles und abgründiges Familiendrama, das fortschreitend immer mehr die Züge eines Thrillers annimmt.

Aber der Reihe nach: Worum geht es in „Malvita“?
Christina, Anfang Zwanzig, aus einfachen Verhältnissen stammend, die ihren Platz ihm Leben noch nicht gefunden hat und gerade unter Liebeskummer leidet, reist mit dem Zug in die Toskana. Die Schwester ihrer Mutter – Tante Ada – lebt dort mit ihrer Familie, welche Christina jedoch bisher noch nicht kennenlernen konnte, und hat sie kurzfristig als Fotografin für die Hochzeit ihrer Tochter Marietta engagiert. Denn die ursprünglich verpflichtete Fotografin ist verhindert. Eine Reise in die Toskana mit zusätzlichem Honorar fürs Fotografieren und eine Weile dem Liebesleid zu entfliehen, kommt der jungen Frau zunächst nicht ungelegen.

In „Malvita“ angekommen – der Ort heißt übersetzt tatsächlich „schlechtes Leben“ bzw. das italienische Wort „malavita“ bedeutet Unterwelt – staunt Christina anfangs nicht schlecht über den großen Reichtum der Familie und das hochherrschaftliche Anwesen, das einem Schloss gleicht und in dem sie sich ohne fremde Hilfe verlaufen würde. Sie fühlt sich wie ein Eindringling und Außenseiter in dieser Welt der Reichen und Schönen (die Frauen der Familie sehen aus wie Models) und schon ihre Unterbringung im Dienstbotentrakt macht ihr deutlich, dass sie mehr als Bedienstete denn als Familienmitglied angesehen und behandelt wird.

Sie erkundet Haus und Umgebung – stets kritisch beäugt und überwacht von Personal und Verwandtschaft – und lernt unter anderem auch Jordie kennen, den verzärtelten und überbehüteten Sohn der Familie. Als die beiden bei einer gemeinsamen Cabrio-Spritztour plötzlich im Bach eine Leiche finden und diese sich als die verschwundene, ursprünglich vorgesehene Fotografin Blanca entpuppt, überschlagen sich die Ereignisse. Für Christina ist es vorbei mit dem ungetrübten Urlaubsgenuss in der sonnigen Toskana. Der Aufenthalt verwandelt sich mehr und mehr in einen Alptraum und sie stößt auf menschliche Abgründe, eine verkorkste Familie und dunkle Geheimnisse, die sie sich vorher niemals hätte ausmalen können.

„Malvita“ hat mich ebenso überrascht und ein wenig überrumpelt, wie die Hauptfigur im Roman, denn auch ich hatte vor der Lektüre keine genaue Vorstellung, was mich erwartet. Eine Reise ins Ungewisse, aber vor allem auch in die wunderbare Landschaft der Toskana. Sprachlich und atmosphärisch hat mich auch dieser zweite Roman von Irene Diwiak definitiv überzeugt. Das ist flüssig-süffig zu lesen und man taucht schnell in die Geschichte ein.

Lediglich im letzten Drittel wurde mir die Handlung dann stellenweise etwas zu schräg und abgedreht und ich habe festgestellt, dass ich den drastischen und überzeichneten Plot zunehmend eher als bitterböse Satire gelesen und wahrgenommen habe. Fast als ob Diwiak das Genre der psychologischen Thriller, die sich ja einer breiten Leserschaft erfreuen, durch grotesk übertriebene Überspitzung ein wenig auf die Schippe nehmen möchte.

Stark fand ich hingegen die Bezüge zur Unterwelt und auch zur Kunst Artemisia Gentileschi’s, die sich die Hauptfigur des Romans in den Uffizien in Florenz ansieht und von welchen eine dunkle Faszination ausgeht.

„Das ist einfach so“, sagte sie, „Frauen werden vergessen, wenn sie sterben. Manchmal auch davor.“

(S.134)

„Malvita“ ist ein Roman über eine Familie am Abgrund und vor allem über starke und rachsüchtige Frauen. Verglichen mit ihrem Debütroman „Liebwies“ hat sich Diwiak zeitlich und räumlich auf völlig anderes Terrain begeben und – wie ich finde – gut daran getan. Denn so steht „Malvita“ für sich selbst und hat – bis auf den verbindenden ironischen Tonfall und die Stilistik – einen völlig eigenen Charakter bekommen.

Ich habe versucht, mit der Lektüre den Sommer noch ein klein wenig zu verlängern und gedanklich in die Toskana zu reisen, was definitiv gelungen ist. Und so bleibe ich abschließend – trotz der gegen Ende etwas unglaubwürdigen und überzogenen Handlung – insgesamt versöhnt und zufrieden zurück.

Buchinformation:
Irene Diwiak, Malvita
Zsolnay
ISBN: 978-3-552-05977-1

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich „Malvita“:

Für den Gaumen:
Zu diesem Buch passt natürlich ein Glas schöner, runder Rotwein aus der Toskana, z.B. ein wunderbarer „Morellino di Scansano“.

Zum Weiterhören:
Toskana – das ist Gianna Nannini, die in Siena geboren ist und das musikalische Aushängeschild der italienischen Urlaubsregion darstellt. Die markante, verrauchte Stimme und vor allem ihr Song „Meravigliosa creatura“ passen für mich mit dem etwas schwebenden und mystischen Sound wunderbar zu diesem Buch.

Zum Weiterschauen:
Artemisia Gentileschi, eine herausragende Persönlichkeit und eine der wenigen Frauen, die in der Barockzeit (17. Jahrhundert) als Malerin gearbeitet haben und heute noch bekannt sind, spielt im Buch eine Rolle. Die düsteren, teils blutrünstigen Bilder der Künstlerin fügen sich sehr stimmig in die dunkle Atmosphäre von Diwiaks Roman ein und mögen der Autorin auch als Inspiration gedient haben. Denn auch die wahre Biographie der Malerin liest sich wie ein Krimi.
Eins der berühmtesten Bilder Gentileschi’s „Judith und Holofernes“ hängt in den Uffizien in Florenz. Aktuell widmet die National Gallery of Art in London Artemisia Gentileschi bis Mitte Januar 2021 eine eigene Ausstellung: „Artemisia“. Da Reisen gerade schwierig ist, lohnt sich zumindest ein Blick auf die Website des Museums: https://www.nationalgallery.org.uk.

Zum Weiterlesen:
Hätte ich nicht bereits Diwiaks Debütroman „Liebwies“ gelesen, wäre ich vermutlich nicht auf „Malvita“ aufmerksam geworden. Auch der Erstling der jungen österreichischen Autorin war bereits bitterböse und zynisch und erzählt von einer Sängerin, die im Wien der Zwanziger Jahre Erfolge feiert ohne singen zu können.

Irene Diwiak, Liebwies
Diogenes
ISBN: 978-3-257-24441-0

Margherita – Venedigs First Lady

Jana Revedin hat in ihrem Roman „Margherita“ der Großmutter ihres Mannes ein literarisches Denkmal gesetzt und den Lesern ein atmosphärisches, interessantes und anregendes Buch geschenkt. Wer Italien, Venedig, Kunst und Kultur liebt und sich für Zeitgeschichte interessiert, wird große Freude an der Lektüre haben.

Wir begegnen der jungen Margherita – einer einfachen Zeitungsverkäuferin, die jedoch eine gute Schulbildung genießen konnte – am Neujahrstag des Jahres 1920, also ziemlich genau vor 100 Jahren. Es beginnen die Zwanziger Jahre, so wie jetzt auch für uns wieder Zwanziger Jahre anbrechen. Damals ist gerade ein Weltkrieg und die schreckliche Welle der spanischen Grippe zu Ende gegangen. Margherita lebt in Treviso – einer Stadt im Veneto – mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern in einer einfachen Unterkunft, die einem Kloster angegliedert ist. Der Vater hat die Familie schon vor langer Zeit im Stich gelassen und die vier Damen haben sich mit dem von ihm hinterlassenen Zeitungsladen und den Schneiderarbeiten der Mutter eine eigene Existenz aufgebaut. Margherita, die Mittlere der Schwestern, liebt es, morgens die Zeitungen zu studieren und sich dann gepflegt und gewitzt mit ihren Kunden darüber auszutauschen. Einer dieser Kunden ist der adelige Conte Revedin – der Erbe einer trevisianischen Dynastie, dem das Schicksal Eltern und Geschwister genommen hat. Er genießt die Konversation mit Margherita, mit der er sich fundiert über Tagespolitik, Kunst und Kultur unterhalten kann und die ihm als frischer Wind aus dem Volk in der verkrusteten, konservativen Welt des italienischen Hochadels einfach „gut tut“, wie er es selbst ausdrückt.

Und plötzlich nimmt ein wahres Märchen seinen Lauf, denn der Conte hält um Margheritas Hand an und sie wird hineinkatapultiert in ein Leben voller Kunst, Kultur und Annehmlichkeiten, das sie sich kaum hätte erträumen können. In Paris wird sie während ihrer Verlobungszeit in die hohe Gesellschaft eingeführt und schon bald verkehrt sie mit all den großen Künstlern ihrer Zeit – Giacometti, Poulenc, Coco Chanel, Cole Porter und Pablo Picasso. Sie findet in Eugenia Errázuriz, Jean-Michel Frank und der eigenwilligen und unangepassten Peggy Guggenheim wahre Freunde. Ein aufregendes Leben als „First Lady“ in Venedig beginnt und sie erobert sich an der Seite ihres Mannes einen Platz in der Gesellschaft am venezianischen Lido. Sie erlebt den touristischen Aufschwung Venedigs und trägt ihren Teil dazu bei, dass sich die Lagunenstadt zu einem kulturellen Mittelpunkt Europas entwickelt – als Kurort, Stadt der Biennale und der Künste und als Ort des weltberühmten Filmfestivals. Doch auch dieses Märchen verläuft nicht ohne Schicksalsschläge…

Die Lektüre der 300 Seiten verging für mich wie im Flug und auch wenn der Roman nicht besonders reich an Handlung ist, so habe ich es sehr genossen in diese Zeit, das Flair und den Zauber der „Serenissima“ Venedig einzutauchen. Man wünscht sich regelrecht, bei einem der rauschenden Feste der venezianischen Bohème dabei gewesen zu sein, welche die Autorin so sinnlich beschreibt. All die Anspielungen auf die Künstler, die verschiedenen Kunstrichtungen – von bildender Kunst über Musik und Oper bis zur Architektur – sind genau nach meinem Geschmack und auch die kulinarischen Aspekte kommen nicht zu kurz. Ich fand es spannend, mehr über die schillernde und unabhängige Persönlichkeit von Peggy Guggenheim zu erfahren – auch wenn sie nicht im Zentrum des Buches steht – und ich bin mit einem Füllhorn an Ideen und Inspiration aus der Lektüre herausgegangen, was man noch alles nachlesen, nachhören und weiterrecherchieren könnte. Also ein Buch wie für mich geschrieben, da man viel über Zeitgeschichte und auch die Stadtgeschichte Venedigs erfährt. Lesegenuss, etwas Neues erfahren und Inspiration, was will man mehr?

Explizit erwähnen möchte ich auch noch die wunderschöne Aufmachung des Buches. Der Aufbau Verlag hat hier eine herrliche Ausgabe mit Lesebändchen und einem sehr edel gestalteten Umschlag geschaffen, die man gerne zur Hand nimmt und die zu einem Schmuckstück im Bücherregal wird, welches jedem bibliophilen Leser Freude bereitet.

Der Roman gibt Einblicke in das „Who is who“ des italienischen Hochadels und die Welt der Großindustriellen und wird vor allem kunstsinnigen und zeitgeschichtlich interessierten Lesern gefallen, die sich für geschichtliche Hintergründe und verschiedene Kunstrichtungen interessieren. Wer jedoch nur auf der Suche nach einem einfachen, klassischen Liebesroman unter italienischer Sonne ist, der sollte lieber die Finger davon lassen. Für mich war diese Reise ins schöne Venedig jedoch eine wunderbare, erfrischende Urlaubslektüre, die mich abtauchen ließ ins Gewirr der Gassen und Kanäle und mich zumindest gedanklich einen Tag ans Meer, auf den Markusplatz und an den Strand am Lido entführt hat. Achtung: Fernweh inbegriffen.

Buchinformation:
Jana Revedin, Margherita
Aufbau
ISBN 978-3-351-03830-4

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Welche weiteren sinnlichen Genüsse passen zu „Margherita“:

Für den Gaumen:
Ein Espresso und ein „Veneziano“ (die italienische Variante des „Spritz“) – und falls man danach hungrig sein sollte, ein Teller mit herrlicher italienischer Pasta… denn Pasta macht glücklich.

Für Augen und Ohren – oder für den nächsten Opernbesuch:
Der Roman beginnt mit der Arie „Vissi d’arte“ aus Giacomo Puccinis Oper „Tosca“ – eine der größten, italienischen Opern aller Zeiten. Ein Meisterwerk, das man immer wieder sehen und hören kann, das häufig auf den Spielplänen steht und hoffentlich auch nach der Corona-Pause wieder in den Opernhäusern zu erleben sein wird.

Für weiteren literarischen Genuss:
Wer jetzt Lust auf „mehr Italien“, „mehr Meer“ und „mehr Liebesgeschichte“ bekommen hat, dem lege ich folgenden wunderschönen und stimmungsvollen Roman ans Herzen – ein wahres Fest für die Sinne und wunderbar zu lesen:

Hanns-Josef Ortheil, Die große Liebe
btb
ISBN: 978-3-442-73964-6