Septemberbowle 2022 – Herbsteln und Lichtspiele

Die Kastanien fallen von den Bäumen, der September brachte den lange fehlenden Regen und präsentierte sich eher feucht und kühl. Es herbstelte allerorten. Die Blätter färben sich und man holt die warme Kleidung aus dem Schrank.
Viel Gelegenheit, es sich mit einer Tasse Tee und einem guten Buch gemütlich zu machen und auch das kulturelle Leben hat nach der Sommerpause wieder an Fahrt aufgenommen:

Im Haus der bayerischen Geschichte in Regensburg sind aktuell zwei interessante Sonderausstellungen zu sehen: „Wirtshaussterben? Wirtshausleben!“ widmet sich der bayerischen Wirtshauskultur. Wie ist es um diese Institution bestellt? Eine schön gemachte Ausstellung, welche die Geschichte dieses Kulturguts auffächert und beleuchtet, warum die Zahl der traditionellen bayerischen Gasthäuser seit Jahrzehnten zurück geht und warum es sich doch lohnt, dieses Erbe zu schätzen und zu pflegen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 11.12.2022.

In einem kleineren Bereich ist derzeit die Sonderausstellung „Bavaria und Olympia 1896 – 2022“ zu sehen (12.07.2022 – 15.01.2023), für welche bayerische Spitzensportler ganz besondere Andenken an ihre großen Olympiateilnahmen und -erfolge zur Verfügung gestellt haben: so ist neben Markus Wasmeiers Rennanzug der Goldrennen in Lillehammer, auch das Eishockeytrikot des Landshuter Olympiadritten von 1976 Alois Schloder und ein historischer Bob von Andreas Ostler (Olympiagold 1952) zu sehen.

Im Landshuter Röcklturm konnte ich Anfang September eine schöne Ausstellung der Künstlerin Angela Sobek-Kistner besuchen, die unter dem Motto „LICHT“ stand. Auf der Homepage der Künstlerin besteht die Möglichkeit, sich selbst einen Eindruck über ihr Werk (mit dem Schwerpunkt Aquarelle) zu verschaffen, das häufig mit Lichteinfall und besonderen Lichtstimmungen spielt.

Und auch eine Lesung, die bereits im Frühjahr hätte stattfinden sollen und coronabedingt verschoben wurde, konnte ich jetzt endlich besuchen: Thomas Ecker und Lisa Gusel widmeten sich dem mysteriösen Mehrfachmord auf dem oberbayerischen Einödhof „Hinterkaifeck“ aus dem Jahr 1922, der sich im Frühjahr diesen Jahres zum hundertsten Mal jährte und der auch heute immer noch – man würde jetzt wohl von einem „True Crime“-Klassiker sprechen – Rätsel aufgibt. Abgerundet durch Live-Musik und eine mit Theaterrequisiten liebevoll gestaltete Bühne konnten die Besucher eine außergewöhnliche, szenische Lesung erleben, die hervorragend konzipiert und zugleich hochspannend war und sich dem Mythos „Hinterkaifeck“ aus unterschiedlichen Perspektiven genähert hat.

Und auch im Hinblick auf meine Lektüre war der September ein vielseitiger und abwechslungsreicher Monat: bewegende Lebensgeschichten, stimmungsvolle Romane und literarische Wiederentdeckungen interessanter Autorinnen – da war sehr viel Schönes und Bewegendes dabei.

Bezaubert und blendend unterhalten hat mich Lili Grüns Roman „Zum Theater!“ aus dem Jahr 1935, der die Geschichte der jungen Schauspielerin Loni Holl erzählt, die an einem kleinen Provinztheater ihr erstes Engagement bekommt und dort die Höhen und Tiefen des Theateralltags erlebt. Ein feiner Blick hinter die Kulissen, der mir große Lesefreude bereitet hat.

Eine weitere jüdische Autorin und ein außergewöhnliches Werk, das 1944/45 in einem Amsterdamer Versteck entstand und nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, ist Grete Weils „Der Weg zur Grenze“. Roman und Zeitdokument zugleich: Weil erzählt darin autofiktional über die Machtergreifung der Nationalsozialisten, den Verlust ihres Mannes, der in einem Konzentrationslager ermordet wurde und ihre Flucht aus Deutschland.

Heinz Strunks „Ein Sommer in Niendorf“ war meine allererste Lektüre für einen Lesekreis und ohne diesen Anlass hätte ich den Roman, der auch auf der diesjährigen Longlist des Deutschen Buchpreises stand, wohl nicht gelesen. Ein Buch, mit dem ich persönlich nicht warm geworden bin, das jedoch zweifelsohne genug Stoff für Diskussionen bietet. Eine ausführliche Besprechung findet man zum Beispiel auf Alexander Carmeles Blog Kommunikatives Lesen.

Deutlich mehr Vergnügen hatte ich bei der Lektüre einer Krimi-Wiederentdeckung von Josephine Tey aus dem Jahr 1951: „Alibi für einen König“. Einst von der englischen Crime Writers’ Association zum besten Kriminalroman aller Zeiten gewählt, hat auch mich das ungewöhnliche Setting und die innovative Grundidee des Krimis fasziniert: wer käme schon auf die Idee aus dem Krankenbett heraus ein längst vergangenes Verbrechen zu untersuchen und in Erfahrung zu bringen, ob der legendäre König Richard III. wirklich der Bösewicht war, für den ihn so viele halten?

Eine stimmungsvolle und atmosphärische Zeitreise durfte ich auch mit Uta-Maria Heims neuem Roman „Albleuchten: Eine Herbstreise 1790“ antreten. Sie entführt den Leser auf eine Wanderung über die Schwäbische Alb von Tübingen nach Ulm und zwar mit keinen geringeren Wandergefährten als Hölderlin, Hegel, Schelling, Karoline von Günderrode und dem Theologen und Autoren Friedrich August Köhler. Eine philosophische und geschichtlich hoch interessante Reise, die durch die herbstliche Stimmung perfekt zur aktuellen Jahreszeit gepasst hat.

Ein eindrucksvoller und intensiver Debütroman einer spannenden, neuen Stimme aus Dänemark durfte ich mit Emeli Bergmans „Die andere Seite des Tages“ entdecken. Mit klarer Sprache erzählt sie von Anna, die als Au-pair in Paris in wechselnden Familien nach ihrem Glück sucht und doch stets außen vor und einsam bleibt. Eine eindringliche, tiefgründige Charakterstudie einer jungen Frau, die am Rande der Gesellschaft steht und ihren Platz im Leben noch nicht gefunden hat.

Ich hatte schon länger keine Autobiografie mehr gelesen und bei Gunilla Palmstierna-Weiss’ „Eine europäische Frau“ machte mich zunächst vor allem der Titel neugierig. Die Lektüre entpuppte sich dann als eine interessante Reise durch die schwedische Kultur- und Theatergeschichte, ein faszinierendes Porträt einer starken, vielseitigen Künstlerin und Frau, das zugleich einen Blick erhaschen ließ auf das Leben und Werk ihres Ehemannes und Schriftstellers Peter Weiss. In Kürze werde ich hierzu ausführlicher berichten.

Regelrecht verschlungen habe ich – last but not least – Shelly Kupferbergs „Isidor: Ein jüdisches Leben“. Kupferberg, die als Autorin und Journalistin (u.a. für Deutschlandfunk Kultur) arbeitet, hat ihrem Großonkel Dr. Isidor Geller, ein wunderbares Denkmal gesetzt. Eine jüdische Familienbiografie, die von der Pracht und dem kulturellen Glanz Wiens ebenso erzählt wie Lebensgeschichten der jüdischen Bevölkerung, die durch den Anschluss 1938 ein jähes und oft tödliches Ende fanden.

Was bringt der Oktober?
Für mich einige Theaterbesuche, auf die ich schon sehr neugierig bin und mich sehr freue – so stehen zwei Komödien auf dem Programm des Landestheater Niederbayern: Marc Camolettis Boulevardkomödie „Boeing Boeing“ und worauf ich als Shakespeare-Fan besonders gespannt bin „Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)“. Der Oktober verspricht theatertechnisch amüsant und unterhaltsam zu werden.

Und auch auf eine Lesung mit der von mir sehr geschätzten Kammerschauspielerin Ursula Erb bin ich sehr gespannt: „Ein deutsches Leben“ von Christopher Hampton.

Zudem liegen schon wieder einige Bücher bereit, bei welchen ich kaum erwarten kann sie zu lesen und auch die nächste Lesekreis-Lektüre ist bereits besorgt.

Ich wünsche allen einen schönen, friedlichen Oktober mit guten Büchern und literarischen sowie kulturellen Lichtblicken! Unterstützt die Kreativen und Kulturschaffenden, die es brauchen können und sich nach Publikum sehnen: Also geht ins Theater, ins Konzert oder eine schöne Lesung! Bleibt gesund und passt auf Euch auf!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight September:

Auch kulinarisch wurde der Herbst mit einem ersten Kürbisgericht eingeläutet: einer Kartoffel-Kürbis-Lasagne mit Babyspinat und Champignons. Lasagne ist ein wärmendes, nahrhaftes Essen für die Seele, gerade wenn es draußen nass, dunkel und ungemütlich wird.

Musikalisches im September:
Das Herbert Pixner Projekt hat ein neues Album herausgebracht: „SCHÏAN!“ (im Südtiroler Dialekt das Wort für schön) und es ist auch wirklich schön, zumal sich die Formation – für meinen Geschmack – wieder auf ihre Stärken besinnt und sich wieder natürlicher (mit weniger verzerrenden und E-Effekten) präsentiert als in der letzten Zeit. Es lohnt sich reinzuhören, zum Beispiel in das zauberhafte Stück „Liebele“.

„Das Wetter ist leidlich, es herbstelt. Wolken ziehen vorüber, dazwischen ein Streifen Blau, mal tränt ein Tropfen Regen, mal lacht ein Sonnenstrahl. Ein rasend hingehauchtes Licht.“

(aus Uta-Maria Heim „Albleuchten“ S.221)

Augustbowle 2022 – Dauersonne und Spätsommermuße

Sommersonne satt, leider viel zu wenig Regen für die dürstende Natur und laue Abende zum draußen sitzen – all das war der August. Zudem noch einmal Muße für ausgedehnte Lektüren und Musikgenuss.

Der August war für mich ein Opernmonat:
So gab es auf 3Sat die diesjährige Neuinszenierung von Giacomo Puccini’s „Madame Butterfly“ auf der Bregenzer Seebühne (noch bis zum 13.09.22 in der 3Sat Mediathek verfügbar), die auf einem großen weißen Blatt Papier eindrucksvolle Bilder entstehen ließ.

Hochinteressant und sehr gelungen fand ich auch die Barrie Kosky-Neuinszenierung von Leos Janáceks Oper „Káta Kabanová“ aus der Salzburger Felsenreitschule (noch bis zum 20.09.22 in der 3Sat Mediathek verfügbar) – eine für mich neue Oper, die ich vorher noch nie gesehen oder gehört hatte. Sowohl die Inszenierung aber vor allem auch die Sopranistin Corinne Winters in der Titelrolle haben mich wirklich fasziniert.

Zudem habe ich im August meinen zweiten Bloggeburtstag gefeiert – mit einer herrlichen Melonenbowle. Über Eure Glückwünsche, Kommentare und Likes habe ich mich sehr gefreut. Dankeschön!

Lektüretechnisch war der August wieder sehr ergiebig und vielseitig:
Mit Ilinca Florian’s gefühlvollem Roman „Bleib, solang du willst“ durfte ich eine für mich neue Autorin kennenlernen, die eine sehr berührende Geschichte über zwei Schwestern und auch darüber geschrieben hat, was es bedeutet alleinerziehend zu sein.

Noch einmal an die Ostsee und zu einem interessanten Kapitel der Geschichte entführte mich Karin Kalisa’s Roman „Fischers Frau“. Bisher hatte ich noch nichts über die Pommerschen Fischerteppiche gehört, welche die Fischer ursprünglich während eines Fischereiverbots in den späten Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts vor der Arbeitslosigkeit bewahren sollten und später als Kunsthandwerk fortgeführt wurden. Ein toller Stoff, raffiniert umgesetzt, zudem spannend, aufschlussreich und sehr kurzweilig zu lesen!

Eine große Familiensaga über mehrere Generationen hinweg aus dem österreichischen Mühlviertel erzählt Judith W. Taschler in ihrem Roman „Über Carl reden wir morgen“. Ein richtiger Schmöker, der sich gut liest und ein großes Geschichts- und Familienpanorama auffächert, das vielleicht noch nicht einmal auserzählt ist – für Fans von opulenten Familienromanen eine gute Wahl!

August ist Festspiel- und Krimizeit in Salzburg: Manfred Baumann hat mittlerweile seinen zehnten Band mit Kommissar Merana vorgelegt: „Salzburgrache“ – ein etwas düsterer Jubiläumsfall, der dieses Mal vor allem auf der Festung Hohensalzburg und auf weiteren Burgen in der Umgebung spielt.

Einen weiteren – wenn auch völlig andersartigen – Krimi bekam ich mit Andreas Storm’s Debüt „Das neunte Gemälde“ vor die Lesebrille. Ein temporeicher, vielschichtiger Kunstkrimi nahezu in James Bond-Manier, der den Leser mitnimmt auf einen wilden Ritt zwischen dem besetzten Paris während des zweiten Weltkriegs, dem Bonn der Sechziger Jahre und dem Jahr 2016 auf der Suche nach der wahren Geschichte eines NS-Raubkunst-Gemäldes.

Poetisch, mystisch und rätselhaft – und somit ein unvergessliches und außergewöhnliches Leseerlebnis war für mich Mariette Navarro’s Roman „Über die See. Die Kapitänin eines großen Frachtschiffs gestattet auf offener See ihrer Besatzung von Bord zu gehen, um eine Runde zu schwimmen – ein unerhörter Vorgang, der zur emotionalen Ausnahmesituation wird. Ein Buch fernab des üblichen Mainstreams und daher in meinen Augen besonders interessant.

Und es ging sehr stark weiter mit – wie ich mich schon jetzt beurteilen traue – einem meiner absoluten Leseglanzlichter in diesem Jahr 2022: Annabel Wahba’s Debütroman „Chamäleon“, in welchem die Autorin basierend auf Autobiografischem die Geschichte ihrer ägyptisch-deutschen Familie erzählt. Ein Buch, das mich zutiefst berührt hat, das von der ersten Seite weg bewegt und fasziniert und das man gar nicht mehr weglegen möchte. Die Schwester erzählt am Sterbebett ihres krebskranken Bruders gegen den Tod an – gleich einer modernen Version von Tausendundeine Nacht – und setzt somit ihren Vorfahren, d.h. vor allem den Großeltern und Eltern ein bleibendes Denkmal, schafft eine literarische Erinnerung der Familiengeschichte, die bleiben wird und thematisiert zugleich, was Herkunft, Migration und ein Leben fernab des Geburtslandes bedeutet. Ganz große Leseempfehlung!

Der August war für mich auf jeden Fall ein Monat mit sehr starken Autorinnen, die ich entdecken durfte: So auch die dänische Schriftstellerin Helle Helle mit ihrem Doppelroman „SIE und BOB“, über den ich bald noch näher berichten werde (und zwar hier). Sprachlich hochinteressant und stilistisch außergewöhnlich, erlebt man vermeintlich Alltägliches aus der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, das zwischen den Zeilen doch große Gefühle transportiert. Raffiniert!

Nach „Liebe in Zeiten des Hasses“ oder „Februar 33 – Der Winter der Literatur“ hat mich auch Unda Hörner’s neues Sachbuch „1939 – Exil der Frauen“ sehr fasziniert und in den Bann gezogen. Ein fesselndes, vielschichtiges Kaleidoskop – das in zwölf Kapiteln, die jeweils den Monaten des Jahres 1939 gewidmet sind – vor allem die Lebensschicksale weiblicher Künstlerinnen in den Mittelpunkt stellt. So erfährt man als Leser, wie das dunkle Jahr 1939 die Lebenswege von Frida Kahlo, Else Lasker-Schüler, Simone de Beauvoir oder Helene Weigel – um nur einige wenige Beispiele zu nennen – nachhaltig veränderte. Auch hierzu folgt in Kürze eine ausführliche Besprechung.

Ende August habe ich mich wieder einmal ein wenig in Bayreuth- und Wagner-Lektüre vertieft. So habe ich nach einigen Jahren die beiden Bücher von Herbert Rosendorfer „Bayreuth für Anfänger“ und „Richard Wagner für Fortgeschrittene“ erneut gelesen – eine unterhaltsame Art sich dem Festspielbetrieb und den Werken zu nähern (wohlgemerkt von einem Verfasser, der sich selbst nicht als Wagnerianer bezeichnete).
Thea Dorn’s Krimi „Ringkampf“, der schon länger bei mir im Regal stand und der die Ränke und Intrigen hinter den Kulissen während einer Ring-Inszenierung in der Frankfurter Oper in den Mittelpunkt stellt, war schnell gelesen, wird aber bei mir wohl eher nicht lange nachklingen.

Was bringt der September?

Der reguläre Kulturbetrieb läuft nach den Festspielzeiten und sommerlichen Theaterpausen schön langsam wieder an. Ich freue mich vor allem auf eine besondere Lesung, die pandemiebedingt vom Frühjahr in den Herbst verlegt wurde und jetzt wieder in meinem Kalender steht – ich hoffe, ich kann dieses Mal berichten. Daumen halten!

Zudem habe ich auch wieder zwei musikalische Kulturtips fürs Fernsehen:
Am 10. September um 20.15 Uhr gibt es auf 3Sat die diesjährige „Nabucco“-Inszenierung aus dem Steinbruch St. Margarethen zu sehen.

Und am 17. September um 20.15 Uhr freue ich mich auf einen absoluten Pflichttermin in meinem Kulturjahr – ebenfalls auf 3Sat – mit der traditionellen „Last night of the Proms“ aus der Londoner Royal Albert Hall. Dieses Jahr gibt es für mich auch ein Wiedersehen mit der wunderbaren norwegischen Sopranistin Lise Davidsen, die ich schon live erleben durfte und natürlich mit den üblichen Klassikern (inklusive Publikumschoreografie) zum Ende des Konzerts, die nicht fehlen dürfen.

Dazu freue ich mich auf einen prächtigen Altweibersommer oder Frühherbst – mal sehen, was es werden wird – mit schönen Spaziergängen und tollen Büchern, um stimmungsvoll in einen gemütlichen Leseherbst zu starten.

Und so wünsche ich allen einen gelungenen Start in einen bunten, wunderbaren Kultur- und Bücherherbst! Bleibt gesund und passt auf Euch auf!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight August:

Eine Scheibe gutes Brot mit einem schmackhaften Aufstrich, das ist etwas Wunderbares. Diesen Monat gab es selbst zubereiteten Liptauer Aufstrich (das Rezept findet man hier) auf Sauerteigbrot – würzig, einfach und gut – herrlich zur Brotzeit.

Musikalisches im August:
Meine musikalische Entdeckung diesen Monat war sicherlich „Ethiopia’s Shadow in America“ von der amerikanischen Komponistin Florence Price (1887 – 1953) aus dem Jahr 1932. Schön, dass auf den Klassiksendern im Radio jetzt auch ab und an die Werke weiblicher Komponistinnen ihren Platz bekommen.

„Weisst du, wie das wird?“

(Richard Wagner, Libretto „Götterdämmerung“)

Rabenschwarzes Salzburg

Es ist schon fast zu einer schönen Tradition geworden, dass ich im Sommer – während der Festspielzeit in Salzburg – zu einem Salzburgkrimi von Manfred Baumann greife – und mich zumindest vom Lesesessel aus für eine Weile in die schöne Stadt an der Salzach begebe. Denn seit einiger Zeit erscheinen die neuen Fälle stets pünktlich im Sommer: Mit „Salzburgrache“ ist jetzt ein Jubiläumsband erschienen, denn Kommissar Merana löst mittlerweile bereits seinen zehnten Fall.

Baumann wählt sich meist einen besonderen Ort oder eine besondere Sehenswürdigkeit als Mittelpunkt für seine Krimis – der heimliche Star seiner Bücher ist im Grunde immer Salzburg und Umgebung. Dieses Mal steht vor allem die Festung Hohensalzburg im Fokus und wird zum Tatort. So erfährt man nebenbei allerlei Interessantes über das Wahrzeichen, das über der Stadt thront und einen grandiosen Ausblick auf die Umgebung bietet.

Denn am Fuße der Festung wird eine Leiche gefunden. Ein Mitarbeiter einer Werbeagentur, die gerade an einem Vermarktungskonzept für die Salzburger Burgen arbeitet, scheint aus großer Höhe abgestürzt oder gestoßen worden zu sein.

Merana beginnt zu ermitteln, obwohl er eigentlich dringend seine geliebte Großmutter besuchen müsste, die Geburtstag feiert, und der Fall scheint zunächst leider alles andere als übersichtlich zu sein. Denn schon bald kommt es zu einem weiteren Todesfall und wieder ist eine Burg im Spiel.

Doch er schafft es – auch dank seiner verständnisvollen und tatkräftigen Polizeikollegen – wenigstens doch kurz auf einen Besuch zur Großmutter, die auch dieses Mal wieder ihre besondere Gabe – denn sie ist eine „Gspürige“ wie es im Salzburger Dialekt heißt – unter Beweis stellt. Wer vielleicht schon den einen oder anderen Fall kennt, weiß, dass Merana’s Beziehung zu seiner Großmutter besonders eng ist, da sie ihn aufgezogen hat.

„Viele Leute schätzten seine Großmutter sehr. Das hatte er schon als Kind mitbekommen. Sie hatte es immer verstanden, anderen zu helfen. Manchmal auch dadurch, weil sie Dinge wahrnahm, die anderen verborgen blieben. „Die Kristina, die is a Gspürige“, hatte er einmal jemand sagen hören (…)“

(S.109)

Auch dieses Mal ist sie der weibliche Fixpunkt in Merana’s Leben, wohingegen sich die Lage an der Beziehungsfront weiterhin unübersichtlich gestaltet. Denn auch während der Ermittlungen kreuzen so manche Frauen seinen Weg…

In Summe ist dieser Band etwas düsterer angehaucht als die meisten der Vorgänger – stehen doch nicht die glanzvollen Festspiele oder Opernaufführungen im Mittelpunkt – sondern vielmehr ermittelt Merana auf zugigen Burgtürmen, in Folterkammern und hinter dicken Mauern.

Und sogar tierisch geht es dies Mal zu – wie schon am Cover zu erkennen, spielen Raben eine besondere Rolle. So bekommt der Burgrabe Konrad im Roman sogar eine eigene Stimme und darf seine Sicht der Geschehnisse erzählen…

Persönlich sagen mir die Fälle der Reihe, die im Kultur- oder Künstlermilieu spielen, wie z.B. „Jedermanntod“ oder „Zauberflötenrache“ aufgrund des Lokalkolorits und des Blicks hinter die Salzburger Kulissen etwas mehr zu, als der neue Fall, der eher in der Geschäftswelt, hinter den Hochglanzfassaden einer Werbeagentur aber auch auf Demonstrationen und im Querdenkermilieu angesiedelt ist.

Der Autor überzeichnet das Business-Geschwätz der Berater geschickt und gespickt mit englischen Plattitüden und Allgemeinplätzen satirisch und setzt sich auch kritisch mit Verschwörungstheorien und eskalierenden Protesten auseinander. Baumann hat also bereits hochaktuelle Themen und die neuesten Entwicklungen während der Pandemie in diesem Kriminalroman einfließen lassen.

Manche Dialoge hätten für meinen Geschmack gerne etwas natürlicher ausfallen dürfen, worüber ich aber gerne hinwegsehe, denn ich mag Merana als Ermittlerfigur, Genussmensch, Italienfan und Kulturinteressierten. Das lese ich einfach gerne und wenn es Querbezüge zur Oper gibt – wie dieses Mal zu „Don Giovanni“ – oder ich mehr über die Stadt, die Geschichte und die Bauwerke sowie die SalzburgerInnen erfahre, dann sind das für mich die großen Stärken dieser Krimis: der Lokalkolorit, eine sympathische Hauptfigur und die Bezüge zu Salzburgs lebendiger Kulturszene.

Wer Salzburg liebt und von Zeit zu Zeit gerne mal einen Regionalkrimi liest, der ist daher bei Manfred Baumann’s Merana-Reihe gut aufgehoben.
So wie man Salzburger Nockerl einfach mal probiert haben muss – wenn man sie dann auch sicher nicht täglich verspeisen wird – so freue ich mich stets auf den nächsten Fall und tauche einmal im Jahr gerne lesend ab in die quirligen Gassen, das Kulturgeschehen und die ehrwürdigen Gemäuer Salzburgs.

Bei den Salzburger Festspielen, die noch bis zum 31. August 2022 laufen, steht neben dem Jedermann auf dem Domplatz auch immer große Oper auf dem Programm – daher noch ein Tipp:
Heute Abend (Samstag, 20. August 2022 um 20.15 Uhr) wird die Neuinszenierung der Janácek-Oper „Kát’a Kabanová“ unter der Regie von Barrie Kosky von den Salzburger Festspielen aus der Felsenreitschule auf 3Sat ausgestrahlt. Mit Corinne Winters und Evelyn Herlitzius in den Hauptrollen, bekam die Produktion bisher sehr gute Kritiken. Da ich die Oper bislang noch nicht kenne, werde ich eine Wissenslücke schließen und bin schon sehr gespannt.

Ich bedanke mich sehr herzlich beim Gmeiner Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Auf meine Meinung und Rezension des Buches hatte dies keinen Einfluss.

Beim Klick auf den Titel gibt es nähere Informationen zum Buch auf der Seite des Verlags.

Buchinformation:
Manfred Baumann, Salzburgrache
Gmeiner Verlag
ISBN: 978-3-8392-0298-2

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich Manfred Baumann’s „Salzburgrache“:

Für den Gaumen:
Kommissar Merana ist einem guten Tropfen niemals abgeneigt. Bei seiner Großmutter wird der Geburtstag mit einem Kriecherlbrand gebührend gefeiert. Beim Rotwein darf es gern ein Nero d’Avola sein.

Zum Weiterhören:
Durch den Roman bin ich auf die Lungauer Band „Querschläger“ aufmerksam geworden. Denn der Autor zitiert immer wieder eine Textzeile aus einem ihrer Songs – die ihn auch dazu inspirierte den Raben Konrad in die „Salzburgrache“ einzubauen.
So habe ich beim Stöbern im Repertoire der Band unter anderem eine wunderbare Ballade für mich entdeckt „alls in dir selba“ (wer möchte, kann hier reinhören).

Für einen Ausflug oder Museumsbesuch:
Baumann’s Krimis nehmen den Leser stets mit zu den Sehenswürdigkeiten in und um Salzburg: Dieses Mal stehen neben der Festung Hohensalzburg, der Burg Hohenwerfen unter anderem auch wieder die Wasserspiele in Schloss Hellbrunn im Zentrum des Geschehens. Diese liegen Merana besonders am Herzen:

„Ich mag Hellbrunn“, begann Merana schließlich. „Ich liebe die ganze Anlage. Manchmal laufe ich in aller Früh von meiner Wohnung in Aigen hierher, stelle mich in den Schlosshof, erwarte den Sonnenaufgang. Oder ich schlendere an den Weihern entlang, schaue zu, wie die bewundernswert majestätischen Störe durchs Wasser gleiten. Es beruhigt mich. (…) Diese Anlage strahlt Ruhe aus, Stärke, Schönheit, Harmonie. Wenn man es zulässt, überträgt sich diese Gelassenheit auf einen selbst. (…)“

(S.196)

Zum Weiterlesen (I):
Als Hauptschauplatz dienten die Hellbrunner „Wasserspiele“ bereits im zweiten Fall der Merana-Reihe von Manfred Baumann. Wer also noch ein wenig länger literarisch dort verweilen möchte, hat hier eine gute Gelegenheit:

Manfred Baumann, Wasserspiele
Gmeiner Verlag
ISBN: 978-3-8392-1200-4

Zum Weiterlesen (II):
Für alle die neu auf meine Kulturbowle gestoßen sind oder sich vielleicht nicht mehr erinnern: Letztes Jahr habe ich bereits den neunten Fall „Salzburgsünde“ hier auf dem Blog vorgestellt:

Manfred Baumann, Salzburgsünde
Gmeiner Verlag
ISBN: 978-3-8392-0075-9

Geburtstagsbowle Nr.2

Geburts- und Jahrestage machen einem immer besonders bewusst, wie schnell die Zeit vergeht. Verwundert reibe ich mir also die Augen und stelle fest, dass es meine Kulturbowle jetzt tatsächlich bereits seit zwei Jahren gibt.

Auf den Tag genau am 14. August 2020 begann dieses neue Kapitel und mittlerweile sind über 200 Beiträge geschrieben und veröffentlicht worden.
Daher gibt es heute den zweiten Geburtstag meines Blogs zu feiern und das geschieht auch dieses Jahr mit einer schönen neuen Tradition, die ebenso jung ist wie meine Website: Es wird mit einem Gläschen Bowle angestoßen: Dieses Jahr mit einer Melonenbowle. Cheers!

Heute vor zwei Jahren habe ich meinen ersten Beitrag „Auf zu neuen Ufern“ hinaus in die Welt geschickt und einfach mal neugierig gewartet, was passiert.
Und was ist in dieser Zeit nicht alles passiert – viel mehr, als ich mir damals vorgestellt oder erträumt habe:

Ich durfte viele interessierte, freundliche und kreative Menschen und Blogs kennenlernen, die mir wunderbare Anregungen und Inspirationen geben. Das Bummeln durch die Blogs und das Lesen bei Anderen ist mir eine liebe Gewohnheit geworden und ich konnte viel Schönes entdecken, das ich sonst vermutlich verpasst hätte.

Zudem sind durch meine Bowle schöne Kontakte zu Gleichgesinnten, Buch- und Kulturmenschen und zu Verlagen entstanden, die ich sehr schätze.
Daher sage ich heute auch ein herzliches Dankeschön an alle, die hier mitlesen und bei meiner Bowle vorbeischauen: Jede Leserin, jeder Leser und alle, die mit mir die Freude an guten Büchern und über kulturelle Ereignisse teilen, sind jederzeit herzlich willkommen! Jeder Besuch auf meiner Seite, jeder Follower, jeder Kommentar, jedes Like und die vielen positiven und schönen Rückmeldungen freuen mich sehr, denn geteilte Freude ist immer noch doppelte Freude! Danke dafür!

Auch mein Leseverhalten hat durch das Bloggen nochmal eine zusätzliche Intensität bekommen. Ich lese aufmerksamer und empfinde es als bereichernd, stärker zu reflektieren und anschließend auszuformulieren, was für mich den besonderen Reiz an einem bestimmten Buch ausmacht oder wozu es mich inspiriert. So bleiben Leseerlebnisse länger präsent und auch ich selbst kann später – wie in einem Lesetagebuch – zurückschmökern und noch einmal nachlesen.

Schließlich ist in den letzten beiden Jahren schon einiges an vorgestellten Büchern zusammengekommen – wie man in der Bowle A-Z alphabetisch nach AutorInnen sortiert, in meiner Kategorie „Die Welt erlesen“ nach Land und Schauplatz oder aber in meinem Zeitstrahl (der im letzten Jahr neu hinzugekommen ist) nach Erscheinungsjahr geordnet nachschlagen kann.

Zudem genieße ich den kreativen Aspekt, der mit dem Bloggen einhergeht:
Ich konnte neue Ideen entwickeln und umsetzen. So gibt es dieses Jahr meine „22 für 2022“ oder auch meine neue Reihe „Herzbowle“, in welcher ich auch zukünftig meine Herzensbücher und besondere Bücher in meiner Lesebiografie wiederlesen und vorstellen möchte. Auch meine literarische Europareise alias Europabowle ging bzw. geht weiter und wird auch zukünftig fortgesetzt werden. Und so manche weitere Idee schlummert bereits…

Ich fotografiere mehr und entdecke mit offenen Augen immer wieder viel Schönes – es ist schön, die Natur und den Lauf der Jahreszeiten aufmerksamer zu sehen und bildlich festzuhalten. Heute habe ich spritzige und farbenfrohe Bowlebilder für Euch und hier findet man das Rezept für die sommerliche Melonenbowle.

Ganz besonders freut mich zudem, dass auch meine Beiträge zu kulturellen Veranstaltungen, Opern- oder Theaterbesuchen und Konzerten auf positive Resonanz stoßen. Auch wenn der letzte Winter diesbezüglich immer noch sehr schwierig und von zahlreichen Absagen und pandemiebedingten Terminverschiebungen geprägt war, konnte ich doch über einige schöne Kulturerlebnisse berichten und das möchte ich auch so beibehalten. Denn gerade diese Momente machen das Leben bunter, reicher und lohnen sich festgehalten zu werden.

Mittlerweile ist das Bloggen zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden, den ich nicht mehr missen möchte, und so werde ich weiter Bücher und Kultur genießen und meine Begeisterung und Faszination mit Euch teilen!

In diesem Sinne: Auf ein Neues und zum Wohle! Bleibt gesund, kommt gut durch den Sommer und ich freue mich, wenn Ihr weiterhin gerne immer mal wieder bei mir vorbeischaut!

Julibowle 2022 – Heißzeit und Vorhangzauber

Im Juli ging es mit vielen Hitzetagen und Temperaturen weit jenseits der 30 Grad-Marke oft heiß her. So waren während dieses turbulenten und nicht ganz einfachen Monats auch Schatten und Abkühlung gefragt und man wusste durchaus auch etwas Ruhe und Muße für gute Lektüre oder interessante Kulturgenüsse zu schätzen. Und auch wenn der Monat gefühlt sehr schnell an mir vorbeigezogen ist, ist doch einiges Merkens- und Bemerkenswertes zusammengekommen:

Sehr gut gefallen hat mir persönlich zum Beispiel der Livestream der Münchner Staatsoper (Staatsoper TV) von Leoš Janáček’s „Das schlaue Füchslein“ unter der Regie von Barrie Kosky (im Rahmen von Oper für alle). Die Inszenierung, die mit unzähligen, unterschiedlichen Vorhängen und geradezu magischen Lichteffekten wirklich unglaublich schöne Bilder auf die Bühne des Münchner Nationaltheaters zauberte, war wirklich etwas Besonderes – Vorhangzauber und Operngenuss!

Und auch im Fernsehen habe ich diesen Monat – trotz vermeintlichem Sommerloch – drei wirklich sehenswerte Filme bzw. Sendeformate, entdecken können:

So konnte ich endlich eine weitere filmische Bildungslücke schließen und mir den Schwarz-Weiß-Klassiker von Billy Wilder „Zeugin der Anklage“ mit Marlene Dietrich und Charles Laughton in den Hauptrollen aus dem Jahr 1957 nach einem Roman von Agatha Christie anschauen. Das kann man auch heutzutage wirklich noch sehr gut sehen.

Künstlerisch interessant und gelungen zusammengestellt fand ich auch den Dokumentar- bzw. Essayfilm „Brennender Sommer“ von Heinz Bütler, der auf 3Sat gezeigt wurde: Es ging um Hermann Hesse’s Zeit im Tessiner Ort Montagnola und vor allem auch um sein dort entstandenes Werk „Klingsors letzter Sommer“. Stimmungsvolle Bilder, Peter Simonischek liest aus Hesse’s Werk, Literaturexperten diskutieren darüber und Sänger Daniel Behle singt Ausschnitte aus Richard Strauss’ „Vier letzte Lieder“ (nach Gedichten von Hesse) – ein sinnenfreudiges, künstlerisches Gesamtkunstwerk. Da ich zudem vor kurzem erst den Krimi „Mord in Montagnola“ gelesen hatte, war dies ein schöner Anlass, sich nochmal mit dem Ort und dem Literaturnobelpreisträger zu befassen.

Ein völlig anderes, aber ebenso packendes Fernseherlebnis war die neue 45-minütige Dokumentation von Claus Kleber „Utopia – Irre Visionen im Silicon Valley“ (in der ZDF Mediathek verfügbar bis 19.07.27), in welcher er einen Eindruck vermittelt und auch kritisch beleuchtet, an welchen bahnbrechenden Technologien aktuell bereits geforscht wird, die unser Leben nachhaltig und wohl unausweichlich verändern werden.

Ein vollkommener Kontrast zur strahlend-glänzenden, durchgestylten High-Tech-Welt des Silicon-Valley – jedoch mit mindestens ebenso eindrucksvollen Bildern bzw. Fotografien – durfte ich in der aktuell noch bis zum 7. August 2022 laufenden Ausstellung „Spuren der Zeit“ in der Neuen Galerie Landshut erleben. Die expressiven Fotografien von Martin Waldbauer zeigen die Spuren, welche die Zeit zum Beispiel in menschlichen Gesichtern oder an den Händen von Holzarbeitern hinterlässt – Bilder mit einer großen Kraft, die einem direkt in die Seele zu blicken scheinen, wenn man vor ihnen steht. Auf der Homepage des Künstlers könnt Ihr Euch gerne selbst einen Eindruck verschaffen.

Und auch an Lesestoff hatte der Juli einiges zu bieten und führte mich gleich zweimal nach Norwegen, in die Weltstädte Paris und New York, an die legendäre Otto-Falckenberg-Schule in München, in meine Heimatstadt Landshut und zweimal nach Bella Italia – aber der Reihe nach:

Mit Sigrid Undset’s „Kristin Lavranstochter – Das Kreuz“ ging die nobelpreisgekrönte Trilogie und für mich eine Reise durch das mittelalterliche Norwegen zu Ende, die mich literarisch aufgrund der großartigen und zeitgemäßen Übersetzung von Gabriele Haefs wirklich sehr für sich eingenommen hat. In drei Bänden durfte ich Kristin Lavranstochter durch schöne, aber auch schwierige Zeiten begleiten und in den immer noch aktuellen historischen Romanen mitverfolgen, was es bedeutete, als Frau im norwegischen Gudbrandsdalen des 14. Jahrhunderts gelebt zu haben.

In ein völlig anderes Norwegen entführte mich dann Toril Brekke mit ihrem Roman „Ein rostiger Klang von Freiheit“ – und zwar in die Hauptstadt Oslo des Jahres 1968 – politisch aufgeheizte Zeiten, Studentendemonstrationen und -proteste und mittendrin die kurz vor dem Abitur stehende Agathe und ihr kleiner Bruder Morten, die sich in turbulenten Zeiten ohne ihre Mutter, die mit einem Liebhaber nach Kopenhagen durchgebrannt ist, ihren eigenen Weg ins Leben suchen müssen. Ein sehr atmosphärischer, intensiver Roman, der den Zeitgeist der 68er sehr gekonnt einfängt.

Um starke Frauen mit einer ganz besonderen Verbindung geht es in Catherine Cusset’s Roman „Die Definition von Glück“. Ein Buch, das viele heiße Eisen und ernste Themen anpackt und anhand der Lebensgeschichten von Clarisse aus Paris und Ève aus New York erzählt, was es bedeutet, eine Frau zu sein – mit allen Höhen und Tiefen.

Im Juli konnte ich außerdem persönlich endlich eine entsetzliche Lücke schließen und zwar kann ich jetzt vollumfänglich meinen geschätzten BloggerkollegInnen beipflichten, die den dritten Teil von Joachim Meyerhoff’s Romanreihe „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ einfach nur umwerfend gut fanden. Ein Buch zum Niederknien – witzig und traurig zugleich – und ein höchst unterhaltsamer Ausflug in die Nymphenburger Villenwelt bzw. das Haus der Meyerhoff’schen Großeltern, aber vor allem auch ein Blick hinter die Kulissen einer renommierten Schauspielschule – wie der Otto-Falckenberg-Schule in München. Herrlich – ganz großes Theater zwischen zwei Buchdeckeln!

Schon bald werde ich Euch mit einer Buchvorstellung auch ein Kapitel meiner Heimatstadt Landshut vorstellen dürfen, und zwar hat Richard Rötzer mit „Narrenträume“ einen historischen Roman über die Zeit des bayerischen Herzog Wilhelm V. verfasst. Und sein Hofnarr hat so einiges zu erzählen – also lasst Euch überraschen, denn mehr dazu gibt es schon in Kürze hier auf der Kulturbowle.

Und auch meiner Italiensehnsucht habe ich diesen Monat wieder einmal ausführlich – wenn auch nur literarisch – gefrönt und zwar mit zwei wunderbaren, neuen Büchern von zwei Autoren, die ich bereits in der Vergangenheit kennen- und schätzen gelernt habe:

Tim Parks machte sich mit seiner Lebensgefährtin auf einen anspruchsvollen Fußmarsch durch Italien auf den Spuren Giuseppe Garibaldi’s: das dabei entstandene Buch „Der Weg des Helden: Auf Garibaldis Spuren von Rom nach Ravenna“ – ich möchte unbedingt demnächst noch ausführlicher berichten – ist spannend und sehr interessant zu lesen.

Und der ehemalige, langjährige SZ-Korrespondent in Rom Stefan Ulrich, dessen bisher erschienene Bücher (wie z.B. „Quattro Stagioni: Ein Jahr in Rom“) ich sehr mochte, hat mit „Und wieder Azzurro: Die geheimnisvolle Leichtigkeit Italiens“ eine gefühlvolle Liebeserklärung an das Land seiner Träume verfasst, in welcher er versucht zu ergründen, was für ihn (und vielleicht für so viele Deutsche, Schweizer und Österreicher) diesen ganz besonderen Zauber Italiens ausmacht. Ein wunderbares Buch für alle, die Italien lieben. Auch hierzu gibt es hoffentlich in Kürze einen ausführlicheren Beitrag.

Was bringt der August?

Es gibt tatsächlich bereits den zweiten Bloggeburtstag zu feiern, den ich selbstverständlich gerne stilecht mit einer Bowle begehen möchte – ich werde berichten und vielleicht stoßt Ihr ja virtuell mit mir an.

Und dann ist August natürlich Festspielzeit – da gibt es viel zu sehen – auch im Fernsehen – von Bayreuth über Bregenz nach Salzburg gibt es für alle Fans Oper satt:

Am 6. August um 20.15 Uhr geht es mit 3Sat zum großen Finale des Ring des Nibelungen zur „Götterdämmerung“ auf den Grünen Hügel in Bayreuth – man darf gespannt sein auf die Neuinszenierung von Valentin Schwarz, der den Ring im Stil einer Netflix-Serie in Szene setzen möchte.

Am 13. August zeigt 3Sat um 20.15 Uhr die diesjährige Neuinszenierung von Giacomo Puccini’s „Madame Butterfly“ auf der Bregenzer Seebühne – die spektakuläre Bühne besteht dieses Mal aus einem großen weißen Blatt Papier.

Und auch die Festspielstadt Salzburg darf nicht fehlen: am 20. August um 20.15 Uhr zeigt ebenfalls 3Sat die Barrie Kosky-Neuinszenierung von Leos Janáceks Oper „Káta Kabanová“ aus der Felsenreitschule.

Ich wünsche allen einen schönen und entspannten August! Genießt den Sommer und den Urlaub – falls einer ansteht – und bleibt gesund!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight Juli:

Eine sehr schöne vegetarische Alternative zu einem der klassischen bayerischen Biergartengerichte schlechthin, d.h. zum Wurstsalat, sind für mich Essigknödel. Ein erfrischendes, perfektes Sommeressen: einfach Semmelknödel in Scheiben schneiden, Zwiebeln drauf und mit Salz, Pfeffer und einem Essig-Öl-Dressing schön sauer anmachen. Wird aber leider in Biergärten meist nicht angeboten, so dass es die in der Regel nur zu Hause gibt.

Musikalisches im Juli:
Hängen geblieben ist bei mir diesen Monat ein Song, den Marlis Petersen bei der Sommernachtsgala in Grafenegg (noch bis 15.08.22 in der 3Sat Mediathek zu sehen) gesungen hat: „Where is it written“ aus dem Film „Yentl“ (Komponist: Michael Legrand) – da lohnt es sich auch das Original von Barbra Streisand aus dem Jahr 1983 nochmal nachzuhören.

„Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.“

(Ausschnitt aus dem Gedicht „Morgenwonne“ von Joachim Ringelnatz 1883 – 1934)

Junibowle 2022 – Sommerfrische und Herzensangelegenheiten

Etwas später als üblich gibt es aber natürlich doch auch diesen Monat wieder meinen gewohnten Monatsrückblick – die Junibowle 2022.

Die erste Jahreshälfte ist vorbei. Der Juni präsentierte sich sehr sommerlich und sonnig und da ich viel Zeit zum Lesen hatte, ist vor allem bei den Lektüren einiges zusammengekommen, so dass ich dieses Mal versuchen möchte, mich bei den einzelnen Büchern kurz zu fassen – ausführlichere Rezensionen sind verlinkt oder folgen in einigen Fällen noch.

Doch vorab möchte ich auch nicht versäumen, noch einen oscarprämierten Film zu erwähnen, den ich diesen Monat auf ARTE gesehen habe: „Reise nach Indien“ (Regie: David Lean) – obwohl ich in der Regel kein besonderer Fan von Literaturverfilmungen bin, fand ich diese filmische Version aus dem Jahr 1984 von Edward Morgan Forsters Roman „Auf der Suche nach Indien“ (1924) sehr sehenswert.

Und auch den Fernsehfestspielsommer habe ich für mich mit dem „Sommernachtskonzert Schönbrunn 2022“ eröffnet (in der 3Sat-Mediathek noch bis 30.07.2022 verfügbar). Die Wiener Philharmoniker und der Cellist Gautier Capuçon zauberten ein vielseitiges Programm vor der stets grandiosen Kulisse von Schloss Schönbrunn auf die Bühne.

Doch jetzt zu meinen Juni-Lektüren, die in den meisten Fällen unter das Motto „Sommerfrische und Meeresbrise“ eingeordnet werden können:

Das ganze letzte Jahr hatte ich irgendwie auf die richtige Sommer- und Ferienstimmung gewartet, um in Ruhe das Buch zu lesen, von dem alle schwärmten: Ewald Arenz „Der große Sommer“. Letztes Jahr war mir dann nicht danach, aber jetzt war es endlich soweit und was soll ich sagen: auch dieser Arenz ist wirklich, wirklich gut! Ein feines, tiefgründiges Sommerbuch!

Alle Jahre wieder warte ich auf den nächsten Band der Bruno-Reihe von Martin Walker, der als Taschenbuch erscheint. Ein literarischer Pflichttermin, auf den ich mich alljährlich freue. „Französisches Roulette“ ist ein Périgord-Krimi wie man ihn kennt und liebt: kulinarisch anregend, stimmungsvoll und spannend. Das Wiedersehen im nächsten Jahr ist bereits fest eingeplant.

Besonders viel Freude hat mir der Beginn einer neuen Reihe auf meinem Blog gemacht – die Herzbowle. Hier möchte ich in unregelmäßigen Abständen Bücher wiederlesen und vorstellen, die mir besonders am Herzen liegen und die meine Lesebiografie geprägt haben. Als würdigen Auftakt zum Mittsommerfest habe ich Astrid Lindgren’s „Ferien auf Saltkrokan“ gewählt und über die vielen schönen Rückmeldungen und Kommentare habe ich mich sehr gefreut.

Das Thema Insel und Meer führte mich dann auch mit Sylvia Frank’s „Das Haus der Winde“ auf die Insel Hiddensee. Im Roman verschmelzen wahre und fiktive Momente der Lebensgeschichte der Schauspielerin Asta Nielsen, die sich mit ihrem geliebten Sommerhaus Karusel in den Dreißiger Jahren ein gemütliches Feriendomizil und einen Rückzugsort auf der Ostseeinsel geschaffen hatte.

Schon eine ganze Weile auf meinem Lesestapel lag der zweite Teil der „Alle Toten fliegen hoch“-Reihe von Joachim Meyerhoff: „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“. Auch dieser Band konnte mich aufgrund der lebendigen, berührenden Art zu erzählen und dem geschickten Verflechten von Tragik und Komik wieder überzeugen. Jetzt bin ich schon gespannt auf den dritten Teil, der von vielen ja als der Beste der Reihe angesehen wird.

Eine kleine, feine Entdeckung war Elizabeth Taylor’s Roman „Mrs Palfrey im Claremont“ aus dem Jahr 1971, der mich in die melancholische Welt eines Londoner Hotels führte, das wie seine Bewohner schon glanzvollere Tage erlebt hat. Die liebenswerte, zarte Geschichte, die sich zwischen Mrs Palfrey und dem Möchtegern-Schriftsteller Ludo entspinnt, ist bewegend und fein gezeichnet. Hier möchte ich bald noch ausführlicher berichten.

Dann wurde es kulinarisch und appetitanregend mit dem ungewöhnlichen und überraschenden, dünnen Bändchen von Massimo Montanari: „Spaghetti al pomodoro“. Wem bei diesen launigen und kulturhistorischen Erläuterungen zum allseits beliebten Leibgericht nicht das Wasser im Mund zusammenläuft… der Pasta-Appetit ist definitiv vorprogrammiert!

Ein weiteres Herzensbuch, das ich im Juni wieder einmal zur Hand genommen habe, ist Helen Hanff’s „84, Charing Cross Road“. Und auch bei wiederholter Lektüre hat dieser zauberhafte Briefwechsel zwischen einer lesebegeisterten Amerikanerin und einem Londoner Antiquar nichts von seiner Magie verloren. Die nächste Herzbowle folgt also bestimmt und bald.

Mehr über Hiddensee und die Künstlerinnen und Künstler, die auf der schönen Insel weilten, durfte ich mit Unda Hörner’s Buch „Auf nach Hiddensee!“ erfahren. Asta Nielsen, Joachim Ringelnatz und natürlich Gerhart Hauptmann – der bebilderte, schön gestaltete Band, lässt die Bohème und die ausgelassene Ferienstimmung vergangener Tage wieder lebendig werden.

Maritim ging es weiter nach Litauen und den beliebten Ferienort der Familie Mann mit Frido Mann’s „Mein Nidden“. Der Enkel Thomas Mann’s erzählt die Geschichte des Ferienhauses seiner Familie auf der Kurischen Nehrung, das heute Kulturzentrum ist.

Und endlich habe ich es auch geschafft, Christa Wolf zu lesen: „Sommerstück“ ist ein wunderbares, feines Buch für lange, helle Sommertage, das beschreibt wie mehrere Familien ihr Glück in einem kleinen Dorf in Mecklenburg-Vorpommern suchen. Tiefgründig, nachdenklich und zudem sprachlich ein Genuss!

Dass auch Clara Schumann und Johannes Brahms ihr Herz an die Insel Rügen verloren hatten, konnte ich durch Reinhard Piechocki’s Buch „Beziehungszauber – Clara und Johannes auf Rügen“ erfahren. Kompakt erzählt er zudem die komplexe Lebens- und Liebesgeschichte der beiden, die bis heute Rätsel aufgibt und vielleicht deshalb für viele einen besonderen Zauber hat.

Zwei wunderbare Maigret-Romane, die in Ferienstimmung versetzen, habe ich last but not least auch noch gelesen: Georges Simenon „Maigret macht Ferien“ und „Maigret in Kur“. Wer noch auf der Suche nach Urlaubs- bzw. Strandlektüre ist – das wäre eine gute Möglichkeit, denn mit Maigret macht man nie etwas falsch.

Da die Bücher diesen Monat teils schneller von mir verliehen wurden, als ich mein Beitragsbild machen konnte – fehlen dieses Mal ausnahmsweise zwei… kann auch mal passieren.

Doch weil Bilder ja bekanntlich manchmal mehr sagen als Worte, gibt es dafür dieses Mal natürlich auch wieder fotografische Juni-Impressionen am Ende des Beitrags.

Was bringt der Juli?

Auf jeden Fall weitere Konzert- und Festspielhöhepunkte im Fernsehen – dankenswerter Weise wird hier kulturell einiges geboten:

Am 09.07.2022 um 20.15 Uhr zeigte 3Sat das „Eröffnungskonzert des Rheingau Musikfestivals 2022“ aus der Basilika des Klosters Eberbach u.a. mit Felix Mendelssohn Bartholdy’s Sinfonie Nr. 2 B-Dur op. 52 „Lobgesang“ (noch bis zum 08.08.2022 in der 3Sat Mediathek verfügbar). Wirklich sehr schöne Musik!

Am 16.07.2022 hat man dann die Qual der Wahl zwischen „Klassik am Odeonsplatz“ auf 3Sat um 20.15 – die Münchner Philharmoniker spielen Filmmusik unter der Leitung von Sir Simon Rattle oder dem Livestream der Münchner Staatsoper (Staatsoper TV) von Leoš Janáček’s „Das schlaue Füchslein“ unter der Regie von Barrie Kosky um 20.00 Uhr (im Rahmen von Oper für alle).

Ich wünsche allen einen schönen und friedlichen Juli! Passt auf Euch auf und bleibt gesund!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight Juni:
Bevor die Rhabarberzeit traditionell mit dem Johannistag am 24. Juni endet, gab es diesen Monat noch einen feinen Rhabarberkuchen. Der gehört für mich einfach zu einem gelungenen Sommerbeginn.

Musikalisches im Juni:
Schwungvolle, lebhafte und fröhliche Musik beim stimmungsvollen Sommernachtskonzert in Schönbrunn, z.B. mit Bedřich Smetana’s Ouvertüre zu „Die verkaufte Braut“ und Gioacchino Rossini’s Ouvertüre zu „La gazza ladra“.

Wir gehen am Meer im tiefen Sand

Wir gehen am Meer im tiefen Sand,
Die Schritte schwer und Hand in Hand.
Das Meer geht ungeheuer mit,
Wir werden kleiner mit jedem Schritt.

Wir werden endlich winzig klein
Und treten in eine Muschel ein.
Hier wollen wir tief wie Perlen ruhn,
Und werden stets schöner, wie die Perlen tun.

(Max Dauthendey, 1867-1918)

Sommerfrische und Eifersucht

Gustav Mahler und seine Frau Alma bieten immer wieder Stoff für literarische Werke – die Dramatik ihrer Beziehung ist geradezu eine Einladung für Autorinnen und Autoren, sich mit diesem Stoff auseinanderzusetzen. Auch der Südtiroler Autor Lenz Koppelstätter – bisher vor allem als Krimiautor bekannt – hat mit „Almas Sommer“ jetzt einen Roman über die Toblacher Zeit der beiden veröffentlicht.

Ein schmaler Band mit gerade mal 200 Seiten, der vor allem die Psyche und Gedankenwelt der beiden ungleichen Eheleute näher ausleuchtet, die im Sommer 1910 Quartier in Toblach genommen haben, aber doch beide am Leben und der Liebe leiden. Die glücklichen Zeiten ihrer Ehe haben sie da bereits hinter sich.

„Gustav Mahler auf dem höchsten Gipfel rund um Toblach. Das würde ihm Eindrücke verschaffen, seinen Kopf leeren. Er würde die Dolomiten tanzen sehen.“

(S.84/85)

Mahler braucht die Natur, die Bergwelt und die Abgeschiedenheit, um komponieren zu können. Er ist die treibende Kraft, die es in die Dolomiten zieht. Seine Gesundheit ist bereits angeschlagen, er leidet unter starken Schmerzen und zieht sich immer mehr zurück, vor allem auch in sein Komponierhäuschen. Dort versucht er unter Qualen, seine unsterbliche Musik zu erschaffen, an seiner nächsten Sinfonie zu arbeiten.

Alma, die deutlich jüngere Gattin, sehnt sich jedoch nach Wien, nach Leben und etwas Abwechslung in ihrem Ehealltag. Dieses Tal in Südtirol ist ihr zu eng, zu hinterwäldlerisch, zu langweilig. Sie braucht Kunst, Kultur, Gesellschaft, Amusement und gerne auch etwas Anbetung durch interessante Männer.

„Wer sollte sie hier denn anhimmeln? In diesem Tal am Ende der Welt. Niemand, genauso wie in Maiernigg. Die Hölle.“

(S.70)

So wie Walter Gropius, mit dem sie eine heimliche Affäre angefangen hat.
Sie kokettiert mit den Dorfburschen im Gasthaus und gibt ihrem Ehemann immer wieder Anlass zur Eifersucht.

Mahler hingegen ringt mit seinem Schaffen, verzweifelt an seinen gesundheitlichen Gebrechen und spürt, wie ihm seine große Liebe immer mehr entgleitet. Zudem scheint dem einfachen Volk die Walzermusik seines ungeliebten Konkurrenten Strauß zu seinem Groll näher zu stehen, als seine doch so viel innovativeren Orchesterwerke.

„Er hatte in den vergangenen Tagen viel über das Prinzip des Gasthausbesuchs nachgedacht. Er war wohl einer jener Menschen, dachte er, die immer wieder einmal Gesellschaft brauchten, um in dieser allein zu sein.“

(S.146)

Koppelstätter erzählt im Wechsel aus Alma’s und Gustav’s Perspektive und lässt seine Leserinnen und Leser so in die unterschiedlichen Gefühlswelten und Gedanken des Paares eintauchen.
Es wird klar, dass sich die Eheleute immer mehr von einander entfernt haben, auf die Schicksalsschläge wie den Tod ihrer Tochter, unterschiedlich reagiert haben. Gerade diese zunehmende Distanz und der Kontrast zwischen Einstellungen und Erwartungen ans Leben, werden in „Almas Sommer“ besonders deutlich.

Da ich schon einiges über Alma Mahler-Werfel und Gustav Mahler gelesen habe, kann ich nicht beurteilen, wie das Buch ohne Vorkenntnisse ankommt. Denn es ersetzt natürlich in keinster Weise eine umfassende Biografie oder historische Einordnung – vielmehr ist es ein Schlaglicht, eine Momentaufnahme einer kurzen Zeit der Sommerfrische, die sich stellenweise fast zur Eiszeit verwandelt.
Es ist das Ende einer Ehe, die hier thematisiert wird und ein Roman über die Eifersucht.

Auch wenn manches etwas klischeebehaftet und scherenschnittartig ausfällt – so wirkt Alma’s Arroganz und ihre abfälligen Bemerkungen für meinen Geschmack manchmal etwas zu eindimensional – lässt sich das Buch dennoch sehr flüssig und zügig lesen und entwickelt einen Sog, der einen mit sich zieht.

Man spaziert mit Mahler durch die schöne Bergwelt, wacht mit ihm in seinem Komponierhäuschen und wünscht ihm den Kuss der Muse und den Schaffensrausch, den er braucht, um seine unvergleichliche Musik entstehen zu lassen.
Man leidet mit bis zu großem Showdown, bei dem er sich dem jungen Liebhaber seiner Frau tatsächlich persönlich stellen muss.

Mir hat der Roman auf jeden Fall Lust darauf gemacht, mich irgendwann selbst in Toblach auf die Spuren von Gustav Mahler zu begeben. Ein kleines – trotz aller Tragik – leichtes Buch, das gut ins Reisegepäck für einen Südtirol-Urlaub passt und nicht nur weiter zum Mythos „Gustav und Alma“ beiträgt, sondern auch der grandiosen Kulisse der Dolomiten ein zusätzliches Denkmal setzt.

„Wann würde er endlich wieder in Toblach sein? Er versuchte, die Tage zu zählen… Er sog an der Pfeife, er küsste Alma. Er würde sie nie für sich alleine haben, sie nie besitzen können. Ihm blieb nicht mehr viel Zeit, das spürte er.“

(S.178/179)

Buchinformation:
Lenz Koppelstätter, Almas Sommer
Kindler Verlag
ISBN: 978-3-463-00021-3

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich Lenz Koppelstätter’s „Almas Sommer“:

Für den Gaumen:
Gustav Mahler war 1910 bereits ein kranker Mann und achtete daher auch sehr auf seine Ernährung:

„Agnes bereitete ihm ein Frühstücksbrot zu. Viel Kunsthonig. Tee. Kaffee. Etwas Gebäck, etwas Geflügel vom Vortag. Obst. Keine Butter. Bloß nicht! Er liebte das selbstgemachte Grahambrot, es schmeckte so intensiv, es gab ihm die Energie, die er für den Tag brauchte.“

(S.59)

Zum Weiterhören:
Natürlich kommt im Roman der Musik und dem kompositorischen Schaffen Gustav Mahler’s eine wichtige Rolle zu: So erfährt man bei der Lektüre einiges über die Werke, die in Toblach (oder zu großen Teilen dort) entstanden sind: „Das Lied von der Erde“, die neunte Sinfonie und die unvollendete zehnte Sinfonie. Eine schöne Gelegenheit bzw. ein guter Anlass, mal wieder ein bisschen Mahler zu hören.

Für den nächsten Südtirol- und Museumsbesuch:
Der Südtiroler Ort Toblach besitzt ein Kulturzentrum, das sogar den Namen des berühmten Komponisten trägt. Auf der Homepage findet man interessante zeitgeschichtliche Hintergründe, Bilder (z.B. des Komponierhäuschens) und Informationen über die Aufenthalte Gustav Mahlers im Ort. Im Juli (09.07. – 22.07. 2022) werden dort die Gustav Mahler Musikwochen stattfinden. Ein Festival mit Konzerten, Ausstellungen und Vorträgen, das seit 1981 alljährlich stattfindet.
Auch wenn ich es dieses Jahr sicher nicht dorthin schaffen werde, wäre das durchaus mal etwas für die gedankliche Merkliste in Verbindung mit einem schönen Südtirolurlaub.

Zum Weiterlesen (I):
So manchem Leser oder mancher Leserin mag der Name Lenz Koppelstätter vielleicht bekannt vorkommen, denn seine Südtirol-Krimis um Commissario Grauner und Ispettore Saltapepe sind seit Jahren sehr erfolgreich. Aktuell sind bereits sieben Bände der Reihe erschienen und der achte wird im Dezember 2022 folgen. Auftakt der Reihe ist „Der Tote am Gletscher“ und man wird bei der Lektüre schnell merken, dass auch Commissario Grauner ein Fan von Gustav Mahler ist.

Lenz Koppelstätter, Der Tote am Gletscher
KiWi Taschenbuch
ISBN: 978-3462047288

Zum Weiterlesen (II):

Eines meiner ersten Bücher, das ich im August 2020 auf der Kulturbowle vorgestellt habe, war auch ein kleines, feines Buch über Gustav Mahler und behandelt ebenfalls die späte Lebensphase des Komponisten: „Der letzte Satz“ von Robert Seethaler, das mich damals sehr berührt und vor allem aufgrund der Sprache begeistert hat.

Robert Seethaler, Der letzte Satz
Hanser Berlin
ISBN: 978-3-446-26788-6

Maibowle 2022 – Wirbelwinde und Lektürehäppchen

Der Mai war turbulent und teilweise stürmisch, brachte uns aber auch bereits erste schöne Sommertage. Mein Kultur- und Lesemonat war vielseitig und abwechslungsreich und auch wenn manchmal die Zeit und Konzentration für ausgiebige Lektüren fehlte, war doch einiges geboten, über das es sich zu berichten lohnt.

Ein musikalisches Glanzlicht war diesen Monat auf jeden Fall das Konzert des Vokalensembles Singer Pur in der Landshuter Heilig Kreuz-Kirche im Rahmen der 20. Landshuter Hofmusiktage. Gesangliche Perfektion mit viel Gefühl und ein hochinteressantes Programm, das vor allem auch das Werk von Komponistinnen in den Fokus rückte und mich zudem auf die hörenswerte CD „Among Whirlwinds“ aufmerksam machte.

Und endlich hat es auch mit der verschobenen Landshuter Premiere des Musicals „Me and my girl“ im Landestheater Niederbayern geklappt – eine wunderbare Inszenierung wie aus dem Bilderbuch, grandiose Kostüme, tolle Ausstattung, bestens gelaunte Sängerinnen und Sänger, tolle Tanzeinlagen, ohrwurmverdächtige Melodien – ein rundum beschwingtes Theatervergnügen! Großartig!

Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir auch die BR-Dokumentation aus der Reihe „Lebenslinien“ über den Theatermacher, Intendanten des Münchner Volkstheaters und Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele Christian Stückl, die aktuell noch in der BR-Mediathek abrufbar ist – für eventuelle Oberammergaubesucher oder Theaterfans im allgemeinen unbedingt sehenswert!

Und auch zwei Filme, die ich diesen Monat gesehen habe, sind empfehlens- und erwähnenswert:

Auf ARTE lief der Film „Il Traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra“ des italienischen Regisseurs Marco Bellocchio, der in eindringlichen Bildern und mit hervorragenden Darstellern die Geschichte des ersten Kronzeugen im Maxi-Prozess erzählt. Auch die dazugehörige Dokumentation im Anschluss war sehr interessant und aufschlussreich.

Ebenso auf ARTE konnte mich Volker Schlöndorff’s Film „Diplomatie“ aus dem Jahr 2014 überzeugen – ein filmisches Kammerspiel, das sich um die letzten Tage der deutschen Besatzung in Paris im August 1944 dreht und erzählt, wie der schwedische Konsul versucht, den deutschen Stadtkommandanten zu überzeugen, die Stadt trotz Befehl nicht zu zerstören.

Diesen Monat habe ich mich mangels Zeit und Konzentration mit wenigen Ausnahmen eher an schlankere Bücher gehalten, aber manchmal liegt ja auch in der Kürze die Würze und es waren wirklich sehr schöne, kleine, feine Entdeckungen dabei:

Carsten Gansel’s „Kind einer schwierigen Zeit: Otfried Preußlers frühe Jahre“ ließ mich zu Monatsbeginn einen für mich sehr prägenden Autor näher kennenlernen und besser verstehen. Die hochinteressante, sehr gut lesbare Biografie, die vor allem die Kindheit, Jugend und Preußler’s Zeit in russischer Kriegsgefangenschaft näher beleuchtet, hat mir viele neue Aspekte und Sichtweisen auf die so geliebten Kinder- und Jugendbücher wie „Die kleine Hexe“, „Räuber Hotzenplotz“ oder „Krabat“ und den Menschen hinter diesen Geschichten eröffnet.

Das Thema Kunst und das „wie und warum sie entsteht“ begegnete mir auch in völlig anderer Form in Franziska Hauser’s neuem Roman „Keine von ihnen“. Eine junge Frau ermogelt sich einen dreimonatiges Stipendium in einem Künstlerhaus und blickt auf einmal – angeregt durch die Begegnungen mit ihren Mitstipendiaten – mit einem neuen, inspirierten Blick kritisch auf ihr bisheriges Leben. Eine spannende Auseinandersetzung mit der Frage: Was ist Kunst?

Künstlerisch ging es auch weiter und zwar mit dem Komponisten Gustav Mahler und seiner berühmten Frau Alma: Lenz Koppelstätter hat mit seinem Roman „Almas Sommer“ ein kurzes Lebenskapitel der beiden ausgewählt und den Sommerurlaub der beiden im Südtiroler Toblach im Jahre 1910 lebendig werden lassen. Alma, die sich nicht zwischen ihrem Ehemann und der Affäre mit Walter Gropius entscheiden möchte und Gustav Mahler ein hochsensibler, kränkelnder Künstler, der zwischen Eifersucht und dem quälenden Schaffensprozess seiner Kompositionen zerrissen wird.

Von der Südtiroler Bergwelt ging es an den schönen Lago Maggiore nach Ancona mit Victoria Wolff’s Roman „Die Welt ist blau“. Ein schnörkelloser und doch raffinierter Roman aus der Zeit der neuen Sachlichkeit bzw. dem Jahr 1934.
Und weil’s so schön war, verweilte ich auch gerne noch ein wenig länger dort:
Edgar Rai’s Roman „Ascona“, der letztes Jahr erschienen ist, beschreibt die Zeit, die Erich Maria Remarque im Schweizer Exil ab 1933 in seiner Casa Monte Tabor verbrachte – ein Buch, das mich gepackt und völlig in seinen Bann gezogen hat (ich werde bald näher berichten).

Ein kleines, feines Buch ist auch Andrea Camilleri’s „Brief an Matilda – Ein italienisches Leben“, in dem er in einem langen Brief an seine vierjährige Urenkelin als über Neunzigjähriger auf sein Leben zurückblickt und erzählt. Ein intimes, wunderbares Vermächtnis eines großen Künstlers und Schriftstellers, das zugleich ein Zeitzeugnis italienischer Geschichte ist.

Und ich verweilte noch ein wenig länger literarisch in Sizilien: Durch den Film „Il Traditore“ bereits im Thema, widmete ich mich einem italienischen Krimi-Klassiker aus dem Jahr 1961 mit Leonardo Sciascia’s „Der Tag der Eule“, der als einer der ersten Kriminalromane gilt, die sich mit dem Thema Mafia auseinandersetzten und später auch verfilmt wurde. Ein kompakter, knackiger Krimi auf knapp 140 Seiten, der vieles zwischen den Zeilen nur andeutungsweise erahnen lässt.

Als Kontrastprogramm zur italienischen Krimikost gab es dann zum Monatsende noch ein richtiges, literarisches Schmankerl: Der Roman „Die Sekretärinnen“ der schwedischen Autorin und Feministin Elin Wägner aus dem Jahr 1908. Vier junge Frauen in Stockholm Anfang des 20. Jahrhunderts, die sich gegen die damaligen Konventionen auflehnen, eine Wohngemeinschaft bilden, sich ihren Lebensunterhalt in der Großstadt selbst verdienen möchten und sich schon bald auch politisch für Frauenrechte engagieren. Hierzu folgt sicher in Kürze mehr.

Was bringt der Juni?

Hoffentlich viel Zeit im Freien, schöne, lange Sommertage mit Licht und Luft zum Durchatmen. Dazu Kulturgenuss und Sommerlektüre, die hoffentlich für etwas Leichtigkeit in unseren schwierigen Zeiten sorgen.

Ich wünsche allen einen hellen, freundlichen und friedlichen Juni, schöne Pfingst- und Mittsommertage sowie Zeit für die schönen Dinge des Lebens!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight Mai:
Bei schönem Wetter konnte die bayerische Biergarten-Saison eröffnet werden und passend zum Monat war auch das Bierangebot: ein Maibock, d.h. ein untergäriges Starkbier mit malzigem Aroma, für das man schon eine gute Unterlage braucht.

Musikalisches im Mai:
Diesen Monat habe ich das Album „Odyssee“ von Quadro Nuevo für mich entdeckt: Musik, die mich – ähnlich wie bereits das Album „Mare“ in Sommerstimmung versetzt und gemäß dem Untertitel „a journey into the light“ für helle und lichte Momente sorgt.

Mai
Nun aber hebt zu singen an
Der Mai mit seinen Winden.
Wohl dem, der suchen gehen kann
Und bunte Blumen finden!

Die Schönheit steigt millionenfach
Empor aus schwarzer Erden;
Manch eingekümmert Weh und Ach
Mag nun vergessen werden.

Denn dazu ist der Mai gemacht,
Daß er uns lachen lehre.
Die Herzen hoch! Und fortgelacht
Des Grames Miserere!

Otto Julius Bierbaum (1865 – 1910)

Frauen Stimmen geben

Frau Musica – Musik von, mit und über Frauen aus 900 Jahren“ war das diesjährige Motto der 20. Landshuter Hofmusiktage, einem europäischen Festival für Alte Musik, das nach pandemiebedingter zweijähriger Verspätung endlich stattfinden konnte. Ein wunderbares und wichtiges Motto, das mir einen unvergesslichen und in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten Konzertabend bescherte, auf den ich mich mehr als zwei Jahre lang und vollkommen zu Recht sehr gefreut hatte.

Das Vokalsolistenensemble Singer Pur besteht aus einer Frauen- und fünf Männerstimmen, d.h. ein Sopran, drei Tenöre, ein Bariton und ein Bass. 1992 ursprünglich von fünf ehemaligen Regensburger Domspatzen und einer Sängerin gegründet hat sich das Ensemble – dessen Besetzung im Laufe der Zeit immer wieder einmal gewechselt hat – zu einem der führenden und mehrfach preisgekrönten deutschen Vokalensembles entwickelt.

Das enorm vielseitige Programm, das in der als Konzertsaal bestens geeigneten Heilig Kreuzkirche Landshut durch das Ensemble zur Aufführung kam, spannte einen großen, zeitlichen Bogen von Musik aus dem 15. Jahrhundert bis hin zu zeitgenössischer Musik – und legte vor allem Wert auf einen hohen Anteil an Musik „von Frauen“, d.h. der leider im Klassikbetrieb so häufig unterrepräsentierten Komponistinnen. Das Konzert, das so schön mit „Herztöne – Liebe im Klang der Zeit“ betitelt war, bereitete gleich zu Beginn des ersten Teils einen wunderbaren Einstieg, denn schon der Auftakt mit Dominique Phinot’s Renaissance-Werk „Surge, propere amica mea“ breitete einen dichten Klangteppich der sechs Stimmen aus, auf dem man sich sofort gerne von den wunderbaren Harmonien davon tragen ließ.

Die Gedanken kamen zur Ruhe, der Blick streifte durch die renovierte, ehemalige Klosterkirche des Landshuter Franziskanerinnenklosters mit Asamfresken und Wessobrunner Stukkaturen, der mittlerweile als „säkularer“ Kirchenraum, Konzertsaal und Aula des Hans-Carossa-Gymnasiums genutzt wird.

Der getragenere erste Teil des Konzerts „Das Hohelied der Liebe“ setzte Schwerpunkte auf alte Musik mit Werken von Phinot, de Latre, Dufay und Senfl, die durch zeitgenössische Stücke von Joanne Metcalf und Jessica Horsley kontrastiert wurden.

Die Harmonie der Stimmen, der Zusammenklang, die perfekte Intonation und sehr hohe Textverständlichkeit begeisterten das Publikum. Und jeder Musikbegeisterte oder auch jemand, der vielleicht sogar selbst in einem Chor singt, weiß und kann einschätzen, welche Klasse und welch hohes Niveau dieses Repertoire den SängerInnen abverlangt.

Allerhöchsten Respekt nötigte mir auch die Tatsache ab, dass Sarah M. Newman als kurzfristige Einspringerin (für die erkrankte Claudia Reinhard) mit lediglich einer Woche Vorlauf das hoch anspruchsvolle Programm mit einer faszinierenden Souveränität meisterte und sich perfekt in den Klang des eingespielten Ensembles einfügte. Diese Leistung hatte wahrlich einen Extra-Applaus verdient.

Ein wunderbarer, unvergesslicher Konzertabend nach einem sonnigen Maitag, der zum Ende des etwas luftig-leichteren zweiten Teils – die Herren auf der Bühne hatten die Krawatten jetzt auch abgelegt – sehr passend mit zwei genial arrangierten Sting-Titeln „Every Little Thing She Does Is Magic“ und „Fields of Gold“ einen stimmungsvollen Ausklang fand und das Publikum glücklich, beschwingt und freudig in den lauen Sommerabend entließ.

Doch so mancher Gast stoppte davor noch kurz am gut sortierten CD-Stand und nahm wie ich ein paar der musikalischen „Wirbelwinde“ mit nach Hause, denn die neueste CD „Among Whirlwinds“ – ein Projekt, das während der Pandemie entstanden ist – enthält ausschließlich Musik von Komponistinnen. Eines meiner Lieblingslieder darauf ist das Stück „Remember“ der 1979 geborenen slowenischen Komponistin Katarina Pustinek Rakar.

Einer Aufforderung, der ich gerne folge, denn dieses zauberhafte Konzert, das getragen wurde von der großen Freude und dem Herzblut, das Singer Pur in ihre „Herztöne“ legten und es sichtlich genossen, endlich wieder live vor Publikum auftreten zu können, werde ich sicherlich nicht vergessen. Die „Wirbelwinde“ werden ihr übriges tun, wenn sie von Zeit zu Zeit bei mir zu Hause aus den Lautsprechern klingen dürfen.

Gesehen am 12. Mai 2022 in der Heilig Kreuzkirche Landshut

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Wozu inspirierte mich bzw. woran erinnerte mich dieses Konzert:

Zum Weiterhören:
Die aktuelle CD von Singer Pur „Among Whirlwinds – Kompositionen von Frauen für Stimmen“ (erschienen 2021 bei OEHMS Classics – hier geht es zur Homepage) widmet sich ausschließlich der Musik weiblicher Komponistinnen. Viele Stücke, die ich in Landshut live genießen durfte, sind auf der CD vertreten, u.a. Werke von Joanne Metcalf, Hildegard von Bingen, Fanny Hensel, Clara Schumann, alte Musik (u.a. von Cesarine Ricci de Tingoli), aber auch Werke zeitgenössischer Komponistinnen wie Stanislava Stoytcheva oder Katarina Pustinek Rakar, um nur ein paar zu nennen.

Aber auch nordische Klänge aus Island von Anna S. Þorvaldsdóttir oder aus Schweden von Elfrida Andrée sind vertreten. Eine wunderbare klangliche, musikalische Zeitreise durch die Welt der Musik von Frauen – eine längst überfällige Idee und erstklassig umgesetzt.

Zum Weiterklicken oder für einen Konzertbesuch:
Vielleicht kommen Singer Pur demnächst aber ja auch in Eure Nähe – auf der Website der Gruppe findet ihr die nächsten Termine, musikalische Eindrücke und Hörproben, Porträts der Mitglieder und jede Menge weitere Informationen zur Historie und den zahlreichen Aufnahmen, die seit der Gründung 1992 bereits entstanden sind.

Zum Weiterschauen und Weiterklicken:
Schon seit längerem auf meiner Liste steht der preisgekrönte Dokumentarfilm „Komponistinnen“ von Kyra Steckeweh und Tim van Beveren. Dieser beleuchtet neben den Lebensläufen der vier Komponistinnen Mel Bonis (1858-1937), Lili Boulanger (1893-1918), Fanny Hensel (1804-1847) und Emilie Mayer (1812-1883) vor allem auch die Frage, warum auch heute immer noch so wenig Stücke von Komponistinnen in der Klassikszene aufgeführt werden. Hier geht es zur Website des Films: „Komponistinnen“.

Für einen Konzertbesuch oder Städtetrip:
Die Landshuter Hofmusiktage wurden 1982 gegründet und sind eines der ältesten Festivals für Alte Musik in Bayern. In der Regel finden sie alle zwei Jahre statt und sind für Freunde und Freundinnen alter Musik ein beliebter Anlass, die niederbayerische Stadt und das eine oder andere Konzert zu besuchen.

Zum Weiterlesen:
Bereits vor einiger Zeit habe ich Peter Härtlings Buch über das Leben von Fanny Hensel-Mendelssohn mit großem Interesse gelesen, die als Komponistin immer im Schatten ihres berühmten Bruders Felix Mendelssohn-Bartholdy stand.
Auf der Singer Pur-CD „Among Whirlwinds“ ist auch ein Werk von ihr vertreten: „Nacht liegt auf den fremden Wegen“.

Peter Härtling, Liebste Fenchel!:
Das Leben der Fanny Hensel-Mendelssohn in Etüden und Intermezzi
dtv
ISBN: 978-3423141956

„In der Musik hat Gott den Menschen die Erinnerung an das verlorene Paradies hinterlassen.“

(Hildegard von Bingen)

Aprilbowle 2022 – Eustasiusschnee und Feuerzauber

Der April begrüßte uns tatsächlich noch einmal mit Schnee – am 2. April – dem Namenstag des heiligen Eustasius, der lange Zeit als Gründer des bayerischen Kloster Weltenburg angesehen wurde, was mittlerweile jedoch als widerlegt gilt – hatten wir tatsächlich noch einmal eine weiße Winterlandschaft.
Im Laufe des Monats konnten wir dann jedoch den Frühling begrüßen: Osterglocken, Tulpen und Vergissmeinnicht lachen fröhlich aus den Gärten und in den Parks… und heben die Laune in nach wie vor düsteren Zeiten.

Einen fantastischen Feuerzauber durfte ich endlich – mit zwei Jahren pandemiebedingter Verspätung – im Landestheater Niederbayern erleben, denn die Ring-Produktion konnte mit „Die Walküre“ fortgesetzt werden. Eine extrem kurzweilige und sehr unterhaltsame Inszenierung, Musik zum Schwelgen und ein spielfreudiges, gut aufgelegtes Ensemble machten den Abend zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Und auch vom Landshuter Schauspielensemble gab es die Premiere einer großartigen Produktion zu feiern mit einem Schauspiel von Thomas Jonigk nach Stefan Zweig’s Roman „Ungeduld des Herzens“, das als Studiostück in der intimen Atmosphäre des Landshuter Salzstadls besonders intensiv zur Geltung kam.

Neu für mich entdeckt habe ich diesen Monat den ZEIT Wochenend-Podcast „Und was machst du am Wochenende?“ und ich habe zwei Folgen gehört, die mir gut gefallen haben: und zwar die mit Axel Hacke, dessen Buch „Ein Haus für viele Sommer“ ich diesen Monat gelesen habe und das ich geliebt habe (mehr dazu später im Text und hier auf der Bowle) und die mit Ulrich Wickert, den ich sowohl als Journalist, aber auch als Krimiautor schätze (da er gerade einen weiteren Krimi fertiggestellt hat, darf ich mich hier wohl auch bald auf Neues aus seiner Feder freuen).

Der Lesemonat April war so vielfältig wie das Wetter draußen vor dem Fenster:
Von Lyrik, über Krimis und Reiseliteratur bis hin zu außergewöhnlichen und feinen Romanen war alles dabei und auch die Schauplätze haben mich erneut weit herumkommen lassen: ein Wallfahrtsort am Niederrhein, die Gaspésie-Halbinsel in Kanada, Helsinki, Hamburg, Sardinien, Montagnola im Tessin, die Insel Elba, französische Klöster, München und New York – all das in einem Monat, das kann nur Literatur. Wer gerne einmal sehen möchte, wohin mich meine bisherigen Kulturbowle-Lektüren schon geführt haben, kann jederzeit mal hier nach sehen: „Die Welt erlesen“.

Wundervolle und geradezu meditative Momente bescherte mir gleich zum Monatsbeginn der feine Lyrikband „Ein Vogelruf trägt Fensterlicht“ von Christine Langer: Ästhetische und sinnliche Gedichte, die erden und zur Ruhe kommen lassen – für mich die ideale Poesie für die Zeit zwischen Tag und Nacht.

Bernadette Schoog’s Roman „Marie kommt heim“ beschreibt die Rückkehr einer Frau in einen niederrheinischen Wallfahrtsort, dem sie vor vielen Jahren aufgrund der Enge den Rücken gekehrt hatte, um dort die Mutter beim Sterben zu begleiten, zu der sie nicht immer das beste Verhältnis hatte: eine Reise in die Vergangenheit und zu den familiären Wurzeln, die so manche, unerwartete Überraschung und Erkenntnis bereithält. Intelligent, fein beobachtet und sehr schön zu lesen.

Ging es in Schoog’s Buch um Mütter und Töchter, so könnte man durchaus eine Parallele zu Roxanne Bouchard’s „Die Korallenbraut“ sehen, das unter anderem auch eine Vater-Sohn-Geschichte erzählt. Aber als Kriminalroman, der auf der kanadischen Gaspésie-Halbinsel spielt und als zweiter Fall von Sergeant Morales erneut vor allem von der intensiven, maritimen Atmosphäre lebt, hatte diese Lektüre doch letztlich einen völlig anderen Charakter.

Absolut außergewöhnlich und in jeder Hinsicht sehr besonders war der Roman „Der Schildkrötenpanzer“ des finnischen Autors Mooses Mentula. Eine abenteuerliche Reise durch Raum und Zeit, in der die Grenzen zwischen Fakten und Fiktion verschwimmen und so mancher totgeglaubte Erfolgsautor wieder zu neuem Leben erwacht. Ein schräg-skurriles literarisches Roadmovie aus Finnland!

Auf eine Zeitreise in die Vergangenheit schickte mich dann auch Hartmut Höhne’s Kriminalroman „Mord im Gängeviertel“, welcher die Sülzenunruhen in Hamburg 1919 als historischen Rahmen gewählt hat. Ein lehrreicher, für mich informativer und auch unterhaltsamer historischer Krimi, der ein spannendes Kapitel der Hamburger Stadtgeschichte wieder zum Leben erweckt.

Weiterhin in Krimilaune – doch in wärmeren, südlicheren Gefilden – durfte ich dann mit den nächsten beiden Büchern schwelgen:
Der mit großer Spannung erwartete zweite Fall von Gesuino Némus’ Sardinien-Krimireihe „Süße Versuchung“ schenkte mir sonnige und kurzweilige Lesestunden im kleinen Örtchen Telévras, das ich schon aus „Die Theologie des Wildschweins“ kannte. Durch den Zeitsprung in die Gegenwart – der erste Teil spielte im Sommer 1969 – und die neuen Figuren hat dieser Band einen anderen Charakter als der erste Teil und ist doch auf seine Art ebenfalls wieder etwas Besonderes – ein extravagantes, charmantes, sardisches Krimivergnügen!

Eine neue Ermittlerin und den Auftakt zu einer neuen Regio-Krimireihe im schönen Tessin durfte ich mit Mascha Vassena’s „Mord in Montagnola“ kennenlernen. Sympathische, intellektuelle Figuren, eine urige, sonnige und authentische Urlaubsatmosphäre in dem Tessiner Ort, der lange Hermann Hesse’s Wahlheimat war, literarische und kulinarische Anspielungen – für mich ein ideales Sommerbuch für einen Abend auf Balkon oder Terrasse – auch wenn ich ihn temperatur- und witterungsbedingt noch auf der Couch gelesen habe.

Die Italiensehnsucht und das Fernweh hat mich dann endgültig gepackt, als ich das wunderbare neue Buch von Axel Hacke „Ein Haus für viele Sommer“ gelesen habe, in dem er sein Ferienhaus auf der Insel Elba, aber vor allem auch seine Begegnungen mit den Menschen dort, beschreibt. Ein zauberhaftes, lichtdurchflutetes, fröhliches Buch, das glücklich macht und mit Sicherheit einer meiner Lesehöhepunkte in diesem Jahr sein wird. (Eine ausführliche Rezension wird folgen.)

Wer nach etwas Ruhe in unruhigen Zeiten sucht, kann sich – wie ich es diesen Monat getan habe – in die Obhut der Reiseliteratur von Patrick Leigh Fermor begeben: in seinem schmalen Band „Eine Zeit der Stille – Zu Gast in Klöstern“, beschrieb er 1957 seine Erfahrungen, die er bei mehreren Aufenthalten als Gast in (vorwiegend) französischen Klöstern (u.a. einem Trappistenkloster) gemacht hat. Sprachlich sehr schön und besinnlich, so dass man auch als LeserIn die Welt um sich für die Zeit der Lektüre eine Weile vergessen kann.

Die letzten zwei Bücher des Monats standen ganz im Zeichen zweier besonderer Frauenfiguren:
Katharina Adler’s Roman „Iglhaut“, der im Mittelpunkt eine stachlige, eigenwillige Frau hat, die in einem Münchner Hinterhof eine kleine Schreinerwerkstatt betreibt und dort neben ihren eigenen Problemen auch die Sorgen, Nöte und unterschiedlichsten Lebensumstände der anderen Mieter des Hauses hautnah mitbekommt. Ein buntes Kaleidoskop an Erzählsträngen und Figuren, ein facettenreiches Spiegelbild unserer Gesellschaft mit einem ganz eigenen, besonderen Charme.

In jeder Hinsicht außergewöhnlich und besonders ist auch Tante Mame, der Star in Patrick Dennis’ Roman „Darling – Meine verrückte Tante aus New York“ aus dem Jahr 1955, der jetzt durch eine Neuauflage ein Revival für deutschsprachige Leser erfahren könnte. Ein lustiger, humorvoller Roman über eine gewitzte Lebenskünstlerin und Lebedame aus New York, die ihren Neffen und Ziehsohn mehr als einmal in die Bredouille bringt. Ich werde Euch diese spannende Dame bald näher vorstellen.

Was bringt der Mai?
Dieser Monat steht bei mir im Zeichen von kulturellen Nachholterminen und ich hoffe sehr, dass jetzt alles klappt:
Ein Stück im „Kleinen Theater“ bzw. den Landshuter Kammerspielen – „Die Geierwally“ als Ein-Personen-Stück mit Barbara Kratz unter der Regie von Diana Anders.
Nach zweimaliger Verschiebung finden nun hoffentlich endlich auch die ursprünglich für 2020 geplanten 20. Landshuter Hofmusiktage – ein europäisches Festival alter Musik – statt, das dieses Mal unter dem Motto „Frau Musica – Musik von, mit und über Frauen“ steht.
Am Landestheater Niederbayern hoffe ich im zweiten Anlauf auf die heiß ersehnte Premiere des Musicals „Me and my girl“, die wegen Erkrankungen im Ensemble vom März auf Mai verlegt werden musste.

Und auch einen Film habe ich mir wieder notiert: Am Sonntag, den 22. Mai 2022 zeigt ARTE um 20.15 Uhr „Il Traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra“ – ein Thriller nach wahren Begebenheiten und mit einer Dokumentation im Anschluss.

Das heißt der Mai hat kulturell einiges zu bieten und vielleicht kann auch die „Draußen-Lese-Saison“ endlich eröffnet werden. Denn lektüretechnisch freue ich mich jetzt verstärkt auf sommerliche Literatur und habe schon viel Schönes zum Schmökern bereitgelegt.

Ich wünsche allen einen kulturell und literarisch abwechslungsreichen, wunderbaren, gesunden, freundlichen und friedlichen Mai!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight April:
Es ist Bärlauch-Zeit! Eine schöne Zubereitungsmöglichkeit sind Bärlauch-Käsespätzle – die bringen Farbe auf den Teller und schmecken wunderbar. Einfach bei der Zubereitung des Spätzleteigs den Bärlauch hinzufügen und pürieren.

Musikalisches im April:
Es gibt ein wunderbares Musikstück des Herbert Pixner Projekts, das mich auch zur Überschrift meiner Aprilbowle (bzw. dem Eustasiusschnee) inspiriert hat und zwar „Antoni Schnee“ – stimmungsvoll zauberhafte Musik aus den Alpen und nur eines der vielen großartigen Stücke dieser Formation.

Leise zieht durch mein Gemüt

Leise zieht durch mein Gemüt
Liebliches Geläute.
Klinge, kleines Frühlingslied.
Kling hinaus ins Weite.

Kling hinaus, bis an das Haus,
Wo die Blumen sprießen.
Wenn du eine Rose schaust,
Sag, ich laß sie grüßen.

(Heinrich Heine)