Aprilbowle 2021 – Blütenzauber und Neuentdeckungen

Im April hat sich nach anfänglich klassisch-wechselhaftem Aprilwetter dann doch der Frühling endlich Bahn gebrochen. Es blüht und grünt in voller Pracht und beim Spazierengehen kann man einen wahren Blütenzauber genießen. Für mich präsentierte sich der Monat vielseitig mit guten Büchern und einigen musikalischen Livestreams, die ein paar schöne Neu- oder Wiederentdeckungen für mich bereithielten.

„Schicksalsfäden sind eben auch nicht mehr das, was sie mal waren.“

(aus „Der Ring an einem Abend“ von Loriot)

Wie schon in den vergangenen Monaten waren und sind wir kulturell immer noch auf Digitales angewiesen, so konnte ich mich unter anderem über einen schönen Wagner-Abend der Leipziger Oper freuen, die mit einem tollen Ensemble Loriot’s „Der Ring an einem Abend“ auf die Bühne und die Bildschirme zauberte.
Loriot’s humorvolle Texte begleiteten mich dann auch noch weiter im „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns, den das Münchner Gärtnerplatztheater als Livestream zur Verfügung stellte.

Wer einen spannenden Theaterabend zu Hause verbringen möchte, dem kann ich „Die unsichtbare Hand“ von Ayad Akhtar in der Mediathek des Landestheater Niederbayern empfehlen – ein packendes, düsteres Kammerspiel, das Terrorismus und Wirtschaftskriminalität thematisiert und hervorragend inszeniert und schauspielerisch umgesetzt ist. Fesselnd und packend – ein eindrucksvolles Stück, das einen auch danach noch lange beschäftigt.

Filmisch hat mich im April vor allem „Hannah Arendt“ von Margarethe von Trotta fasziniert, der auf ARD Alpha gezeigt wurde, da sich der Eichmann-Prozess zum 60. Mal jährte. Zudem ist der neu erschienene Roman „Was wir scheinen“ von Hildegard E. Keller über Hannah Arendt aktuell in aller Munde, den ich auch bald lesen möchte.

Literarisch präsentierte sich der April für mich ebenso schillernd und farbenprächtig wie die Natur vor der Haustür:
Den Auftakt machte der schmale Band „Die souveräne Leserin“ von Alan Bennett, der mir in einer schönen illustrierten Ausgabe der Büchergilde ein kurzes, aber beglückendes Lesevergnügen bereitet hat. Der Roman über die Queen, die inspiriert durch einen Besuch im Bücherbus ihre Lust am Lesen entdeckt und nach und nach ihre royalen Pflichten vernachlässigt, um ihrem neuen Laster frönen zu können, ist für alle Bücherliebhaber und Literatursüchtige eine amüsante Lektüre.

Fernweh und die Sehnsucht nach der Nordsee, versuchte ich mit Günter Wendt’s Regio-Krimi „Die letzte Fähre ging um fünf“ zu stillen, der auf der fiktiven Hallig Grienoog seinen Kommissar Kollerup in einem Mordfall ermitteln lässt. Mit dem Erholungseffekt einer tatsächlichen Reise an die Küste konnte er es aber natürlich nicht aufnehmen.

Geschichtlich interessant und spannend erzählt ist der neue Roman von Marie Benedict „Lady Churchill“, der die starke Frau an Winston Churchill’s Seite Clementine Churchill aus dem Schatten ihres Mannes ins Licht holt. Ein lesenswertes Buch über eine emanzipierte, gebildete und beachtenswerte Frau.

Eine großartige Neuentdeckung für mich war die Wiederentdeckung der Autorin Rumer Godden durch den Kampa Verlag mit der neuen Ausgabe von „Unser Sommer im Mirabellengarten“ (Originaltitel: „The Greengage Summer“, 1958). Ein unvergleichlich schönes, atmosphärisches Sommerbuch, das mich durch die eindrucksvolle Sprache, faszinierende Charaktere und den gelungenen Spannungsbogen durchwegs begeistert hat. Eine große Leseempfehlung!

Britta Röder’s „Das Gewicht aller Dinge“ ist ein kleiner, feiner Roman, der auf intensive Art und Weise verdeutlicht, worauf es im Leben ankommt und dass es gut tut, Gutes zu tun. Die mysteriöse Geschichte der jungen Frau, die barfuß in einem leichten Kleid auf einer Parkbank erwacht und nicht weiß, wer sie ist und woher sie kommt, gibt dem Leser einige Rätsel auf.

Inspiriert durch einen schönen Livestream bzw. ein Couch-Konzert der Band Quadro Nuevo zum 100. Geburtstag von Astor Piazzolla, das auf YouTube noch zur Verfügung steht und das dem argentinischen Tango Nuevo huldigt, habe ich mich an einen Regalschlummerer erinnert und endlich „Das Bandoneon“ von Hans Meyer zu Düttingdorf gelesen. Ein Roman, der auf zwei Zeitebenen die Liebesgeschichte einer Deutschen erzählt, die 1927 aufgrund ihrer Heirat mit einem Argentinier auswandert und sich in Argentinien unsterblich in einen Tangomusiker verliebt.

Timon Karl Kaleyta erzählt in seinem Debütroman „Die Geschichte eines einfachen Mannes“ und erinnerte mich damit an eine moderne Fassung des „Hans im Glück“, dem zunächst ohne großes Zutun vieles zufliegt, um es dann letztlich doch wieder zu verlieren. Flüssig zu lesen, aber der letzte Funke ist bei mir leider nicht ganz übergesprungen.

Kein Monat ohne Krimi und daher ließ ich mich von Luca Ventura in seinem zweiten Band um den Polizisten Enrico Rizzi „Bittersüße Zitronen“ nach Capri entführen. Urlaubsflair und italienisches Lebensgefühl gemischt mit einem klassischen Krimi-Plot und kulinarischen Anklängen – ein Buch das mir Spaß gemacht und Entspannung geboten hat.

Meine hohen Erwartungen konnte Steffen Kopetzky’s „Monschau“ in jeder Form erfüllen. Ein großartiger Roman, der die Geschehnisse 1962 in dem kleinen Ort in der Eifel thematisiert, als dort die Pocken ausbrachen, welche ein rückkehrender Dienstreisender aus Indien mitgebracht hatte. Deutsche Zeitgeschichte gepaart mit einer feinen Liebesgeschichte, die ich mit großer Begeisterung gelesen habe und die mit großer Wahrscheinlichkeit zu meinen Lesehöhepunkten des Jahres zählen wird.

Ein wenig mehr oder etwas Anderes hatte ich mir hingegen von Renate Silberers Debütroman „Hotel Weitblick“ erwartet. Vier Manager (drei Männer und eine Frau) stellen sich in einem Hotel einem Auswahlverfahren, wer die zukünftige Firmenleitung einer Agentur übernehmen soll. Eine Ausnahmesituation, in welcher jeder versucht, seine persönlichen Schwächen und Abgründe vor den anderen zu verbergen und die zunehmend eskaliert. Ein psychologisches Kammerspiel in Romanform, ein schwieriger Stoff und schwere, literarische Kost zum Monatsende. Eine ausführliche Besprechung findet man bei „Feiner reiner Buchstoff“.

Auf was freue ich mich im Mai ganz besonders:
Mit Spannung erwarte ich das Rollendebüt von Christian Gerhaher in Aribert Reimann’s „Lear“ an der Bayerischen Staatsoper, das am 23.05.21 (19.00 Uhr) im Livestream und anschließend 30 Tage kostenlos als Video on demand zu erleben sein wird.

Literarisch warten einige Bücher von interessanten Autorinnen und Autoren auf mich und ich möchte meine literarische Europareise fortsetzen, die im April eine Ruhepause eingelegt hat – lasst Euch überraschen!

Und kulinarisch freue ich mich vor allem auf Spargel und Erdbeeren, damit der Frühling endlich auch auf dem Teller Einzug hält.

Allen Lesern meiner Kulturbowle wünsche ich heute einen schönen ersten, aber auch gesamten Mai!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

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Gaumen-Highlight April:

Kulinarisch bot der April für mich eine wunderbare Neuentdeckung: Mönchsbart (oder auch „barba di frate“), der in Italien auf meernahen, salzhaltigen Wiesen wächst und sich hervorragend mit Pasta kombinieren lässt. Ein saisonales Produkt, das mich begeistert hat und das auch nächstes Jahr sicher wieder auf meinen Tisch kommen wird. Inspiriert dazu wurde ich durch dieses sehr empfehlenswerte Rezept auf Arcimboldi’s World für Spaghetti mit Barba di Frate.

Musikalisches im April:
Sehr empfehlen kann ich das Konzertvideo (mit Interviews) „Mozart in Havanna“ der Hornistin Sarah Willis (Berliner Philharmoniker) gemeinsam mit dem Havana Lyceum Orchestra, das noch bis zum 25.06.21 auf ARTE Concert zu sehen ist und das beweist, wie gut Mozart und Mambo harmonieren – ein wahrer Quell guter Laune.

Der Frühling

Die Sonne glänzt, es blühen die Gefilde,
Die Tage kommen blütenreich und milde,
Der Abend blüht hinzu, und helle Tage gehen
Vom Himmel abwärts, wo die Tag‘ entstehen.

Das Jahr erscheint mit seinen Zeiten
Wie eine Pracht, wo Feste sich verbreiten,
Der Menschen Tätigkeit beginnt mit neuem Ziele,
So sind die Zeichen in der Welt, der Wunder viele.

(Friedrich Hölderlin, 1770-1843)

Die Uhr schlägt für große Oper

Nach 50 Jahren der vom Publikum verehrten und geliebten Otto Schenk-Inszenierung des „Rosenkavaliers“ von Richard Strauss in der Bayerischen Staatsoper in München, war es jetzt Zeit für eine Neuinszenierung und mit Barrie Kosky’s Regiearbeit gelingt eine neue Opernsternstunde, die ebenfalls großen Anklang finden wird. Die schlagenden Uhren, die in der Inszenierung in jedem Akt präsent sind, läuten eine neue Zeitrechnung der Traditionsoper im Münchner Nationaltheater ein.

Wie Kosky in der ebenfalls sehenswerten Online-Matinée zur Einführung des Werks erläuterte, sieht er die drei Akte der Oper im Grunde nahezu als eigene Stücke an, die er aus der Perspektive und in der Welt bzw. Umgebung der jeweiligen Hauptfigur erzählt. So ist der erste Akt die Zeit der Marschallin, die von Marlis Petersen in ihrem Rollendebüt exzellent, charismatisch und mit großer Bühnenpräsenz hervorragend gespielt und gesungen wird. Die Standuhr, welche dem Schäferstündchen mit ihrem jungen Geliebten Octavian (Samantha Hankey) den Rahmen bietet, ist zentrales Element auf der stilvoll und ästhetisch ansprechend gestalteten Bühne. Man spürt und sieht das gesetzte, adelige Establishment einer reifen Dame auch im Interieur und doch lässt Kosky auch die Verliebtheit und jugendliche Verspieltheit der Marschallin durch Petersen verkörpern – im transparenten Negligé springt und tanzt sie verliebt mit ihrem jugendlichen Liebhaber über die Bühne. Der Wechsel zwischen verliebter Leichtigkeit und der Melancholie der Geliebten, die weiß, dass sie den jugendlichen Liebhaber irgendwann verlieren wird und welche im Zeit-Monolog zum Ausdruck kommt, ist musikalisch und bildhaft wunderbar umgesetzt. Da entstehen zauberhafte Bilder – wie die Marschallin, die im eleganten Abendkleid auf dem Uhrenpendel schaukelt – die sich für immer einprägen werden.

„Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding.
Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts.
Aber dann auf einmal,
da spürt man nichts als sie:
sie ist um uns herum, sie ist auch in uns drinnen.“

(Hugo von Hofmannsthal, aus dem Libretto zu „Der Rosenkavalier“)

Der zweite Akt ist Sophie gewidmet, die durch penetrantes Weckerklingeln geweckt wird. Ein wichtiger Tag: sie soll schließlich ihren Bräutigam kennenlernen, mit welchem sie ihr Vater (Johannes Martin Kränzle spielt einen herrlich-komischen und gut aufgelegten Faninal) in einer arrangierten Ehe verheiraten möchte.
Katharina Konradi meistert die anspruchsvolle Gesangspartie mit großer Leichtigkeit auch in den hohen Passagen und gibt eine ungestüme, quirlige und selbstbewusste Sophie, die schnell gegen den Willen des Vaters aufbegehrt, da sie sich sofort unsterblich in den „Rosenkavalier“ Octavian verliebt, der ihr als Zeichen der Brautwerbung stellvertretend für den zukünftigen Gemahl Baron Ochs von Lerchenau eine silberne Rose übergibt. Als sich dann der polternde, laute und etwas derbe Baron Ochs – mit seinem herrlich komödiantischen Spiel agiert Christof Fischesser hier sehr überzeugend – auch noch als Lüstling und Mitgiftjäger entpuppt, muss ein Plan gefunden werden, wie Octavian und Sophie die bevorstehende Heirat verhindern können. Szenisch war der zweite Akt in München für mich eine Mischung aus der Märchenwelt Ludwig II. und Disney’s Cinderella (die silberne Kutsche sorgt für eine gehörige Portion Kitsch) im Wechsel mit einem dionysischen Satyrspiel der griechischen Antike.

Der dritte Akt ist gleichsam das „Stück im Stück“ unter der Regie Octavian’s, welcher mit Samantha Hankey ebenfalls großartig besetzt ist, und spielt in einer Theater- bzw. Bühnensituation. Die Kuckucks-Uhr stimmt bereits auf den komödiantischen Teil ein und symbolisiert die Farce, welche sich im Kostüm- und Verwechslungspiel Octavian’s entspinnt. Der große Esstisch und das Bühnenbild erinnerten mich stark an eine Dinner for One-Persiflage – nur der Tigerkopf fehlte.

Christof Fischesser konnte mit seiner Bassstimme in der Rolle des Ochs brillieren und war stimmlich wie schauspielerisch eine erstklassige Besetzung dieser schweren und anspruchsvollen Partie. Eine Inszenierung, die in den Hauptrollen (Marlis Petersen als Marschallin hat mich absolut begeistert), aber auch bis in die kleineren Rollen durchwegs sehr hochwertig besetzt war (z.B. sei unbedingt noch Wolfgang Ablinger-Sperrhacke als Valzacchi erwähnt).

Corona-bedingt hatte sich der designierte Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski für eine deutlich reduzierte Orchesterbesetzung entschieden, was dem musikalischen Genuss jedoch keinen Abbruch tat und teilweise intime, leise Momente der Oper sogar für meinen Geschmack besonders gut zur Geltung brachte.

Fazit: Um in Hofmannsthal’s Jargon der Oper zu bleiben, ich bin „von so viel Finesse charmiert“ und es gibt wohl wenig, was mich so „enflammiert“ wie ein musikalisch-gesanglich erstklassiger, schauspielerisch-darstellerisch großartiger und sehr liebe- und respektvoll inszenierter „Rosenkavalier“. Ein wunderschöner Opernnachmittag mit leuchtendem Glanz, perlendem Witz, dem richtigen Quentchen Melancholie und dem unverwechselbaren Klang und Schmelz, den dieses Stück braucht. Wunderbar und ein großes Kompliment an alle Beteiligten!

Gesehen am 21. März 2021 auf ARTE live aus dem Münchner Nationaltheater (Bayerische Staatsoper)

Der Rosenkavalier“ ist als kostenloses Video-on-Demand noch bis zum 19. April 2021 auf der Homepage der Bayerischen Staatsoper (Staatsoper TV) verfügbar oder im gleichen Zeitraum auch in der ARTE Mediathek (ARTE Concert) zu sehen.

Eine weitere begeisterte Besprechung gibt es auf Arcimboldi’s World.

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Wozu inspirierte mich der neue Münchner „Rosenkavalier“:

Für den Gaumen:
Der letzte Akt, wenn Baron Ochs mit seinem Mariandl als „Verliebter beim Souper“ sitzt, erinnerte mich in Kosky’s Inszenierung sehr stark an den Kult-Sketch „Dinner for one“. Ich weiß, Silvester ist vorbei, aber wie wär’s mit einer „Mulligatawney Soup“ oder doch lieber nur Port and Fruit? Die Rezepte zum Nachkochen des „Dinner for one“-Menüs findet man auf der Homepage des NDR.

Zum Weiterhören:
Gerade in der aktuellen Zeit kann man ab und zu ein wenig Trost gebrauchen. Richard Strauss hat mit „Morgen“ ein wunderschönes Lied komponiert, das durch Text und Musik Mut machen und Trost spenden kann.

Zum Weiterschauen:
Auf Operavision ist aktuell noch bis zum 28.03.21 Korngold’s „Die tote Stadt“ zu sehen – ein Stream der Komischen Oper Berlin, den ich sehr empfehlen kann. 1920 uraufgeführt, ist diese Oper nur 9 Jahre jünger als der Rosenkavalier von Strauss (Uraufführung 1911 in Dresden) und offenbart doch eine ganz andere Facette der Opernliteratur.

Der Freischütz – ein Volltreffer

Damit die Kulturbowle coronabedingt im Februar nicht zur reinen Bücherbowle wird, möchte ich heute wieder einmal einen erstklassigen Opernabend empfehlen. Und das Schöne ist, dieser ist noch bis zum 15. März 2021 als kostenloses Video-On-Demand für jedermann zu erleben: Carl Maria von Weber’s „Der Freischütz“ in einer Neuinszenierung an der Bayerischen Staatsoper unter der Regie von Dmitri Tcherniakov und der musikalischen Leitung von Antonello Manacorda. Ein in jeder Beziehung sehens- und hörenswertes Opernerlebnis, das mich absolut begeistert hat.

Nach der Online-Matinée, welche die Bayerischer Staatsoper für die Premiere und Neuinszenierung der Oper „Der Freischütz“ zur Einführung veranstaltet und im Netz gestreamt hatte, war ich einigermaßen ratlos, was mich denn wohl erwarten würde. Nur wenig wurde verraten und vor allem der russische Regisseur Dmitri Tcherniakov hielt sich sehr bedeckt, was seine Inszenierung anbelangt. Heutig, modern und nicht volkstümlich-romantisch sollte sie sein – innere Dämonen statt des Samiels in persona – aber das konnte ja auch noch vieles heißen. Somit war ich sehr gespannt auf den Opernabend, der wieder einmal zu Hause auf meiner Couch stattfand. Kurz nochmal vorneweg: es war ein wahrer Opern-Leckerbissen, den ich da frei Haus geliefert bekam – wunderschöne Musik, erstklassige Sänger*innen und eine für mich sehr stimmige und wunderbar anzuschauende Inszenierung.

Für alle, die noch nie in das Vergnügen eines „Freischütz“ des Komponisten Carl Maria von Weber gekommen sein sollten, nur ein paar Worte zur Handlung:
Max liebt Agathe, aber um sie heiraten zu können, muss er einen Probeschuss absolvieren. Um sein Ziel nicht zu verfehlen, lässt er sich in der Wolfsschlucht auf einen Pakt mit dem Teufel (Samiel) ein, welcher ihn mit unfehlbaren Freikugeln ausstattet.

Uraufgeführt im Jahre 1821 in Berlin ist „Der Freischütz“ ein deutscher Opernklassiker – ein traditionsreiches Stück zwischen Märchen und Gespenstergeschichte. Kann es einem russischen Regisseur gelingen, diese Geschichte in ein stimmiges Hier und Jetzt zu holen – weg von Wolfsschlucht, Jägerchor und Naturromantik? Absolut – Tcherniakov ist dies für meinen Geschmack fulminant gelungen.

Schauplatz ist bei Tcherniakov nicht der Wald und die Schlucht, sondern eine für Hochzeitsfeierlichkeiten dekorierte Hotelsuite in einem Luxushotel der heutigen Zeit. Kuno ist ein knallharter und erfolgreicher Geschäftsmann und Max wird als ein wenig zaudernd-zögerlicher Softie in grüner (vermutlich als einziger Anklang an den Jäger in ihm) Strickjacke unter reichen und schönen Geschäftsleuten und Hochzeitsgästen charakterisiert. Ein unaufdringliches und variables, ästhetisches Bühnenbild – sehr heutig und funktional, so dass sich selbst die Wolfsschluchtszene als psychologischer Kulminationspunkt sehr gut darstellen lässt und den vollen Fokus und Hauptaugenmerk auf die Darsteller lenkt. Sehr gelungen.

Absolut bemerkenswert ist vor allem aber auch die Weltklasse-Besetzung, welche in München auf die Bühne geholt wurde: Mein absoluter Liebling und großer Star des Abends Golda Schultz als Agathe, die mit unnachahmlicher Leichtigkeit die höchsten Höhen so gefühlvoll meistert, dass es mir mehrfach Gänsehaut bescherte – ihre wunderschöne Arie „Leise, leise fromme Weise“ ist so Genuss pur. Aber auch im Duett mit Ännchen Anna Prohaska – die im eisblauen Business-Anzug und mit Annie Lennox-Perücke eine kühle, geschäftsmäßige Eleganz ausstrahlt – ein herrlich harmonischer Klang der beiden Frauenstimmen, der berührt. Zwei großartige, sympathische Sängerinnen ihrer Zeit, die sich nicht nur stimmlich, sondern auch schauspielerisch und mimisch wunderbar ergänzen. Bei den männlichen Rollen ragte für mich vor allem Bassbariton Kyle Ketelsen heraus, der einen fantastisch düsteren, rachlustigen und gesanglich großartigen Kaspar verkörperte.

Das schwung- und temperamentvolle Dirigat von Antonello Manacorda ließ die eingängigen Melodien auf wunderbare Weise voll zur Geltung kommen und bot den Sängern die Möglichkeit zu brillieren.
Wunderschöne Orchesterklänge, große Gefühle, zauberhafte Arien – dieser neue Münchner „Freischütz“ hat alles, was eine richtig große Oper auszeichnet und ein solches Werk auf diesem künstlerischen Niveau erleben zu dürfen, ist ein Privileg.
Musikalisch und ästhetisch war dieser Abend für mich ein Gesamtkunstwerk und etwas ganz Besonderes. Eine wahre Opernsternstunde, die Trost spenden und die Zeit bis zum nächsten realen Opernbesuch zumindest verkürzen kann.

Gesehen am 13. Februar 2021 als Livestream aus dem Münchner Nationaltheater (Bayerische Staatsoper)

Der Freischütz“ ist als kostenloses Video-on-Demand noch bis zum 15. März 2021 auf der Homepage der Bayerischen Staatsoper (Staatsoper TV) verfügbar.

Für den Gaumen:
Dem Münchner Lokalkolorit Rechnung tragend sind Bierflaschen einer einheimischen Brauerei mit dem traditionellen Bügelverschluss ein nicht unwesentliches Requisit in der Inszenierung. Im Libretto von Johann Friedrich Kind erfährt man allerdings, dass es in manchen Situationen wohl doch etwas Stärkeres braucht:

„Bier hast du? Das taugt nicht zum Sorgenbrecher“

(Libretto „Der Freischütz“ – Johann Friedrich Kind)

Zum Weiterschauen (I):
Auch das Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz bietet in der kommenden Zeit, solange noch nicht wieder vor Publikum gespielt werden kann, erneut einen weiteren Livestream im Internet an:
Am 20. Februar 2021 – 19.00 Uhr: Straus & Strauss & Co. – Höhepunkte aus Opern und Operetten von Oscar Straus, Richard Strauss und vielen mehr

Zum Weiterschauen (II):
Auf Operavision ist aktuell vom 12.02.21 bis zum 12.03.21 Massenet’s „Manon Lescaut“ mit Elsa Dreisig in der Titelrolle zu erleben – ein Stream aus der Staatsoper Hamburg, der auch noch ganz oben auf meiner Liste steht. Von Elsa Dreisig war ich bereits im Rahmen der „Così fan tutte“ der Salzburger Festspiele im letzten Jahr richtig fasziniert – die Rezension hierzu war einer meiner ersten Beiträge auf der „Kulturbowle“ im August 2020.

Irischer Weg zurück ins Leben

Die zweite Station meiner „Literarischen Europareise“ oder „Europabowle“ führt mich noch einmal Richtung Norden, dieses Mal aber etwas westlicher nach: Irland. Colm Tóibín hat mit „Nora Webster“ einen leisen, harmonischen Roman verfasst und eine wunderbare Frauenfigur ins Zentrum seiner Geschichte gesetzt.

Als Nora in den späten Sechziger Jahren nach dem frühen Krebstod ihres Mannes plötzlich auf sich allein gestellt ist – mit vier Kindern und einem nur geringen finanziellen Einkommen – zeigt sich, wie schwer es ist, sich in der konservativen, katholischen und teils engstirnigen Gesellschaft einer Kleinstadt im Norden Irlands als Witwe und alleinstehende Frau wieder einen Platz im Leben zu erkämpfen.

Sie versucht, den Kindern Halt zu geben. Die beiden älteren Töchter sind weitestgehend schon flügge und aus dem Haus, doch die jüngeren Söhne brauchen ihre volle Unterstützung, denn einer der beiden stottert und trägt autistische Züge und beide leiden sehr unter dem Verlust des Vaters. Um finanziell über die Runden zu kommen, trennt sie sich vom ehemals so geliebten Ferienhaus an der Küste und sie beginnt nach langen Jahren der Hausfrauenrolle wieder in Teilzeit im Büro einer ortsansässigen Firma zu arbeiten, in welcher sie bereits vor den Kindern berufstätig war. Doch auch dort machen ihre Kollegen es ihr nicht immer leicht und sie ist Anfeindungen und Schikanen ausgesetzt.

„Sie war überrascht, wie fest sich ihr Entschluss anfühlte, wie leicht es schien, allem, was sie geliebt hatte, den Rücken zu kehren, dieses Haus am Weg zur Klippe aufzugeben, damit andere es kennenlernten, andere es im Sommer aufsuchten und mit verschiedenen Geräuschen erfüllten.“

(S.15)

Der Alltag fordert ihre ganze Kraft und Energie, Geldverdienen, die Kinder, der Haushalt, da bleibt nicht viel Zeit für seelisches Verarbeiten, Trauer oder eigene Interessen und doch entdeckt sie Schritt für Schritt, dass sie auch alleine das Leben meistern kann. Sie findet Gefallen daran, eigene Entscheidungen zu treffen, einen eigenen Geschmack zu entwickeln, unabhängig selbst über finanzielle Dinge zu entscheiden und sich selbst zu verwirklichen.
Doch Armut, Geldsorgen, die Sorgen um die Kinder und die politisch aufgeheizte Zeit – die Geschehnisse des Blutsonntags („Bloody Sunday“) im nordirischen Derry 1972 werden ebenfalls thematisiert – sind Nora’s ständige Begleiter.

Trost findet sie in der Musik – sie besucht Treffen, bei welchen gemeinsam Schallplatten gehört werden und über die Musikstücke diskutiert wird. Nach und nach nimmt sie auch wieder am gesellschaftlichen Leben teil, besucht ein Pubquiz und entscheidet sich sogar, einer Gewerkschaft beizutreten. Ein mutiger Schritt, den sie sich zunächst selbst kaum zugetraut hatte. Sie beginnt, Gesangsstunden zu nehmen, die ihr Kraft und Selbstbewusstsein geben. So findet sie nach und nach ihre eigene Stimme und ihren Weg zurück ins Leben.

Der Ire Colm Tóibín hat mit Nora Webster einer literarischen Figur das Leben geschenkt, die man bewundert und die mir in Erinnerung bleiben wird. Eine Frau, die für sich und ihre Kinder kämpft und sich in einer Zeit alleine durchsetzen muss, in welcher Frauen in vielen Aspekten noch benachteiligt waren und nicht ernst genommen wurden. Doch Nora wächst mit jeder Herausforderung, geht gestärkt daraus hervor und findet letztlich auch zu ihrem eigenen Geschmack und Lebensstil.

Sprachlich klingt die Übersetzung von Giovanni und Ditte Bandini wunderbar ruhig und harmonisch – wie das Rauschen der Brandung an Nora’s Lieblingsstrand – und so entfaltet der Roman einen wunderbaren Lesefluss.

Ein großartiges Buch über das Loslassen, das Trauern und die Emanzipation einer starken, beharrlichen und unkonventionellen Frau, die allen Widrigkeiten trotzt und so an Selbstbewusstsein und Stärke gewinnt.
Für mich auch ein Roman über die Kraft der Musik und des Gesangs – eine Ode an die wohltuende, positive Wirkung des Chorgesangs. Ein leises, eindringliches und behutsames Buch, das ruhig dahinfließt und das mich dennoch nachhaltig beeindruckt hat.

„Es gibt keinen besseren Weg, sich selbst zu heilen, als in einem Chor zu singen.“

(S.246)

Eine literarische Reise nach Irland, die mich berührt und fasziniert hat und die sich für jeden lohnt, der sich Zeit nimmt und sprachlich schöne, ruhige Literatur mit einer feinen und tiefgründigen Personenzeichnung zu schätzen weiß.

Weitere Besprechungen des Romans finden sich bei Birgit Böllinger (Sätze&Schätze) und Letteratura.

Buchinformation:
Colm Tóibín, Nora Webster
Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini
Hanser Verlag
ISBN: 978-3-446-25063-5

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich „Nora Webster“:

Für den Gaumen:
In vielen Kulturen ist es üblich beim Besuch in Trauerhäusern etwas Gekochtes oder Gebackenes mitzubringen. Auch im Buch werden frische Scones und Tee gereicht und sollen als Trostspender fungieren. Auf dem Blog „Tea&Scones“ habe ich ein schönes Rezept für Scones gefunden, das ich bei Gelegenheit wohl mal ausprobieren werde.

Zum Weiterhören:
Musik spielt in „Nora Webster“ eine zentrale Rolle und am Ende des Romans wird sie gemeinsam mit einem Chor Brahm’s „Deutsches Requiem“ einstudieren. Ein Stück, in das ich mich angeregt durch die Lektüre wieder einmal einhören möchte.

Zum Weiterlesen (oder Weiterschauen):
Bisher habe ich einen irischen Roman hier auf meiner Kulturbowle besprochen: „Die Asche des Tages“ von Máirtín Ó Cadhain, der das Thema Trauer aus einem völlig anderen Blickwinkel beleuchtet als Colm Tóibín das in „Nora Webster“ tut, denn der Erzähler irrt in diesem Werk lieber durch Dublin, als sich um die Beisetzung seiner soeben verstorbenen Frau zu kümmern.

Literaturnobelpreisträger hat Irland bisher drei zu verzeichnen: William Butler Yeats (1923), Samuel Beckett (1969) und Seamus Heaney (1995). Bekanntschaft habe ich bisher vor allem mit dem Zweiten aus der Reihe gemacht:
Samuel Beckett’s „Warten auf Godot“ durfte ich in der Spielzeit 17/18 im Landestheater Niederbayern in einer tollen Aufführung im Landshuter KOENIGmuseum an einem besonderen Ort erleben und konnte somit eine Bildungslücke schließen. Hier würde ich dem Theatererlebnis gegenüber dem Lesen zwar immer den Vorzug geben, aber ich führe trotzdem gerne auch die bibliographischen Daten mit auf.

Máirtín Ó Cadhain, Die Asche des Tages
Übersetzt von Gabriele Haefs
Kroener
ISBN: 978-3-520-60301-2

Samuel Beckett, Warten auf Godot. Endspiel. Glückliche Tage – Drei Stücke
Aus dem Englischen von Elmar Tophoven und Erika Tophoven
Suhrkamp Taschenbuch 3751
ISBN: 978-3-518-45751-1

Sehnsuchtsoperette

Als großem Theaterfreund fehlen mir die Live-Erlebnisse in Theatern und Opernhäusern mittlerweile sehr und daher bin ich dankbar und freue mich, dass mittlerweile viele Häuser ein sehr umfangreiches und sehenswertes Streamingangebot auf die Beine gestellt haben.

Auch das Staatstheater am Gärtnerplatz, das bereits 1865 als „volksnahes Musiktheaterhaus“ in München eröffnet wurde, bietet seinem Publikum derzeit ein buntes und vielseitiges Programm und so konnte ich am 23. Januar in den Genuss einer Operette kommen, die ich bisher meiner Erinnerung nach noch nie live gesehen hatte: Paul Abraham’s Revueoperette „Viktoria und ihr Husar“.

Dieses Werk, das 1930 uraufgeführt wurde und in die „silberne Ära“ der Operette fällt, d.h. in die Zeit nach dem ersten Weltkrieg, hat alles, was es für einen schwungvollen, amüsanten und kurzweiligen Theaterabend braucht und die liebevolle und aufwändige Inszenierung des Gärtnerplatztheaters aus dem Jahr 2016, die jetzt als Wiederaufnahme zu sehen war, hat mir einen sehr vergnüglichen Abend zu Hause auf meiner Couch bereitet.

„Um Ihretwillen, erzählen Sie gut!“

(Libretto von Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda / Textfassung für das Staatstheater am Gärtnerplatz von Joseph E. Köpplinger)

In einem sibirischen Gefangenenlager nach Ende des ersten Weltkriegs entsteht zu Beginn des Stücks eine Situation, die in der Münchner Inszenierung an Scheherazade aus Tausendundeiner Nacht erinnert: der inhaftierte Husarenrittmeister Koltay muss, um sein Leben und das seines Burschen Jancsi zu retten und frei zu kommen, die Geschichte seiner großen Liebe zu Viktoria erzählen.

Durch raffinierte Lichteffekte und mittels eines variablen und intelligenten Bühnenbilds, das gleich einem „Bild im Bild“ die unterschiedlichen Schauplätze der Erzählung im Gefangenenlager einbettet, beginnt nun die wilde Reise Koltay’s und Jancsi’s, um Viktoria zurückzuerobern. Viktoria, die in der Meinung ihre große Liebe Koltay sei im Krieg gefallen den amerikanischen Botschafter Cunlight geheiratet hat, ist mit diesem aktuell in Japan stationiert. So wird Japan die erste Station der Reise. Die Farbe Rot zaubert Wärme und asiatisches Flair ins Grau des Gefangenenlagers und so unterhaltsame Nummern wie „Meine Mama war aus Yokohama“ interpretiert von einer herrlich komödiantischen Julia Sturzlbaum als O Lia San reißen mit und heben mit Charlestonklängen und schwungvollen Tanzeinlagen sofort die Laune. Die Choreografie und tänzerische Leistung der Darsteller hat mich durchgängig begeistert – hohes Tempo, Tanz und Gesang – da zeigt sich erneut, dass Operette als vermeintlich „leichte Muse“ künstlerisch äußerst anspruchsvoll ist und den Sängerinnen und Sängern alles abverlangt.

Paul Abraham und seine Librettisten haben alle Sehnsuchtsorte und Klangwelten der damaligen Zeit in die Handlung eingebaut – der Wiener Walzer in „Pardon Madame“, russische Melodien, da der Weg Cunlight und seine Viktoria von Japan schließlich nach Russland führt und am Ende die ungarischen Csardasklänge, die so typisch für viele klassische Operetten sind.

Und doch merkt man dem Stück auch an, dass 1930 bereits auch schon modernere Elemente aus dem Jazz, Foxtrott und Charleston eingeflossen sind. Das ist frisch, quirlig und in Verbindung mit urkomischen Tanzeinlagen, die stellenweise fast schon Züge von Slapstick aufweisen – zum Beispiel im Duett des Buffopaars Jancsi und Riquette liefert Josef Ellers eine wahre Handtuchakrobatik ab – ganz große Unterhaltung.

„Es gibt auch Verlobungen, die gut ausgehen, aber die meisten enden doch mit einer Heirat.“ (Jancsi)

(Libretto von Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda / Textfassung für das Staatstheater am Gärtnerplatz von Joseph E. Köpplinger)

Witzige Dialoge und drei stimmig besetzte Paare mit Koltay/Viktoria, Jancsi/Riquette und Ferry/O Lia San machten das Ganze zu einem rundum gelungenen Operettenabend.
Meine persönlichen Lieblinge der Besetzung waren vor allem der Grandseigneur des Gärtnerplatz’ Erwin Windegger als liebender Gentleman und verlassener Ehemann John Cunlight und die als weinselig-beschwipste Rauschkugel inszenierte O Lia San Julia Sturzlbaum, die urkomisch, frech und frisch über die Bühne wirbelt und auch bei hohem Tempo gesanglich absolut überzeugt.

Das Gärtnerplatz ist ohnehin meist ein Garant für gelungene und opulente Bühnenbilder und auch die Kostümabteilung hat für diese Inszenierung erneut wunderbare Arbeit geleistet. So entstehen eindrückliche Bilder, Musik und Optik werden harmonisch in Einklang gebracht.
Die Inszenierung vermittelt den Zauber der Exotik und die Sehnsucht der Gefangenen, sich in der Fantasie an andere Orte zu träumen – ein Stück, das gerade in der momentanen Lage unheimlich aktuell erscheint.
So wie der Husar im Gefangenenlager um sein Leben und für seine Freilassung erzählt, so spielen auch die Darsteller vor einem leeren Haus, um mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben und nicht in Vergessenheit zu geraten.
So war für mich der Abend auch ein Loblied an die Kraft des Theaters, das Menschen für einige Zeit die Sorgen vergessen lässt, aus dem Alltag heraus in andere Welten entführen und die Fantasie beflügeln kann. Bravo!

Ein sehr schöner Abend, das Streaming eine Möglichkeit dem Theater verbunden zu bleiben und dennoch sehne ich auch um so mehr den Tag herbei, an dem ich wieder live Künstler auf der Bühne erleben darf.

Gesehen am 23. Januar 2021 als Livestream aus dem Staatstheater am Gärtnerplatz

Zum Weiterschauen (I):
Das Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz bietet in der kommenden Zeit, solange noch nicht wieder vor Publikum gespielt werden kann, weitere Livestreams im Internet an:

– Am 31. Januar 2021 – 19.00 Uhr: Sinfonische Lyrik
Don Juan oder „Der steinerne Gast“ (Musik von Christoph Willibald Gluck)

– Am 06. Februar 2021 – 18.00 Uhr:
„La Cenerentola“ – Komische Oper von Gioachino Rossini

Zum Weiterschauen (II):
Wer meine Kulturbowle schon eine Weile verfolgt, kann sich vielleicht noch erinnern, dass ich begeisterte Kritiken zu zwei Aufführungen des Landestheater Niederbayern verfasst habe, die ich im September und Oktober noch live im Theater erleben durfte. Jetzt stehen beide Inszenierungen auch in der Mediathek des Landestheater Niederbayern kostenlos (oder gegen eine freiwillige Spende) zur Verfügung:

Finnische Schwermut

Der Finne Tommi Kinnunen hat mit „Das Licht in deinen Augen“ einen einfühlsamen, tiefgründigen und melancholischen Familienroman geschrieben, der schildert, was es bedeutet, Außenseiter zu sein und einer Minderheit anzugehören.

2021 – ein neues Jahr – ein neues Projekt: Heute beginne ich mit meiner „Literarischen Europareise“ oder meiner „Europabowle“. Schritt für Schritt möchte ich exemplarisch aus jedem Mitgliedsland der Europäischen Union (ich beginne einfach mal mit diesen 27 Ländern, die dann später sicherlich auch noch mit den Nicht-EU-Ländern erweitert werden können) ein literarisches Werk lesen. Die Autorin oder der Autor sollte aus dem jeweiligen Land stammen und die Romanhandlung sollte im jeweiligen Land angesiedelt sein.

Keine Angst! Ich werde mich jetzt nicht in den nächsten Monaten non-stop durch diese Länder-Liste arbeiten, sondern von Zeit zu Zeit das eine oder andere Land literarisch bereisen – ohne festen Zeitplan, ohne Zeitdruck. Der Weg ist das Ziel und wir werden sehen, wie lange diese Reise dauern wird. Der Anreiz für mich besteht darin, dass ich mich neben meinen literarischen Komfortzonen so auch einmal mit der Literatur und Autor*innen aus Ländern beschäftige, die bisher vielleicht noch nicht oder zumindest noch nicht häufig auf meiner Leseliste standen. Europa ist reich an Vielfalt und Kultur, das soll durch diese „Literarische Europareise“ zum Ausdruck kommen.

Doch jetzt zu meiner ersten Station: Finnland – und zurück zum Buch:
Ein einsames Dorf im Norden Finnlands in den Fünfzigerjahren: Kälte, Armut und harte, körperliche Arbeit prägen den Alltag. Die junge Helena hat bereits früh das Augenlicht verloren und findet sich mit Hilfe ihrer Familie und der vertrauten Umgebung im Wesentlichen zurecht. Durch ihr ausgeprägtes Gehör hat sie auch eine außergewöhnliche Begabung für die Musik und Klänge haben für sie eine besondere Bedeutung. Als die Eltern entscheiden, sie auf eine Blindenschule im fernen Helsinki zu schicken, um ihr eine bessere Ausbildung zu ermöglichen, beginnt für sie ein neues Leben.

„Es gibt zweierlei Menschen, solche, die gehen, und solche, die bleiben. Diejenigen, die gegangen sind, sehnen sich immer nach dem Ort zurück, von dem sie sich losgerissen haben. Sie kommen zu Besuch, erzählen von den Wunderlichkeiten des Lebens und hoffen zugleich, dass die Daheimgebliebenen sich nie verändern.“

(S.95)

Fernab von der Familie, auf sich allein gestellt, ertastet und erarbeitet sich die blinde junge Frau ihren eigenen Weg ins Leben, der alles andere als einfach ist. Sie studiert Klavier und Musik am Sibelius-Institut, verliebt sich, heiratet. Um Geld zu verdienen, gibt sie die künstlerische Seite ihrer musikalischen Begabung auf und arbeitet letztlich als Klavierstimmerin. Ihre Ehe bleibt kinderlos und scheitert. Ein Lebensweg voller Schicksalsschläge und Desillusion.
Kinnunen schildert in vielen Szenen die Diskriminierung und die Benachteiligung, die Helena durch ihre Sehbehinderung erfahren muss, worauf sie verzichten muss und wie unbedacht und rücksichtslos manche Menschen mit ihr umgehen. Es schmerzt stellenweise regelrecht, das zu lesen.

Gleiches gilt für ihren Neffen Tuomas, der erst nach und nach zu seiner Homosexualität stehen kann und lange braucht bis er auch seiner Familie davon erzählen kann. Tuomas ist die zweite große Hauptfigur des Romans – der Autor wechselt zwischen Szenen aus seinem und Helenas Leben ab. Tuomas, der in den 90er Jahren ebenfalls seiner nordfinnischen Heimat den Rücken kehren muss, um in der Anonymität der Großstadt und fernab der Beobachtung durch die Familie eine Chance zu bekommen, seine Sexualität leben zu können. Ebenfalls ein steiniger Weg und auch hier entwirft Kinnunen das Bild eines Suchenden, der lange braucht, mit seiner Situation und seinem „Anders“-Sein zurecht zu kommen und seinen Platz in der Gesellschaft zu finden.

Beeindruckt haben mich die ergreifenden und intensiven Schilderungen Kinnunen’s, die versuchen, einen Einblick zu geben, was es bedeutet, blind zu sein. Helenas Welt ohne Licht, die überall lauernden Gefahren, das vorsichtige Vorantasten und die stets erforderliche Vorsicht sowie die Abhängigkeit von der Unterstützung und Hilfe anderer Menschen.

Der Autor hat ein vielschichtiges, gefühlvolles, aber auch tieftrauriges und schwermütiges Buch geschrieben. Ein großer Familienroman, der die Zeitspanne zwischen den Fünfziger Jahren bis in die Gegenwart abdeckt und viele Facetten und große Emotionen bietet. Leider wird kaum eine Figur wirklich glücklich und jedes Familienmitglied hat sein eigenes persönliches, schweres Schicksal zu tragen.
Selbstmord, Alkoholismus, Depressionen, AIDS, scheiternde Beziehungen – viele ernste und schwerwiegende Themen, die der Finne in dieser Familiengeschichte anpackt und behandelt.

„Aus dieser Familie sollte man kein Kartenspiel machen, denn es gäbe zu viele Schwarze Peter.“

(S.301)

Man darf sich nicht vom Titel „Das Licht in deinen Augen“ in die Irre führen lassen, der eher zu einer Liebesgeschichte passen würde und den ich daher persönlich nicht als perfekt gewählt empfunden habe (der Originaltitel „Lopotti“ bezeichnet in russischem Dialekt ein „abgelegenes Dorf“).

Es ist keine leichte Kost, die uns hier aus Finnland erreicht, sondern ein dunkles und intensives Buch in einer schönen Sprache übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara mit viel Stoff zum Nachdenken und Reflektieren – ein Buch über vermeintliche Außenseiter, deren Ausgrenzung durch die Gesellschaft und die Sehnsucht nach einem freien und selbstbestimmten Leben. Ein Buch, das man nicht zu jeder Zeit und nur in einer stabilen Gemütsverfassung lesen sollte. Ein Buch, das es einem Leser nicht einfach macht und das man ertragen können muss – in all seinem Schmerz und all der geschilderten Ungerechtigkeit.

Der Roman ist der zweite Band, den Tommi Kinnunen über die Familiengeschichte der Löytövaara’s geschrieben hat, lässt sich jedoch auch ohne Weiteres gut lesen, wenn man den ersten Teil „Wege, die sich kreuzen“ nicht kennt.

Eine weitere Besprechung des Romans findet sich bei Literaturreich.

Buchinformation:
Tommi Kinnunen, Das Licht in deinen Augen
Aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara
Penguin Verlag
ISBN: 978-3-328-60078-7

© Penguin Verlag

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich „Das Licht in deinen Augen“:

Für den Gaumen:
Wenn ich Finnland höre, denke ich kulinarisch in erster Linie an frischen Fisch.

Zum Weiterhören:
Für die musikalische Finnlandreise empfehle ich Jean Sibelius (1865 – 1957) mit seiner Karelia Suite oder der sinfonischen Dichtung Finlandia. Aber auch sein Andante Festivo für Streichorchester ist wunderschöne Musik zum Schwelgen. In Kinnunen’s Roman studiert Helena am renommierten Sibelius-Institut Musik und arbeitet später als Klavierstimmerin.

Zum Weiterlesen:
Vom einzigen finnischen Literaturnobelpreisträger Frans Eemil Sillanpää – er erhielt die Auszeichung 1939 – habe ich bisher noch nichts gelesen und ich habe offen gestanden erst durch meine Recherche für diesen Beitrag von ihm erfahren. Für mich war die Finnland-Lektüre bisher häufig mit Krimis verbunden, so zum Beispiel die Arto-Ratamo-Reihe von Taavi Soininvaara oder die Maria Kallio-Krimis von Leena Lehtolainen. Anbei jeweils die Auftakt-Bände zu den beiden Serien:

Taavi Soininvaara, Finnisches Blut
Übersetzer: Peter Uhlmann
Aufbau Taschenbuch
ISBN: 978-3-7466-2282-8

Leena Lehtolainen, Alle singen im Chor
Übersetzerin: Gabriele Schrey-Vasara
Rowohlt Taschenbuch
ISBN: 978-3-499-23090-5

Beethoven bewegt

Auch das groß geplante Beethoven-Jahr 2020 ist viel kleiner, stiller und unspektakulärer ausgefallen, als es ursprünglich geplant war. Mit der Lektüre von Christian Thielemann’s „Meine Reise zu Beethoven“ bietet sich jedoch die Gelegenheit, sich auch im Jahr 2021 nochmal mit dem großen Komponisten zu beschäftigen. Eine Leseerfahrung, die sich vor allem für Klassikfans und Musikinteressierte bzw. -verrückte lohnt – als Ersteinstieg ist diese persönliche Sicht Thielemann’s auf Leben und Werk des großen Ludwig van Beethoven wohl eher nicht geeignet.

Christian Thielemann kennt das Werk Beethovens wie kaum ein Zweiter und hat sich sein Musikerleben lang intensiv vor allem mit den Orchesterwerken auseinandergesetzt. In seinem Buch, das in Gesprächen und in Zusammenarbeit mit der ZEIT-Musikjournalistin Christine Lemke-Matwey entstanden ist, welcher er im Nachwort explizit für ihre aufschlussreichen Fragen und ihre „sprachliche Rasanz“ dankt, beschreibt er seinen persönlichen Weg zu Beethoven. Er erzählt von frühen Erlebnissen des Scheiterns und großen Glücksmomenten, von Lieblingswerken wie der Missa solemnis oder der Egmont-Ouvertüre, die ihn schon früh faszinierten, bis zur einzigen Oper Beethovens, dem „Fidelio“, mit dem Thielemann bis heute nicht warm werden kann und ihm deshalb weitestgehend aus dem Weg geht.

Er berichtet, welche Interpretationen seiner Vorgänger er schätzt – vor allem Wilhelm Furtwängler scheint für Thielemann bei Beethoven oft den richtigen Ansatz gefunden zu haben, von ihm schwärmt er häufig – und welche weniger. Man erfährt, dass er im Plattenladen eine Live-Aufnahme in der Regel einer Studioaufnahme vorzieht und warum.

Kernstück des Buches ist ein virtueller Zyklus der neun Beethoven-Symphonien, welche er an vier Abenden dirigiert, wie er es auch im richtigen Leben mit Weltklasse-Orchestern wie zum Beispiel den Wiener Philharmonikern bereits getan hat. Er lässt den Leser teilhaben an seiner ganz persönlichen, musikalischen und interpretatorischen Sicht auf diese neun so unterschiedlichen musikalischen Meisterwerke. Für ihn haben die Symphonien Farben – so ist die sechste Symphonie die Pastorale für ihn zum Beispiel „maiengrün“ – und jede hat ihren eigenen Reiz, einen völlig eigenständigen Charakter. Ausführlich beschreibt er musikalische Schlüsselstellen und Besonderheiten, Feinheiten in der klanglichen Ausgestaltung und ordnet diese Werke auch zeitlich ein, berichtet über Entstehungsgeschichte und spannt einen Bogen zu Beethovens Leben.

Neben den leisen Anklängen an Beethovens Biografie, erzählt er aber auch über seine persönliche Entwicklung als Dirigent und wie sich seine Art, sich Beethoven zu nähern, über die Jahre verändert hat.

„Die Missa ist heiß und superkalt zugleich. Aus der Strandsauna springt man raus in die eisige Nordsee.“

(S.249)

Stilistisch liest sich das Buch sehr flüssig und lebendig – trotz des zahlreichen musikalischen Fachvokabulars – finden sich häufig Bilder und Vergleiche, die aus dem Leben gegriffen und erfrischend zu lesen sind. Das ist kein trockenes, bierernstes Sachbuch, sondern vielmehr eine sehr persönliche, unterhaltsame Auseinandersetzung mit diesem „Titanen“, welche auch versucht, Hemmschwellen abzubauen und allzu respektvolle Distanz (zumindest für den Leser und Hörer) zu verringern.

Als Dirigent und Künstler hat Thielemann höchsten Respekt vor dem Lebenswerk des Komponisten und man spürt, dass er stets aufs Neue mit der idealen Interpretation der Beethoven’schen Werke ringt.

Für mich war es spannend zu lesen, mit welchen Fragen sich ein Dirigent bereits im Vorfeld auseinandersetzt: Dirigieren mit oder ohne Partitur? Wenn ja, mit welcher Partitur (alte oder neue Ausgaben)? Wieviel Beachtung schenkt man den teilweise aberwitzigen Metronomangaben des Komponisten? In welchem Saal klingt Beethoven gut und wo nicht? Welche Sitzordnung des Orchesters ist die Beste?
Unter anderem solche Fragen gewährten mir einen interessanten Blick hinter die Kulissen und in den Arbeitsalltag eines Dirigenten, den ich in dieser Form vorher noch nicht gelesen hatte.

Für mich hat die Lektüre große Lust geweckt, mich wieder und noch intensiver mit der Musik Ludwig van Beethoven’s zu befassen. Gerade die Missa solemnis, das Herzensstück Thielemann’s, die ich bisher noch nicht besonders gut kenne, werde ich mir bestimmt in der nächsten Zeit in Ruhe anhören.

Wer den Musikunterricht nicht mochte, lieber keine Noten lesen will und mit Beethoven noch nie etwas anfangen konnte, der wird keine Freude an diesem Buch haben, aber für Musikbegeisterte und Beethoven-Fans ist Thielemann’s Reise sicher zu empfehlen. Ein sehr persönliches, kurzweiliges und facettenreiches Buch über Leben und Werk des großen Komponisten und der individuellen Interpretation durch einen der bekanntesten Dirigenten unserer Zeit.

„Warum begleitet Beethoven uns das ganze Leben, als Musiker wie als Zuhörer? Wegen seiner Wahnsinnskontraste, zwischen denen alles Platz findet. Zarteste Unschuld und wildes Wühlen, frenetischer Jubel und tiefste Trauer.“

(S.251)

Buchinformation:
Christian Thielemann, Meine Reise zu Beethoven
Unter Mitwirkung von Christine Lemke-Matwey
C.H. Beck
ISBN: 978-3-406-75765-5

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich „Meine Reise zu Beethoven“:

Zum Weiterschauen:
Noch bis zum 24.01.2021 ist der Film „Louis van Beethoven“ mit Tobias Moretti in der Hauptrolle in der ARD Mediathek verfügbar. Wer sich bisher noch nicht mit dem Leben Ludwig van Beethoven’s befasst hat, bekommt hier zumindest einen ersten Eindruck. Ein gut gemachter Film, der unter anderem auch die Aspekte der schwierigen Kindheit und die Auswirkungen der zunehmenden Taubheit auf Beethovens Leben beleuchtet.

Zum Weiterhören:
Thielemann nennt im Buch neben der Egmont-Ouvertüre vor allem die Missa solemnis als eines seiner Lieblingswerke – hier werde ich mich sicherlich noch weiter einhören. Zudem beschreibt er seine persönliche Sichtweise auf jede der neun Symphonien. Man hat noch mehr von der Lektüre, wenn man parallel immer wieder ein wenig hineingehört, denn auch die vermeintlich unbekannteren und seltener gespielten Symphonien haben ihren Reiz.

Zum Weiterlesen:
Bereits 2012 erschien Christian Thielemann’s „Mein Leben mit Wagner“, das ebenfalls in Zusammenarbeit mit der ZEIT-Journalistin Christine Lemke-Matwey entstanden ist, viele Einblicke in den Bayreuther Festspielbetrieb gibt und die große Leidenschaft des Dirigenten für Richard Wagner spürbar werden lässt. Vor allem für eingefleischte Wagnerianer eine lohnende Lektüre.

Christian Thielemann, Mein Leben mit Wagner
Unter Mitwirkung von Christine Lemke-Matwey
C.H. Beck
ISBN: 978-3-406-63446-8

Weihnachtsbowle 2020

Weihnachten steht vor der Tür und ich möchte all jenen, die ihren Weg auf meine Kulturbowle gefunden haben und mich auf meinem Blog begleiten von ganzem Herzen frohe Weihnachten und schöne Feiertage wünschen. Genießt die Feiertage und die Ruhe und nehmt Euch Zeit für die Menschen und die Dinge, die Euch wichtig sind und am Herzen liegen. Passt auf Euch auf und bleibt gesund!

Da Theater und Kultureinrichtungen ja weiterhin geschlossen haben, beschenken uns viele zu Weihnachten dennoch mit wunderbaren digitalen Angeboten, Livestreams, Online-Lesungen und vielem mehr.
Ich habe für Euch ein paar meiner persönlichen Kulturtips für die Festtage zusammengestellt. Vielleicht ist ja das eine oder andere für Euch dabei und versüßt Euch ebenfalls die Zeit zwischen den Jahren, die wir am besten ohnehin zu Hause verbringen sollten.

Das Landestheater Niederbayern – das Stadttheater meiner Heimatstadt – bietet mittlerweile ebenfalls ein digitales Angebot in der theatereigenen Mediathek. Für Opernfans steht dort aktuell Puccinis „Madama Butterfly“ kostenlos (oder gegen eine freiwillige Spende) zur Verfügung und das Repertoire wird ständig erweitert und ergänzt. Für mich wird jedoch auf alle Fälle die Kindervorstellung von Janoschs „Oh, wie schön ist Panama“ zu meinem diesjährigen Weihnachtsprogramm gehören – eine szenische Lesung, auf die ich mich (auch als Erwachsene) schon sehr freue (online verfügbar bis 27. Januar 2021).

Ebenfalls fix im Kalender steht für mich an Silvester der Livestream aus dem Münchner Gärtnerplatztheater: die Revueoperette „Drei Männer im Schnee“. Da ich bereits das Vergnügen hatte, diese gelungene, umjubelte und mit mehreren Preisen prämierte Inszenierung vor einiger Zeit live im Theater zu sehen, freue ich mich besonders, dass ich dieses Gute Laune-Stück nach der Romanvorlage eines meiner Lieblingsautoren jetzt am Silvesterabend um 18.00 Uhr nun nochmal in meinem Wohnzimmer genießen kann. Für Musical- und Operettenfreunde ein Genuss und ein großes Vergnügen!

Wer es weihnachtlicher und klassischer mag, der kann sich von der Bayerischen Staatsoper vom 24. bis zum 26. Dezember mit einem kostenlosen Video-On-Demand der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ aus dem Münchner Nationaltheater beschenken lassen.

Auf Operavision findet sich ebenfalls ein vielfältiges, freies Onlineangebot diverser Aufführungen aus europäischen Opernhäusern. Das aktuelle Repertoire ist breit gefächert und reicht zum Beispiel von einem feinen, intimen Kurt-Weill Liederabend „Lonely House“ aus der Komischen Oper Berlin mit dem Intendanten Barrie Kosky am Klavier und der Sängerin und Schauspielerin Katharine Mehrling (verfügbar bis 22.01.21) bis zu Rameau’s „Les Indes Galantes“ (mit der von mir sehr geschätzten Anna Prohaska) aus der Bayerischen Staatsoper (verfügbar bis 01.01.21). Und aktuell fehlen auf der Plattform auch Opernklassiker wie „La Traviata“, „La Bohème“ oder „Turandot“ nicht.

Auf ARTE gibt es zudem die Möglichkeit, das traditionelle Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker zu sehen (am 31.12.20 ab ca. 18.35 Uhr), das dieses Jahr von Kirill Petrenko geleitet wird und ebenfalls vor leeren Rängen stattfinden muss. Musikalisch stehen neben Beethoven (Leonoren-Ouvertüre Nr. 3) vor allem spanische Klänge auf dem Programm.

Wer statt Weihnachtszauber und Silvesterfestlichkeit lieber eine spannende Lesung verfolgen möchte, für den bietet die Stadtbücherei Landshut auf ihrem Blog einen Audio-Podcast zu Agatha Christie aus der Reihe „Mitten ins Herz – Poesie und Musik im Dialog mit Heinz Oliver Karbus und Martin Kubetz“, der noch bis zum 31.12.20 abrufbar ist.

Wie Ihr seht, hat die kulturelle Szene derzeit viel zu bieten und versucht durch Online-Angebote bei den Menschen in Erinnerung zu bleiben und die Neugier wach zu halten. Viel Spaß und vielleicht war ja die eine oder andere Anregung für Euch dabei. Freut Euch auf die Zeit, wenn die Theater und Konzerthäuser wieder öffnen dürfen und bis dahin: Bleibt offen, neugierig, interessiert und zuversichtlich und genießt die Feiertage!

Für den Gaumen:
Bekocht Euch selbst mit allem, was Euch schmeckt und Freude macht. Jeder hat ja seine ganz eigenen Traditionsgerichte zu Weihnachten. Ob es nun die Würstchen mit Kartoffelsalat sind oder das Fondue. Nehmt Euch Zeit für den Genuss!

Zum Weiterhören:
Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach ist für mich der Inbegriff festlicher Weihnachtsstimmung: „Jauchzet, frohlocket“ und nehmt Euch Zeit für schöne Musik und genießt diese ganz bewusst!

Zum Weiterlesen:
Und was wäre die Kulturbowle ohne einen Buchtip am Ende.
Eine winterliche Leseempfehlung, die ich bereits vor vielen Jahren genießen durfte und die für mich als schöner Schmöker wunderbar in diese Zeit um Weihnachten passt, ist John Boyne’s „Das Haus zur besonderen Verwendung“. Boyne nimmt den Leser mit auf eine Reise ins winterliche Russland nach St. Petersburg im Jahre 1915 und erzählt die Geschichte vom einfachen Bauernsohn Georgi, der in die Leibwache des Zaren aufgenommen wird, und der Zarentochter Anastasia. Geschichtlicher Hintergrund, große Gefühle und ein Roman, den man nicht mehr vergisst.

John Boyne, Das Haus zur besonderen Verwendung
übersetzt von Fritz Schneider
Piper
ISBN: 978-3-492-27265-0

© Piper Verlag

Daher nehmt Euch Zeit für gute Bücher und macht es Euch bei guter Lektüre und einem schönen Getränk gemütlich! Frohe Weihnachten!

Eine große Stimme

Ein kleiner Mann – nur 1,54 Meter groß – mit einer großen, unvergesslichen Stimme: der jüdische Operntenor Joseph Schmidt. Ihm setzt Stefan Sprang mit seiner Romanbiografie „Ein Lied in allen Dingen – Joseph Schmidt“ ein Denkmal und lässt den Leser die Höhen und Tiefen des viel zu kurzen Lebens gemeinsam mit dem Sänger durchleben. Eine Hommage an einen außergewöhnlichen und großartigen Künstler.

Schmidt wird am 4. März 1904 in Davideny (Bukowina) im damaligen Österreich geboren. Als Sohn jüdischer Eltern wächst er behütet und geliebt auf und schon früh fasziniert ihn die Musik und das Grammophon im nahen Gasthaus. Die Familie lebt und praktiziert den jüdischen Glauben und schon bald darf der musikalische und begabte Junge in der Dorfsynagoge als Solist singen. Sein Glaube bleibt ihm sein Leben lang Zuflucht.

„Wie genau sich dir all das eingeprägt hat. Als hättest du damals schon gewusst, dass einmal Tage kommen werden, an denen du jede Erinnerung brauchst.“

(S.43)

Doch er bereitet den Eltern auch Sorgen, denn sein Wachstum stockt und er wird gerade einmal 1,54 m groß – Besuche bei Ärzten ergeben nichts. Kann man mit dieser Statur ein großer Opernsänger werden? Denn schon bald ist klar, dass dies Joseph’s großer Wunsch ist. Er studiert in Berlin Gesang und verzeichnet erste Erfolge im Rundfunk und bei Schallplattenaufnahmen.

Sein „blendend glanzvoller Höhentenor“ zaubert den Menschen – und vor allem auch den Frauen – ein Strahlen auf die Gesichter. Er wird zum gefeierten Star – ohne dass er sich zunächst wirklich in der Öffentlichkeit oder auf der Bühne präsentiert. Doch schon bald zieht es ihn auch zum Film und auf die Bühne, wo Regisseure mit raffinierten Mitteln (u.a. durch Rampen, Podeste, Treppen und z.B. durch Einrahmen in größeren Menschengruppen) versuchen, die geringe Körpergröße geschickt zu kaschieren. Der ganz große Durchbruch auf der Bühne in den wichtigen Opernrollen des Tenorfachs bleibt ihm zwar verwehrt, aber vor allem in den Jahren 1929 bis 1933 erobert der Frauenheld das deutsche Publikum durch seine Plattenaufnahmen und Radioauftritte im Sturm.

Doch dann überschattet die Machtübernahme der Nationalsozialisten seine Karriere und obgleich er zunächst noch von Goebbels und dessen Funktionären hofiert wird, lehnt er das Angebot ab, seinen jüdischen Glauben aufzugeben und sich zum „Ehrenarier“ ernennen zu lassen.
Er übersiedelt nach Wien, um dem Regime ein erstes Mal zu entkommen. Dort wird der Frauenschwarm 1935 Vater eines Sohnes. Mit der Interpretation von Liedern wie „Heut ist der schönste Tag in meinem Leben“ oder „Ein Lied geht um die Welt“ feiert er große Erfolge und wird weltweit bekannt.

Doch – eigentlich Familienmensch und oft geplagt von großer Sehnsucht nach seiner Mamitschka – bleibt er stets ein Getriebener und Heimatloser, denn auch in Österreich holen ihn die Nationalsozialisten ein und er begibt sich wieder auf die Flucht. Leider unterschätzt er häufig die Gefahr und den Ernst der Lage und so irrt er heimat- und staatenlos durch Europa (Brüssel, Frankreich etc.), bemüht sich spät um ein Visum und verpasst die Gelegenheit der Ausreise nach Übersee. Nach illegalem Grenzübertritt wird er 1942 im Lager Girenbad in der Schweiz interniert. Sein Gesundheitszustand ist sehr angegriffen und er leidet an einer Herzschwäche, die nicht behandelt wird. Er verstirbt mit gerade einmal 38 Jahren.

Stefan Sprang erzählt Schmidt’s Leben in zahlreichen Szenen, die für mich stellenweise fast drehbuchartig anmuteten. Er beschreibt sehr intensive, sehr plastische und emotionale Momente mit großer Aussagekraft und bedient sich einer sehr liebevollen Art zu erzählen und zu formulieren. Der Autor wählt die künstlerisch freiere Form des Romans – nicht die einer klassischen Biographie – und springt so zwischen Zeiten und Orten. Manchmal hätte ich mir zwar ein wenig mehr verbindende Elemente und einen etwas stärker ausgeprägten roten Faden gewünscht, um den Überblick besser zu behalten. Doch die Lebensgeschichte kommt auch so im Herzen des Lesers an und man liest das Buch mit großer Sympathie und zunehmender Wehmut.

„Vielleicht weil man im Leben immer glücklich und unglücklich zugleich ist.“

(S.222)

Das Lebensschicksal Schmidts ist geprägt von Höhen und Tiefen und man leidet während der Lektüre stets mit. Im Nachgang und mit dem Wissen um seine Geschichte, möchte man ihn wachrütteln und ihm den Ernst der politischen Situation klarmachen, die er viel zu lange unterschätzt hatte. So ist der viel zu frühe und sinnlose Tod, der bei rechtzeitiger Behandlung der Krankheit vermeidbar gewesen wäre und das einsame Ende in einem Auffanglager, der tiefstmögliche Sturz nach einer großen, glanzvollen und glücklichen Karriere, die nur sehr kurz währte.

Ein trauriges, wehmütiges Buch, das von Stefan Sprang mit großem Respekt, viel Herz und tiefer Bewunderung und Liebe zum Menschen Joseph Schmidt verfasst ist und ihn in der Erinnerung der Leser weiterleben lässt. Ein Schicksal und eine große Persönlichkeit, die mich sehr berührt hat.

Buchinformation:
Stefan Sprang, Ein Lied in allen Dingen – Joseph Schmidt
Größenwahn Verlag
ISBN: 978-3-957712-38-7

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich „Ein Lied in allen Dingen – Joseph Schmidt“:

Zum Weiterhören (Teil 1):
Natürlich sollte man sich die unsterbliche Stimme Joseph Schmidts während oder nach der Lektüre des Romans anhören. Auch wenn die alten Aufnahmen natürlich nicht die beste Tonqualität haben, lässt sich der Zauber, der Glanz und die Leichtigkeit in Schmidts Stimme auch heute noch deutlich heraushören. Eine Jahrhundertstimme.

Zum Weiterhören (Teil 2):
Ein wunderschönes Lied, das im Roman vorkommt ist „Marietta’s Lied“ aus der Oper „Die tote Stadt“ des jüdischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold. Für mich zählt dieses wehmütige, gefühlvolle Stück zu den emotionalsten und schönsten Arien der Opernmusik – „Glück, das mir verblieb…“.

Zum Weiterlesen:
Wenn man wie ich nicht genug vom Thema Oper bekommen kann und vor allem auch einmal den Blick hinter die Kulissen werfen will, dann kann ich die Memoiren von Brigitte Fassbaender sehr empfehlen. Sie beschreibt, was es bedeutet Opernsängerin und auch Opernregisseurin zu sein. Die Autobiografie einer starken Frau und Künstlerin, die ich mit großer Begeisterung gelesen habe:

Brigitte Fassbaender, Komm’ aus dem Staunen nicht heraus
C.H. Beck
ISBN: 978-3-406-74115-9

Mahlers letzte Reise

Ich bin immer noch überwältigt von der Lektüre des neuen Romans von Robert Seethaler „Der letzte Satz“ und suche nach den richtigen Worten, die diesem berührenden, außergewöhnlichen und intensiven Buch gerecht werden.

Seethaler begleitet Gustav Mahler auf dem Deck eines Ozeandampfers auf seiner letzten Überfahrt von Amerika nach Europa – der Komponist fährt nach Hause, um zu sterben. Er weiß um sein nahes Ende und er lässt in Gedanken bezeichnende Szenen und Momentaufnahmen seines Lebens Revue passieren. Einsam an Deck mit Blick auf das Meer, die Gischt und die Wolken, hängt der große Musiker und Dirigent seinen Gedanken nach und nur ein rühriger und aufgeweckter Schiffsjunge schaut von Zeit zu Zeit vorbei, um sich um den berühmten Passagier zu kümmern.

Seethaler zeigt Gustav Mahler in atmosphärischen, liebevoll beschriebenen kleinen Miniaturen von seinen unterschiedlichsten Seiten: den naturverbundenen Künstler, den trauernden Vater, den leidenden Liebenden, den eifersüchtigen Betrogenen, den besessenen Workaholic, den wütenden und schmerzgeplagten Sterbenden. Der österreichische Autor versteht in kurzen, klaren Sätzen mit einer unfassbaren Intensität ausdrucksstarke Facetten und den Charakter Mahlers vor den Augen des Lesers entstehen zu lassen.

Man leidet mit diesem todkranken Mann, der in seinem Leben so viel erlebt und erreicht hat und doch noch nicht bereit ist, diese Welt zurückzulassen. Der Künstler und Komponist, der am liebsten ungestört und abgeschieden in seinem Komponierhäuschen in der Natur oft wie besessen an seinen Werken arbeitete und die Welt um sich vergaß. Der das Komponieren in stiller Abgeschiedenheit dem Dirigieren im Opernhaus mit allem Glamour und alle Querelen vorzog und des Wiener Klatsches und Tratsches leid war.

Der liebende Ehemann, dessen Liebe zu seiner schillernden und exzentrischen Frau Alma ungebrochen, am Ende doch aber einseitig und nicht mehr erwidert wurde. Die deutlich jüngere, schöne Frau, die er über alles liebte, die ihn aber durch Affären in rasende Eifersucht und tiefe Verzweiflung stürzte. So schafft Mahler es nicht einmal, den Namen seines Rivalen um Almas Gunst auszusprechen und nennt ihn nur abwertend den „Baumeister“ – gemeint ist kein Geringerer als Walter Gropius, Architekt und Gründer des Bauhauses.

Und da ist Mahler der liebevolle und tief trauernde Vater, der den Verlust seiner ersten Tochter nicht überwinden kann und sich nach der Nähe seiner Kinder und einem heilen Familienleben sehnt.

Seethaler zeichnet einen Menschen, der zerrissen ist von Selbstzweifeln und den Anstrengungen seines Lebens als Künstler und als Liebender. Dem der kraftraubende Schaffensprozess und das Leben alles abverlangt – geplagt von Trauer und Schmerz am Ende seines Lebens.

Fasziniert hat mich die große Gabe, mit welcher Seethaler sprachlich meisterhaft Atmosphäre erzeugt: man riecht, schmeckt und hört geradezu das Meer und taucht ein in eine sinnliche, intensive und aufs Wesentliche konzentrierte Sprache, wie man sie nur selten zu lesen bekommt. Es gibt Sätze, die man sich auf der Zunge zergehen lassen und am liebsten gleich mehrfach und immer wieder lesen möchte, um sie auszukosten und ganz zu verinnerlichen.

Ein Buch wie ein Rausch, das einen Sog entwickelt, der nicht mehr loslässt. Am besten hat man einen Nachmittag Zeit, um sich ganz darin versenken zu können und es in einem Rutsch zu lesen. Ein Buch, das man sehr gut im Strandkorb mit Blick aufs Meer bei Wellenrauschen genießen und seinen Gedanken freien Lauf lassen kann. Aber auch jeder andere ruhige, zurückgezogene Ort ist geeignet – der Liegestuhl auf dem Balkon oder der Lesesessel im Wohnzimmer – Hauptsache man hat Zeit und Muße, sich ganz dem Buch widmen und darin vertiefen zu können.

Ein melancholisches, nachdenkliches und leises Buch, das mich tief bewegt hat und lange nachklingen wird – oder wie Seethaler selbst auf Seite 33 schreibt: „Man schlägt einen Ton an, und der schwingt dann weiter im Raum. Und trägt doch schon das Ende in sich.“ (Zitat)

Buchinformation:
Robert Seethaler, Der letzte Satz
Hanser Berlin
ISBN: 978-3-446-26788-6

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Wozu hat mich das Buch inspiriert, woran erinnert und wie lässt sich der Genuss vertiefen:

Für den Gaumen: Eine Tasse weißer Tee und ein Sommerapfel
(wer das Buch liest, weiß warum)

Für die Ohren:
Für mich passen hierzu Gustav Mahlers „Rückert-Lieder“, z.B. in der wundervollen Aufnahme mit dem Bass Günther Groissböck und Gerold Huber am Klavier auf dem Album „Herztod“ (erschienen bei Decca / Universal Music, 2018)

Für die Augen und den Geist:
Das Komponistenquartier in Hamburg hat dem Komponisten ein eigenes Museum mit sehenswerter, kleiner, aber feiner Ausstellung in schönen Räumlichkeiten gewidmet – für Musikliebhaber lohnt sich ein Besuch.

Für weiteren literarischen Genuss:
Von Robert Seethaler stehen bei mir schon im Regal und sind ebenfalls sehr zu empfehlen, wenn man schöne Sprache und tiefgründige Literatur liebt:

  • Robert Seethaler „Der Trafikant“;
    Kein & Aber, ISBN: 978-3-0369-5909-2
    (Dieser Roman war mein Einstieg in Seethalers Werk und hat mein Leserherz im Sturm erobert.)
  • Robert Seethaler „Ein ganzes Leben“;
    Hanser Berlin, ISBN 978-3-446-24645-4
    (Ein herzerwärmendes, literarisches Kleinod über ein einfaches Leben in einem abgeschiedenen Alpendorf.)

Wer mehr über das aufregende Leben und die Lieben der Alma Mahler-Werfel erfahren will, liegt mit folgender, sehr gut lesbarer Biografie goldrichtig:

  • Oliver Hilmes „Witwe im Wahn“;
    btb Verlag, ISBN: 978-3-442-73411-5