Märzbowle 2021 – Wetterkapriolen und Krisenkreativität

Ein langer März ist zu Ende gegangen, der sich uns wettertechnisch über weite Strecken eher als April präsentierte und mit Wetterkapriolen jeglicher Couleur aufwartete: Graupel, Regen, Sonne, Wolken, Schnee, Schneeregen, Sturm – es war alles dabei. Doch zumindest die letzte Märzwoche ließ dann doch noch Frühlingsfreuden aufkommen und stimmte versöhnlich.

Zudem habe ich ein neues Wort kennengelernt: „krisenkreativ“ – das bisher selbst dem Duden noch nicht bekannt ist. Eine Eigenschaft, die gerade in Zeiten der Pandemie sehr gefragt ist. Ein Fernsehbeitrag monierte, dass diese in Deutschland zu schwach ausgeprägt sei – dem setze ich gerne meine „Kulturbowle“ als widerlegendes Beispiel entgegen. Ohne die Pandemie hätte ich den Blog wohl nicht gestartet, somit ist er mein Weg, der Krise mit Kreativität zu begegnen – also quasi „Krisenkreativität pur“.

Kulturell waren und sind wir immer noch auf Digitales angewiesen, doch mit der zauberhaften Neuinszenierung des „Rosenkavalier“ von Barrie Kosky an der Bayerischen Staatsoper und dem Gute-Laune-Musical „Non(n)sens“ des Münchner Gärtnerplatztheaters konnte ich zumindest zu Hause erneut zwei großartige Theater-Livestreams genießen. Ebenfalls herausragend fand ich das Montagsstück der Bayerischen Staatsoper „Il Signor Bruschino“ von Gioachino Rossini, das in einer charmanten Inszenierung von Marcus H. Rosenmüller als Livestream zu sehen und musikalisch wie szenisch (in schwarz-weiß Stummfilm-Optik) sehr unterhaltsam war.

Zudem konnte ich im März zwei sehr gute Filme (im Fernsehen) sehen, bei welchen ich es nicht ins Kino geschafft hatte und die mir ausnehmend gut gefallen haben: den amerikanischen Film „Hidden Figures“ (2016) über die ersten afroamerikanischen Mathematikerinnen bei der NASA während der 60er Jahre und eine polnisch-französisch-deutsche Gemeinschaftsproduktion „Marie Curie und das blaue Licht“ ebenfalls aus dem Jahr 2016, welche die berühmte Wissenschaftlerin und Nobelpreisträgerin in den Mittelpunkt gestellt hat. Sehenswert!

Literarisch war es für mich ein reichhaltiger und abwechslungsreicher März, der mich eintauchen ließ in andere Zeiten, Welten und in vielen Fällen echte Lektüreperlen für mich bereithielt.
Gleich der Auftakt mit Mirjam Presslers Jugendbuch „Dunkles Gold“, das sich auf gut verständliche und eindringliche Weise dem Thema Antisemitismus widmet und gleichzeitig die Geschichte des Erfurter Schatzes erzählt, war eine solche Perle, hat mich tief berührt und fasziniert. Da die Autorin ihre letzten Lebensjahre in meiner Heimatstadt Landshut verbracht hat und ein beeindruckendes Lebenswerk als Übersetzerin und Autorin hinterlassen hat, war es mir eine besondere Ehre und eine Herzensangelegenheit, dieses Buch auf der Bowle vorzustellen.

Im Anschluss konnte ich mit Laura Freudenthaler’s Debütroman „Die Königin schweigt“ ein kleines, feines Buch kennenlernen, das mich vor allem aufgrund der Sprache und der Intensität sehr beeindruckt hat. In kurzen Kapiteln zeichnet die junge Autorin in ausdrucksstarken Miniaturen und Momentaufnahmen Bilder, die sich einbrennen und das einfache Leben einer Frau erzählen, die in den 30er Jahren auf einem abgelegenen österreichischen Bauernhof aufgewachsen ist.

Dem Fernweh, das mittlerweile viele plagt, konnte ich mit der Lektüre von Marius Tölzer’s Gedichtband „Ein rätselschönes Schweigen“ ein wenig nachgeben und die stimmungsvolle, klassisch-inspirierte Poesie des jungen Autors war für mich ein großer Genuss. In Kombination mit dem Online-Angebot des Würzburger Kulturspeichers und dem Ausstellungskatalog zu „Italiensehnsucht!“ mit den mediterranen Gemälden, die südliches Licht und italienisches Flair eingefangen haben, war dies für mich eine ideale Symbiose aus Literatur und bildender Kunst.

Auf eine Seereise im Mittelmeer im Jahr 1907 entführte mich Günter Neuwirth mit seinem Kriminalroman „Dampfer ab Triest“. Viel K.u.k.-Atmosphäre und ein unterhaltsamer Krimiplot mit liebevoll gezeichneten Figuren und interessantem historischen Hintergrund, der sich sehr flüssig gelesen hat.

Die Büchergilde hat 2020 Stefan Zweigs pazifistisches Werk „Der Zwang“ mit Illustrationen von Franz Masereel aus dem Jahr 1920 zum 100-jährigen Jubiläum in einer wunderschönen Leinenausgabe herausgebracht, die jedem bibliophilen Menschen das Herz aufgehen lässt. Ein zeitloses Werk mit einer wichtigen Aussage, das auch nach 100 Jahren noch hochaktuell ist und sich sehr gut liest – ein leidenschaftliches Plädoyer gegen den Krieg.

Im kulinarischen Krimi „Das Geheimnis der Fischerin vom Bodensee“ von Erich Schütz macht der Autor auf unterhaltsame Art auf die Problematik der modernen Fischzucht und die teils fragwürdigen Methoden aufmerksam. Verpackt als Kriminalroman prangert er Missstände an und erreicht, dass der Leser sich Gedanken darüber macht, woher das Bodenseefelchen oder allgemein der Fisch auf dem Teller denn eigentlich kommt.

Die Stadt Venedig feierte am 25. März 2021 ihren 1600. Geburtstag – ein schöner Grund, sich auch literarisch in die Serenissima zu begeben: Christian Schnalke’s historischer Roman „Die Fälscherin von Venedig“ ist eine sehr gelungene Fortsetzung seines Romans „Römisches Fieber“, welche die Geschichte von Franz Wercker weiter erzählt, der nachdem er aus Rom geflohen ist, nun in Venedig einem großen Kunstraub auf die Spur kommen soll. Dabei begibt er sich selbst in höchste Gefahr. Spannend, farbenfroh und opulent erzählt, ist dies ein wunderbarer Lesegenuss, für Venedigfans und für alle, die einen guten, historischen Roman zu schätzen wissen.

Ein Lese-Highlight war diesen Monat auch der neue Roman von Daniela Engist „Lichte Horizonte“, der mich vollkommen in den Bann gezogen hat und in dem ich so viele schöne Textstellen gefunden hatte, dass ich wahrlich die Qual der Wahl hatte, was ich in meiner Rezension zitiere. Ein kluger, intensiver und lebensweiser Roman über die Liebe und über eine Frau, die ihr Leben und ihre Liebesbeziehungen revue passieren lässt. Eine Figur, die in ihrer Reife und Herzenswärme an die Marschallin des Rosenkavaliers erinnern könnte, und ein herausragender Roman, der mich sowohl sprachlich als auch inhaltlich absolut begeistert hat.

Am Ende des Monats gab es dann nochmal einen Krimi mit Lutz Wilhelm Kellerhoff „Teufelsberg“. Der zweite Band um den Ermittler Wolf Heller (nach dem ersten Teil „Die Tote im Wannsee“), der dieses Mal im West-Berlin des Jahres 1969 während der Mondlandung und in der aufgeheizten Zeit von Studentenrevolten und kaltem Krieg, einen Mord an einer Jüdin – der Frau eines Richters – aufklären muss. Spannend – vor allem auch wegen der gelungenen Schilderung der damaligen Zeit – und somit ein kurzweiliger Kriminalroman, der sich sehr flüssig lesen lässt.

Auch im April gibt es wieder einiges, auf das ich mich freue:
So habe ich mir vorgenommen, in der Mediathek des Landestheater Niederbayern das spannende Stück „Die unsichtbare Hand“ von Ayad Akhtar anzusehen, das dort kostenfrei (oder gegen eine freiwillige Spende) zur Verfügung steht. Ein hochbrisantes Schauspiel über religiösen Fanatismus und Wirtschaftsterrorismus.

Zudem möchte ich mir gerne das Online-Angebot des Museum Wiesbaden zur aktuellen Ausstellung „August Macke – Paradies! Paradies?“ (30.10.20 – 09.05.21) näher anschauen und mir unter anderem Zeit für die 40-minütige Onlineführung durch den Kurator nehmen.

Genießen wir also gute Bücher, Kunst, Kultur, wo immer möglich und bleiben wir krisenkreativ und zuversichtlich!

Allen Lesern meiner Kulturbowle wünsche ich frohe Ostern und schöne Feiertage!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

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Gaumen-Highlight März:
Im vergangenen Monat habe ich seit längerer Zeit wieder einmal einen Zwiebelkuchen gemacht – dazu ein Glas fränkischer Weißwein. Manchmal können die guten Dinge so einfach sein.

Musikalisches im März:
Besonders berührt hat mich im März ein Video des Kinderchors und des Jungen Chors der Deutschen Oper Berlin, das auf der Homepage der Deutschen Oper abrufbar ist: „I Believe in Springtime“ von John Rutter. Ein Chorstück, das bereits im vergangenen Herbst im Berliner Olympiastadion mit viel Abstand zwischen den Sängern aufgezeichnet wurde und das durch Musik und Text die Hoffnung zum Ausdruck bringt, die wohl viele teilen.

„Mir ist zumut, dass ich die Schwäche von allem Zeitlichen recht spüren muss, bis in mein Herz hinein, wie man nichts halten soll, wie man nichts packen kann, wie alles zerläuft zwischen den Fingern, wie alles sich auflöst, wonach wir greifen, alles zergeht wie Dunst und Traum.“

(Hugo von Hofmannsthal, aus dem Libretto von „Der Rosenkavalier“)

Februarbowle 2021 – Kälteklirren und Frühlingsgezwitscher

28 Tage, 4 Wochen, ein Monat – der Februar 2021 ist zu Ende gegangen. Eine Zeit, die von tiefstem, klirrend kaltem Winter mit Schnee und eisigen Minusgraden bis zu zweistelligen Temperaturen und Frühfrühlingstagen mit viel Sonnenschein, hervorspitzenden Schneeglöckchen und Vogelgezwitscher alles zu bieten hatte.

Kulturell blieben erneut leider nur die digitalen Alternativen, aber mit einer kurzweiligen „La Cenerentola“ aus dem Münchner Gärtnerplatz, einer für mich äußerst gelungenen Neuinszenierung des „Freischütz“ in der Bayerischen Staatsoper und Massenet’s „Manon“ aus der Hamburger Staatsoper (mit einer herausragenden Elsa Dreisig in der Titelrolle) konnte ich mir an einigen Abenden sehr schöne Opernerlebnisse nach Hause auf meine Couch holen.

Literarisch begann der Februar für mich mit einem Roman, den ich mir ausschließlich wegen des Titels gekauft hatte: „Bücher schmücken ein Zimmer“ von Anthony Powell. Eine Aussage, die ich aus tiefstem Herzen unterschreibe, allerdings konnte mich die Lektüre selbst leider nicht hundertprozentig überzeugen. Dies war jedoch vielleicht auch der Tatsache geschuldet, dass es sich bei diesem Werk um den zehnten Band des 12-bändigen Zyklus „Ein Tanz zur Musik der Zeit“ handelt und ich bisher noch keinen anderen Teil davon gelesen hatte. Powell beschreibt darin, wie sich im England des Winters 1945/1946 das literarische Leben nach dem zweiten Weltkrieg wieder zu regen beginnt. Very British und mit einer gewissen Ironie porträtiert Powell die britische Upper Class.

Danach setzte ich meine literarische Europareise oder auch Europabowle fort und reiste nach Österreich mit Martin Horváth’s Roman „Mein Name ist Judith“ – ein melancholisch-verträumter Roman, der auf ungewöhnliche Art und Weise die Geschichte einer jüdischen Buchhändlerfamilie in Wien erzählt, die während des Dritten Reichs aus ihrem Haus und der Heimat Wien vertrieben wurde. Denn im Hier und Jetzt taucht plötzlich ein junges Mädchen in der Küche des heutigen Hausbewohners auf und behauptet die Tochter des Buchhändlers zu sein. Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Realität verschwimmen auf eindrucksvolle Art und Weise.

Eintauchen in die Vergangenheit und in 100 Jahre deutsche Geschichte ließ mich dann auch Thomas Harding’s „Sommerhaus am See“, das die Geschichte eines kleines Holzhäuschens am Glienicker See nahe Potsdams und seiner Bewohner erzählt. Eine pralles, opulentes und dichtes Sachbuch, das einen großen Bogen spannt vom adligen Rittergut Ende des 19. Jahrhunderts während der Kaiserzeit über die Errichtung eines Wochenendhäuschens der jüdischen Familie Alexander (der Autor Thomas Harding ist der Urenkel des Erbauers), welche dann vor dann Nationalsozialisten fliehen und das Haus und ihren Besitz zurücklassen musste, über die Arisierung des Häuschens, die Zeit der russischen Besatzung, der DDR und des Mauerbaus, der direkt im Garten entlang des Seeufers erfolgte. Eine faszinierende und bewegte Geschichte. Schön zu lesen, dass mittlerweile ein Museum und ein Ort für Bildung und Versöhnung in dem jetzt denkmalgeschützten Haus (Alexanderhaus) eingerichtet werden konnte.

Von Potsdam ging es literarisch dann gleich noch weiter ins benachbarte Berlin und mit Mariam Kühsel-Hussaini’s „Tschudi“ konnte ich für mich ein literarisches Glanzlicht und Kunstwerk entdecken, das mich absolut begeistert hat. Der Roman über den Museumsdirektor Hugo von Tschudi, der um die Jahrhundertwende herum die Nationalgalerie leitete und es gegen den Widerstand Kaiser Wilhelm II. wagte, französische Impressionisten zu erwerben und auszustellen, ist sprachlich und atmosphärisch ganz große Klasse. Für mich sicherlich einer der Lesehöhepunkte des bisherigen Jahres. Ein Roman über eine herausragende und interessante Persönlichkeit und zugleich sinnlich, kunstvoll, kristallklar geschrieben und wunderschön zu lesen!

Danach ging meine literarische Europareise weiter nach Dänemark ins schöne Kopenhagen, auch wenn der zweite und vor allem der dritte Band der Kopenhagen-Trilogie von Tove Ditlevsen „Jugend“ und „Abhängigkeit“ oft nicht die schönen Seiten der Stadt beleuchten, sondern vielmehr die Entwicklung der Autorin und im letzten Band vor allem ihre Suchterkrankung in den Mittelpunkt stellt. Eine literarisch höchst interessante Trilogie, welche auch 50 Jahre nach dem Erscheinen nichts an Aktualität eingebüßt hat und eine bereichernde, intensive Lektüre darstellt.

Nach der traurigen und schwermütigen, schmerzhaften Kost des dritten Bands der Kopenhagen-Trilogie brauchte ich Aufheiterung und literarische Stimmungsaufhellung in Form eines unterhaltsamen und amüsanten Romans: Linus Reichlin’s „Señor Herreras blühende Intuition“ kam mir da gerade recht. Ein Autor, der sich in ein spanisches Kloster zurückzieht, um dort unter Klosterschwestern eines Schweigeordens für seinen nächsten Roman zu recherchieren, per Yoga seinen Ruhepuls zu senken und dort auf einen ehemaligen Matador trifft, der zum Koch und Gästebetreuer umgeschult hat und zwar passioniert, aber eher minderbegabt kocht – das verspricht turbulent und komisch zu werden. Und das war es auch.

Der kürzeste Monat des Jahres ging somit nach lohnenden, geschichtlich interessanten und literarischen anregenden Büchern witzig und gut gelaunt zu Ende und in diesem Sinne hoffe ich auf einen ebenso spannenden und vielseitigen Büchermärz.

Es bleibt abzuwarten, ob uns der März noch einmal Wintertage beschert oder ob sich doch der Frühling durchsetzen wird – Zeit zum Spaziergehen und Lesen wird bleiben und auch die Kultur wird vermutlich weiterhin nur im digitalen Raum stattfinden. Ich freue mich im März sehr auf einen Livestream einer meiner Lieblingsopern: Richard Strauss’ „Der Rosenkavalier“ in einer Neuinszenierung von Barrie Kosky an der Bayerischen Staatsoper (21.03.21 um 15.30 Uhr und ab dem 23.03.21 30 Tage als kostenloses Video-on-demand zu sehen).

Zudem habe ich mir vorgenommen, noch bis zum 7. März 21 durch das digitale Angebot der Ausstellung „Italiensehnsucht! Auf den Spuren deutschsprachiger Künstlerinnen und Künstler 1905-1933“ im Würzburger Kulturspeicher zu bummeln. Wer sehnt sich schließlich nicht gerade nach etwas Urlaubsstimmung und dem „Land, wo die Zitronen blühen“?

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

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Gaumen-Highlight Februar:
Zu Beginn der Fastenzeit kommen auch vermeintliche „Fastenspeisen“ oder auch Mehlspeisen wieder verstärkt in den Fokus: zum Beispiel ein schöner Quarkauflauf mit Äpfeln oder Kirschen.

Musikalisches im Februar:
Für mich entdeckt habe ich im Februar eine wunderschöne Arie aus Richard Strauss’ „Ariadne auf Naxos“: „Lieben, hassen, hoffen, zagen“ – sie war Teil des Livestreams aus dem Münchner Gärtnerplatztheater „Straus & Strauss & Co.“ – und die Interpretation des Baritons Daniel Gutmann hat mir sehr gut gefallen.

„O lass Hoffnung dich beleben, und vertraue dem Geschick!“

(Friedrich Kind, aus dem Libretto von „Der Freischütz“)

Januarbowle 2021 – Schneetage und Winterstimmung

Der erste Monat in 2021 ist bereits wieder Geschichte und was in Erinnerung bleiben wird, sind zahlreiche Spaziergänge durch eine oft verschneite Landschaft – das Knirschen des Schnees unter den Stiefeln, das friedliche Weiß, das alles zudeckt, freundlich lächelnde Schneemänner und zu Beginn des Jahres eine gewisse Stille und Ruhe. Zudem blieb einiges an Lesezeit für eine bunte Mischung an Büchern unterschiedlichster Art.

Der Auftakt war musikalisch und huldigte noch einmal dem Jubilar des vergangenen Jahres: Ludwig van Beethoven. Christian Thielemann’s „Meine Reise zu Beethoven“ brachte mir vor allem die unterschiedliche Symphonien in ihrer Vielfalt wieder näher und offenbarte einen Blick hinter die Kulissen und in die spannende Gedankenwelt eines Dirigenten mit musikalisch-künstlerischen Fragestellungen zu Tempi, Sitzordnungen des Orchesters, Raumakkustik, Plattenaufnahmen und vielen weiteren Aspekten, mit welchen man sich als Hörer in der Regel nicht befasst.

Düster und ungemütlich wurde es dann mit dem Sturmflut-Thriller „Dammbruch“ von Robert Brack, der im Hamburg des Jahres 1962 die Erlebnisse und den Überlebenskampf einiger Krimineller schildert, deren dunkle Machenschaften und Verbrechenspläne von der gewaltigen Sturmflut und Orkan Vincinette regelrecht weggespült werden.

Der Januar war für mich auch der richtige Moment, ein neues Leseprojekt auf meinem Blog einzuläuten: meine „Literarische Europareise“ oder „Europabowle“. Nach und nach möchte ich ein Werk aus jedem europäischen Land lesen und vorstellen (beginnend mit den 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union – und später offen für eine Erweiterung auf die Nicht-Mitgliedsstaaten). Die Autorin oder der Autor sollte aus dem jeweiligen Land stammen und die Romanhandlung sollte in diesem Land angesiedelt sein. Demnächst ist eine eigene Übersichtsseite zur „Europabowle“ geplant – die Gesamtübersicht aller Rezensionen nach Schauplätzen findet man aber auch ohnehin bereits jetzt unter „Die Welt erlesen“.

Gestartet habe ich meine Reise im hohen Norden – in Finnland. Tommi Kinnunen’s wehmütiger, melancholischer Familienroman „Das Licht in deinen Augen“ war ein literarisch würdiger Auftakt, der mich sehr berührt hat. Die Geschichte der blinden, jungen Frau, die sich in den Fünfziger Jahren ihre Selbstständigkeit hart erkämpfen muss und ihres Neffen, der vierzig Jahre später als Homosexueller ebenfalls um seinen Platz in der Gesellschaft ringen muss, macht deutlich, was es bedeutet, einer Minderheit anzugehören, diskriminiert und an den Rand gedrängt zu werden. Ein Buch, das beim Lesen schmerzt.

Ähnlich bewegend und tiefgründig war auch der Roman und die Hauptfigur meiner zweiten Station der Reise: „Nora Webster“ von Colm Tóibín. Eine Witwe, die im Irland der frühen Siebziger Jahre nach dem Krebstod ihres Mannes ihr Leben als Alleinerziehende mit vier Kindern, Geldsorgen und einem Halbtagsjob in einer erzkonservativen Gesellschaft meistern muss. Eine starke, unkonventionelle Frauenfigur, die am Ende lernt loszulassen, sich selbst findet und gestärkt aus der Krise hervorgeht. Ein stilles, eindringliches Buch, das lange nachhallt.
Weitere Stationen der literarischen Europareise werden folgen und ich freue mich bereits jetzt über die positive Resonanz.

Auch ein Krimi durfte im Januar nicht fehlen und mit Bernhard Jaumann’s „Der Turm der blauen Pferde“ konnte ich Krimilust und den kulturellen Aspekt meiner „Kulturbowle“ wunderbar verbinden. Ein Kriminalfall, in welchem eine Kunstdetektei nach dem Verbleib und der Provenienz eines verschollenen Franz Marc-Gemäldes fahndet – das war hervorragende, spannende Unterhaltung und ganz nach meinem Geschmack. Ich bin bereits jetzt gespannt auf die Fortsetzung, die im Mai erscheinen wird („Caravaggios Schatten“).

Neuland im neuen Jahr habe ich mit meiner ersten Rezension zweier Lyrikbände betreten: Die wunderbaren Haiku-Bände „der tulipan entblättert sich und amor schleicht ins land“, sowie „goldfüchse im schnee und ganz leise lacht ein faun“ haben mich sehr begeistert und den Wunsch geweckt, im Leben wie auf dem Blog „mehr Poesie zu wagen“. Die Gedichte der Autorinnen Janette Bürkle und Petra C. Erdmann in der japanisch inspirierten Form des Dreizeilers sind durch ihre schwebende, sinnliche und atmosphärische Sprache ein wahrer Lesegenuss.

Harter Tobak war danach dagegen Thomas Mullen’s „Darktown“. Der Autor thematisiert in seinem Kriminalroman den Rassismus im Atlanta des Jahres 1948. Im Mittelpunkt steht die erste Einheit des Police Departments, welche farbige Polizisten beschäftigt, die ihm Viertel „Darktown“ mit überwiegend farbiger Bevölkerung ihren gefährlichen und schwierigen Dienst versehen.

Mit Francesca Melandri’s „Über Meereshöhe“ habe ich nun auch das Werk der italienischen Autorin gelesen, das mir bisher noch fehlte, und die mich bereits mit „Alle außer mir“, aber vor allem auch mit „Eva schläft“ absolut begeistert hatte. Die Geschichte von Luisa und Paolo, die beide ihre inhaftierten Familienangehörigen auf einer Gefängnisinsel besuchen, entwickelte für mich erneut einen ganz besonderen Sog. Zudem habe ich viel über ein Kapitel der italienischen Geschichte und eine Zeit erfahren, die als „bleierne Zeit“ bezeichnet wird und mir bisher noch weitestgehend unbekannt war.

Mit großer Vorfreude und Neugier habe ich den ersten Band der Kopenhagen-Trilogie von Tove Ditlevsen „Kindheit“ erwartet und dann auch sofort verschlungen. Die dänische Autorin, die aktuell wieder entdeckt und in 16 Sprachen übersetzt wird, beschrieb 1967 im ersten Teil ihre Kindheit im Kopenhagen der Zwanziger Jahre. Hier werde ich sicher bald ausführlicher berichten.

Den Abschluss meiner Januar-Lektüre bildete dann der neue Julian Barnes: „Der Mann im roten Rock“ – ein opulentes und pralles, literarisches Zeitgemälde der Belle Époque – Kunst, Literatur, Lebensart und die Geschichte eines der erfolgreichsten Gynäkologen seiner Zeit, des Dr. Pozzi. Ein wahres Füllhorn an kunst- und literaturgeschichtlichen Bezügen, sowie ein vielschichtiges Kaleidoskop der Pariser Gesellschaft und der Bohème des Fin de Siècle, das der Brite hier für seine Leser auffächert.

Ein Lesemonat, der mir viel Abwechslung bescherte und eine bunte Mischung aus Poesie, Kunst, Musik, tiefgründigen Familiengeschichten, aber auch packender Krimiunterhaltung geboten hat – eine Bowle mit unterschiedlichsten Zutaten.

Und es blieb sogar noch Zeit für ein paar digitale, kulturelle Erlebnisse in Form von Livestreams, u.a. aus dem Münchner Gärtnerplatztheater („Viktoria und ihr Husar“) oder meinem Heimattheater – dem Landestheater Niederbayern („Geliebte Aphrodite“).

Die Tage werden bereits wieder spürbar länger und neben den liebgewonnenen Spaziergängen werde ich auch im Februar versuchen, die Zeit mit guten Büchern, schöner Musik und ein paar digitalen Theater- und Opernbesuchen zu bereichern.
So freue ich mich zum Beispiel auf einen gestreamten „Freischütz“ aus der Bayerischen Staatsoper am 13.02.21 (19.00 Uhr) und lektüretechnisch unter anderem auf den zweiten und dritten Band der Kopenhagen-Trilogie von Tove Ditlevsen.

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight Januar:
Nach den süßen Naschereien der Weihnachtszeit, gab es im Januar mal ein Gebäck der herzhaften Art: Käsefüße.


Musikalisches im Januar:
Eine musikalische Neuentdeckung war für mich diesen Monat Christoph Willibald Glucks Ballettmusik „Don Juan“ aus dem Jahr 1761, die ich in einem Livestream des Münchner Gärtnerplatztheaters erleben durfte – ergänzt durch Texte von Lorenzo Da Ponte, Tirso de Molina, Christian Dietrich Grabbe, E. T. A. Hoffmann und Molière, welche von Jutta Speidel vorgetragen wurden, war dies ein rundes und kurzweiliges Konzerterlebnis.

Der Abend
Schweigt der Menschen laute Lust:
Rauscht die Erde wie in Träumen
wunderbar mit allen Bäumen,
was dem Herzen kaum bewußt,
alte Zeiten, linde Trauer,
und es schweifen leise Schauer
wetterleuchtend durch die Brust.

(Joseph von Eichendorff)

Dezemberbowle 2020 – Opernstreams und Schlemmereien

Der Dezember und dieses schwierige und merkwürdige Jahr 2020 neigt sich dem Ende entgegen. Wie so vieles war auch die Adventszeit und das Weihnachtsfest anders als die Jahre zuvor – entschleunigter, stiller, sorgenvoller und nachdenklicher. Ich habe in diesem Monat intensiv Opern geschaut – leider nur im Fernsehen und in Livestreams, was die Liveerlebnisse in den Theatern und Opernhäusern natürlich nicht ersetzen kann, die ich sehr vermisse, aber auf jeden Fall besser ist als gar keine Kultur erleben zu können.

Im Gegenzug blieb ein bisschen weniger Zeit fürs Lesen und ich habe mich im Dezember gegen Ende auch einem richtig dicken Schmöker gewidmet, den mir das Christkind gebracht hat. Aber der Reihe nach:
Winterzeit ist Schmökerzeit und daher hatte ich wieder einmal Lust auf einen opulenten, historischen Roman – Michael Römling’s „Pandolfo“ kam da gerade recht und ich bin abgetaucht ins lebhafte, bunte und laute Mailand des 15. Jahrhunderts. Ein stimmungsvoller und geschichtlich gut recherchierter Roman, der gut unterhält und zudem einige interessante Aspekte der italienischen Renaissance aufgezeigt.

Danach stand bereits vor den eigentlichen, kulinarischen Weihnachtsgenüssen literarisch eine Schlemmerreise an: Vincent Klink’s kurzweiliger, schön illustrierter und sehr wertig aufgemachter Band „Ein Bauch lustwandelt durch Wien“ entführte mich in die schöne Stadt an der Donau und ließ mir mehr als einmal das Wasser im Munde zusammenlaufen. Ein ganz persönlicher, subjektiver und daher auch vielseitiger Reise- und Gastroführer des Spitzenkochs mit vielen schönen Anregungen für die nächste Reise und Rezepten für zu Hause.

Und weil’s gerade so schön war, bin ich auch gleich noch ein bisschen länger in Wien geblieben – allerdings im Jahr 1873 – mit Gerhard Loibelsberger’s Roman „Alles Geld der Welt“, der sich mit dem „Gründerkrach“ auseinandersetzt – einem schweren Börsenkrach und einer damit verbundenen Wirtschaftskrise, die sich im Jahr der Wiener Weltausstellung ereigneten. Die Gier hatte Besitz von den Menschen ergriffen und Träume und Spekulationsblasen platzten.

Auf Sandra Newman’s „Himmel“ war ich ganz besonders gespannt – schließlich sollte William Shakespeare eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Da konnte ich quasi schon gar nicht mehr daran vorbei. Im New York der Zukunft sind Ben und Kate ein Paar, doch die Beziehung leidet erheblich unter der Tatsache, dass Kate immer wieder in ihren Träumen in die Vergangenheit und das England während der Pest zu Shakespeare’s Zeiten zurückgeworfen wird und das Gefühl nicht los wird, dass es ihre Aufgabe ist, den Lauf der Geschichte entscheidend zu beeinflussen. So weit, so spannend – allerdings sprang der Funke auf mich leider nicht wirklich über. Es war zu düster, zu schwermütig, vielleicht meine Erwartung zu hoch und vermutlich passte es auch gerade nicht in die aktuelle Situation und meine Gemütslage. Offenbar für mich nicht das richtige Buch zur richtigen Zeit, aber sicherlich gute Literatur: Bei Bookster HRO und Fräulein Julia findet ihr sehr lesenswerte, interessante und begeisterte Besprechungen.

Um so glücklicher war ich mit meiner Wahl von Ursula März’ „Tante Martl“ – meinem letzten Spontankauf in der örtlichen Buchhandlung, bevor diese wieder schloss. Dieses schmale Büchlein mit seinen ca. 190 Seiten entpuppte sich wahrlich noch zu einem meiner Leseglanzlichter des Jahres 2020. Was für eine Hauptfigur, welch großartige Sprache, welch geniale Mischung aus Humor und Gefühl – da stimmt einfach alles. Ein kleiner Roman, der ganz, ganz groß ist! Herzerwärmend!

Und weil man in der momentanen Lage dringend jede Stimmungsaufhellung und gute Laune gebrauchen kann, die man bekommen kann, wollte ich das Jahr auch mit einem humorvollen Klassiker ausklingen lassen. P.G. Wodehouse und seine komödiantischen Romane um den Butler Jeeves oder Lord Emsworth sind da eine Bank und stets ein Garant für Aufheiterung und zeitlos lustige und spritzige Unterhaltung. Auch „Auf geht’s, Jeeves!“ ließ da nichts zu wünschen übrig und bescherte mir vergnügliche Lesestunden.

Last but not least: Das Christkind schleppte dann dieses Jahr wirklich schwer und legte mir einen echten Brocken unter den Christbaum: der neue Robert Galbraith (alias J.K. Rowling) „Böses Blut“ – der fünfte Band der Cormoran Strike-Reihe – umfasst doch tatsächlich fast 1200 Seiten. Ein neuer Rekord (ich hatte „nur“ mit ca. 800 oder 900 Seiten gerechnet und war dann doch überrascht) und nur gut, dass der Weihnachtsurlaub und die Corona-Situation gerade viel Zeit zum lesen lassen. So kann ich mich da mit aller Ruhe und Muße reinversenken und habe realistische Chancen, die Lektüre noch in diesem Jahr zu beenden.

Der Dezember bescherte mir als Opernliebhaberin aber auch viele Geschenke aus der Opernwelt. Angefangen vom Livestream der „Falstaff“-Premiere aus der Bayerischen Staatsoper mit einem sehr überzeugenden Wolfgang Koch in seinem Rollendebüt, über eine Ausstrahlung auf 3Sat der fulminanten Inszenierung der Oper Zürich von Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“ mit einer herausragenden Joyce DiDonato aus dem Jahre 2015, bis zu der völlig zu recht umjubelten Premiere des „Simon Boccanegra“ ebenfalls aus Zürich auf ARTE mit einem genialen Christian Gerhaher (bei Arcimboldi’s World gibt es eine ausführliche Besprechung). Ganz große Oper!
An den Weihnachtsfeiertagen gab es zudem noch Humperdinck’s Märchenoper „Hänsel und Gretel“ aus der Bayerischen Staatsoper als Video-On-Demand – musikalisch ein Genuss – die Inszenierung konnte mich jedoch nicht in gewünschtem Maße berühren.

Doch auch mein heimisches Theater – das Landestheater Niederbayern – besitzt jetzt eine Mediathek und ist ins Streaming eingestiegen und so konnte ich zu Hause auf der Couch eine wunderbare „Madama Butterfly“ in einzigartiger musikalischer Ausgestaltung mit 2 Klavieren und einem Synthesizer (war corona-tauglich ohne Orchester eigentlich fürs Theater geplant) erleben. Zudem gab es eine szenische Lesung für Kinder mit Janosch’s „Oh wie schön ist Panama“, die von Christiane Silberhumer absolut liebevoll inszeniert und den Darstellern grandios interpretiert wurde. Auch für junggebliebene Erwachsene ein großer Spaß! (Online noch verfügbar bis 27.01.21)

Aber wir sind noch nicht am Ende, denn auch dem Münchner Gärtnerplatztheater stattete ich noch einen Besuch per Livestream ab und verfolgte die Premiere des Operettenklassikers „Der Vetter aus Dingsda“ – knallbonbon-bunt und amüsant im 60er-Jahre-Stil inszeniert. Und auch am Silvesterabend werde ich virtuell im Gärtnerplatz mit der Revue-Operette „Drei Männer im Schnee“ (kostenloser Livestream um 18.00 Uhr) das Jahr schwungvoll und gut gelaunt ausklingen lassen.

Also statt Silvesterfeuerwerk ein wahres Kultur-Feuerwerk, das ich in diesem Dezember in meinem Wohnzimmer erleben durfte. Dazu noch Adventskonzerte im Fernsehen, Weihnachtsmusik und ruhige Spaziergänge durch die festlich beleuchtete Stadt bescherten einen ruhigen, besinnlichen und stimmungsvollen Dezember.

Mit der Hoffnung auf ein besseres 2021 für alle Kulturliebhaber und Kulturschaffenden, wünsche ich allen, die meine Kulturbowle lesen und verfolgen einen guten Rutsch, einen stimmungsvollen Jahresausklang und ein gesundes, gutes und glückliches neues Jahr 2021!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight Dezember:
Was wäre der Advent ohne Plätzchen? Genau – kein Advent.

© Kulturbowle

Musikalisches im Dezember:
Eine musikalische Entdeckung in diesem Advent war für mich Mykola Leontovych’s „Carol of the bells“, die ich in einer sehr schönen Instrumentalversion für Orchester gehört habe. Dieses Weihnachtslied des ukrainischen Komponisten aus dem Jahr 1914, das häufig auch von Chören gesungen wird, lässt sofort weihnachtliche Bilder vor dem geistigen Auge entstehen.

Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Diamantstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.

(Rainer Maria Rilke)

Novemberbowle 2020 – Nebeltage und Couchabende

Zeit zum Lesen gab es in diesem November genug, denn aufgrund des partiellen Lockdowns gab es an den Abenden keine anderen kulturellen Möglichkeiten – Theater, Kinos, kulturelle Einrichtungen und auch die Gastronomie blieben geschlossen. Das Wetter präsentierte sich häufig von der trüberen Seite und oft hielt sich der Nebel den ganzen Tag über. Dennoch war Zeit für einige herbstliche Spaziergänge und gemütliche Abende auf der Couch mit guter Lektüre, so dass wieder einiges zusammengekommen ist diesen Monat:

Den Auftakt bildete der wunderbare Roman „La Fenice“ von Lea Singer, der mich ins Venedig der Renaissance entführte und mit dem mich die Autorin wieder einmal absolut überzeugen konnte. Sie erzählt die Geschichte der Muse und des Modells Tizians, welche er in seinem berühmten Gemälde „Die Venus von Urbino“ verewigte. Ein bewegender Roman über Venedig, Kunst und ein aufrüttelndes Frauenschicksal.

Während des US-Wahlkampfkrimis zu Beginn des Novembers las ich den ersten Band aus Joachim Meyerhoffs „Alle Toten fliegen hoch“-Reihe „Amerika“ und irgendwie passte dieser Roman perfekt zu diesen verrückten Tagen. Gebannt schaute man abends auf die Karte mit den rot und blau gefärbten Bundesstaaten und parallel verfolgte ich den Amerika-Aufenthalt und die Anekdoten, welche der jugendliche Meyerhoff in seinem Austauschjahr an der amerikanischen High School im sehr ländlichen Staat Wyoming erlebt hat und auf sehr unterhaltsame Weise schildert. Meine Lust und Neugier auf die Folgeromane ist definitiv geweckt.

Ein absolutes Muss im November war für mich der neu erschienene achte Gereon-Rath-Fall von Volker Kutscher „Olympia“. Gleich am Erscheinungstag stattete ich abends meiner örtlichen Buchhandlung einen kurzen Besuch ab und dann wurde der Band zeitnah und genüsslich verschlungen. Für mich einer der stärksten Bände der ohnehin herausragenden Reihe, der mich vor allem durch die Schilderungen der olympischen Spiele 1936 in Berlin, die Atmosphäre, die längst liebgewonnenen Figuren (Gereon, Charly, Fritze) und die spannende Handlung mit großem Paukenschlag absolut gepackt hat.

David Foenkinos „Die Frau im Musée d’Orsay“ konnte mich danach hingegen leider nicht so wirklich überzeugen und ich hatte mir in Summe mehr von diesem französischen Roman erwartet. Ein Kunstprofessor wirft seinen Job hin und arbeitet plötzlich als einfache Museumsaufsicht im legendären Musée d’Orsay – das klang zunächst spannend, aber der erhoffte künstlerische Aspekt ist mir persönlich etwas zu kurz gekommen und auch die Liebesgeschichte hat für mich nicht gezündet.

Deutlich spannender fand ich dagegen „Agatha Christie. Eine Biografie“ von Barbara Sichtermann. Inspiriert durch eine „Mord im Orientexpress“-Verfilmung (mit Albert Finney als Poirot und weiteren Hollywoodstars wie Ingrid Bergman, Lauren Bacall und natürlich dem leider vor kurzem verstorbenen Sean Connery aus dem Jahre 1974), die ich im Fernsehen sah, wollte ich auf einmal mehr über die bekannte Krimiautorin wissen. Eine interessante und aufschlussreiche Lektüre, in welcher ich auf unterhaltsame und gut lesbare Weise viel Neues über die „Queen of Crime“ erfahren habe. Flankiert habe ich das Ganze noch mit dem Hörbuch „Ruhe unsanft“ – dem letzte Fall Miss Marple’s – gelesen von der unverwechselbaren Katharina Thalbach, welche den vielen Figuren auf großartige Art und Weise jeweils ihren ganz eigenen, markanten Tonfall verleiht – absolut hörenswert!

Mit Agatha Christie teile ich die große Leidenschaft fürs Theater und da diesbezüglich im November ja leider keine Möglichkeit bestand, diese auszuleben, konnte ich mit Christian Knull’s „Wir probten die Liebe“ zumindest literarisch die Bretter, die die Welt bedeuten, erkunden. Er beschreibt aus Sicht eines 12-köpfigen Theaterensembles die heiße Probenphase bis zur Premiere von Arthur Schnitzler’s „Reigen“. Dass das erotisch aufgeladene und ehemals skandalträchtige Stück auch bald zu Spannungen zwischen den höchst unterschiedlichen Laienschauspielern führt, versteht sich fast von selbst. Ein Buch, auf das ich ohne Bloggen und den Blog „Der Bücheratlas“ wohl nicht aufmerksam geworden wäre. Danke dafür!

Mit Deborah Levy’s „Der Mann, der alles sah“ durfte ich einen sehr vielschichtigen, raffinierten und literarisch anspruchsvollen Roman entdecken, welcher den Londoner Studenten Saul ins Ostberlin der späten Achtziger Jahre, den zerfallenden Sozialismus der DDR und dort in eine komplizierte Dreieckskonstellation der Gefühle führt. Verwirrend schön und ein besonderes literarisches Erlebnis.

Besonders nachhaltig beeindruckt und beschäftigt hat mich jedoch ein anderer Roman über das Lebens eines Künstlers in der ehemaligen DDR: Reinhard Kuhnert’s „Abgang ist allerwärts“. Ein großartiges, poetisches und sprachlich unglaublich schönes Buch, das inspiriert durch die autobiografische Geschichte des Autors erzählt, wie Zensur und Einflussnahme des Regimes einen Künstler letztlich dazu bringen, einen Ausreiseantrag zu stellen und sein Land zu verlassen. Mit großer Klugheit, Herzenswärme und Lebensweisheit hat der Autor rückblickend sehr gefühlvoll und mit viel Fingerspitzengefühl seine eigene Geschichte geschrieben.

Der Advent ist mittlerweile da, Weihnachten steht vor der Tür und so habe ich tatsächlich auch schon ein wenig Weihnachtsstimmung in meine November-Lektüre einfließen lassen und mit Alex Lépic’ „Lacroix und die stille Nacht von Montmartre“ einen klassischen Weihnachtskrimi (und den dritten Band der Reihe um den Pariser Commissaire Lacroix) gelesen. Mit gerade mal 200 Seiten war das ein kurzes, aber auch sehr kurzweiliges Lesevergnügen zum Entspannen und Seele baumeln lassen. Viel Pariser Lokalkolorit, viel Kulinarisches und romantische Stimmung, wenn es in der französischen Hauptstadt zum ersten Mal seit 1962 wieder ein weißes Weihnachtsfest gibt und der Commissaire in den schneebedeckten Straßen von Paris ermittelt.

Und mit meinem heimlichen Liebling des Monats (wenn auch in keinster Weise vergleichbar mit einem großen Kaliber wie „Olympia“, das quasi außer Konkurrenz zu sehen ist) bin ich dann auch noch ein wenig in Frankreich und bei der Kulinarik geblieben mit Jacky Durand’s „Die Rezepte meines Vaters“. Ein Junge wächst quasi zwischen den Kochtöpfen und Herdplatten in der Restaurantküche seines Vaters auf und hat bald schon den sehnlichen Wunsch, selbst Koch zu werden. Doch wenn es nach seinem Vater geht, soll er etwas Anständiges lernen, studieren und nicht Tag und Nacht in der heißen Küche am Herd stehen müssen. Dieser kleine und feine Roman ist ein unglaublich sinnliches und gefühlvolles Buch über Väter und Söhne, über die Leidenschaft fürs Kochen und die Gastronomie und hat mein Herz im Sturm erobert.

Den Abschluss meines Lesemonats bildete dann – last but not least – noch ein fast als Pflichtlektüre zu betrachtendes „Die rechtschaffenen Mörder“ von Ingo Schulze, das als Lesung den Abschluss der 20. Landshuter Literaturtage (19.11.20 – 04.12.20) bilden sollte und die jetzt ersatzweise digital stattfinden wird. Auf der Website der Veranstalter, kann das Video ab dem 04.12.20 bis zum 31.12.20 abgerufen werden – zudem gibt es noch einige weitere Audio- und Video-Lesungen der Literaturtage zu entdecken, welche dieses Jahr unter dem Motto „In Zukunft. 16 Tage, 16 Visionen“ standen.

Ein herbstlicher, ruhiger und leiser November – ohne Theater, Oper oder andere Live-Veranstaltungen – geht zu Ende. Die erhoffte Besserung im Infektionsgeschehen ist leider (noch) nicht eingetreten und so bleiben auch im Dezember die kulturellen Einrichtungen geschlossen. So wird es wohl dieses Jahr auch ein besonders stiller und besinnlicher Advent werden, mit viel Zeit zu Hause zum Lesen, Musik hören und Konzerten im Fernsehen. Zünden wir also unsere Adventskerzen an, bleiben wir zu Hause und versuchen wir die Advents- und Weihnachtsstimmung trotz allem ganz bewusst zu genießen. Einen schönen Advent und bleibt gesund!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight November:
Passend zu den Couchabenden gab es ab und zu geröstete Maroni – das passt wunderbar in diese Jahreszeit und so kann man sich auch ein wenig Südtiroler Törggelen oder Christkindlmarkt-Feeling ins eigene Wohnzimmer zaubern.

Musikalisches im November:
Bevor es jetzt im Dezember auch musikalisch besinnlicher und weihnachtlicher wird, habe ich im November noch einmal einen schwungvollen Abstecher ins wilde Berlin der 20er und 30er Jahre gemacht und mir passend zu Volker Kutschers „Olympia“-Lektüre auf ARTE TV ein Konzert des Moka Efti Orchestra angesehen. Großartige Musiker – nicht nur im Studio für die Soundtrack-Produktion zu „Babylon Berlin“ – sondern auch live ein absolutes Erlebnis.

„Fasst frischen Mut, so lang ist keine Nacht,
dass endlich nicht der helle Morgen lacht.“

(aus Shakespeare, Macbeth IV,3)

„Die hellen Tage behalte ich, die dunklen gebe ich dem Schicksal zurück.“

(aus „Die hellen Tage“ von Zsuzsa Bánk)

Oktoberbowle 2020 – Herbstspaziergänge und Lesewetter

Der Oktober war dieses Jahr leider kein klassisch goldener, sondern präsentierte sich ziemlich häufig grau, verregnet und wolkenverhangen. Das ideale Lesewetter also, aber dennoch auch noch die Zeit für ein paar schöne Herbstspaziergänge durch bunt gefärbte Wälder, durch raschelndes Laub, um ein paar Kastanien zu sammeln und nochmal frische Luft zu tanken, um sich dann wieder auf eine Tasse Tee und das gute Buch im Warmen zu freuen.

Und gute Bücher gab es einige in meinem Lesemonat Oktober:
Anfang des Monats habe ich mit „Malvita“ von Irene Diwiak einfach den vergangenen Sommer noch etwas verlängert und mich mit ihr in die sonnige Toskana begeben. Doch durfte man sich von den farbenfroh leuchtenden Mohnblumen auf dem Umschlag nicht täuschen lassen, denn statt unbeschwerter Urlaubsstimmung bot der Roman der jungen Österreicherin menschliche Abgründe, eine zerrüttete Familie am Eingang zu „malavita“ – der Unterwelt – und nahm immer mehr die Züge eines Psychothrillers an: Überraschend und ungewöhnlich.

Am 3. Oktober durften wir ein großes Jubiläum feiern: 30 Jahre Deutsche Einheit und dieser besondere Tag war für mich ein willkommener Anlass, mich literarisch und ausnahmsweise auch mit einigen guten Filmen im Fernsehen dem Thema zu widmen. Regina Scheer’s „Machandel“ war dafür ein perfekter Einstieg: ein großartiger Familienroman über die Wendezeit und die wechselvolle Geschichte zwischen zweitem Weltkrieg und der friedlichen Revolution im November 1989, aber auch der ersten Zeit nach der Wiedervereinigung. Wunderschön geschrieben, großartige Figuren und eine Autorin, die mich nachhaltig beeindruckt hat, so dass ich am Monatsende auch gleich noch ihren zweiten Roman „Gott wohnt im Wedding“ gelesen habe. Auch in diesem Buch erweist Scheer sich als erstklassige Geschichtenerzählerin und Autorin, die mit viel Herzenswärme, Intelligenz und großem Einfühlungsvermögen ein weiteres schwieriges Kapitel deutscher Geschichte literarisch verarbeitet: die Judenverfolgung und die Vertreibung und Verfolgung der Sinti und Roma. Beide Bücher haben mich tief berührt und werden mir lange in Erinnerung bleiben.

Doch zurück zur Deutschen Einheit: Ich bin kein großer Fernseher, aber das Jubiläum hatte zur Folge, dass ich tatsächlich ausnahmsweise ein paar sehr gute Filme zum Thema gesehen habe: „Adam und Evelyn“ (mit einem tollen Florian Teichtmeister) über junge Menschen, die 1989 über Ungarn in den Westen fliehen oder aber auch den spannenden Fernsehfilm „Wendezeit“, der das Leben einer Doppelagentin, die in Reihen der CIA in Westberlin für die Stasi spioniert, beim Fall der Mauer völlig außer Kontrolle geraten lässt. Sehr bewegend fand ich aber auch „Das schweigende Klassenzimmer“, das basierend auf einer wahren Begebenheit zeigt, wie eine einzige Schweigeminute einer DDR-Abiturklasse während des Ungarnaufstands 1956 das Leben der Schüler für immer verändert.

Und auch ein wunderbares Hörbuch brachte mir die Zeit und das Leben in der DDR noch näher: „Soundtrack meiner Kindheit“ von Jan-Josef Liefers. Der bekannte und beliebte Schauspieler – vielen vor allem bekannt als Professor Boerne aus dem Tatort – erzählt darin über seine Kindheit und Jugend in der DDR. Ausgehend von Songtiteln, die ihn geprägt haben, beschreibt er sein Aufwachsen, die Schulzeit, erste Kontakte und Erfahrungen mit dem SED-Regime ebenso wie Pubertät und die erste Liebe. Aber er erzählt auch über die starken Frauen in seinem Leben: seine Großmütter und seine Mutter. Gefallen haben mir vor allem auch die Kapitel über die Schauspielschule und seine Zeit am Theater und es ist spannend zu hören, wie er die friedliche Revolution und den Mauerfall in Berlin hautnah erlebt hat. In diesem Fall fand ich es charmanter, mir seine Geschichte von ihm selbst erzählen zu lassen und habe daher ausnahmsweise zum Hörbuch gegriffen, was sich definitiv gelohnt hat.

Doch der Oktober hat mir – neben dem großen Themenschwerpunkt „Deutsche Einheit“ – auch noch weitere literarische Schmuckstücke beschert:
So durfte ich zum Beispiel ein Werk des irischen Autors Máirtín Ó Cadhain entdecken, welches der Kroener Verlag anlässlich des 50. Todestages herausgegeben hat: „Die Asche des Tages“. In Irland zählt er zu den ganz großen Autoren des Landes, wohingegen er bei uns in Deutschland noch weitgehend unbekannt ist. Da jetzt zum ersten Mal auch eine Übersetzung seines letzten Romans aus dem Irischen durch die renommierte Übersetzerin Gabriele Haefs vorliegt, können jetzt auch deutsche Leser das zeitlose, literarische Schaffen des Iren kennenlernen.

Auf eine Zeitreise ins Berlin des ersten Weltkriegs und der Zwanziger Jahre hat mich Tim Krohn’s „Die heilige Henni der Hinterhöfe“ mitgenommen, die mich sehr amüsiert hat und die mit einer zynisch-ironischen Berliner Schnauze ein sehr kurzweiliges und leichtfüßiges Lesevergnügen war.

Ein Spontankauf und Überraschungsfund war Ewald Arenz’ „Alte Sorten“, das sich tief in mein Herz gegraben hat und wohl mein heimlicher Liebling des Monats geworden ist. Da stimmte alles: Sprache, Sinnlichkeit, Tiefgründigkeit und Figuren, die man nicht mehr vergisst. Ein unvergleichliches und sehr berührendes Buch, dem ich viele Leser wünsche und das ich wärmstens ans Herz legen kann. Eine entschleunigende Lektüre für den Herbst, die einmal mehr verdeutlicht, was wirklich wichtig ist im Leben.

Stefan Sprang’s „Ein Lied in allen Dingen – Joseph Schmidt“ bot mir berührende Einblicke in das leider viel zu kurze Leben eines Sängers, der zu den ganz Großen zählte, obwohl er es an Körpergröße nur auf 1,54 Meter brachte. Zunächst als umjubelter Rundfunk- und Plattenstar gefeiert, verliert er als Jude im Dritten Reich nach und nach die Auftrittsmöglichkeiten, die Heimat, die Familie und letztlich sein Leben. Ein Buch, das traurig stimmt, aber auch ein Denkmal setzt für einen einzigartigen Künstler, an den es sich zu erinnern lohnt.

Zudem nutzte ich den Oktober, um eine literarische Bildungslücke zu schließen: Mit „Weit weg von Verona“ habe ich es endlich geschafft, ein erstes Werk von Jane Gardam zu lesen. In den letzten Jahren wurde sie für den deutschen Markt entdeckt und erfreut sich mittlerweile großer Beliebtheit. Ich habe mir als Einstieg ihren Debütroman ausgesucht, der bereits aus dem Jahr 1971 stammt und eine freche, witzige Coming-of-Age-Geschichte eines jungen Mädchens an der englischen Küste während des zweiten Weltkriegs beschreibt. Very British – gut zu lesen, auch wenn bei mir persönlich der ganz große Wow-Effekt ein wenig ausgeblieben ist.

Und zu guter Letzt habe ich auch noch Ilja Leonard Pfeijffer’s neuen Roman „Grand Hotel Europa“ gelesen, der sich kritisch mit der aktuellen Situation in Europa und dem Massentourismus auseinandersetzt. Ein bissig-zynisches und intelligentes Buch, das in den Niederlanden – dem Heimatland des Autors – lange Zeit die Bestsellerliste anführte.

Seit diesem Monat gibt es bei der Kulturbowle eine weitere Neuerung: „Die Welt erlesen“. Das bedeutet, es gibt jetzt auch eine Übersicht der Buchrezensionen nach Schauplätzen bzw. Ländern, Regionen und Orten. Denn ich liebe es, mich durch das Lesen von Büchern an bestimmte Orte versetzen zu lassen oder mich vor und während einer Urlaubsreise auch literarisch auf das jeweilige Land, die Region oder die Stadt einzustimmen. Die Zusammenstellung soll helfen, die Suche nach dem richtigen Buch zu erleichtern.

Kulturell konnte im Oktober erfreulicherweise noch Theater gespielt werden – bevor jetzt im November leider wieder die Pforten geschlossen werden müssen. So durfte ich im Landestheater Niederbayern noch eine schwungvolle Corona-„Fledermaus“ erleben, die das Thema Maskenball in Corona-Zeiten sehr wörtlich genommen hat und eine bejubelte Premiere der Woody Allen-Komödie „Geliebte Aphrodite“. Jetzt bleibt mit dem weinenden Auge des Kultur- und Theaterliebhabers und dem Verständnis für die schwierige Gesamtsituation nur zu hoffen, dass die Maßnahmen im November Wirkung zeigen und hoffentlich eine Besserung des Infektionsgeschehens eintritt, so dass dann baldmöglichst auch wieder Kunst und Kultur stattfinden kann. Hoffen wir das Beste.

Der November wird die Zeit sein, Kontakte so weit wie möglich zu reduzieren, es sich zu Hause gemütlich zu machen, Musik zu hören und Bücher zu lesen. Machen wir also etwas daraus und bleiben zuversichtlich!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight Oktober:
Oktober ist Kürbiszeit – ob als Suppe, Ofengemüse oder auch mal als Kürbisgulasch – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und wenn sich das herbstliche Gemüse in leuchtendem Orange an den Feldrändern türmt und in der Küche geschnippelt wird, macht alleine schon die Farbe gute Laune.

Musikalisches im Oktober:
Ein Lied, das mich im Oktober sehr berührt hat, war „Zweifel und Zuversicht“ von Bodo Wartke. Eine schöne Ballade des Musikkabarettisten mit Klavierbegleitung, die ich sehr gerne weiterempfehle. Gerade jetzt in dieser Zeit voller Sorgen und Unsicherheit bringt es dieses Lied sehr schön auf den Punkt, dass es wichtig ist, bei allem Zweifel doch zuversichtlich zu bleiben. Schöne, eingängige Melodien und ein liebevoll-verspielter und intelligent-verschmitzter Text, der einem vielleicht den kleinen Schubs geben kann, statt ständig zu grübeln einfach mal ein wenig positiven Optimismus walten zu lassen.

„Was du auch tust, hab keine Angst zu versagen.
Wohin du auch gehst, ich werde dich tragen.
Wir kriegen das hin, es kann dir gelingen,
Erst recht dann, wenn ich bei dir bin.
(…)
Ich bin die, die wenn der Vesuv ausbricht,
Dich noch ans rettende Ufer kriegt.
Ich weiß, du kennst auch mich:
Ich bin die Zuversicht.“

(aus Bodo Wartke’s „Zweifel und Zuversicht“; Album: Wandelmut)

Septemberbowle 2020 – Altweibersommer und Theatermagie

Der September verwöhnte uns noch mit herrlichstem Wetter und einem wunderbaren Altweibersommer. Ein warmer, sonniger Spätsommer, den man noch in vollen Zügen genießen und viel Zeit im Freien verbringen konnte, bevor man jetzt mit gemischten Gefühlen bei steigenden Infektionszahlen in den bevorstehenden Pandemieherbst und – winter übergeht.

Meine Lektüre im September konnte mich nahezu durchgängig überzeugen, oft begeistern und hatte stellenweise sogar etwas Magisches. Zudem war ich überglücklich, dass auch die Theatersaison 2020/2021 trotz aller Schwierigkeiten und unter besonderen Vorsichts- und Hygienemaßnahmen beginnen konnte. Endlich wieder Livetheater! Und so spiegelte sich meine Freude am und aufs Theater auch in meiner Buchauswahl wieder.

Den Auftakt machte jedoch ein „Regalschlummerer“, d.h. ein Roman, der schon eine Weile in meinem Regal auf den richtigen Moment gewartet hatte, gelesen zu werden: „Unter der Drachenwand“ aus dem Jahr 2018 von Arno Geiger, dem Gewinner des ersten Deutschen Buchpreises 2005 (für „Es geht uns gut“). Eine eindrückliche und stimmungsvolle Geschichte, die das Jahr 1944 und die Endphase des zweiten Weltkriegs aus der Sicht junger Erwachsener beleuchtet, die im österreichischen Mondsee gemeinsam das Ende des Krieges ersehnen und sich einfach nur etwas Normalität und kleines bisschen Glück im Leben wünschen. Ein ruhiges, sehr atmosphärisches Buch, das mich sehr berührt hat.

Ein ziemlicher Kontrast war danach der Thriller „Dunkel“ von Ragnar Jónasson, der den Auftakt zur vielgerühmten Hulda-Trilogie bildet, die mittlerweile mit den folgenden Teilen „Insel“ und „Nebel“ vervollständigt wurde. Eine düstere Kriminalgeschichte aus Island mit einer charismatischen Hauptfigur namens Hulda, die als Kriminalpolizistin kurz vor der Zwangspensionierung noch in einem gefährlichen Cold Case ermittelt. Durch den Kniff, die Handlung chronologisch rückwärts vom Ende her zu erzählen, definitiv spannend und sehr flüssig zu lesen, aber insgeheim hatte ich mir bei den zahlreichen Vorschusslorbeeren noch etwas mehr versprochen.

Hochgradig spannend und packend fand ich „Das Verschwinden des Dr. Mühe“ von Oliver Hilmes – einem Autor, den ich aufgrund seiner bisher erschienenen, großartigen Biographien (u.a. „Witwe im Wahn“ oder „Herrin des Hügels“) ohnehin verehre. Dieses Mal entführte er mich ins Berlin der 30er Jahre und schilderte einen mysteriösen Kriminalfall – basierend auf einer wahren Begebenheit – der mich sofort in seinen Bann zog: detailreich, atmosphärisch und hervorragend recherchiert ein fesselndes Stück deutscher Zeitgeschichte.

Mein Liebling des Monats – obwohl das bei dieser starken Konkurrenz wirklich sehr schwer festzulegen ist – war aber wohl „Herzfaden“ von Thomas Hettche. Zu Recht steht dieser Roman auf der Shortlist des diesjährigen deutschen Buchpreises, der am 12. Oktober verliehen wird. Die Geschichte der Augsburger Puppenkiste und der Gründerfamilie des Marionettentheaters war für mich magisch und versetzte mich gedanklich zurück in meine Kindheit. Ein Buch, in das ich abgetaucht bin und das mich fasziniert, unterhalten und bezaubert hat. Ganz große Literatur über Väter und Töchter, die Nachkriegszeit, die Kraft der Kunst und der Fantasie und über Theater und Theatermacher!

Felix Mitterers „Keiner von euch“ war danach eine Lektüre, die sich mit schwierigen Themen wie Rassismus, Ausgrenzung und einem Lebensschicksal beschäftigt hat, das verstörend und aufwühlend zu lesen war. Der österreichische Autor beschreibt in seinem ersten Roman die Geschichte Mmade Makés, der im 18. Jahrhundert in seiner afrikanischen Heimat entführt und bereits als Junge nach Europa verschleppt wurde. Als „Angelo Soliman“ verkehrt er später am Wiener Hof als Leibeigener eines Fürsten in höchsten Adelskreisen und der Freimaurerloge Mozarts. Doch am Ende seines Lebens geschieht das Unfassbare und er wird als präparierter Leichnam im Wiener Naturalienkabinett als „wilder Ureinwohner“ vor der Öffentlichkeit entwürdigend zur Schau gestellt. Eine wahre Geschichte, die schockiert und unter die Haut geht.

Das Ende meiner Septemberlektüre spannt wiederum einen Bogen zum Theater: „Judith und Hamnet“ erzählt die Geschichte der Familie des größten Dramatikers aller Zeiten – William Shakespeare. Die irisch-britische Schriftstellerin Maggie O’Farrell erzählt – basierend auf den wenigen Fakten, die bekannt sind – eine ruhige, eindringliche und zu Herzen gehende Geschichte über Shakespeares Frau Agnes und die Kinder Susanna, sowie die Zwillinge Judith und Hamnet. Ein historischer Roman, der ruhig und mit tiefgründiger Sprache eine neue Welt eröffnet, den Theaterverrückten Shakespeare als oft abwesenden Familienvater von einer anderen Seite zeigt und für den die Autorin mit dem Women’s Prize for Fiction ausgezeichnet wurde.

Ein absoluter Höhepunkt für mich war in diesem Monat aber die erste Premiere der neuen Spielzeit im Landestheater Niederbayern mit dem „Urfaust“. Ich habe mich so sehr gefreut, endlich wieder ins Theater gehen und Schauspieler live auf der Bühne erleben zu können. Eine gelungene, moderne Inszenierung eines zeitlosen Klassikers, den ich zur Vorbereitung und Steigerung der Vorfreude auch nochmal gelesen hatte. Ein Abend, der Hoffnung und Kraft gegeben hat, um den weiteren Herausforderungen des anstehenden Herbsts und Winters im Zeichen der Pandemie mit Zuversicht begegnen zu können und ein eindrücklicher Beweis, das die Macht und der Zauber des Theaters ungebrochen ist.

Ein sonniger, erfüllender und vielseitiger Lese- und Kulturmonat September ist zu Ende und ich freue mich jetzt auf einen goldenen Oktober, der hoffentlich – wenn auch vermutlich mit herbstlicherem Wetter – wieder viel Anlass zu Freude, Lese- und Kulturgenuss geben wird. Es warten eine Operettenpremiere und mit Sicherheit wieder vielversprechende Bücher auf mich. Bleibt gesund und zuversichtlich!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight September:
Zwetschgendatschi – kaum etwas schmeckt für mich so sehr nach diesen letzten, schönen warmen Sommertagen wie ein Stück von dieser süßen Köstlichkeit. Sonnengereifte, saftige Zwetschgen frisch vom Baum schreien gerade danach, zu diesem Kuchen verwandelt zu werden.

Musikalisches im September:
Ein Höhepunkt war für mich die TV-Übertragung der „Last night of the Proms“ aus der Royal Albert Hall in London auf NDR: das legendäre Konzert, das dieses Jahr zwar corona-bedingt vor einem leeren Zuschauerraum stattfand, aber dennoch eine ganz besonderen Zauber entfalten konnte. Vor allem die herausragende und äußerst sympathische Sopranistin Golda Schultz sowie die gelungene Programmzusammenstellung haben mich begeistert. Ausschnitte aus Mozarts „Le nozze di figaro“, das berührende Lied „Morgen“ von Richard Strauss oder aber das berühmte „You’ll never walk alone“ aus dem Musical „Carousel“ gesungen von Golda Schultz bescherten mir mehr als einen Gänsehautmoment.

„When you walk through a storm
Hold your head up high
And don’t be afraid of the dark
At the end of a storm
There’s a golden sky
And the sweet silver song of a lark“

(aus dem Musical „Carousel“, Text: Oscar Hammerstein II)

Augustbowle 2020 – Reisen durch Bücher

Ein außergewöhnlicher August geht zu Ende – ein weiterer merkwürdiger Monat in einem Jahr, das aus der Reihe fällt und uns alle vor neue Fragen, Sorgen, Herausforderungen und Entscheidungen gestellt hat. Viele Blogger pflegen das Ritual des monatlichen Rückblicks und des „Revue passieren-Lassens“. Meine Kulturbowle ist noch jung – noch nicht mal einen Monat alt, aber ich versuche mich einfach mal an einem „halben“ Monatsrückblick, da ich am 14. August meinen Blog im Netz gestartet habe. Ob sich dieses monatliche Format bei mir regelmäßig etablieren wird, wird wie so vieles die Zeit zeigen.

Eine der Entscheidungen, welche die Corona-Pandemie uns abverlangt hat, war die Frage nach dem Sommerurlaub: Verreisen – ja oder nein? Ich habe mich für ein Nein zum Reisen und im Gegenzug für ein Ja zu diesem Blog entschieden. Die Idee, die Umsetzung und der Start fallen in meine Urlaubszeit – die Kulturbowle ist mein Sommer- bzw. Urlaubsprojekt 2020.

Und somit habe ich mein ganz persönliches, neues Abenteuer begonnen und ich habe mich vor allem auch in meiner Lektüre auf Reisen begeben. Schon seit meiner Kindheit liebe ich es, mich durch das Lesen von Büchern in andere Länder, Städte, andere Zeiten und andere Milieus entführen zu lassen. Reisen im Kopf, in der Fantasie – das ist die Macht der Bücher, die dies vermag und die mich immer wieder aufs Neue fasziniert, wenn ich abtauche in ein neues Buch, eine andere Welt.

„Wenn ein Kind lesen gelernt hat und gerne liest, entdeckt und erobert es eine zweite Welt, das Reich der Buchstaben. Das Land des Lesens ist ein geheimnisvoller, unendlicher Erdteil.“

(Erich Kästner, aus „Als ich ein kleiner Junge war“)

Wohin führte mich meine Buchauswahl im August bzw. seit Mitte des Monats? Zunächst ins wunderbare Salzburg, die Stadt der Nockerl und der Kugeln und die Stadt Mozarts und der Musik. So habe ich mich inspiriert durch die tolle „Così fan tutte“ der diesjährigen Festspiele, mit Vergnügen in die Lektüre von Rolando Villazóns „Amadeus auf dem Fahrrad“ gestürzt und wurde nicht enttäuscht. Dass der Opernsänger auch einen kurzweiligen und amüsanten Roman schreiben kann, der mit viel Augenzwinkern und südlichem Temperament verfasst ist, hat er für mich klar unter Beweis gestellt. Eine schöne, leichte Sommerlektüre, die vor allem das Warten auf die nächste Theatersaison und Besuche von Live-Veranstaltungen ein wenig verkürzen konnte.

Danach fand ich mich dann mit Robert Seethalers neuem Roman „Der letzte Satz“, der kurz danach auch den Weg auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2020 gefunden hat, auf einem Ozeandampfer wieder und begleitete den todkranken Komponisten Gustav Mahler auf seiner letzten Reise über den Atlantik nach Hause. Wellenrauschen und Seeluft inklusive. Obwohl der Roman in Bloggerkreisen durchaus kontrovers beurteilt wird, ist er für mich ein wunderbares Stück Literatur und hat meinen Nerv definitiv getroffen. Für mich das richtige Buch zur richtigen Zeit und sowohl sprachlich als auch thematisch (Musik, Kunst und Kultur) genau meine Wellenlänge.

Ohne mich danach lange in ein Flugzeug setzen zu müssen, reiste ich danach sofort zurück nach New York und verschlang in relativ kurzer Zeit die 496 Seiten von Elizabeth Gilberts „City of Girls“. Vierziger Jahre im Big Apple, eine bunt gewürfelte Theatertruppe und eine junge Frau, die sich zunächst im schillernden Nachtleben der Stadt austobt, um dann schmerzlich festzustellen, was wirklich wichtig ist im Leben. Ein leichtfüßiger Schmöker, der sich süffig liest und mich aufgrund der Schilderung des Theaterlebens (vor und hinter der Bühne) und der warmherzig gezeichneten Figuren sehr gut unterhalten hat.

August ist Poznanski-Jugendbuch-Zeit und im neu erschienenen „Cryptos“ nimmt die österreichische Autorin ihre Leser mit auf einen wilden Ritt durch Raum und Zeit und in eine Vielzahl unterschiedlichster Welten. Wenn man mal zu lesen anfängt, kann man das Buch schwer wieder weglegen, daher ist die Urlaubszeit hierfür ideal. Für mich interessant war vor allem, wie Ursula Poznanski das Thema Klimakatastrophe anpackt, für junge Leser greifbar macht und wie sie hier die sich bereits abzeichnenden Entwicklungen und Probleme gedanklich weiterspinnt.

Bella Italia und in diesem Falle Venedig war das nächste Ziel meiner August-Lesereise. Der Roman „Margherita“ zeichnet die Lebensgeschichte der Großmutter des Ehemanns der Autorin Jana Revedin nach und macht sie somit literarisch unsterblich. Ihre Geschichte liest sich wie ein wahr gewordenes Märchen und so trifft Margherita, die als einfache Zeitungsverkäuferin einen einflussreichen Adeligen heiratet, in Paris und später in Venedig auf alle künstlerischen Größen ihrer Zeit: Pablo Picasso, Coco Chanel, Giacometti, Poulenc. Die schillernde Persönlichkeit Peggy Guggenheim wird zu einer ihrer engsten Freundinnen. Ein atmosphärisches Buch, das einen wirklich in die engen Gassen und Kanäle der Serenissima versetzt.

Da Deutschland als Reiseziel dieses Jahr ja besonders beliebt ist, stand dann auch noch die Insel Sylt auf meinem Leseplan. Susanne Matthiessen hat mit „Ozelot und Friesennerz“ ihrer Heimat und ihren Sylter Mitbürgern ein ganz persönliches Buch gewidmet, das sich witzig, bissig und kritisch mit der Entwicklung und Geschichte der Insel auseinandersetzt. Im Zusammenspiel mit ihrer Familiengeschichte und der Schilderung ihrer eigenen Kindheit als gebürtiger Sylterin im florierenden Pelzgeschäft ihrer Eltern, fächert sie ein buntes Bild der wilden Siebziger Jahre auf der Insel und in der Bundesrepublik auf und erzählt mit gewisser Wehmut von Einheimischen und Gästen und der Insel im Wandel der Zeit.

Die letzte Station meiner Reise führte mich noch in den hohen Norden ins wunderschöne Norwegen – genau genommen ins Gudbrandsdal. Lars Myttings „Die Glocke im See“ hat mich als stimmungsvoller und stiller Roman mit seiner Ruhe und Kraft tief beeindruckt und war ein absolut würdiger Abschluss meiner Reise durch Bücher – meiner Lesereise „im Kopf“. Die ausführliche Rezension folgt hier im Blog in Kürze.

Aufgrund der Urlaubs- und daher verfügbaren Lesezeit ist für einen halben Monat doch einiges zusammengekommen und mit Lesen, Bloggen und Reisen in der Fantasie, hatte ich auch keine Zeit, eine wirkliche Reise zu vermissen.
Wenn für den Einen oder Anderen ein attraktives Reiseziel bzw. eine lohnende und lockende Lektüre dabei ist, freut es mich, denn mir hat dieser Lesemonat August und der Auftakt zur „Kulturbowle“ großen Spaß gemacht.

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight August:
Natürlich die „Kulturbowle“ bzw. Erdbeerbowle, die speziell für das Fotoshooting der Bilder für die Website mit viel Liebe zubereitet wurde und dann in kleiner, gemütlicher Runde genossen wurde.

Musikalisches im August:
Viel Wagner und der „Ring des Nibelungen“ dank der öffentlichen Streaming-Angebote von 3sat und ARD Alpha und als Trost für die entfallenen Bayreuther Festspiele. Und natürlich die schöne „Così fan tutte“ und auch die „Elektra“ von den Salzburger Festspielen im Fernsehen zu Hause auf meiner Couch.

Für weiteren literarischen Genuss:
Passend zum oben verwendeten Zitat, kann ich das folgende, wunderbare Buch von Erich Kästner empfehlen – er berührt mich immer wieder und spricht mir aus der Seele:

Erich Kästner, Als ich ein kleiner Junge war
Atrium
ISBN: 978-3038820031

Auf zu neuen Ufern

Hallo Welt!
Hallo liebe Kulturbegeisterte, Bücherliebhaber und Genussmenschen!

Ich freue mich, dass Ihr da seid und den Weg auf meinen Blog gefunden habt. Mit diesem ersten Beitrag sende ich ein erstes, herzliches „Hallo“ hinaus in die Welt.

Hier schreibt Eine, die sich schon als Kind auf den Weg machte, die ersten großen Lieben ihres Lebens zu entdecken: Bücher, Musik, Theater – Kultur in ihrer Vielfalt und die schönen Dinge des Lebens. Die Vorlieben für gutes Essen und Trinken, Reisen und die Oper gesellten sich dann ein wenig später dazu. (Mehr zu mir könnt Ihr jederzeit gerne unter „Über mich“ lesen).

Das Jahr 2020 ist ein Jahr der Veränderung und des Umbruchs. Der Virus hat uns, unserem Leben und unseren Gewohnheiten eine neue Prägung gegeben. Gerade als jemand, der für sein Leben gerne ins Theater, die Oper oder in Konzerte geht, musste ich dieses Jahr viele schmerzliche Absagen und traurige Verluste hinnehmen und auf Ereignisse verzichten, auf die ich mich sehr gefreut hatte.
Trost suchte und fand ich unter anderem in Büchern und – auch wenn dies ein Live-Erlebnis im Theater nicht ersetzen kann – in einigen Fernsehübertragungen oder Livestreams aus Opernhäusern und Konzertsälen.

Auch meine Urlaubspläne habe ich dieses Jahr den Umständen angepasst und verbringe meine freie Zeit in meiner Heimat und bleibe zu Hause statt zu verreisen. Und da war dann auf einmal dieser Gedanke, eine andere Reise zu beginnen: Meine Liebe zu Kultur und Büchern zu teilen und da ich gerne schreibe (früher auch bereits auf einer Buchplattform Rezensionen verfasst habe), war da die Idee, dem Ganzen Raum und eine Form zu geben und diesen Blog zu starten – mein Sommerprojekt 2020. Sehr frei nach dem Motto, „wenn Dir das Leben Zitronen schenkt, mach’ Limonade draus“ – warum also nicht eine Bowle – meine Kulturbowle – daraus machen?

Auf zu neuen Ufern – ich freue mich auf diese neue Erfahrung, diesen neuen Weg, diese neue Reise. Kultur und Literatur bereichern mich und lassen mich wachsen, machen mich zu dem Menschen, der ich bin und lassen mich zugleich offen und wach in die Welt schauen. Wenn der eine oder andere durch diese Seite verlockt wird und Lust bekommt, zu einem Buch zu greifen, ins Theater oder die Oper zu gehen, Musik zu hören oder ein gutes Essen zu genießen und sich dann darüber zu freuen, habe ich mehr erreicht, als ich mir wünschen kann.

Kultur verbindet und macht das Leben lebenswert – dies möchte ich weitertragen und Menschen dafür begeistern.
Wenn Ihr mich daher auf meiner Reise begleiten wollt, seht Euch gerne in meinem Blog um. Seid offen, zuversichtlich, positiv und genießt es!