Salzige Brombeeren

Wieviel kann ein Mensch ertragen? Über eine Grenzerfahrung der besonderen Art hat die Britin Raynor Winn ein außergewöhnliches Buch geschrieben: „Der Salzpfad“. 2018 im Original und 2019 auf deutsch erschienen ist es mittlerweile sicherlich kein Geheimtip mehr, aber es ist ein großartiges Buch, das Mut macht, inspiriert und unbeschreiblich schön zu lesen ist.

Die Autorin beschreibt ihre Wanderung auf dem South West Coast Path an der Küste Englands, welche sie gemeinsam mit ihrem Ehemann unternahm, als sie buchstäblich alles verloren hatten. Finanziell standen sie vor dem Nichts, alle Rücklagen waren aufgebraucht, sie verloren einen Gerichtsprozess sowie ihre Farm und somit ihren Beruf und ihr Einkommen. Zudem bekam ihr Gatte Moth nahezu zeitgleich die niederschmetternde Diagnose an einer tödlichen, degenerativen Gehirnerkrankung (CBD) zu leiden.
Wie viel kann ein Mensch ertragen?

„Ein ewiges Auf und Ab zwischen Ginster und Stein, stets begleitet vom Brausen des Meeres. Ein Rhythmus aus Qual und Hunger, Schmerz und Durst, bis irgendwann nur noch der Rhythmus des brausenden Meeres zu spüren war. Während der Wind das Wasser aufwühlte und die Möwen uns den Weg wiesen, schwanden unsere Bedürfnisse.“

(S.185)

Obdachlos und mit einem Budget von lediglich 48 Pfund pro Woche machen sich die beiden mit nichts als einem Zelt, leichten Ruck- und Schlafsäcken sowie der Kleidung, die sie am Leib tragen, auf den Weg entlang des berühmten Küstenpfads an der englischen Südwestküste – den 1014 Kilometer langen Fernwanderweg South West Coast Path. Ein langer Weg – weg von Problemen, Sorgen – hin zu sich selbst.

Tage voller körperlicher Anstrengung, physischer und psychischer Grenzerfahrungen und der Erkenntnis, dass es kein Zurück in das alte Leben geben wird. Hunger, Durst, Hitze, Kälte, Schmerzen und Angst vor der Zukunft sind die anfänglichen Begleiter und doch merkt man, dass beide Sorgen und Ängste immer mehr hinter sich lassen, dass dieser Weg auf sie eine heilsame Wirkung zu entfalten scheint.

„Der Küstenpfad hatte uns gelehrt, dass die zu Fuß zurückgelegten Kilometer anders waren; wir kannten die Entfernung, den räumlichen Abstand von einem Punkt zum anderen, von einem Schluck Wasser zum nächsten, wir kannten sie mit unseren Knochen, kannten sie wie der Turmfalke im Wind und die Maus, die er im Blick hatte. Bei gefahrenen Kilometern ging es nicht um Entfernung; da ging es nur um Zeit.“

(S.221)

Winn schreibt schonungslos offen über ihre Existenzsorgen, die Angst davor, ihre große Liebe an den Tod zu verlieren, aber auch was es bedeutet, obdachlos zu sein und kein Zuhause, keinen Schutz- und Rückzugsort mehr zu haben.
Gleichzeitig flicht sie Hintergrundinformationen über die Situation der Obdachlosen in England, das britische Sozial- und Rechtssystem ein, ebenso wie großartige Naturbeschreibungen und weiterführende Details zu den Orten und Stationen ihrer Wanderung.

Aber sie berichtet auch über die Menschen, welche ihnen auf dem Weg begegnen und die anfängliche Scham, sich und den anderen die eigene Situation einzugestehen. Sie stoßen auf Unverständnis, Verachtung und Ablehnung, aber dennoch überwiegen letzten Endes vor allem die überraschend positiven und respektvollen Begegnungen mit Menschen, die ihnen Bewunderung und teils auch uneigennützige Großzügigkeit entgegenbringen, sowie neue Perspektiven aufzeigen.
Raynor und Moth wachsen auf diesem langen, strapaziösen Weg über sich hinaus und sie gehen am Ende gestärkt und selbstbewusst einer neuen, anderen Zukunft entgegen.

„Im Grunde hatte wir alle, die wir auf dem Küstenpfad unterwegs waren, etwas gemeinsam; wir waren wohl alle auf der Suche. Suchten nach der Vergangenheit oder der Zukunft, oder nach etwas, was uns fehlte. Es zog uns an den Rand der Zivilisation, auf einen Streifen Wildnis, wo wir frei waren und einfach darauf warten konnten, dass die Antworten kamen – oder eben auch nicht -, wo wir lernen konnten, das Leben, unser Leben zu akzeptieren, wie immer es auch aussehen mochte.“

(S.271)

Die salzigen Brombeeren, die kostenlos am Wegesrand gepflückt werden können, anfangs zu herb schmecken und erst am Ende der Reifezeit ihr volles und unvergleichliches Aroma entfalten, wurden für mich zum Symbol für diese Reise der beiden: Oft sind es die einfachen, kleinen Dinge, welche am Ende zählen, derer man sich aber erst bewusst werden muss. Auch aus Krisensituationen kann man am Ende etwas Positives herausziehen. Und auch das Herbe kann am Ende süß werden.

„Der Salzpfad“ ist ein existenzielles Buch, das erdet und demütig macht, indem es dem Leser vor Augen führt, was wesentlich ist im Leben. Man wird dankbar für vermeintlich Alltägliches, die kleinen, einfachen und so oft für selbstverständlich gehaltenen Dinge des Lebens. Und so kann die Lektüre dieses Reiseberichts auch eine wohltuende und heilsame Wirkung auf den Leser entfalten. Großartige Literatur, die tiefere Saiten zum Klingen bringt und gerade jetzt in der stillen Zeit wunderbar bereichernd sein kann. Und vielleicht möchte so mancher nach der Lektüre am liebsten selbst die Stiefel schnüren und einfach losgehen…

Weitere Besprechungen gibt es unter anderem bei Zeichen & Zeiten und Deutschlandfunk Kultur.

Buchinformation:
Raynor Winn, Der Salzpfad
Aus dem Englischen von Heide Horn und Christa Prummer-Lehmair
Goldmann
ISBN: 978-3-442-14268-2

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich Raynor Winn’s „Der Salzpfad“:

Für den Gaumen:
Kulinarisch herrschen für Raynor und Moth oft karge Zeiten – nicht selten hungern sie regelrecht, ernähren sich von Nudeln und Fudge. Ein Höhepunkt sind neben gelegentlichen Ausreißern von Pasteten bzw. Cornish pasties (laut Wikipedia „eine gefüllte Teigware, deren Füllung typischerweise aus Rindfleisch, Kartoffeln, Steckrüben, Zwiebeln, Salz und Pfeffer besteht“), welche sie sich jedoch nur selten leisten können, die salzigen Brombeeren, die erst im perfekten Erntemoment ihren ganz besonderen Geschmack entfalten:

„Als ich sie jedoch in den Mund steckte, schmeckte sie besser als alle Brombeeren, die ich je probiert hatte. Weich, süß, ein vollendetes herbstliches Aroma wie ein fruchtiger Rotwein, und im Abgang ein Hauch, wirklich nur ein Hauch von Salz.“

(S.246)

Zum Weiterhören oder für einen Theaterbesuch:
Raynor und Moth stoßen während ihrer Wanderung zufällig auf ein Open Air Theater und haben das Glück, dass ein netter Herr sie dazu einlädt, die Aufführung zu besuchen und ihnen die Tickets schenkt, die sie sich selbst niemals hätten leisten können: auf dem Programm steht die komische Oper „Iolanthe“ von Gilbert und Sullivan. Sie ist eine von vierzehn Opern dieses Duos, welche im 19. Jahrhundert entstanden und auch als „Savoy Operas“ bezeichnet werden. Einfach mal reinhören: Vielleicht verzaubert Euch die Musik und der Feenstaub ja ebenso wie die beiden Wanderer, die einen magischen Theaterabend erleben durften?

Zum Weiterlesen:
Neben der Poldark-Roman-Reihe von Graham Winston taucht vor allem der Sagenstoff um König Artus immer wieder auf. Vielleicht wäre das eine Anregung, sich mal mit diesem großen Mythos zu befassen – was ich bisher literarisch noch nicht getan habe. Auch Literaturnobelpreisträger John Steinbeck hat sich mit „König Artus“ beschäftigt und auch wenn er das Werk nicht mehr ganz vollenden konnte, wäre das doch mal eine Möglichkeit:

John Steinbeck, König Artus
Aus dem Englischen von Christian Spiel
Zsolnay
ISBN: 978-3-552-04546-0

Poesiealbumzauber

Pascale Hugues blätterte durch ihr Poesiealbum, in welchem sich 1968 ihre Straßburger Klassenkameradinnen verewigten und die Idee zu ihrem neuen, wunderbaren Buch „Mädchenschule – Porträt einer Frauengeneration“ war geboren. Was ist aus diesen zwölf Mädchen, die damals in Pascale’s Poesiealbum bescheidene, süße und fromme Verse schrieben sowie Blumen- und Glitzerbilder einklebten, geworden?

Anhand der Lebensgeschichten ihrer Schulkameradinnen – geboren in den Jahren 1958 bis 1960 – fächert die französische Journalistin, die seit vielen Jahren als Deutschlandkorrespondentin für das Nachrichtenmagazin Le Point in Berlin arbeitet und auch Kolumnen für den Tagesspiegel schreibt, das Bild einer ganzen Generation auf. Den Krieg kannten sie nur aus Erzählungen, für die Revolution 1968 waren sie selbst noch zu jung und so profitierten sie in hohem Maße von neuen Errungenschaften und Rechten, welche ihre Großmütter und Mütter für sie erkämpft hatten. Sie entwickelten sich vom „braven Mädchen aus dem Poesiealbum“ zu starken und selbstständigen Frauen, die mitten im Leben stehen.

„Wir ritten auf einer steilen Diagonale immer höheren Gipfeln zu. Um uns herum stieg alles an: die Geburtenrate, die Lebenserwartung, das Wirtschaftswachstum, die Industrieproduktion, die Abiturientenzahl, das Einkommen, das Kindergeld, die Renten, der gesetzlich garantierte Mindestlohn, der am ersten Juni 1968 einen Sprung von fünfunddreißig Prozent machte, der Lebensstandard, die Kaufkraft, der Konsumentenverbrauch, die Länge des bezahlten Urlaubs und die unserer Sommerferien, die zehn Wochen dauerten.“

(S.33)

Als Pascale Hugues ein Klassentreffen organisiert und die meisten ihrer Klassenkameradinnen zum ersten Mal seit der Schulzeit wieder sieht, um ihr literarisches Projekt in die Tat umzusetzen, herrscht zunächst Skepsis: Werden sie sich wieder erkennen? Was hat man sich nach all der Zeit zu sagen? Wird es mehr sein als das übliche „mein Haus, mein Auto, mein Mann, meine Kinder…“ oder das gemeinsame Schwelgen in Streichen und Anekdoten aus der Schulzeit? Und sind ihre vermeintlich alltäglichen Lebensläufe es wirklich wert und substanziell genug, um in einem Buch erzählt zu werden?

„Verändert man sich während eines Lebens? Es scheint mir, es gibt eine unwandelbare Essenz, einen inneren Wesenskern, dem weder die verflossenen Jahre noch die unterwegs angesammelten Erfahrungen etwas anhaben können.“

(S.47)

Schnell stellt sich heraus, dass es hochspannend ist, sich die Lebensgeschichten der Frauen anzuhören und aufzuschreiben – und für den Leser, diese zu verfolgen. Die Frauen öffnen sich gegenüber der Autorin und sie merkt, dass viele Eigenschaften und Anlagen, die bereits in der Kindheit vorhanden waren, sich wie ein roter Faden durch ihre Lebensläufe ziehen. Manches überrascht, manches nicht und doch zeichnen diese Erzählungen der Frauen über ihre Kindheit, schulische Ausbildung, Berufswahl, Liebesgeschichten und Eheschließungen, Mutterschaft und das Jonglieren zwischen Familie und Beruf ein umfassendes Bild einer ganzen Generation.

„Wir sind Zeugen der wiederkehrenden Moden und Epochen. Amüsiert beobachten wir, wie all diese Gesten aus unserer Kindheit wie ein Bumerang zurückkehren. Ein eigentümlicher Eindruck von Déjà-vu. Recycling, Kompostierung, eingekochtes Obst und hausgemachte Marmelade, Tausch, Do-it-yourself, die Kunst des Umgangs mit Resten, Servietten und Taschentücher aus Stoff, waschbare Windeln und weißer Essig zum Putzen des Waschbeckens. Sogar das Stricken ist zurück. Unsere Mütter und Großmütter waren Pionierinnen, ohne es zu wissen.“

(S.287/288)

Doch das Buch ist noch so viel mehr als lediglich eine Geschichte der Frau seit den 60er oder 70er Jahren: es erzählt auch die wechselvolle Entwicklung des Elsass – das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland. So durfte ich zum Beispiel lernen, dass ein Poesiealbum als deutsches Kulturgut galt und in Frankreich eher verpönt war – ein Geschenk der deutschen Großmutter in Erinnerung ihrer Wurzeln an die kleine Pascale, die sich damals der Tragweite dieser Geste noch gar nicht bewusst war.

Man erfährt aber auch vieles über das Schicksal der Gastarbeiter, die fernab ihrer Heimat im Elsass ein neues Leben beginnen mussten. Es ist ein Buch über Armut und teils fehlende Chancengleichheit – ein Buch über herausragende Pädagogen und prägende Lehrerpersönlichkeiten, die rückläufige Bedeutung der Kirche in der Gesellschaft, über Klassenunterschiede, über schwierige Familienverhältnisse – Scheidung der Eltern, Alkoholismus, Depression.

All das bringt die Autorin in ihrem Buch über zwölf Frauenleben, die voller Menschlichkeit, Respekt und Herzenswärme erzählt sind, auf gerade einmal 300 Seiten unter. Ein wunderschönes und kluges Stück Literatur, das mich mitten ins Herz getroffen hat und von dem ich glaube, dass viele sich darin – unabhängig von Alter oder Herkunft – mit gewissen Aspekten identifizieren oder ihre Omas, Mamas, Tanten oder gar sich selbst wiederfinden werden.

Pascale Hugues hat ein großartiges, faszinierendes und warmherziges Buch geschrieben, das zeigt, dass in jedem Menschen eine spannende Geschichte steckt, die es sich zu erzählen lohnt und wir alle Kinder unserer jeweiligen Zeit sind. Meisterhaft verknüpft sie die besondere deutsch-französische Situation des Elsass damit, wie sich die Rolle und das Bild der Frau in ihrer eigenen Generation und der ihrer Mutter gewandelt hat. All das ist so mitreißend erzählt und wunderbar mit viel Liebe zum Detail beschrieben, dass man dieses Buch einfach lieben muss. Für mich ganz klar eines der Leseglanzlichter in diesem Bücherjahr 2021!

Eine weitere Besprechung gibt es auf Deutschlandfunk Kultur.

Buchinformation:
Pascale Hugues, Mädchenschule – Porträt einer Frauengeneration
Aus dem Französischen von Lis Künzli
Rowohlt
ISBN: 978-3-498-00271-8

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich Pascal Hugues’ „Mädchenschule“:

Für den Gaumen:
Die Gerichte, an welche wir uns aus unserer Kindheit erinnern, sind oft die guten, einfachen Dinge – hier im Buch ist es zum Beispiel der französische Quatre-Quarts-Kuchen. Der Name kommt daher, dass die vier Zutaten jeweils das selbe Gewicht haben: Eier (mit Schale), Mehl, Zucker und Butter. Für Pascale’s Freundin Françoise’s Geburtstag wurde von ihrer Mutter stets ein solcher gebacken „mit elfenbeinfarbener Kirschglasur und Kerzen darauf“ (S.74).

Zum Weiterstöbern:
Was spricht gegen ein bisschen Nostalgie? Mich inspirierte der Roman, mein eigenes Poesiealbum wieder einmal zur Hand zu nehmen und darin zu blättern. Schön, wie man sich dann wieder an Freundinnen und Freunde, Wegbegleiter und Menschen erinnert, die einem etwas bedeutet haben.

Zum Weiterlesen (I):
Pascale Hugues hat mit ihrem ersten Buch „Marthe und Mathilde“ 2008 bereits ihren beiden Großmüttern ein literarisches Denkmal gesetzt. Auch hier geht es um die besondere Situation im Elsass und so ist es nicht verwunderlich, dass der Untertitel „Eine Familie zwischen Frankreich und Deutschland“ lautet. Nach meiner Lektüre von „Mädchenschule“ ist „Marthe und Mathilde“, das ich noch nicht kenne, gleich auf meine gedankliche Leseliste gewandert.

Pascale Hugues, Marthe und Mathilde
Aus dem Französischen von Lis Künzli
Rowohlt Taschenbuch
ISBN: 978-3-499-62415-5

Zum Weiterlesen (II):
Auch im November letzten Jahres war es ein Buch aus Frankreich, das mich mit seiner Herzenswärme im Sturm erobert hat: Jacky Durand’s liebenswürdiger Roman „Die Rezepte meines Vaters“, das ich damals auf der Kulturbowle vorgestellt habe.

Jacky Durand, Die Rezepte meines Vaters
Aus dem Französischen von Ina Kronenberger
Kindler
ISBN: 978-3-463-00008-4

Novellant trifft Kurtisane

Rom – die ewige Stadt – ein literarischer Schauplatz, der mich immer wieder magisch anzieht und gerade jetzt im Herbst, wenn die Abende länger und dunkler werden, ist für mich oft die richtige Zeit für einen richtig schönen Schmöker. „Mercuria“ von Michael Römling ist ein herrlicher historischer Roman, der einen abtauchen und die Welt um einen herum vergessen lässt.

16. Jahrhundert – Renaissance in Rom – die Stadt pulsiert und bietet stets Stoff für aufregende Geschichten und Neuigkeiten. Michelangelo, dessen malender Vater ihn nach seinem größten Vorbild benannte, laviert sich als kleiner Gazettenschreiber mit meist halbwahren und erfundenen Geschichten durchs Leben.

Als er bei einer seiner abenteuerlichen Recherchen zufällig Mercuria kennenlernt, die als ehemalige Kurtisane in den höchsten Kreisen verkehrte und so zu Reichtum gekommen ist, findet er in einem ihrer Mietshäuser Unterschlupf. In ihren Häusern hat sie bereits ein illustres Völkchen an Schützlingen um sich versammelt – ihre Ersatzfamilie, die sie wie eine Löwenmutter verteidigt und vor Unheil schützt – zumal sie vor vielen Jahren ihre einzige Tochter unter tragischen Umständen verloren hat.

„Das war also die Gesellschaft, in der ich mich nun befand: eine ehemalige Kurtisane, die anstößige Schwänke vortrug, ein Bildhauer, der ketzerische Werke entwarf, ein in offenem Konkubinat lebendes Paar, das Schindluder mit religiösen Praktiken trieb und reuelosen Sündern für Geld bei der Sakramentserschleichung behilflich war, und schließlich ein ehemaliger Jude, der heidnische Autoren studierte und wissenschaftliche Studien über Geschlechtskrankheiten betrieb.“

(S.115)

Der gewaltsame Tod der Tochter hat Mercuria nie losgelassen und so sinnt sie auch nach langen Jahren immer noch auf Rache. Michelangelo, der nicht nur ein umfangreiches Archiv an geheimsten Dokumenten, Nachrichten und Papieren von seinem Onkel geerbt hat, das sich als wahre Goldgrube erweist, sondern der sich auch gerne unkonventioneller und nicht zwingend legaler Methoden der Informationsbeschaffung bedient, kommt ihr daher gerade recht. Vielleicht kann er auf seine Art und mit Hilfe der Geheimdokumente des Onkels endlich Licht ins Dunkel bringen.

Jener Onkel, der ihn stets gerne in seinen Fußstapfen als Novellant, d.h. als Nachrichtenhändler, der mit wertvollen Informationen aus Kreisen der Kurie und der römischen Gesellschaft handelte, gesehen hätte, sich der Wahrheit verpflichtet hatte und der über die erfundenen Geschichten und Gazetten seines Neffen ohnehin nur die Nase gerümpft hätte.

„Vielleicht fängst du mal damit an, es mit der Wahrheit etwas genauer zu nehmen. Das ist nämlich eine Krankheit unserer Zeit. Die Welt dreht sich immer schneller. Jeder versucht, lauter zu sein als die anderen. Immer raus mit den Nachrichten, ob sie stimmen oder nicht. Die Leute wissen überhaupt nicht mehr, was sie glauben sollen.“

(S.213)

Gemeinsam mit seinem Mitbewohner, dem kräftigen Bildhauer und gewitzten Unikum Gennaro macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit. Dass die beiden dabei so manches Hindernis zu überwinden und so manche gefährliche Mission zu meistern haben, schweißt sie ebenso zusammen wie die ausgelassenen Feiern mit Mercuria’s Mitbewohnern im gemeinsamen Innenhof.

Verwicklungen, Enthüllungen, unerwartete Wendungen – der Roman hat alles, was ein spannender historischer Schmöker braucht. Dazu der grandiose Schauplatz: Rom, der Vatikan mit dem gerade im Bau befindlichen Petersdom, die Inquisition, die Intrigen und Machtspiele der Kardinäle und Papstkandidaten – daneben der Hortaccio, das Viertel der Kurtisanen.

So erfährt man bei der Lektüre auch einiges über die römische Geschichte, die Zeit der Renaissance oder zum Beispiel auch über den Sacco die Roma im Jahre 1527, als Landsknechte und Söldner den Kirchenstaat und die Stadt plünderten.

Und man lernt, was es mit dem Pasquino auf sich hat: dem Torso einer antiken Statue, der in der Nähe der Piazza Navona steht und an welcher nachts heimlich Spottgedichte und satirische Verse befestigt wurden, die sich gegen die Obrigkeit – die Kirche und die Politik – richteten. Auch im Roman bedient sich jemand dieses Ventils, um seiner Empörung Luft zu machen.

Vom langen Personenverzeichnis, das dem Buch vorangestellt ist, sollte man sich nicht abschrecken lassen. Beim Lesen findet man sehr schnell in die Geschichte und gerade die plastischen Charaktere und sympathischen Hauptfiguren wachsen einem sofort ans Herz. Man zittert, fiebert und feiert mit Michelangelo, Mercuria und Gennaro und die spannende Handlung lässt einen das Buch nur noch ungern zur Seite legen.

„Manchmal ist es erst ein kleiner Makel, der schöne Dinge richtig schön macht. Eine schwarze Äderung im weißen Marmor. Man kann sie nicht herausschleifen, ohne die Vollkommenheit der Skulptur zunichtezumachen. Stattdessen sollte man sie polieren.“

(S.334)

So durfte ich dank „Mercuria“ einige sehr spannende – man könnte schon fast von einem Historienkrimi sprechen – und sehr kurzweilige Stunden im Rom der Renaissance verbringen, die ich sehr genossen habe. Und mit der Erkenntnis, dass sich manches wohl kaum ändert und die Novellisten der damaligen Zeit vielleicht die Whistleblower oder Nachrichtenagenturen von heute sind und die unseriösen Gazettenschreiber schon damals „Fake News“ verbreitet haben, lässt sich auch der Bogen in die heutige Zeit schlagen.

Michael Römling hat Geschichte studiert, promoviert und acht Jahre in Rom gelebt. Für alle Rom-Fans, Freunde eines opulenten Historienschmökers und Liebhaber einer gut erzählten Geschichte, bei der man auch noch etwas lernen kann, ist „Mercuria“ sicherlich eine gute Wahl. In diesem Sinne: Arrivederci, Roma! Und bis zum nächsten Mal!

Buchinformation:
Michael Römling, Mercuria
Rowohlt
ISBN: 978-3-498-00128-5

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich Michael Römling’s „Mercuria“:

Für den Gaumen:
Mercuria hat einen auserlesenen Weingeschmack und kann es sich leisten. So lockert ein Gläschen Grenache – eine rote Rebsorte – die Zunge und sie erzählt bei einem gutem Wein über ihre bewegte Vergangenheit.

Zum Weiterschauen oder für einen Museumsbesuch:
Tizian’s Danae hat einen kurzen Gastauftritt in „Mercuria“ – aktuell ist in Wien vom 05.10.21 bis zum 16.01.22 im Kunsthistorischen Museum die Ausstellung „Tizians Frauenbild“ zu sehen. Auch der Webauftritt dieser Ausstellung ist bereits sehr sehenswert und so kann man sich auch ein gutes Bild verschaffen, wenn man gerade nicht die Möglichkeit hat nach Wien zu reisen.

Zum Weiterlesen:
Im vergangenen Jahr habe ich bereits Michael Römling’s historischen Roman „Pandolfo“ hier auf der Kulturbowle vorgestellt. Schauplatz war hier das Mailand der Renaissance bzw. des 15. Jahrhunderts.

Michael Römling, Pandolfo
Rowohlt Taschenbuch
ISBN: 978-3-499-27619-4

Malerin und Modell

Bücher und Gemälde, Literatur und Kunst – genau diese inspirierenden Verbindungen zwischen verschiedenen, künstlerischen Disziplinen sind es, die ich mir für die Kulturbowle wünsche. So ist es nicht verwunderlich, dass mir auch Anne Stern’s Roman „Meine Freundin Lotte“ über die Malerin Lotte Laserstein und ihr Lieblingsmodell Traute Rose sofort ins Auge sprang.

Basierend auf der wahren Biografie der beiden lässt die Berliner Autorin in ihrem Roman die Frauen kapitelweise abwechselnd zu Wort kommen. Zwei Ich-Erzählerinnen, die jeweils ihre Sicht der Dinge, ihre Geschichte und die außergewöhnliche und besondere Beziehung zur jeweils anderen erzählen.

Zwei Lebensläufe, die sich in den Zwanziger Jahren in einer Berliner Suppenküche kreuzen und auch später über Landesgrenzen und große Entfernungen hinweg nie mehr trennen lassen werden.

„Ich glaube, wir sind wie ein Zopf, geflochten aus drei Strähnen – Lotte, die Kunst und ich. Ineinander verschlungen, untrennbar verwirrt, mit den Jahren immer struppiger, immer unlösbarer.“

(S.52)

Lotte Laserstein ist eine der ersten Frauen, die in Berlin für den Besuch der Kunstakademie zugelassen werden. Als Schülerin von Erich Wolfsfeld kann sie sich ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen, Malerin zu werden.
Der Roman begleitet sie auf diesem Weg und erzählt von ihrem Kampf um Anerkennung, ihren Selbstzweifeln, ihrem Ringen um den eigenen Stil und ihrer langsamen Art zu malen. Ihre Gemälde brauchen Zeit.

Doch das Buch erzählt in gleichem Maße auch die Geschichte von Traute Rose – der Frau, die auf vielen Gemälden Lotte Lasersteins zu sehen ist – ihr Lieblingsmodell, ihre Inspiration, ihre Muse. Wie ist es Modell zu sein, über Stunden still zu halten, für einen Akt zu posieren, sich selbst permanent auf der Leinwand zu sehen?

Anne Stern beleuchtet dieses besondere Verhältnis der beiden Frauen und gibt ihnen eine Stimme. Sie beschreibt das Kennenlernen der beiden, ihre gemeinsame Zeit in Berlin und die Momente, in welchen große Kunst entsteht.
Traute begleitet Lotte auf ihrem steinigen Weg zu den ersten erfolgreichen Ausstellungen, kennt ihr Hadern zwischen Kunst und Broterwerb. Als es für Lotte als Jüdin in Berlin immer gefährlicher wird und sie auch ihre Schüler nicht mehr unterrichten kann, um Geld zu verdienen, flieht sie vor den Nationalsozialisten 1937 ins schwedische Kalmar.

„Die Wirklichkeit und die Kunst sind keine Gegner, sondern Verbündete, und schon damals trug ich meine einzige Wirklichkeit im Malkasten mit mir herum. Das war auch dann noch so, als mir alles genommen wurde.“

(S.116)

Der Roman liest sich sehr flüssig und man freut sich und leidet mit den beiden Frauen in jeder Szene mit. Manche Stellen hätten für meinen Geschmack jedoch sprachlich etwas weniger blumig ausfallen können und auch die fast durchgängig sehr wehmütig-melancholische Stimmung hätte für mich ab und zu etwas weniger larmoyant sein dürfen.
Stark hingegen fand ich die Schilderung Berlins, des Zeitgeists, die Welt der Künstler und die atmosphärischen Beschreibungen der Zwanziger Jahre – dieser Funke ist definitiv übergesprungen.

„Dieses rastlose Berlin finde ich heute nur in alten Romanen wieder. Und in der Erinnerung an jene Tage, an denen ich mit Traute nach unserer Arbeit im Atelier durch Berlin lief. Vorbei an Litfaßsäulen mit Werbeplakaten für Theater und Varietés, vorbei am Drehorgelspieler, an Ständen mit Körben der ersten Pilzernte, an Zeitungskiosken, von denen uns die Schlagzeilen ansprangen wie übermütige Hunde.“

(S.205)

Lotte Laserstein blieb bis zu ihrem Tod 1993 in Schweden und lebte dort von Portraits und Landschaftsmalerei – sie veränderte ihren Stil. Ihre bekanntesten Werke, die der Neuen Sachlichkeit zugeordnet und als Höhepunkte ihres Schaffens gelten werden, entstanden in der Zeit der Zwanziger und Dreißiger Jahre in Berlin.

Anne Stern hat einen Roman über Schmerz und Verlust voller Wehmut und Melancholie geschrieben, aber sie hat auch eine große Frauenfreundschaft, die besondere Beziehung zwischen Malerin und Modell und die Entstehung von Kunst in den Mittelpunkt ihres Werks gesetzt.

Vor meiner Lektüre wusste ich nichts über Lotte Laserstein – jetzt habe ich das Gefühl, eine Künstlerin und ihre Lebensgeschichte auf unterhaltsame Weise kennengelernt zu haben. Ich durfte literarisch der Entstehung ihrer wichtigsten Werke beiwohnen, im Atelier Mäuschen spielen, ihre Freundin und Muse kennenlernen, in ihre Gedankenwelt eintauchen. Es ist immer wieder faszinierend, was Bücher bewirken können.

Eine spannende Künstlerpersönlichkeit mit einer bemerkenswerten Lebensgeschichte, über die es sich zu lesen lohnt und die mir sicher im Gedächtnis bleiben wird. Wenn ich irgendwann in einem Museum einem ihrer Gemälde gegenüberstehen werde, wird ihre Lebensgeschichte bestimmt sofort wieder präsent sein.

Buchinformation:
Anne Stern, Meine Freundin Lotte
Kindler
ISBN: 978-3463000268

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich Anne Stern’s „Meine Freundin Lotte“:

Für den Gaumen:
Neben Erbsensuppe mit Pinkel wartet Anne Stern’s Roman für mich als Kulturbowlen-Gastgeberin kulinarisch doch tatsächlich mit einem sehr passenden Getränk auf:

„Wir zwängten uns an einen der schmalen Tische, bestellten Kaffee und in einem Anfall von Übermut je ein Glas Pfirsichbowle, die auf der Karte angeboten wurde.“

(S.206)

Zum Weiterschauen (I):
Das Gemälde „Abend über Potsdam“ gilt als das bekannteste Gemälde Lotte Lasersteins – es befindet sich seit 2010 im Besitz der Nationalgalerie Berlin und auf der Homepage des Museumsportals Berlin kann man sich selbst einen Eindruck verschaffen.
Auf diesem Bild ist Traute Rose übrigens auch zu sehen – sie ist die Dame, die links am Geländer steht.

Zum Weiterschauen (II):
Im Roman besucht Lotte Laserstein das Kino und sieht dort den mittlerweile legendären Filmklassiker von und mit Charlie Chaplin „Der Vagabund“, der im Jahr 1916 erschienen ist.

Zum Weiterlesen:
Die Kaffeehäuser Berlins sind immer wieder Schauplatz im Roman. Auch das weltberühmte Romanische Café am Kurfürstendamm gegenüber der Gedächtniskirche, welches als einer der Künstlertreffpunkte galt, darf da nicht fehlen.
Brigitte Landes hat mit ihrem Buch „Im Romanischen Café“ dieser Institution der Berliner Bohème und ihren illustren Gästen ein literarisches Denkmal gesetzt. So enthält der schön gestalte Band der Insel-Bücherei unter anderem Texte von Else Lasker-Schüler, Mascha Kaléko, Gabriele Tergit, Irmgard Keun, Erich Kästner, Kurt Tucholsky und vielen anderen mehr.

Brigitte Landes, Im Romanischen Café. Ein Gästebuch.
Insel Bücherei
ISBN: 978-3-458-19472-9

Familientradition verpflichtet

„Adlon oblige“ – das Familienmotto der legendären Hoteliersfamilie Adlon hat die Familiengeschichte über Generationen hinweg begleitet und geprägt. Felix Adlon, der Ururenkel des Hotelgründers Lorenz Adlon hat jetzt ein Buch über die Geschichte seiner Familie verfasst. Der Name verpflichtet, sagt alles und so lautet der Titel schlicht: „Adlon“.

Ein Erbstück, das von Generation zu Generation weitergegeben wird, sind Manschettenknöpfe mit der Aufschrift „Adlon oblige“, welche einst ein Geschenk des Kaisers waren und mittlerweile im Besitz von Felix Adlon sind.

Und so stellt sich der Autor seinem Erbe und steigt hinab in „die Tiefen des Familienbrunnens“, wie er es nennt. Dass er dort selbst auf Überraschendes, Erhellendes und neue Erkenntnisse über geliebte und umstrittene Familienmitglieder und Vorfahren stößt, zeigt, dass sich nicht nur für seine Leser, sondern auch für ihn selbst die intensive Beschäftigung mit seiner Vergangenheit gelohnt hat.

Für den Leser ist es eine bunte, schillernde und spannende Geschichte, die eng mit den historischen und politischen Entwicklungen Deutschlands verknüpft ist. Denn das Buch erzählt vom Aufstieg und Fall des wohl bekanntesten Hotels Deutschlands und seiner Gründerfamilie – von der Kaiserzeit bis in die Gegenwart.

So erfährt man bei der Lektüre, dass Ururgroßvater Lorenz Adlon, der aus einfachen Verhältnissen stammte, zunächst eine Ausbildung zum Tischler machte, die ihn vor allem den stets hohen Anspruch nach hervorragender Qualität und Ausführung lehrte. Dieser sollte ihn sein Leben lang prägen und er versuchte diesen auch bei seinen ersten gastronomischen Erfahrungen in Mainz bereits konsequent umzusetzen. Über Ausflüge in die Gastronomie bei Großveranstaltungen wie z.B. Turn- und Sportfesten, Weltausstellungen und einer Station in Holland, verschlug es ihn letztlich nach Berlin, wo er das bekannte Restaurant Hiller leitete bis er schließlich das berühmte Hotel Adlon am Brandenburger Tor plante und gründete.

Felix Adlon erzählt aus den Biografien seiner Vorfahren, wirft aber auch immer einen Blick über den Tellerrand, in die jeweilige Zeit und die damals herrschenden Umstände, so erfährt man zum Beispiel auch, was es mit den Freimaurern auf sich hatte und welch großes Interesse auch der Kaiser am Adlon hatte.

Lorenz’ Sohn Louis führte das Hotel weiter – auch in den schwierigen Zeiten des zweiten Weltkriegs – bis zu seinem tragischen Tod.
Das Hotel Adlon brannte Ende des Zweiten Weltkriegs nieder und wurde völlig zerstört. Erst nach der Wiedervereinigung wurde es wieder aufgebaut und ist dennoch bis heute eine Legende: die Gästeliste umfasste stets alles, was Rang und Namen hatte – von gekrönten Häuptern, Staatsmännern und -frauen bis zu den größten Künstlerinnen und Künstlern ihrer Zeit.

Felix Adlon erzählt vom Glanz und Prunk des Hotels, vom Weinkeller oder Anekdoten aus dem berühmten Luftschutzbunker unter dem Hotel ebenso wie über die turbulenten und wechselvollen Lebensläufe seiner Ahnen im weit verästelten Familienstammbaum.

Ein paar Konstanten ziehen sich durch die Adlon’sche Familiengeschichte: Die Frauen spielten stets eine große und starke Rolle – sei es Lorenz’ geliebte Susi oder Louis’ zweite Frau Hedda. Auch seiner Großmutter Susanne Fanny Adlon setzt Enkel Felix mit seinem Buch ein liebevolles Denkmal und beschreibt sie als kunstbegeisterte, selbstbewusste Frau, welche die Kraft und Stärke besaß, ihren geliebten Parsifal „Percy“ Adlon – den Sohn des Opernsängers Paul Rudolf Laubenthal – als uneheliches Kind gegen alle Widerstände allein groß zu ziehen.

Die Liebe zur Musik, zur Oper, zu Kunst und Kultur ist eine weitere dieser Konstanten. Vater Percy Adlon ist ein bekannter Filmregisseur – „Out of Rosenheim“ sein wohl bekanntester Film – und auch Sohn Felix ist ihm in die Filmbranche nachgefolgt und mit einer Opernsängerin verheiratet.

Obwohl die Familie nicht mehr im Besitz des heutigen Hotels Adlon ist, prägt die Institution und ihre Geschichte weiterhin ihr Leben. „Adlon oblige“ eben – ein Erbe, das nicht loslässt.
Die Höhen und Tiefen, tragische Schicksalsschläge und große Erfolge – diese Familiengeschichte ist filmreif, hochspannend und ein faszinierendes Kaleidoskop deutscher Geschichte.

Faszinierend fand ich, wie authentisch, natürlich und unprätentiös Felix Adlon dieses Familienpanorama verfasst hat. Man spürt bei der Lektüre, dass er vor der Lebensleistung seiner Vorfahren selbst höchsten Respekt hat und dass ihn der hohe Anspruch bis heute prägt und begleitet. Er hat ein liebevolles, aufrichtiges Buch geschrieben, in welchem er auch selbst eigene Fehleinschätzungen der Vergangenheit revidiert und sein Bild der Geschichte in einigen Aspekten rückwirkend korrigiert. So manche Recherche öffnete ihm die Augen.

Das Buch liest sich sehr schnell und es macht wirklich Freude, dem Autor dabei zu folgen, wie er aus dem Familiennähkästchen plaudert. Da geht es um Menschen aus Fleisch und Blut, mit Stärken und Schwächen und einer großen Leidenschaft für die Dinge die sie tun – sei es die Hotellerie und Gastronomie oder aber Kunst und Kultur.

Ein hochinteressantes und kurzweiliges Buch über eine Familie im Spiegel der Zeit, das packender ist als so mancher Roman – die besten Geschichten schreibt ohnehin das wahre Leben – und daher nicht nur für Hotel-Fans oder Geschichtsinteressierte eine sehr lohnende Lektüre sein kann.

Buchinformation:
Felix Adlon, Adlon
Heyne
ISBN: 978-3-453-21809-3

***

Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich Felix Adlon’s „Adlon“:

Für den Gaumen:
Während im Adlon Haute Cuisine im Stile von August Escoffier serviert wurde kam Percy Adlon – der Vater des Autors – in seiner Kindheit durch seine geliebte Tante Ada oft in den Genuss bodenständiger Küche:

„Von ihren böhmischen Marillenknödeln mit Zucker, Zimt und geriebenem Lebkuchen aß jeder mindestes ein Dutzend, bis alle vor Wonne und Völle stöhnten.“

(S.202)

Zum Weiterschauen (I):
Felix Adlon ist Filmregisseur und somit in die Fußstapfen seines Vaters getreten – gemeinsam drehten die beiden 2010 den Spielfilm „Mahler auf der Couch“ – den ich mir notiert habe und bei Gelegenheit einmal ansehen möchte. Ein filmisches Aufeinandertreffen von Sigmund Freud und Gustav Mahler – das hört sich spannend an.

Zum Weiterschauen (II):
Wer Felix Adlon als Darsteller in einem Film erleben und zugleich mehr über die Familiengeschichte und das Hotel Adlon erfahren möchte, der kann sich Percy Adlon’s Film „In der glanzvollen Welt des Hotel Adlon“ aus dem Jahr 1996 ansehen. Eva Mattes spielt darin niemand geringeren als den charismatischen Stummfilmstar Pola Negri.

Zum Weiterlesen:
Schon lange auf meiner Leseliste und jetzt wieder weiter nach oben gerückt ist Vicki Baum’s Klassiker aus dem Jahre 1929: „Menschen im Hotel“. Vorbild soll hier zwar nicht das Adlon, sondern das Hotel Excelsior gewesen sein, aber ein Berliner Luxushotel im Mittelpunkt eines Romans gibt stets einen interessanten literarischen Rahmen ab:

Vicki Baum, Menschen im Hotel
Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-03798-2

Allerseelen auf Sizilien

Einen für mich neuen, italienischen Autor und einen spannenden Kriminalfall durfte ich mit Santo Piazzese’s „Blaue Blumen zu Allerseelen“ kennenlernen. Dieser Krimi des Sizilianers und gebürtigen Palermitaners (*1948) erschien in seiner Heimat bereits 2002, wurde aber erst viele Jahre später von Monika Lustig ins Deutsche übersetzt und als erster Band ihres „Ein-Frau-Verlags“ Edition Converso 2019 auf den Markt gebracht.

So kann man jetzt auch in diesen Genuss – zudem in hochwertiger, edler Ausstattung mit Lesebändchen – kommen, wenn die eigenen Italienischkenntnisse vielleicht nicht für eine entspannte Krimilektüre im Original reichen.

„Spotorno war immer ein Anhänger der Drei-Tage-Regel gewesen: drei Tage Dauer für einen echten Schirokko, drei Tage hoher Wellengang bei Westwind, drei Tage zur Bekämpfung eines heftigen Fiebers, drei Tage höchstens, um einen Mordfall aufzuklären.“

(S.166)

Vittorio Spotorno ist ein erfahrener Commissario und ermittelt schon lange in Palermo. Er kennt diese Stadt, die Strukturen und die Bewohner. Als er plötzlich in mehreren – zunächst unabhängig erscheinenden – Mordfällen ermitteln muss, glaubt er nicht an Zufälle. Gemeinsam mit seinen Kollegen taucht er ein in die Abgründe und dunklen Wahrheiten, welche die Ermittlungen ans Tageslicht befördern und kommt unweigerlich auch schnell mit dem Netz der organisierten Kriminalität in Berührung. Auch wenn die Opfer zunächst nicht auf die Mafia hindeuten, wird bald klar, dass in dieser Stadt kaum Wege an ihr vorbei führen.

Spotorno – Ehemann und Familienvater – ist kein Schreibtischtäter und immer in Bewegung: er ermittelt im Herzen der Stadt – auf der Straße, in den Lokalen und Geschäften, in den Kirchen und auf dem Friedhof. Über die Handlung möchte ich nicht zu viel verraten, aber an Allerseelen kommt es schließlich zum großen Finale und Spotorno steht vor der Lösung der Mordfälle.

Am 2. November ist der Allerseelentag – gerade erst ein paar Tage sind seitdem vergangen, somit war die Lektüre gerade jetzt in dieser Zeit naheliegend. Zudem lässt der Autor den Leser auch an den sizilianischen Traditionen teilhaben:

„(…) auch wenn sie die Tradition des Allerseelenfestes am 2. November in Ehren hielten: Da gab es für die Kinder am Morgen Spielsachen, Zuckerpuppen und frutta die martorana.“

(S.296)

Schön auch, dass erklärt wird, welche Tradition sich hinter diesen bunten Marzipanfrüchten verbirgt: Im Jahr 1308 hängten Nonnen aus dem palermitanischen Kloster La Martorana bei einem Festessen für den Papst diese an Bäume, so dass sie daran täuschend echt wirkten. Gerade solche Geschichten und Details bereichern in meinen Augen und machen diesen Krimi zu etwas Besonderem.

Persönlich mochte ich vor allem aber auch die Figurenzeichnung Piazzese’s sehr und gerade dieser Commissario Vittorio Spotorno ist ein interessanter, starker Charakter, den ich gerne bei seinen Ermittlungen begleitet habe.

„Die Marktverkäufer waren schon dabei, ihre Stände abzubauen und damit Teile einer allzu schamhaften Stadt freizulegen, die ihre Schönheit hinter Automobilen und Ruinen verbarg, in der Hoffnung, dass der Staub der Jahrhunderte – oder das Vergessen – sie am Ende völlig begraben würden. Eine Stadt im Schwebezustand zwischen Agonie und überschäumender Vitalität.“

(S.287)

Solche Zitate sprechen in meinen Augen für sich und zeichnen das Buch aus: Der heimliche Star des Romans ist Palermo – diese Stadt, die in ihrer Schönheit aber auch Zerrissenheit eine wohl einzigartige Atmosphäre besitzt, welche Piazzese literarisch schildert und einfängt. Er zeichnet ein stimmungsvolles Porträt dieser Stadt mit all ihrem Licht und Schatten.

„Ein Zufall? Los Beltramini, wir sind doch volljährig und trocken hinter den Ohren – keiner von uns kann ernsthaft glauben, dass es in einer Stadt wie dieser Zufälle gibt. Das wäre wie an die Befana glauben, die auf einem Besen durch die Lüfte reitet.“

(S.256)

Piazzese hat einen intelligenten und eleganten Krimi geschrieben, der von seiner Atmosphäre und subtiler Spannung lebt. Ein Krimi, der es in sich hat – ohne blutrünstig zu sein – und der facettenreich und fundiert auch die Sicht eines Einheimischen und Sohnes der Stadt auf sein Palermo – Land und Leute – transportiert. Einmal Sizilien und zurück? Für Krimifreunde und eine Lesesessel-Reise ist Santo Piazzese’s „Blaue Blumen zu Allerseelen“ sicher eine gute Wahl.

Eine weitere Besprechung gibt es bei Deutschlandfunk Kultur.

Buchinformation:
Santo Piazzese, Blaue Blumen zu Allerseelen
Übersetzt von Monika Lustig
Edition Converso
ISBN: 9783981976304

***

Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich Santo Piazzese’s „Blaue Blumen zu Allerseelen“:

Für den Gaumen:
Kulinarisch hat dieser Krimi einiges zu bieten, so dass die Auswahl fast schwerfällt: Für mich bisher unbekannt und daher besonders interessant waren die Ines al forno (oder auch Iris al forno), die dankenswerter Weise mit einer Fußnote näher beschrieben werden:

„Die Ines – sowohl in der Version aus dem Ofen als auch die im Öl ausgebackene – ist eine typisch Palermitanische Süßspeise: Sie hat die Form einer kleinen Kuppel, ist gefüllt mit Ricotta, Schokoladenstückchen und kandiertem Kürbis.“

(S.69)

Zum Weiterklicken:
Aufmerksam auf die Edition Converso und die Verlegerin Monika Lustig wurde ich durch folgenden, interessanten Beitrag auf dem Hotlistblog. Dieser machte mich neugierig auf das mediterrane Programm der Verlegerin und da ich ein Freund von italienischer Literatur und Krimis bin, war dann mein erstes Buch dieses Verlages schnell gefunden.

Zum Weiterhören:
Duke Ellington’s herrlicher Jazzstandard „Sophisticated lady“ ist der Soundtrack für das Kennenlernen von Vittorio Spotorno und seiner Amalia – das nenne ich stilvoll. Und eine schöne Anregung, in das Stück reinzuhören, ist es zudem.

Zum Weiterlesen:
Im Roman wird auch auf den italienischen Klassiker „Il Gattopardo“ oder auf deutsch „Der Leopard“ von Giuseppe Tomasi die Lampedusa Bezug genommen – ein Werk, das immer wieder und schon mehrfach auf meiner geistigen Leseliste gelandet ist, aber das ich bisher noch nie in Angriff genommen habe. Jetzt gibt es also wieder einen weiteren Grund, dieses Werk endlich mal zu lesen.

Giuseppe Tomasi di Lampedusa, Der Leopard
Übersetzt von: Burkhart Kroeber
Piper
ISBN: 978-3-492-05984-8

Oktoberbowle 2021 – Atempause und Herbstleuchten

Der Oktober war in weiten Teilen wirklich ein goldener und verwöhnte uns mit zahlreichen Sonnenstunden und bunt gefärbten Blättern: ein Monat zum Genießen, Durchatmen und Energie tanken. Lange Herbstspaziergänge, emotionaler Operngenuss und gute Lektüre – dieser Monat zeigte sich von seiner besten Seite.

Auch kulturell war einiges geboten, denn in Landshut durfte ich im Oktober gleich zwei Premieren von wahren Opern-Klassikern erleben: Mozarts „Die Zauberflöte“ und Puccini’s „Madama Butterfly“ – live im Theater – ließen mein Herz als Opernfan höher schlagen.

Stimmungsvoll war auch das „Orgelkonzert bei Kerzenschein“ im Moosburger Münster St. Kastulus mit Werken von Johann Sebastian Bach, Felix Alexandre Guilmant und Ad Wammes: eine von Kerzen erhellte Kirche und feierliche Orgelmusik – ein schönes und besinnliches Konzerterlebnis der anderen Art.

Auch die Lektüre im Oktober war bunt – wie die farbigen Blätter an den Bäumen:
Den Auftakt bildete Sibylle Schleicher’s „Die Puppenspielerin“ – ein emotionaler und berührender Roman über das Abschiednehmen von einem geliebten Menschen. Die österreichische Autorin erzählt die Geschichte der Zwillingsschwestern Sarah und Sophie, die auch angesichts der lebensbedrohlichen Erkrankung einer der beiden Kraft und Trost aus gemeinsamen Kindheitserinnerungen schöpfen.

Tragisch und turbulent war auch das Leben der legendären Tänzerin Isadora Duncan, welches Michaela Karl in der neuen Biografie „Lasst uns tanzen und Champagner trinken – trotz alledem“ erzählt. Die Geschichte eines der ersten weiblichen Weltstars während der Belle Epoque, welche durch ihren innovativen und eigenwilligen Stil die Welt des Tanzes revolutionierte und als Vorreiterin des Modern Dance gilt.

Ein kleiner, feiner Band aus der Insel Bücherei eröffnete mir Einblicke in „Max Liebermanns Garten“ (herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Gloria Köpnick und Rainer Stamm) – mit zahlreichen Gemälden des Künstlers, welche in seinem Sommerhaus am Wannsee entstanden sind und zugehörigen Erläuterungen. Seit 2006 ist die Villa als Museum zugänglich, das ich bei Gelegenheit auch einmal gerne besuchen würde.

Mit Hans Fallada’s Roman „Wir hatten mal ein Kind“ stand eine klassische Rügen-Lektüre auf meinem Programm. Mit ca. 600 Seiten und einer Hauptfigur, mit der ich persönlich nicht warm wurde, eine fordernde Lektüre, die jedoch aufgrund der Stilistik und treffenden Personen- und Milieubeschreibungen dennoch lohnenswert war.

Nachhaltig beeindruckt hat mich die Ausstellung und das Sachbuch „Sacrow – Das verwundete Paradies“ von Jens Arndt. Anhand des wunderschönen Ortes an der Havel, dem Schloss und der Heilandskirche wird die deutsche Geschichte der letzten beiden Jahrhunderte intensiv erfahrbar. Von der preußischen Monarchie über beide Weltkriege, das NS-Regime und die Teilung Deutschlands, den Mauerbau und die Wiedervereinigung hinweg – Sacrow symbolisiert wie kaum ein anderer Ort die wechselvolle, deutsch-deutsche Geschichte.

Ein völlig anderer Schauplatz erwartete mich bei Santo Piazzese’s Kriminalroman „Blaue Blumen zu Allerseelen“: Palermo, die Hauptstadt Siziliens. Commissario Spotorno ermittelt dort in mehreren Mordfällen und unweigerlich auch bald im Milieu der organisierten Kriminalität.

Noch einmal ein geschichtsträchtiger Ort und ein großer Name: „Adlon“Felix Adlon, der Ururenkel des Hotelgründers eines der wohl berühmtesten deutschen Hotels erzählt die Geschichte seiner Familie. Spannend, hochinteressant und kurzweilig zu lesen – ein wahres Familienepos, das man sich so kaum ausdenken könnte.

Ein bunter Lektüre-Strauß im Oktober: mit Roman, Sachbuch, Biografie, Kriminalroman, Familiengeschichte und einem Klassiker waren wirklich viele unterschiedliche Genres vertreten.


Was bringt der November?

Die Tage werden rasant kürzer und die langen Abende laden dazu ein, es sich mit einem guten Buch und einem Getränk auf der Couch gemütlich zu machen. November ist Schmökerzeit und ich habe große Lust, mich literarisch in andere Zeiten und Länder entführen zu lassen. Vielleicht ist jetzt auch wieder mal die richtige Gelegenheit für einen schönen, historischen Roman – es liegt so einiges Verlockendes auf meinem Lesestapel bereit – ich werde berichten.

Zudem freue ich mich auf eine weitere Opernpremiere in meinem Heimattheater: Auch Gaetano Donizetti’s „Roberto Devereux“ wird mich in eine andere Welt – ins London des Jahres 1601 – versetzen. Ich bin schon sehr gespannt.

Zudem habe ich auch Lust, mir wieder mal einen guten Film im Fernsehen anzusehen – auf ARTE steht am Sonntag, den 14. November um 20.15 Uhr zum Beispiel Hitchcock’s Klassiker „Der unsichtbare Dritte“ mit Cary Grant auf dem Programm. Das wäre doch etwas.
Oder doch wieder mal ein Hörspiel oder Hörbuch?
Ihr seht, auch die dunkle Jahreszeit bietet unzählige Möglichkeiten…

Ich wünsche Euch einen gemütlichen und entspannten November – macht es Euch schön, schafft Euch stimmungsvolle Momente und genießt das, was der Däne als „Hygge“ bezeichnen würde: eine Kerze anzünden, in die Decke kuscheln, eine Tasse Tee, guten Lesestoff oder Musik…

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

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Gaumen-Highlight Oktober:

Herrlich in diesen farbenfrohen Herbstmonat passte für mich heißer Sanddornsaft – wärmend und vitaminreich. Dazu die intensive Farbe im Glas – meine herbstliche, kulinarische Entdeckung in diesem Monat.


Musikalisches im Oktober:
In Sibylle Schleicher’s „Die Puppenspielerin“ begegnet man der fünften Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy – der Reformationssinfonie. Musikalisch trifft sich das gut in dem Monat, in welchem auch der Reformationstag am 31. gefeiert wird.

Der Herbst

Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,
Wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,
Es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,
Wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.

Das Erdenrund ist so geschmückt, und selten lärmet
Der Schall durchs offne Feld, die Sonne wärmet
Den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen
Als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen

Die Zweig‘ und Äste durch mit frohem Rauschen
Wenn schon mit Leere sich die Felder dann vertauschen,
Der ganze Sinn des hellen Bildes lebet
Als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet.

(Friedrich Hölderlin)