Es ist nie zu spät…

Ein Buch mit einem leuchtend gelben und sonnigen Cover und einem Titel, an dem ich – aus gegebenem Anlass – nicht vorbeikomme: „Barbara stirbt nicht“ – der neue Roman von Alina Bronsky. Erneut ein ungemein gefühlvolles, emotionales Buch der Autorin, die mich schon mit „Baba Dunjas letzte Liebe“ für sich eingenommen hat.
Keine leichte Kost, es geht ums Älterwerden und um Krankheit und doch hat dieses Buch so viele witzige und lustige Momente, dass es einen permanent auf eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle schickt, die von Seite eins bis Seite 256 nicht endet – Zielort und Ausgang ungewiss.

Walter und Barbara sind seit mehr als fünfzig Jahren verheiratet. Er brachte das Geld nach Hause und sie war zuständig für die Kinder und den Haushalt: Klassische Rollenverteilung, alte Schule. Die Küche hatte er bislang kaum betreten: Kochen war Frauensache. Doch plötzlich steht Barbara morgens nicht auf, sondern bleibt krank im Bett liegen: kein Kaffeeduft am Morgen, kein Mittagessen auf dem Tisch. Walter macht sich Sorgen und plötzlich muss er das Ruder übernehmen. Schritt für Schritt stellt er sich den neuen Herausforderungen. Und plötzlich bekommt er sogar Hilfe, die er gar nicht erwartet hatte.

„Er sah damals gut aus, blond, stark. Einige waren in ihn verliebt gewesen. Aber keine war so sanft wie Barbara, die nicht Nein sagen konnte, auch wenn es ihr schadete. Er hatte bis heute nicht verstanden, ob sie besonders verliebt oder besonders schwach gewesen war. Gab es da überhaupt einen Unterschied?“

(S.215)

Bronsky hat eine große Gabe, die filigranen Nuancen zwischenmenschlicher Beziehungen in ungeheuer treffenden, kleinen, feinen Szenen ganz ausdrucksstark herauszuarbeiten. So tragisch die anfängliche Überforderung Walter’s mit der Situation ist und so vehement er sich gegen die Wahrheit und das Annehmen der neuen Situation sträubt, so komisch ist es, ihn bei der Kochrezeptrecherche auf Facebook zu erleben. Die Schilderung der fünfzigjährigen Ehe und der festgefahrenen Routinen, die sich im Laufe der Jahrzehnte eingeschliffen haben, sind sehr fein beobachtet und beschrieben. Auch der Aspekt, dass es schwierig ist, die Schwäche im Alter zu akzeptieren und die Hilfe der Kinder anzunehmen, ist zutiefst menschlich und von Bronsky sehr treffend dargestellt.

Es ist rührend, Walter und Barbara als Paar zu erleben, das in die Ehe hineingeschlittert ist, sich jedoch auch gegen Kritik von außen behauptet hat und es sich am Ende eingerichtet hat in dieser Beziehung. Sie führen eine Ehe, die trotz oder gerade weil ein paar Probleme konsequent totgeschwiegen werden, funktioniert und auf ihre Art immer noch liebevoll ist.

„Sie sahen sich in die Augen wie sonst selten, wie vielleicht noch nie. Was gab es zu reden, wenn man schon alles gesagt hatte.“

(S.166)

Zugleich ist es auch ein Roman über das „Über sich hinauswachsen“ – darüber, dass es selten zu früh und nie zu spät ist. Aber auch ein Roman über die Ehe und die lebenslange Liebe gegen alle Widerstände – über veraltete Rollenmodelle, Klischees und über das Älterwerden.

Selten habe ich so viel Lustiges im Traurigen gelesen. Bronsky hat auf engsten Raum zwei Menschenleben, eine Ehe und die ganz großen Gefühle in allen Facetten gepackt. Eine lebenslange Beziehung und ein Familienleben mit viel Licht aber auch Schatten, in welches Bronsky geschickt noch weitere große Themen – vor allem auch im Verhältnis zwischen Eltern und ihren Kindern – versteckt, die ich nicht alle verraten möchte, die jedoch ein so authentisches und glaubwürdiges Porträt einer Familie ergeben, dass man ihr wirklich jede Zeile und jedes Wort abnimmt. Genau so war und ist das Leben!

Ein Abgesang auf eine Generation, deren eingefahrene, starre Rollenverteilung immer mehr der Vergangenheit angehört und zugleich ein sonniges, lustiges Buch, das dem Leser klar macht, dass jeder Neuanfang auch Chancen birgt.
Selten lagen Lachen und Weinen so nahe beieinander wie bei der Lektüre dieses Romans – ein berührendes, grandioses Buch voller Liebe, Herzenswärme und großer Gefühle!

Ich bedanke mich sehr herzlich beim Kiepenheuer&Witsch Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Auf meine Meinung und Rezension des Buches hatte dies keinen Einfluss.

Beim Klick auf den Titel gibt es nähere Informationen zum Buch auf der Seite des Verlags.

Buchinformation:
Alina Bronsky, Barbara stirbt nicht
Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-00072-6

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich Alina Bronsky’s „Barbara stirbt nicht“:

Für den Gaumen (I):
Herr Schmidt lernt Kochen und entdeckt für sich ungeahnte Fähigkeiten und Möglichkeiten – ein kulinarischer Höhepunkt ist seine selbstgemachte Birnenmarmelade aus Früchten vom eigenen Baum. Eine Leistung, die ihn mit Stolz erfüllt:

„Die Marmelade hatte die perfekte Konsistenz, sie rutschte im richtigen Tempo an den Glaswänden herunter, war nicht zu flüssig, nicht zu fest. Wenn man sie gegen das Licht hielt, schimmerten die Fruchtstücke golden durch.“

(S.234)

Für de Gaumen (II):
Sich bei diesem Buch nur mit einem kulinarischen Tip zu begnügen, würde dem Ganzen nicht gerecht werden: Daher der zweite Streich: Barbara, die russische Wurzeln hat, wünscht sich nichts sehnlicher als Borschtsch. Nach anfänglichem Widerstand kapituliert Herr Schmidt irgendwann und wagt sich an dieses Abenteuer.

Zum Weiterlesen:
Beim Lesen musste ich ständig an den eingängigen und markanten Titel von Joachim Fuchsberger’s Buch denken: „Altwerden ist nichts für Feiglinge“ – das trifft den Inhalt von „Barbara stirbt nicht“ ziemlich gut.
Ich habe Fuchsberger’s Buch über das Älterwerden (noch) nicht gelesen, doch werde ich das zu gegebener Zeit sicher nachholen. Durfte ich ihn als großartigen Schauspieler und feinen Menschen doch sogar selbst noch live auf der Bühne erleben – ein Theater-Erlebnis, das ich nicht vergessen werde.

Joachim Fuchsberger, Altwerden ist nichts für Feiglinge
Goldmann
ISBN: 978-3-442-17419-5

Abschiede in Eiseskälte

Uwe Wittstock hat mit „Februar 33 – Der Winter der Literatur“ den Beweis angetreten, dass Sachbücher den Leser fesseln können und die Geschichte eines der dunkelsten Monate in der deutschen Geschichte auf packende und intensive Weise auf nicht ganz 300 Seiten konzentriert. Wenige Wochen, die für viele Intellektuelle und Schriftsteller*innen im Land alles veränderten – die Abkehr von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit hin zu einer Diktatur, welcher viele Literaten und Literatinnen binnen weniger Wochen den Rücken kehrten. Die neuen Machthaber zwangen sie ins Exil. Das Zeitfenster für eine mögliche Flucht war meist nicht groß.

Wittstock zeichnet diese entscheidenden Tage des Februar 1933 nach, skizziert die wichtigsten politischen Ereignisse und Veränderungen – Machtergreifung, Reichstagsbrand, Straßenkämpfe. Er erzählt Anekdoten und Szenen aus dem Leben zahlreicher Autoren und Autorinnen, wie z.B. den Manns, Bertolt Brechts, Else Lasker-Schülers, Alfred Kerrs, Ricarda Huchs, Carl Zuckmayers und vieler anderer mehr nach und lässt ein atmosphärisches Bild der damaligen Zeit entstehen. Ein kalter Winter, in dem eine schwere Grippewelle in Berlin und dem ganzen Land wütet – Schulen werden geschlossen.

Schritt für Schritt und Kapitel für Kapitel beschreibt er, wie vielen nach und nach klar wird, dass sie in diesem Land keine Zukunft mehr haben werden und daher beginnen, ihre Flucht zu planen und in die Tat umzusetzen.
Protokollarisch in Form von kurzen Notizen am Ende der Kapitel, die jeweils einem Tag gewidmet sind, macht er zudem klar, wie viele Menschen damals tagtäglich ihr Leben bei politischen Auseinandersetzungen verloren.
Wie ein Teppich weben sich die unterschiedlichen Fäden und Szenen ineinander und machen dem Leser die Dramatik und das Überschlagen der Ereignisse klar.

Die schriftstellerische Elite verlässt ihre Heimat und flieht ins Ausland.
Heinrich Mann macht sich lediglich mit einem Handkoffer und einem Schirm auf den Weg in eine neue Zukunft:

„Er legt seinen Pass vor, die Männer studieren ihn gründlich, dann winken sie ihn durch. Gleich darauf dasselbe noch einmal bei den französischen Grenzern. Als er das andere, das linksseitige Rheinufer betritt, kann er aufatmen, er ist in Sicherheit. Deutschen Boden wird er bis zu seinem Tod nie wieder betreten.“

(S.164)

Manche wissen nicht, dass es ein Abschied für immer sein wird. Denn einige werden Deutschland nicht wiedersehen. So mancher glaubt, der böse Spuk wäre bald wieder vorbei und täuscht sich leider gewaltig.

„Für die Zerstörung der Demokratie brauchten die Antidemokraten nicht länger als die Dauer eines guten Jahresurlaubs. Wer Ende Januar aus einem Rechtsstaat abreiste, kehrte vier Wochen später in eine Diktatur zurück.“

(S.271)

Der Autor zeichnet ein großes Gemälde, beleuchtet viele Lebensläufe von Autorinnen und Autoren und macht unmissverständlich klar, dass es sich nicht um Einzelschicksale handelte. Viele Wege führten und endeten im Exil, auch wenn deutlich wird, dass sich nicht jeder gleich schnell für diesen Weg entschloss.

Wer aufmerksam liest, wird beängstigt auch so manche Parallele zur heutigen Zeit erkennen können. Daher ist dieses Buch auch ein wichtiges Werk mit einer klaren Botschaft: Demokratien können in kürzester Zeit zu Diktaturen werden.

Viele Bücher von Autoren, deren Schicksal Wittstock beschreibt, warten auf meinen Lesestapeln schon einige Zeit darauf gelesen zu werden: u.a. Werke von Lion Feuchtwanger, Oskar Maria Graf, Irmgard Keun oder Vicki Baum – um nur einige zu nennen. Vieles habe ich über die Jahre auch schon gelesen, aber die Vielfalt und der Reichtum der deutschen Literatur dieser Schriftstellergeneration, die mit all ihrer Kreativität und Intelligenz damals der Heimat den Rücken kehrte, ist so umfangreich und dicht, dass es faszinierend ist, sich dies durch diese Lektüre wieder einmal bewusst zu machen.

Und einige Werke und Autoren sind zusätzlich auf meine Wunsch- und Leseliste gewandert – ein anregendes und inspirierendes Buch, welches das ohnehin schon vorhandene Interesse an Literatur dieser Zeit noch zusätzlich verstärkt und vergrößert.

Ein hochinteressantes, spannendes und hervorragend geschriebenes Werk, das einen lebhaften und intensiven Eindruck dieser wenigen Wochen gibt, in welchen sich alles veränderte. Lebensplanungen wurden auf den Kopf gestellt, Hab und Gut sowie Familie und Freunde zurückgelassen. All dies so eindrücklich und intensiv vor Augen geführt zu bekommen, macht auch viele Jahrzehnte danach noch fassungslos. Geschichts- und Literaturinteressierte werden dieses Buch sehr zu schätzen wissen – ein großartiges, aufwühlendes Werk, das anhand dramatischer Lebenssituationen, Anekdoten und Szenen ein Stimmungsbild dieses Winters 1933 zeichnet, das sich einbrennt und unter die Haut geht.

Ich bedanke mich sehr herzlich beim C.H.Beck Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Auf meine Meinung und Rezension des Buches hatte dies keinen Einfluss.

Beim Klick auf den Titel gibt es nähere Informationen zum Buch auf der Seite des Verlags.

Buchinformation:
Uwe Wittstock, Februar 33 – Der Winter der Literatur
C.H. Beck
ISBN: 978-3-406-77693-9

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich Uwe Wittstock’s „Februar 33 – Der Winter der Literatur“:

Zum Weiterhören:
Bertolt Brecht’s und Kurt Weill’s „Dreigroschenoper“, die 1928 im Berliner Theater am Schiffbauerdamm uraufgeführt wurde, ist für mich Musik, die ich sofort mit dieser Zeit verbinde. Mackie Messer war im Februar 33 noch keine fünf Jahre alt. Auch Brecht’s und Helene Weigel’s Flucht, die zunächst sogar die Tochter zurücklassen mussten und erst später wieder zu sich holen konnten, wird von Wittstock beschrieben.

Zum Weiterlesen (I) oder für den nächsten Theaterbesuch:
Wenn wir schon einmal dabei sind, bleiben wir bei Bertolt Brecht:
Eines der letzten Stücke, das ich vor dem Ausbruch der Pandemie im Landestheater Niederbayern noch live sehen konnte, war „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“. 1941 im finnischen Exil verfasst, ist es die Parabel und das Theaterstück über die Machtergreifung und den Reichstagsbrand schlechthin.

Bertolt Brecht, Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui
Edition Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-10144-5

Zum Weiterlesen (II):
Wittstock’s Buch ist so reich an literarischen Anregungen, dass die Leseliste sich durch die Lektüre erneut enorm verlängert hat. Mir bisher unbekannt, aber mein Interesse geweckt hat unter anderem das Theaterstück „Der fröhliche Weinberg“ von Carl Zuckmayer.

Carl Zuckmayer, Der fröhliche Weinberg – Theaterstücke 1917-1925
Fischer Taschenbuch
ISBN: 978-3596127030

Unbefleckte Empfängnis

Ein Roman, in welchem eine britische Journalistin in den Fünfziger Jahren in einem Fall von unbefleckter Empfängnis recherchiert? Das nenne ich mal eine ausgefallene Idee und ich fragte mich: Worauf läuft das hinaus?
Clare Chambers hat mit „Kleine Freuden“ einen Überraschungserfolg in ihrer Heimat Großbritannien erzielt, der für den Women’s Prize for Fiction 2021 nominiert wurde. Aus meiner Sicht zu Recht, denn sie erzählt eine zu Herzen gehende Geschichte über liebenswerte Figuren, die den Leser in ihren Bann ziehen.

„Routinen können sehr hilfreich sein“, sagte Gretchen. „Vor allem, wenn man einen Haushalt führen muss. Aber sie müssen“ – sie breitete die Hände aus – „elastisch sein.“

(S.104)

Jean Swinney ist Lokalreporterin im Großbritannien der Fünfziger, d.h. in aller Regel berichtet sie über unspektakuläre Veranstaltungen, schreibt eine Kolumne über Haushaltstips und auch sonst ist ihr Leben alles andere als aufregend. Im Gegensatz zu ihrer Schwester, die mit Mann und Kindern in Afrika lebt und per Luftpost regelmäßig Bericht erstattet, lebt Jean immer noch zu Hause bei ihrer Mutter, die sie stets vollkommen mit Beschlag belegt und sich voll und ganz auf sie verlässt. So vergehen die Tage ohne große Höhen und Tiefen bis sie plötzlich mit einer unglaublichen Nachricht konfrontiert wird: da behauptet tatsächlich eine Frau als Reaktion auf eine Studie zur Parthenogese (der Entstehung von Nachkommen aus unbefruchteten Eiern), ihre zehnjährige Tochter Margaret wäre das Ergebnis einer unbefleckten Empfängnis. Sie nimmt Kontakt zu der Dame auf und beginnt zu recherchieren. Die Journalistin wittert die Chance auf eine sensationelle Schlagzeile. Sie lernt die Mutter Gretchen und das Mädchen Margaret kennen und schon bald merkt sie, dass sie das Ganze nicht als Spinnerei abtun kann und freundet sich immer mehr mit den beiden an.

„Aber Romantik sollte nicht das Vorrecht junger Menschen sein, nicht wahr?“

(S.216)

Die Begegnung mit den Tilburys bringt das eingefahrene Leben Jeans aus der Spur, bewegt sie dazu, sich Auszeiten vom Alltag zu nehmen und lässt sie verstärkt auch über sich und ihr Leben reflektieren.
Doch je mehr Nähe sie zulässt, desto mehr gefährdet die wachsende Freundschaft und die gemeinsame Zeit mit den neuen Bekannten auch ihre Unbefangenheit als Reporterin. Kann und will sie weiterhin über den Fall berichten und in Kauf nehmen, die Familie der medialen Öffentlichkeit und der Sensationslust der Menschen auszusetzen?

„Sie hatte entdeckt, dass man unmöglich denken, grübeln oder sich quälen konnte, während man laut vorlas. Der Haushalt, das Hören von Musik, Lesen oder irgendeine der anderen üblichen Ablenkungen konnten das Getöse in ihrem Kopf nicht zum Schweigen bringen.“

(S.398)

Für mich gab es große Parallelen zwischen Jean und dem Roman selbst. So vermeintlich unscheinbar beide anfangs daherkommen: Jean mit ihren praktischen und unauffälligen Wollröcken und dem von Routinen und Wiederholungen geprägten kleinbürgerlichen Leben zu Hause bei ihrer Mutter ist zunächst ebenso unspektakulär wie die Geschichte an sich. Bis auf die Sensationsnachricht des Verdachtsfalls auf unbefleckte Empfängnis kommt das zu Beginn alles sehr unaufgeregt daher: britisches Understatement, Häkeldeckchen, Urlaub in einem verschlafenen Seebad, Einkaufslisten, Nachbarschaftsgeplauder, all das in einem eher konservativen, britischen Milieu der Fünfziger – hier hätte sich auch die liebenswert verschrobene Miss Marple aus Agatha Christie’s Romanen wohlgefühlt.

Doch dann liest man weiter und bemerkt Seite für Seite, dass da noch viel mehr dahinter steckt. Dass auch in dieser Hauptfigur Jean Swinney so viel mehr schlummert: Wünsche, Sehnsüchte, Träume und die Suche nach einem erfüllten Leben. Und auch der Roman entfaltet sich plötzlich mehr und mehr und behandelt schließlich wirklich große Themen: Freundschaft, Liebe, Familie – der Spagat zwischen Verantwortung, Pflichtbewusstsein und individuellen, persönlichen Bedürfnissen. Was bedeutet Glück und was braucht es, um ein Leben als erfüllt betrachten zu können?

Vor dieser Rezension machte ich mir dieses Mal bewusst besonders viele Gedanken, wie viel ich von der Handlung preisgeben kann, damit der Zauber, der bei mir einsetzte, auch für potenzielle, zukünftige Leser noch vollumfänglich erhalten bleibt. So viel sei aber verraten: Das Buch entfacht einen Sog, der mich über die gut 420 Seiten getragen hat, bezaubert und auch das eine oder andere Mal überrascht hat.

Ein wunderbarer, einfühlsamer und bereichernder Roman über die Gedankenwelt und inneren Stürme einer Frau im Zwiespalt zwischen Konvention und dem steten Bedachtsein, welche Außenwirkung die eigenen Handlungen in der Gesellschaft und dem sozialen Umfeld haben, und der Selbstentfaltung verbunden mit großen Gefühlen auf der anderen Seite.

Ein Buch über unbefleckte Empfängnis in den Fünfziger Jahren erschienen im Jahre 2020 bzw. 2021 – wie löst sich das auf und kann das funktionieren? Ja, definitiv, diesen Beweis hat Clare Chambers mit „Kleine Freuden“ erbracht. Hier kann ich mich den Lesern in Großbritannien und der Jury des Women’s Prize for Fiction nur anschließen und wünsche mir, dass der Roman auch in der feinen, deutschen Übersetzung von Karen Gerwig begeisterte Leser finden wird.

Ich bedanke mich sehr herzlich beim Eisele Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Auf meine Meinung und Rezension des Buches hatte dies keinen Einfluss.

Beim Klick auf den Titel gibt es nähere Informationen zum Buch auf der Seite des Verlags.

Buchinformation:
Clare Chambers, Kleine Freuden
Aus dem Englischen von Karen Gerwig
Eisele
ISBN: 978-3-96161-116-4

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich Clare Chamber’s „Kleine Freuden“:

Für den Gaumen:
Herrlich britisch fand ich das Sandwich mit Cheddar und Grünem Tomaten-Chutney, das mit Blick auf den Strand verspeist wird. Darüber hinaus werden im Roman Äpfel und „Cobnuts“, d.h. Haselnüsse geerntet.

Zum Weiterspielen:
Jean verbringt mit ihrer Mutter einen teilweise verregneten Urlaub in Lymington – dort frönen sie zum Zeitvertreib einem Spiel, das auch ich amüsanterweise mit Urlaubserinnerungen verbinde:

„Sie standen so spät auf, wie es statthaft war, und zogen nach einem warmen Frühstück in den Hotelsalon um, wo sie Rummy spielten (…)“

(S.249)

Zum Weiterlesen:
Der Charakter der alleinstehenden Frau oder „ledigen Tante“ in den Fünfziger oder Sechziger Jahren wurde auf großartige, amüsante und liebenswerte Weise auch von Ursula März in einem meiner Lieblingsbücher des letzten Jahres „Tante Martl“ thematisiert.

Ursula März, Tante Martl
Piper
ISBN: 978-3-492-31682-8

Augustbowle 2021 – Waschküche und Draußenzeit

Statt dem erhofften stabilen Sommerwetter hatte der August viel Waschküche im Programm: viel Regen, hohe Luftfeuchtigkeit und doch bot sich ein wenig mehr „Draußenzeit“ an. So konnte auch die Außengastronomie sich zumindest ab und zu wieder über mehr Gäste freuen, auch wenn die Zahl der richtig lauen Sommerabende dieses Jahr wohl zumindest gefühlt eher einstellig geblieben ist.

Ein wunderschöner Abend, der eigentlich auch für „draußen“ geplant war und dann doch „drinnen“ stattgefunden hat, war der Liederabend von Christian Gerhaher und Gerold Huber im Landshuter Rathausprunksaal – ein besonderer Abend, über den ich schon ausführlich berichtet habe.

Die Salzburger Festspiele standen dieses Jahr unter anderem im Zeichen von Mozart’s Oper „Don Giovanni“, die noch bis zum 05. November 2021 auf ARTE Concert zu sehen ist. Achtung, da kommt so einiges von oben auf die Bühne gekracht… die Neuinszenierung von Romeo Castellucci sorgte durchaus für Diskussionen.

Einen Grund zu Feiern gab es diesen Monat ebenfalls: am 14. August durfte meine Kulturbowle ihren ersten Jahrestag feiern – stilecht mit einer Himbeer-Heidelbeer-Geburtstags-Bowle. Und ich freute mich über die zahlreichen, schönen Rückmeldungen in den Kommentaren. Danke!

Im Haus der bayerischen Geschichte in Regensburg läuft aktuell (vom 23. Juni 2021 bis zum 16. Januar 2022) die bayerische Landesausstellung „Götterdämmerung II – Die letzten Monarchen“. Eine für meinen Geschmack sehr gut gemachte, kurzweilige, informative und interessante Ausstellung, die sich lohnt. Der Museums- und Ausstellungsbesuch hat mir viel Freude gemacht (vielleicht finde ich demnächst noch die Zeit, ausführlicher zu berichten) und die Stadt Regensburg ist sowieso immer einen Ausflug wert.

Der August entpuppte sich dieses Mal als etwas schwächerer Lesemonat für mich. Gerade einmal fünf Bücher habe ich gelesen. Auch hier merkt man, dass es diesen Monat möglich war, mehr Zeit draußen und mit anderen Aktivitäten zu verbringen.
Die fünf Bücher, welche es in meinen August geschafft haben, waren aber allesamt lesenswert:
Einen herrlich britischen Krimischmöker, der mir das regnerische Wetter auf der Couch mit Tee erträglich machte, war Susan Hill’s „Schattenrisse“. Der erste Fall von Inspektor Serrailler im Kathedralenstädtchen Lafferton überzeugte mich mit stimmigen Figuren, einer durchdacht erzählten Geschichte und konnte mich zugleich mit einer unerwarteten Wendung überraschen.

Für eine Theaterbegeisterte wie mich war Klaus Pohl’s Roman „Sein oder Nichtsein“, der jetzt endlich auch einen Verlag gefunden hat und als Buch erschienen ist, ein ganz besonderes Leseerlebnis. Der Blick hinter die Kulissen der „Hamlet“-Inszenierung von Peter Zadek aus dem Jahr 1999, der zugleich tief in die Seelen der beteiligten Schauspieler blicken lässt, ist ein Fest für alle, die Literatur und Theater lieben. Dass das „literarische Quartett“ den Roman ebenso positiv besprochen hat, wie ich in meiner Rezension (bereits ein paar Tage zuvor), freut mich daher sehr.

Schon bald werde ich auch ausführlich über Clare Chambers „Kleine Freuden“ berichten. Ein charmanter und liebenswürdiger Roman aus Großbritannien, der über eine Journalistin im London der 50er Jahre erzählt, die recherchiert, ob es tatsächlich einen Fall unbefleckter Empfängnis gegeben hat. Was das werden soll? Lasst Euch überraschen.

Die literarische Bewegung der Harlem Renaissance erfährt derzeit ebenfalls wieder eine Renaissance. Mit Wallace Thurman’s „The Blacker the Berry“ habe ich eines der wichtigsten Werke und einen Schlüsselroman dieser Strömung aus dem Jahr 1929 gelesen, der jetzt in einer deutschen Erstausgabe vorliegt. Ein intensives, schmerzhaftes und ungemein wichtiges Buch über Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung.

Last but not least: Uwe Wittstock „Februar 33 – Der Winter der Literatur“ – ein großartiges Sachbuch über diesen entscheidenden, einschneidenden und dunklen Monat in der deutschen Geschichte, der so viele Literaten und Schriftsteller gezwungen hat, ihre Heimat zu verlassen und sich ins Exil zu begeben. Wenige Tage voller dramatischer Veränderungen, die der Autor konzentriert und dicht für den Leser auffächert und einordnet.

Was bringt der September?
Die neue Spielzeit am Landestheater Niederbayern geht los und ich freue mich schon riesig auf die erste Premiere des Schauspielensembles: „The King’s Speech“. Ein Stück, das sicherlich mit großen Rollen fantastische Möglichkeiten gibt, zu brillieren und da ich schon den Film sehr mochte, bin ich sehr neugierig und voller Vorfreude auf die Liveversion im Theater.

Ein bereits liebgewordene Tradition im September ist auch die Übertragung der „Last Night of the Proms“ aus der Royal Albert Hall in London: dieses Jahr auf 3Sat zu sehen am Samstag, den 11. September 2021 um 22.15 Uhr oder ab 20.00 Uhr bereits in voller Länge live im Radio zu hören bei NDR Kultur.

Am Freitag, den 17. September 2021 um 19.00 Uhr überträgt die Bayerische Staatsoper kostenfrei per Livestream „Oper für alle: Konzert für Bayern“ vom Karlsplatz in Ansbach mit Jonas Kaufmann und Ekaterina Semenchuk – ein buntes Programm aus Mittelfranken unter der musikalischen Leitung des neuen Generalmusikdirektors Vladimir Jurowski.

Viele Bloggerkollegen haben in den letzten Wochen eine Sommerpause eingelegt oder waren im Urlaub und kehren jetzt schön langsam wieder ins Geschehen zurück. Auch meine Monatsbowle ist im August (vermutlich auch aufgrund der geringeren Lektüre) ein wenig kürzer als sonst ausgefallen – vielleicht ist das meine reduzierte Form der Sommerpause.

Aber einige fotografische Sommerimpressionen aus diesem Monat möchte ich natürlich – wie mittlerweile üblich – noch mit Euch teilen.

In Niederbayern herbstelt es in den letzten Tagen schon deutlich, aber auf einen schönen Altweibersommer darf man ja vielleicht noch hoffen. So wünsche ich allen einen guten Start in den September und falls der Sommer nicht noch einmal zurückkehren will, eben gleich einen schönen Herbst!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

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Gaumen-Highlight August:
Ein Höhepunkt im August war sicherlich die Himbeer-Heidelbeerbowle zur Feier meines einjährigen Blogjubiläums. Frische Beeren, Wein, prickelnder Sekt, gute Laune und dazu die zahlreichen Gratulationen und freundlichen Kommentare meiner Leser haben mich sehr gefreut. So geht man motiviert ins zweite Bloggerjahr.

Musikalisches im August:
Auch wenn ich den Film dieses Mal nicht in voller Länge gesehen habe: die „Blues Brothers“ liefen im August ebenfalls wieder mal im Fernsehen. Musik, die mich schon lange begleitet und spätestens seit einer genialen Inszenierung der Musicalversion meines Heimattheaters in der Spielzeit 2018/2019 wieder mit unsterblichen Ohrwürmern wie „Everybody needs somebody to love“, „Gimme some lovin“, „Think“ und so weiter und so weiter… stets gut gelaunt werden lässt.

„All the world’s a stage,
And all the men and women merely players;
They have their exits and their entrances;
And one man in his time plays many parts…“

(William Shakespeare, „As you like it“)

Schatten und Schattierungen

Bereits 1929 hat Wallace Thurman seinen Roman „The Blacker the Berry“ veröffentlicht, der als eines der Hauptwerke und als Schlüsselroman der Harlem Renaissance gilt. Dass dieser Roman nun auch in einer deutschen Erstausgabe erscheint, belegt, wie wichtig die aktuelle Auseinandersetzung mit den Themen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung auch heute noch ist.

Die Szenen, die Thurman – gespeist durch seine persönlichen autobiografischen Erfahrungen im Harlem der späten Zwanziger Jahre – beschreibt, sind leider in großen Teilen immer noch hochaktuell, legen den Finger in unverheilte Wunden und schmerzen bei der Lektüre.

Dem Buch ist die afroamerikanische Volksweisheit vorangestellt, die ihm auch den Titel gegeben hat:

„The blacker the berry, the sweeter the juice…“

Und schon hier klingt durch die Steigerungsform an, dass es selbst innerhalb des Schwarzen Unterschiede zu geben scheint. Und es sind diese Unterschiede, Schattierungen und Nuancen, welche Thurman ins Zentrum seines Romans stellt.

Eine sprachliche Herausforderung – auch für die Übersetzerin – welche sich dazu entschieden hat, einer Skala zu folgen, „die Fran Ross in ihrem 2015 wiederentdeckten Buch Oreo (1974; dt. 2019 von Pieke Biermann) zusammengestellt hat“ (S.215), wie sie in einer Anmerkung am Ende des Buches erläutert. Demnach liegen zwischen white/weiß und black/schwarz noch acht weitere Schattierungen, die im US-amerikanischen Sprachgebrauch für die Selbstbezeichnung der Hautfarben vorkommen und welche auch Thurman verwendete.
Bereits der erste Satz des Romans macht klar, worum es gehen wird und wo auf dieser Skala sich Emma Lou – die Hauptfigur – einordnet:

„Schwerer als jemals zuvor spürte Emma Lou die Bürde ihrer tiefschwarz glänzenden Haut, spürte wieder den Fluch dieser Farbvariante, die sie so deutlich von den Menschen ihrer Umgebung unterschied. Nicht dass es ihr grundsätzlich etwas ausmachte, eine Schwarze zu sein, was natürlicherweise eine dunkle Hautfarbe mit sich brachte, aber es machte ihr etwas aus, viel zu schwarz zu sein.“

(S.7)

Emma Lou wächst in Boise in Idaho auf und erfährt bereits früh, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe in vielen Aspekten ausgegrenzt und benachteiligt wird. Sei es in der Schule oder im kalifornischen College in Los Angeles, das sie im Anschluss besucht – in der Hoffnung auf mehr Toleranz, Offenheit und Chancengleichheit – und doch wieder auf Ablehnung stößt.

Ihr junges Leben ist geprägt von großer Einsamkeit und meist vergeblichen Bemühungen, Kontakte zu knüpfen, Freundschaften zu schließen oder gleichberechtigte Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen.
Auch der Umzug nach New York und in das Harlem der Zwanziger Jahre – wo sie trotz Studium zunächst lediglich als persönliche Assistentin einer erfolgreichen Sängerin arbeiten kann – scheint nicht allzu viel zu ändern.

Immer wieder gerät sie an Menschen, welche ihr nicht auf Augenhöhe begegnen, sie nicht respektvoll behandeln und sie ausnutzen. Mehr als einmal wird ihre Gutmütigkeit und ihr Wunsch nach menschlicher Nähe missbraucht, um sie auszubeuten. Dass sie die Diskriminierung auch innerhalb der People of Colour erfährt, wird in Thurman’s Schilderungen ein ums andere Mal deutlich.

Der Autor lässt uns tief in Emma Lou’s Seelenleben und Gedankenwelt eintauchen und beschreibt eindrucksvoll, wie sie auch versucht, aus Niederlagen zu lernen und an ihrer Zukunft zu arbeiten. Dass sie dabei jedoch auch selbst nicht frei von Vorurteilen Anderen gegenüber ist, macht den Charakter um so glaubwürdiger und vielschichtiger.

„Sie war des Herumirrens in Sackgassen so überdrüssig, die sich alle kreuzten und vor stets derselben leeren Wand endeten.“

(S.202)

Besonders interessant fand ich, wie Thurman das Harlem der Zwanziger Jahre, die Atmosphäre, die Nachtclubs und das alltägliche Leben eingefangen hat. So wird der Roman auch zu einem authentischen Zeitdokument aus erster Hand.

Rassismus, Alkoholismus, Drogen, Arbeitslosigkeit, aussichtslose Kämpfe und zerplatzte Träume – schonungslos bringt Thurman die Schattenseiten, Ungerechtigkeiten und Probleme der damaligen Zeit zu Papier. Als Leser schluckt man mehr als einmal, wenn einem durch die Lektüre so wieder bewusst und vor Augen geführt wird, dass sich bei vielen Missständen bis heute immer noch viel zu wenig geändert hat.

Ein wichtiges Buch, ein schmerzhaftes Buch und ein Werk, das authentisch und schonungslos zahlreiche Facetten des Rassismus und der Diskriminierung behandelt und so den Ausgegrenzten ein Gesicht und eine Stimme gibt, die man nach der Lektüre nicht mehr vergisst.

Wallace Thurman gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Harlem Renaissance. Er war Mitbegründer des literarischen Journals Fire!!, das zu den wichtigsten Veröffentlichungen dieser künstlerischen Bewegung gehörte.
Er verfasste drei Romane und starb bereits im Alter von 32 Jahren an Tuberkulose.

Ich bedanke mich sehr herzlich beim ebersbach & simon Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Auf meine Meinung und Rezension des Buches hatte dies keinen Einfluss.

Beim Klick auf den Titel gibt es nähere Informationen zum Buch auf der Seite des Verlags.

Buchinformation:
Wallace Thurman, The Blacker the Berry
Aus dem Amerikanischen von Heddi Feilhauer
ebersbach & simon
ISBN: 978-3-86915-246-2

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich Wallace Thurman’s „The Blacker the Berry“:

Für den Gaumen:
Kulinarisch gibt es im Roman wenig attraktive Anregungen, vielmehr leidet Emma Lou unter der Einseitigkeit des Speiseplans ihrer Zimmerwirtin und den damit verbundenen Gerüchen, die sie in ihrem Zimmer erdulden muss:

„Und es roch fast immer nach gebratenem Fisch oder gekochtem Kohl.“

(S.83)

Zum Weiterhören:
Der Verlag hat den Roman dankenswerterweise mit einem Nachwort von Karl Bruckmaier, biografischen Hintergründen und Anmerkungen der Übersetzerin Heddi Feilhauer ergänzt, die helfen, das Werk besser zu verstehen und einordnen zu können.
So schreibt Bruckmaier über die Zeit und verortet sie auch musikalisch:

„Wir sind zeitlich mittendrin zwischen den beiden Weltkriegen, zwischen Boom und Wirtschaftskrise. Zwischen Duke Ellington und Cab Calloway auf der einen und einem Paul Whiteman auf der anderen Seite.“

(S.208)

Zum Weiterlesen:
Anfang des Jahres habe ich Thomas Mullen’s Kriminalroman „Darktown“ hier auf dem Blog vorgestellt. Dieser erzählt von einer PoC-Polizeieinheit im Atlanta des Jahres 1948 – eine andere Art und Weise, sich mit dem Thema Rassismus auseinanderzusetzen.

Thomas Mullen, Darktown
Übersetzung: Berni Mayer
Dumont
ISBN: 978-3-8321-8353-0

Spanische Geständnisse

Es ist wieder einmal soweit: die Europabowle oder Literarische Europareise geht weiter und führt mich dieses Mal nach Spanien – genau genommen nach Barcelona und Umgebung. Jaume Cabré hat mit „Eine bessere Zeit“ einen Familienroman verfasst, der über mehrere Generationen hinweg die Geschichte einer Fabrikantenfamilie erzählt.

„Statt mir ein Flugticket zu kaufen und mir in Indien irgendein ausgefallenes Fieber zu holen oder mich wie ein Wilder zwischen die Schenkel williger Bekanntschaften zu stürzen, beschränkte ich mich darauf, ein Konzertabonnement für den Palau de la Música zu erstehen und das pralle Leben anderen zu überlassen, mal sehen, ob sie sich weniger dumm anstellten.“

(S.33)

Júlia bittet Miquel, den Spross einer ehemals betuchten Textilfabrikantenfamilie zu einem gemeinsamen Abendessen. Es knistert zwischen den beiden, aber in erster Linie möchte sie mehr über den Tod eines gemeinsamen Freundes erfahren.

Miquel beginnt sich zu erinnern und eine lange, traurige Geschichte zu erzählen – die Geschichte einer Freundschaft, die zu Schulzeiten begann, die Jahre überdauerte und beide bis in den Untergrund und in eine terroristische Gruppierung führte. Eine Geschichte über Schuld und Schuldgefühle und zugleich die Geschichte seiner Familie und seiner Vorfahren – Aufstieg und Niedergang einer Dynastie.

„Unsere Familie ist eine prächtige Fassade mit damastgeschmückten großen Balkonen, die bei den Leuten Bewunderung weckt. Viele Generationen lang haben sämtliche Gensanas vor allem eines versucht: einen Skandal zu vermeiden. In den letzten zweihundert Jahren haben wir viel Wäsche beschmutzt, aber wir haben sie immer in unserem Waschraum gewaschen.“

(S.233)

Im Roman kommen vor allem die männlichen Familienmitglieder der Gensanas zu Wort und alle scheinen sich Vieles von der Seele zu reden. So erzählt der Onkel dem Neffen sein Schicksal und seine Version der Familiengeschichte und Miquel beichtet beim Abendessen Júlia über sich und sein Leben.

„Und nun denke ich, dass du für dich allein genommen eine ganze Universität warst und ich ihr einziger Student, der dein Wissen nicht zu nutzen wusste, weil ich in meinen Krieg gezogen bin und Torheit und Vernunft nicht in Einklang zu bringen vermochte.“

(S.373)

Der Roman ist aufgebaut wie ein Musikstück in vier Sätzen: Andante, Allegretto, Allegro, Adagio. Die Musik ist für Miquel Zufluchtsort und Medizin. Durch sie trifft er die große Liebe – sie zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben und den Roman. Miquel liebt die Kunst und sträubt sich dagegen, er flieht davor, Verantwortung im Familienunternehmen zu übernehmen und entzieht sich dem Erbe. Er bricht mit der Tradition. So geht letztlich auch das Elternhaus verloren, in das schließlich ein Restaurant einzieht – genau jenes Restaurant, das Júlia mit ihm besuchen möchte und so sitzt er letztlich in seinem ehemaligen Wohnzimmer und erzählt.

„Ich bin ein Sonderfall, mein Sohn, weil ich als zweite Generation den zweiten Teil des Axioms hätte befolgen müssen, das besagt, dass die erste Generation das Vermögen erschafft, die zweite es vermehrt und die dritte es in Whisky vertrinkt.“

(S.397)

Der Roman hat mich durchaus gefordert – man braucht eine gewisse Ausdauer, Beharrlichkeit und einen langen Atem. An einigen Stellen hatte ich Schwierigkeiten mit der für mich oft allzu männlichen Perspektive – die weibliche Seite kam für meinen Geschmack in diesem Roman etwas zu kurz.

Und doch gibt es auch poetische, schwelgerische und kluge Passagen, die sehr schön sind und die Lektüre lohnenswert machen, wunderschöne Textstellen, die man sich notieren und merken möchte. Mir persönlich hatten es vor allem die Anklänge an Kunst, Literatur und die Musik angetan, die mich in Summe wieder versöhnlich stimmten. Sprachlich kann Cabré überzeugen, auch wenn nicht alle Figuren Sympathieträger sind. „Die Stimmen des Flusses“, der bekanntere Roman des Autors, den ich vor vielen Jahren gelesen habe, hat mir persönlich etwas besser gefallen.

Und doch ist auch „Eine bessere Zeit“ ein mächtiger, praller Roman mit weit über 500 Seiten, der große Fragen thematisiert: ist man verpflichtet, ein Familienerbe weiterzuführen? Wie kann man mit einer großen Schuld, die man auf sich geladen hat, weiterleben? Was ist ein gelungenes Leben und was bedeutet Glück für den Einzelnen?

Weitere Besprechungen gibt es beim Leseschatz und Literaturreich.

Die bisherigen Stationen meiner Europabowle oder Literarischen Europareise haben mich nach Finnland, Irland, Italien, Österreich, Dänemark, Rumänien, Griechenland und die Schweiz geführt – wer neu auf die Kulturbowle gelangt ist und noch weiterreisen oder nachlesen möchte, was bisher geschah, kann dies auf den farbig hinterlegten Länderbezeichnungen gerne tun. Weitere Stationen sind in Planung und werden folgen.

Buchinformation:
Jaume Cabré, Eine bessere Zeit
Aus dem Katalanischen von Kirsten Brandt und Petra Zickmann
Insel Taschenbuch 4716
ISBN: 978-3-458-36416-0

***

Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich Jaume Cabré’s „Eine bessere Zeit“:

Für den Gaumen:
Obwohl das Abendessen zwischen Miquel und Júlia den Rahmen für diesen Roman abgibt, spielt das Essen selbst eine wirklich untergeordnete Rolle. Zu Beginn schwankt sie zwischen „dem Filet und dem Entrecôte“ (S.13) – das lässt bei mir noch kein großes kulinarisches Kopfkino entstehen… aber ein gutes Gläschen spanischer vino tinto passt durchaus zur Lektüre.

Zum Weiterhören:
Kunst – vor allem die Musik und der Palau de la Música Catalana sind im Roman immer wieder präsent. So werden teils mit Notenbeispielen versehen, ganze Konzerte ausführlich beschrieben: Das Rimsky-Trio (Geige, Cello und Klavier) spielt Schubert, Schostakowitsch und Brahms – ein Schlüsselerlebnis für Miquel.

Zum Weiterlesen:
Wie ist es um die spanischen Literaturnobelpreisträger bestellt? Es sind bisher fünf an der Zahl: José Echegaray, Jacinto Benavente, Juan Ramón Jiménez, Vicente Alexander und Camilo José Cela – ich muss gestehen, dass ich da bisher lektüretechnisch nichts vorzuweisen habe.
In meinem Regal stehen von spanischen Autoren jedoch zum Beispiel „Einsteins Versprechen“ von Àlex Rovira und Francesc Miralles und natürlich „Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón.

Carlos Ruiz Zafón, Der Schatten des Windes
Übersetzt von: Peter Schwaar
Fischer Taschenbuch
ISBN: 978-3-596-19615-9

Blick hinter den Vorhang

Ein Theaterroman – das ist für mich die perfekte Verbindung zweier Leidenschaften, die mich magisch anziehen: Theater und Literatur. Kein Wunder also, dass ich Klaus Pohl’s „Sein oder Nichtsein“ unbedingt sofort lesen und hier auf der Kulturbowle vorstellen wollte.

1999 versammelte der große Theaterregisseur Peter Zadek das damalige „Who is who“ des deutschen Theaters um sich und studierte in Straßburg Shakespeare’s „Hamlet“ mit ihnen ein, der später auch auf den Wiener Festwochen aufgeführt werden sollte. Die Hauptrolle besetzte er mit einer Frau: Angela Winkler. Der Autor des Romans Klaus Pohl spielte den Horatio, Ulrich Wildgruber war Polonius, Eva Mattes Gertrud, Otto Sander König Claudius und Uwe Bohm gab den Laertes, um nur einige zu nennen. Eine wahrhaft hochkarätige Schauspielerriege, welche während der intensiven Probenzeit mehr als einmal an ihre Grenzen und darüber hinaus geführt wurde. Die Inszenierung wurde damals ein überwältigender Erfolg und zog auch aufgrund der skandalumwitterten Probenzeit und des Staraufgebots große Aufmerksamkeit auf sich.

Klaus Pohl führte damals ein ausführliches Tagebuch, das er nun in einen interessanten und kunstvollen Roman überführt hat. So kann man 22 Jahre später noch einmal hautnah am Probengeschehen teilhaben, ein wenig (Theater)mäuschen spielen und ist dabei, wenn geliebt, gehasst, gestritten und gehadert wird.
Seinen zum Teil mittlerweile verstorbenen Kollegen wie Ulrich Wildgruber oder Otto Sander setzt der Autor somit ein literarisches Denkmal.

„Ich kann alles sein, dachte er. Ich habe ein solches Gesicht, auf dem jeder Gedanke sichtbar wird.“

(S.18)

Pohl erzählt über die Zeitspanne vom Eintreffen der Darsteller in Straßburg über die gesamte Probenzeit hinweg bis zur Generalprobe und der Premiere.
Schonungslos und mit entwaffnender Offenheit erzählt er aus dem Probenalltag und der intensiven Zeit, welche die Theatertruppe gemeinsam er- und durchlebte.
Er berichtet von Angela Winkler’s großen Zweifeln, ob sie als Frau dieser Mammutaufgabe des Hamlet gewachsen sein kann. Mehr als einmal flieht sie vor der übermächtigen Bürde der Rolle und bleibt den Proben fern, bis Peter Zadek sie wieder zurückholt, zur Räson bringt und zu einer schauspielerischen Höchstleistung anspornt.

„Wir alle haben Angst. Theaterkinder werden unter Angst geboren. Gegen Textangst hilft nur eines: Text lernen!“

(S.81)

Er legt gleichsam die Schauspielerseele bloß, all die Zweifel an eigenem Können, Angst vor langen Textpassagen, das Hadern mit der Rolle oder dem Alter. Da geht es um Rosenkavaliere, Zahnprobleme, Textschwierigkeiten, Neid auf die Rollen anderer, Wodka-Abstürze und Zechgelage.

„Es ist ein merkwürdiges Leben, das wir Schauspieler haben“, sagte er schließlich. „Es geht ja in unserer Arbeit immer um die menschliche Seele. Sie ist kein dressierbares Tierchen.“

(S.114)

Das Buch zieht einen in den Bann und man bekommt einen Eindruck, wie nahe tiefes Leid, Selbstzweifel und berauschende Hochgefühle und Erfolgserlebnisse bei sensiblen Künstlern beieinander liegen. Es sind große Emotionen, welche diesen kreativen und künstlerischen Schaffensprozess begleiten.

Theater ist etwas Flüchtiges. Im Normalfall kann man den schönen, gerade erlebten Theaterabend nicht festhalten (auch wenn es jetzt natürlich Aufnahmen und Livestreams gibt). Der Zauber einer Aufführung ist dennoch vergänglich und nicht wiederholbar. Gleiches gilt für die Probenzeit und um so spannender ist daher dieser Roman Klaus Pohl’s, der diesem Phänomen – dank der umfassenden Tagebucheinträge – ein Schnippchen schlägt.

„Es sind die letzten 200 Tage dieses Jahrtausends, Peter, das schließlich auch das Jahrtausend Shakespeares gewesen ist. Es ist alles immer vorbei, sobald es passiert ist. Dagegen schreibe ich mein Tagebuch, ich schreibe ein Buch gegen das Vergessen. Ich bleibe bei dem, was vor sich geht. Vieles überspringe ich. Manches erfinde ich. Die Zeit ist zeitlos!“

(S.220)

Pohl schreibt Szenen, die im Kopf bleiben, sich einbrennen und lange nachhallen und er bewahrt somit die Erinnerung an ein außergewöhnliches Stück, eine einzigartige Inszenierung und an geschätzte Künstlerkollegen.

Der Roman, der anfangs keinen Verlag fand und den Pohl daher 2017 zunächst auf Lesungen dem Publikum zugänglich machte, wurde live und später als mitgeschnittenes Hörbuch ein Riesenerfolg. Schön, dass der Roman bei Galiani Berlin jetzt auch endlich als Buch erschienen ist.

Ein faszinierendes Stück Literatur, das den Leser endlich auch einmal den Blick hinter den Vorhang und die Kulissen erhaschen lässt: auf private Dramen, Probentränen und pralles Theaterleben. So wird erfahrbar, wie eine Inszenierung und wie Kunst entsteht. Ein Tor zu einer anderen, schillernden, kreativen, wilden, sensiblen, gefühlsgeladenen und glanzvollen Welt, das Klaus Pohl hier mit „Sein oder Nichtsein“ ganz weit für den Leser aufstößt. Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt – ein grandioses Buch für alle, die Theater lieben.

„Der Rest ist Schweigen“

(aus William Shakespeare, Hamlet, 5. Aufzug 2. Szene)

Ich bedanke mich sehr herzlich beim Galiani Berlin Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Auf meine Meinung und Rezension des Buches hatte dies keinen Einfluss.

Beim Klick auf den Titel gibt es nähere Informationen zum Buch auf der Seite des Verlags.

Buchinformation:
Klaus Pohl, Sein oder Nichtsein
Galiani Berlin
ISBN: 978-3-86971-243-7

***

Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich Klaus Pohl’s „Sein oder Nichtsein“:

Für den Gaumen:
Während der Probenzeit frönt die Theatertruppe in Straßburg auch der elsässischen Küche. Da gibt es Herzhaftes, wie zum Beispiel „Jambon en croûte“ – Krustenschinken.

Zum Weiterlesen (I):
Zur Aufheiterung schenkt Klaus Pohl seiner Kollegin Angela Winkler ein rotes Fahrrad. Der Fahrradverkäufer ist ein großer Verehrer von Honoré de Balzac und als der Schauspieler den Beginn seines Lieblingsromans „Eugénie Grandet“ auswendig zitieren kann, ist dieser restlos begeistert.
Vielleicht sollte ich diese Bildungslücke bei Zeiten schließen, denn diesen Roman habe ich bisher noch nicht gelesen:

Honoré de Balzac, Eugénie Grandet
Aus dem Französischen von Gisela Etzel
Insel
ISBN:  978-3-458-32827-8

Zum Weiterlesen (II) bzw. für einen Theaterbesuch:
Es hilft bei der Lektüre von „Sein oder Nichtsein“ den „Hamlet“ zumindest in den Grundzügen zu kennen. Es lohnt sich also gegebenenfalls wieder einmal nachzulesen oder am besten bei Gelegenheit den Klassiker wieder einmal im Theater zu sehen. Im Münchner Residenztheater zum Beispiel steht er im Herbst wieder auf dem Spielplan.

William Shakespeare, Hamlet
Übersetzung: August Wilhelm Schlegel
Reclam
ISBN:  978-3-15-000031-1

Geburtstagsbowle Nr.1

Ein Jahr Kulturbowle – unglaublich, aber wahr. Heute vor einem Jahr habe ich meinen ersten Beitrag auf diesem Blog veröffentlicht und mein neues Abenteuer begonnen. Corona hatte die Welt im Griff, an eine Impfung war noch nicht zu denken und statt einer Sommerurlaubsreise hatte ich mich entschieden, diese neue Reise zu beginnen. Am 14. August 2020 ging mein Beitrag „Auf zu neuen Ufern“ hinaus in die Welt – meine kreativ-trotzige Antwort auf die Pandemie.

So viel Mut hatte ich mir vorher gar nicht zugetraut, ich war gespannt, wie sich alles entwickeln würde und wurde mehr als positiv überrascht.
Ein Jahr, das trotz der Ausnahmesituation und der außergewöhnlichen Umstände dann doch schnell vergangen ist – auch dank meiner Bowle, die mir in dieser Zeit sehr viel Freude und Ablenkung bereitet hat.
Das Bloggen erwies sich gerade in Zeiten des Social Distancing als wahrer Glücksfall und sehr schönes, neues Hobby, das einen mit Gleichgesinnten, kulturell interessierten und kreativen Menschen in Verbindung bringt.

Vieles ist seitdem passiert: ich durfte viele interessante, kreative und nette Blogger und ihre Vielfalt an wunderbaren Blogs kennenlernen, die ich nicht mehr missen möchte. Sie inspirieren, bereichern, geben Denkanstöße, Lektüretips oder gute Anregungen und Kochrezepte für die nächste Mahlzeit, die man ja im letzten Jahr auch so häufig wie nie zuvor selbst zu Hause zubereitet hat.
Mit manchen Bloggerkollegen gehe ich virtuell auf Bergtouren, die ich selbst niemals machen würde, darf verreisen oder mit ins Kino oder ins Museum gehen.
Ich darf tolle Bilder und Fotos bewundern, erfahre, was unsere Nachbarn in Italien bewegt oder wie ein Buch von anderen wahrgenommen wird. Die Blogs eröffnen andere Sichtweisen und Perspektiven, die bereichern und das Leben bunter machen.

Zudem durfte ich mich über positive Resonanz, schöne Kommentare, interessierte Follower und zahlreiche Likes freuen. Vielen Dank dafür – all dies freut mich sehr!

Wie sehr ich Bücher liebe, dürfte den meisten Lesern wohl mittlerweile aufgefallen sein – sie sind Herzstück der Kulturbowle, aber gefreut hat mich auch, dass ich zumindest nach und nach neben den Buchrezensionen auch wieder über kulturelle Ereignisse berichten konnte. Ich hoffe sehr, dass dies auch in der kommenden Zeit so bleiben und weiter möglich sein wird.

So gehe ich glücklich und motiviert in mein zweites Bloggerjahr und hoffe, dass sich die Kulturbowle weiter so schön entwickelt wie bisher, meine Leser mir treu bleiben und ebenso viel Freude daran haben wie ich.

Ich habe noch einige Ideen, die ich nach und nach umsetzen möchte und werde weiter über Bücher, Theater, Oper, Musik, Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen schreiben und versuchen, Neugier zu wecken und Lust darauf zu machen – gerade die Kulturszene braucht jetzt dringend ein Erwachen und einen Neustart!

Und wie könnte man einen solchen, ersten Geburtstag gebührender feiern als mit einer Bowle: waren es letztes Jahr beim Auftakt die Erdbeeren, so gibt es dieses Jahr eine Himbeer-Heidelbeer-Bowle und selbstverständlich einige fotografische Impressionen!

Zum Wohl! Auf die Gesundheit und ein weiteres, schönes Jahr Kulturbowle!
Viel Spaß beim Lesen und Stöbern – Gäste sind jederzeit und herzlich willkommen!

Julibowle 2021 – Sommerpausen und Festspielzeiten

Aktuell verabschieden sich viele Blogger in eine Sommerpause und nehmen sich eine Auszeit – auch die Theater gehen in die sommerliche Spielzeitpause, dafür beginnt anderenorts die Festspielzeit. So war der Juli eine Zeit des Übergangs, ein Wechselspiel aus Sommerpausen und Festspielhöhepunkten – ein Gehen und Kommen.

So konnte ich Anfang Juli noch einmal einen wunderschönen Freiluft-Theaterabend in Landshut genießen – der mich in Wiener Heurigenstimmung versetzte und „Zur fesch’n Wirtin“ entführte, bevor sich dann das Landestheater Niederbayern in die Sommerferien verabschiedete.

Doch kulturell war dank eines reichhaltigen Festspielangebots per Livestream wirklich viel geboten, so dass bislang kein spürbares Sommerloch entstanden ist:
So konnte ich die Neuinszenierung der Bayreuther Festspiele „Der fliegende Holländer“ als Stream genießen – mit einer umjubelten Asmik Grigorian als Senta und einem für mich überragenden Daland gesungen von Georg Zeppenfeld.
Zudem gab es auch Wagner aus München: „Tristan und Isolde“ als „Oper für alle“, die ebenfalls per Livestream zu sehen war. Anja Harteros und Jonas Kaufmann gaben ihr Rollendebüt an der Bayerischen Staatsoper – ein emotionaler Abschied auch für den scheidenden Intendanten Nikolaus Bachler und Kirill Petrenko, der bereits die Leitung der Berliner Philharmoniker übernommen hat. Sehr sehenswert und mit einem geradezu unfassbaren Staraufgebot versehen, war auch das Abschiedskonzert „Der wendende Punkt“.
Und auch Mozart war im Livestream zu erleben: Ebenfalls aus München gab es den „Idomeneo“ aus dem Prinzregententheater, der mich vor allem durch die großartigen Gesangsleistungen von Matthew Polenzani (Idomeneo), Emily D’Angelo (Idamante), Olga Kulchynska (Ilia) und Hanna-Elisabeth Müller (Elettra) überzeugte.

Doch auch zwei filmische Bildungslücken konnte ich im Juli dank des öffentlich-rechtlichen Fernsehens schließen: Marcus H. Rosenmüller’s Spielfilm über den legendären Torwart „Trautmann“ und den großartigen und völlig zurecht oscarprämierten Film „Green Book“.

Schön auch, dass man wieder einmal eine Ausstellung besuchen kann: In der Landshuter Heiliggeistkirche ist aktuell „Peter Mayer – Totems und Fabelwesen. Eine Reise ins Paradies“ zu sehen. Der 2009 verstorbene Schwandorfer Künstler hat aus den Materialien Ton und Bronze Werke geschaffen, die unter anderem auch durch Studienaufenthalte in den USA und seiner Begegnung mit der Kultur der Native Americans geprägt wurden.

Meine Lektüre im Juli hatte überwiegend sehr sommerlichen Charakter:
Mit Robert Hültner’s „Lazare und die Spuren des Todes“ und Alex Lépic’s „Lacroix und das Sommerhaus in Giverny“ konnte ich zwei sehr unterschiedliche Frankreich-Krimis kennenlernen, die mir gut gefallen haben. Bei Gelegenheit werde ich hier noch näher berichten.

Inspiriert durch die Aktion „Würzburg liest ein Buch“ habe ich den Autor Max Mohr und seinen Roman „Frau ohne Reue“ aus dem Jahr 1933 für mich entdeckt. Eine intensive Lektüre, die es verdient, wieder ins Bewusstsein der Menschen geholt zu werden, da sie große Themen von zeitloser Gültigkeit behandelt.

Aus dem gleichen Jahrzehnt stammt das 2020 posthum veröffentlichte Werk der Verlegerin Helen Wolff: „Hintergrund für Liebe“. Ein grandioses Sommerbuch, das für mich der perfekte Beitrag zur Indiebookchallenge im Juli (#Sommerbuch) war, denn dieser Roman „schmeckt wirklich nach Sommer“. Sprachlich wunderschön – für mich ein ganz großer Lesegenuss!

Eine interessante Perspektive eröffnete Rolf Käppeli’s Roman „Vom Ende einer Rütlifahrt“, der die unterschiedlichen Haltungen und Stimmungen der Bevölkerung 1944 in der Schweiz beschreibt. Auf einem Raddampfer auf dem Vierwaldstätter See tauscht eine bunt gewürfelte Reisegesellschaft auf einem Betriebsausflug ihre Meinungen aus – da kann es durchaus hitzig werden.

Passend zur Festspielzeit ließ ich mich von Manfred Baumann’s Regionalkrimi „Salzburgsünde“ in die schöne Stadt an der Salzach entführen. Gerade das Salzburger Flair macht für mich den Reiz dieser Krimireihe um Kommissar Merana aus und so wanderte ich mit ihm dieses Mal auf den Kapuzinerberg und besuchte zumindest literarisch den „Parsifal“ im Großen Festspielhaus.

Eine Auszeit der anderen Art verschaffte mir das Sachbuch „Zeit der Aussteiger“ von Andreas Schwab, in welchem er zehn Künstlerkolonien, ihre Geschichte und Entwicklung sowie die prägenden Künstlerpersönlichkeiten der jeweiligen Orte beschreibt. Eine aufschlussreiche Lektüre, die einen guten ersten Einstieg in die Thematik gibt und inspiriert, sich weiter mit dem Phänomen „Künstlerkolonien“ zu befassen.

Gefordert und beschäftigt hat mich auch Jaume Cabré’s Roman „Eine bessere Zeit“, den ich Euch demnächst auch noch näher vorstellen möchte. Schließlich steht die nächste Station meiner Europabowle bzw. literarischen Europareise vor der Tür: Spanien.

Was bringt der August?

Weitere Möglichkeiten, sich ein wenig Festspielflair nach Hause ins Wohnzimmer zu holen:
Auf den „Don Giovanni“ der Salzburger Festspiele am Samstag, den 7. August 2021 um ca. 22.00 Uhr auf ARTE (oder ORF2) bin ich schon sehr gespannt.
Eine weitere Da Ponte-Oper steht auf ARTE Concert noch bis zum 08.07.2022 zur Verfügung: „Le nozze di Figaro“ von den Opernfestspielen aus Aix-en-Provence .

Bald gibt es auch den ersten Geburtstag meiner Kulturbowle zu feiern – unglaublich wie die Zeit vergeht.

Ansonsten hoffentlich noch einige schöne Sommerabende, Zeit im Freien und mit Sicherheit auch wieder gute, spannende und vielseitige Lektüre, über die ich selbstverständlich berichten werde.
Ich wünsche weiterhin allen Lesern und Bloggerkollegen – ob mit oder ohne Urlaub oder Sommerpause – einen schönen August, entspannte Sommertage und eine gute Zeit mit Kulturgenuss und Bücherlust!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

***

Gaumen-Highlight Juli:
Die Tomaten werden reif – eine schöne, rote San Marzano aus eigenem Anbau, da schmeckt man doch den Sommer – auch wenn man dieses Jahr ein wenig Geduld haben musste.

Musikalisches im Juli:
Meine musikalische Neuentdeckung dieses Monats war sicherlich das koreanische Volkslied „Arirang“, das die Sänger des Passauer Musiktheaterensembles Heeyun Choi und Kyung Chun Kim beim Heurigenabend „Zur fesch’n Wirtin“ als überraschendes und berührendes Element einstreuten. Bis zu diesem schönen Abend im Landshuter Prantlgarten war mir das Lied nicht bekannt – nach der anschließenden Wikipedia-Recherche weiß ich nun, dass es von der UNESCO sogar in der Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit geführt wird und dass es bei internationalen Sportveranstaltungen für gesamtkoreanische Mannschaften sogar als Ersatz der Nationalhymne eingesetzt wurde.

„Licht meiner Hoffnung, leuchte neu!“

(aus dem Libretto von Richard Wagner’s „Der fliegende Holländer“)

Auszeit im Künstlerrefugium

Wer kennt das nicht? Den Wunsch, einmal alles hinter sich zu lassen, sich einen Tapetenwechsel zu gönnen und eine kreative Auszeit zu nehmen – bevorzugt an einem schönen, inspirierenden Ort und gerne auch in angenehmer Gesellschaft. Gerade im 19. und 20. Jahrhundert erfüllten sich viele Künstler unterschiedlichster Disziplinen diesen Traum – Andreas Schwab nimmt in seinem neuen Sachbuch „Zeit der Aussteiger – Eine Reise zu den Künstlerkolonien von Barbizon bis Monte Verità“ die Leser mit zu zehn solchen Schauplätzen und beschreibt das Phänomen Künstlerkolonie.

Was machte die magische Anziehungskraft dieser Orte aus, gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede und welche Künstler prägten die jeweiligen Refugien? Schwab hat eine interessante und aufschlussreiche Kulturgeschichte verfasst, welche die besondere Faszination dieser außergewöhnlichen Zentren der Kreativität ergründet und erfahrbar macht.
Der Autor stellt in seinem Buch folgende Künstlerkolonien vor – manche sehr bekannt, manche vielleicht etwas weniger: Barbizon, Pont Aven, Skagen, Capri, Altaussee, Taormina, Tanger, Korfu, Worpswede und Monte Verità. So führt die abwechslungsreiche Reise quer durch Europa sogar bis nach Marokko.
Gelungen finde ich auch die Idee, dass die Kapitel zu den jeweiligen Orten immer durch Abschnitte verbunden sind, die einer Künstlerin oder einem Künstler gewidmet sind, welche bzw. welcher an beiden Orten gelebt und gewirkt hat und so als Brückenbauer fungieren. So reist er gleichsam mit einer Künstlerpersönlichkeit, welche beide Orte besuchte, von einem Schauplatz zum nächsten.
Er beschreibt die Atmosphäre, die Geschichte und die Entwicklung der jeweiligen Orte und selbstverständlich jeweils auch die wichtigsten, prägendsten Künstler der verschiedenen Disziplinen.
So trägt jede Kolonie auch eine leicht andere Färbung: waren Barbizon und Skagen stark von der Malerei dominiert, so zog Capri verstärkt auch Schriftsteller und Literaten an und in Altaussee trafen sich auch Musiker und Komponisten.

Die beschriebenen Künstler und ihre Werke aufzuzählen, die im Buch Erwähnung finden, würde zu weit führen, daher möchte ich beispielhaft nur einige wenige nennen, die ich besonders spannend finde: der dänische Maler P.S. Krøyer und seine unverwechselbaren Skagen-Bilder, John Singer Sargent, der mir bereits in Julian Barnes „Der Mann im roten Rock“ begegnete, Alma Mahler-Werfel und Arthur Schnitzler, Kaiserin Elisabeth und ihr Achilleion auf Korfu bis zu Truman Capote in Taormina und Paula Modersohn-Becker in Worpswede.

„Doch die Künstlerfeste entwerfen geradezu ein programmatisches Idealbild des eigenen Lebens – eines befreiten Lebens, das sich von den bürgerlichen Zwängen gelöst hat. Als Laboratorium der kreativen Geselligkeit stehen die Feste für das Streben nach kultureller Erneuerung.“

(S.84)

Während der Lektüre versuchte ich immer wieder Parallelen und Gemeinsamkeiten zwischen den Orten zu finden. Was zog die Künstler genau dorthin? Ein paar Punkte konnte ich ausmachen:
Naturnähe und Naturverbundenheit – in der Regel siedelten sich die Künstler an abgeschiedenen Orten abseits der Großstädte an und suchten vor allem Ruhe und unberührte Natur. Auch wenn die großen Metropolen häufig der Mittelpunkt und auch der Handelsplatz für ihre Werke waren, so suchten sie doch die Ruhe und die besonderen, ländlichen oder maritimen Motive abseits des städtischen Trubels.
Gesellschaft Gleichgesinnter – die Künstlerrefugien übten eine große Anziehungskraft auf andere kreative Köpfe aus und wurden so oft zu einem Ort des lebhaften Austauschs und der gegenseitigen Inspiration. So schaute man sich von den Kollegen das eine oder andere ab und bei Gesprächen oder gemeinsamen Festen entwickelten sich neue Gedanken und Ideen. Wobei wir schon beim nächsten Punkt wären:
Feste und Feiern – wie Andreas Schwab beschreibt, wurden in den Künstlerkolonien gerne auch opulente und ausschweifende Feste gefeiert. Sie waren Orte der Lebensfreude und die Künstler verstanden sich darauf, das Leben zu genießen und zu zelebrieren.
Besonderes Licht – gerade für die Malerei spielt das Licht eine entscheidende Rolle und so wird oft die Magie und der Zauber des Lichts an den Orten explizit erwähnt – sei es in Skagen, wo Nord- und Ostsee aufeinander treffen oder in Capri mit seiner weltberühmten blauen Grotte.
Liebeswirren – bei vielen kreativen Menschen, die an schönen Orten aufeinandertreffen, entwickelt sich zwangsläufig die eine oder andere Liebesbeziehung. Dass es hier auch zu komplizierten Konstellationen kam, war daher wohl ebenfalls unvermeidlich.
Einfaches Leben – finanziell war es um die Künstler in den Kolonien nicht immer bzw. häufig nicht zum besten bestellt. Oft konnte man sogar von geradezu prekären, ärmlichen Verhältnissen und einem sehr einfachen, minimalistischen Lebensstil mit der Besinnung aufs Wesentliche sprechen.
Fortschrittliche Ideen und neue Lebensstile – in den Künstlerrefugien, die fernab sozialer Kontrolle viele Freiheiten zuließen, wurden auch neue Lebensstile entwickelt und möglich: was damals noch als neu und unerhört galt, hat mittlerweile längst Einzug in die Gesellschaft gefunden: Emanzipation der Frau, offen gelebte Homosexualität, vegetarische Ernährung – um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

„Der eigenartige Doppelcharakter der Künstlerkolonien besteht darin, dass sie einerseits eindeutig auf einer Landkarte lokalisierbar sind. Doch andererseits sind sie genauso starke Projektionsflächen: Sie rühren an die Sehnsucht nach einem anderen Leben. Ihre Intensitäten ergeben sich besonders daraus, dass sie Tummelplätze für wilde Ideen sind. Die Weltverbesserer, Anarchisten und Künstlerinnen, die diese ersonnen, ausgestaltet und ausgelebt haben, verdienen es, dass man sich ihrer erinnert, an ihre Visionen wie auch an ihr Scheitern.“

(S.293)

Mir gefiel diese fundierte, literarische Reise zu den lichtdurchfluteten Orten voll überbordender Kreativität und ich habe bei der Lektüre viel Neues erfahren und zahlreiche Anregungen zur weiteren Lektüre bekommen. Wer sich für Kunstgeschichte, Malerei, Literatur im Allgemeinen und Künstlerkolonien im Besonderen interessiert, der hat hier ein schönes Werk, das einen guten Einstieg in die Thematik bietet ohne zu sehr ins Detail zu gehen, schöne Abbildungen und Bildbeispiele enthält und sich sehr flüssig lesen lässt, ohne trocken zu sein.

Für mich war die Lektüre ein erfrischender Kurzurlaub der anderen Art und somit ebenfalls eine schöne Auszeit mit kreativen Ideen und bereichernden Querbezügen zu Kunst und Kultur. So mancher Ort wäre sicher auch interessant und lohnend für einen Besuch – zumal an einigen auch Museen entstanden sind, welche die bewegte Geschichte erzählen.

Ich bedanke mich sehr herzlich beim C.H. Beck Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Auf meine Meinung und Rezension des Buches hatte dies keinen Einfluss.

Beim Klick auf den Titel gibt es nähere Informationen zum Buch auf der Seite des Verlags.

Buchinformation:
Andreas Schwab, Zeit der Aussteiger
C.H. Beck Verlag
ISBN: 978-3-406-77524-6

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich Andreas Schwab’s „Zeit der Aussteiger“:

Für den Gaumen:
Die vorwiegend vegetarische Küche am Monte Verità stieß nicht bei allen Besuchern auf Begeisterung, so beschwerte sich unter anderem Erich Mühsam, es gäbe ständig nur Salat.

„Der Tessiner Journalist Angelo Nessi schlägt mit seinem hochironischen Bericht über den Monte Verità in die gleiche Kerbe wie Mühsam. Amüsiert beschreibt er, dass sein Abendessen einzig aus zwei Orangen, zwanzig Kirschen, acht Nüssen und sechs Datteln bestanden habe.“

(S.263)

Zum Weiterschauen (I):
Eine zentrale Figur in der Künstlerkolonie Worpswede war Paula Modersohn-Becker. In diesem Zusammenhang sei der Film „Paula“ von Christian Schwochow aus dem Jahr 2016 sehr empfohlen. Er erzählt das Leben und Schaffen der Malerin in ihrer Worpsweder und Pariser Zeit bis zu ihrem frühen Tod.

Zum Weiterschauen (II):
Sollte man die Gelegenheit haben, nach Kopenhagen zu reisen, kann ich einen Besuch in der dänischen Nationalgalerie SMK (Statens Museum for Kunst) sehr empfehlen. Hier ist unter anderem ein Hauptwerk Peder Severin Krøyer’s zu sehen, das auf die Zeit in Skagen zurückgeht: Badende drenge en sommeraften ved Skagens strand“ (1899), das auch auf der Website des Museums zu finden ist.

Zum Weiterlesen:
Ein Buch, das eine andere Art der Künstlerzusammenkunft, aber unter anderen, traurigen Vorzeichen, beschreibt, ist Volker Weidermann’s „Ostende 1936, Sommer der Freundschaft“: 1936 trafen im belgischen Badeort viele Schriftsteller aufeinander, die sich im Deutschland des Nationalsozialismus nicht mehr zu Hause fühlten: Irmgard Keun, Stefan Zweig, Joseph Roth etc.

Volker Weidermann, Ostende 1936, Sommer der Freundschaft
btb
ISBN:  978-3442748914