Quietschvergnügt

Aktuell können wir alle Aufheiterung, positive Energie und gute Laune vertragen, deshalb möchte ich dieses neue Jahr mit einer ersten Leseempfehlung starten, welche genau das garantiert. P.G. Wodehouse’s „Auf geht’s, Jeeves!“ ist ein quietschvergnügtes, heiteres und witziges Werk, das auch 87 Jahre nach seinem Erscheinen noch zeitlosen Witz versprüht und Heiterkeit verbreitet. Der augenzwinkernde Charme und der Humor des britischen Autors sind Balsam für die Seele.

Für alle, die bisher noch keine Bekanntschaft mit P.G. Wodehouse gemacht haben, vorab ein paar kurze Worte zum Autor:
Sir Pelham Grenville Wodehouse zählt zu den bekanntesten und meistgelesenen Humoristen Englands, war Schriftsteller, Bühnen- und Drehbuchautor und lebte von 1881 bis 1975. Er verfasste unter anderem 40 Theaterstücke und mehr als 90 Romane, unter welchen die beiden Reihen um Bertram Wooster und seinen Butler Jeeves auf der einen und die Blandings Castle-Reihe mit Lord Emsworth auf der anderen Seite zu den bekanntesten gehören. Wodehouse verließ seine Heimat 1934 aus steuerlichen Gründen, zog nach Frankreich und wurde 1940 interniert. Er fiel jedoch in seiner britischen Heimat 1941 durch apolitische Rundfunkbeiträge in Ungnade, die während des Zweiten Weltkriegs zu großer Verärgerung im bombardierten England führten, und er sollte nie mehr dorthin zurückkehren. 1946 reiste er in die USA aus und lebte und arbeitete dort bis zu seinem Tod 1975.

In „Auf geht’s, Jeeves!“ begegnen wir dem typischen Setting eines P.G. Wodehouse-Romans: ein englischer Landsitz – Brinkley Court – mit Salon, Bibliothek, eleganten Räumlichkeiten, einer vorzüglichen Küche, einem weitläufigen Park und dem entsprechenden Personal mit englischem Adel (mit so wunderbaren Namen wie Gussie Fink-Nottle oder Tuppy Glossop) auf Sommerfrische und den Dienstboten, dem französischen, hochsensiblen Spitzenkoch Anatole und natürlich mittendrin Bertram Wooster und sein hochgeschätzter Butler Jeeves.

„Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass meine Verschnupftheit schon fast grippale Züge trug.“

(S.98)

Doch zwischen Jeeves und Bertie hängt der Haussegen schief, scheint doch der Butler mittlerweile seinem Herrn den Rang an Beliebtheit in englischen Adelskreisen abgelaufen zu haben, weil Jeeves als ultimativer und taktisch-gewiefter Problemlöser gleichsam unentbehrlich geworden ist. So dass Bertram Wooster nun eigentlich primär von Freunden und Verwandtschaft deshalb eingeladen wird, weil er dann seinen Butler Jeeves mitbringt, der auch in verqueren Verkupplungsaktionen und Liebeswirren stets kühlen Kopf bewahrt. Das kann und will Bertie natürlich nicht auf sich sitzen lassen, hält er sich selbst doch für den großen Kuppler und Diplomaten, so dass er entscheidet, dieses Mal höchstselbst ins Geschehen einzugreifen – mit durchschlagendem Erfolg, denn das Chaos nimmt seinen Lauf…

„Aus mannigfachen Gründen hatte ich seit Jahren nicht mehr mit einer Gummiente in der Badewanne gespielt, und ich fand die ungewohnte Erfahrung höchst erquickend. Falls es jemanden interessiert, will ich gern erwähnen, dass die mit dem Schwamm unter die Oberfläche gedrückte und dann losgelassene Ente auf eine Weise aus dem Wasser springt, die noch den Mühseligsten und Beladensten zu zerstreuen vermag.“

(S.99)

Inspiriert durch ein Badeenten-Erweckungserlebnis stürzt Bertie Wooster nicht nur zahlreiche Liebende in völliges Gefühlschaos, sondern bringt auch noch den temperamentvollen und höchstempfindlichen Sternekoch Anatole zum Schäumen.

Der Leser taucht ein in muntere Irrungen und Wirrungen, zahlreiche Missverständnisse, skurrile Situationen und erfährt, warum Butler keine Messejäckchen mögen, was bei nächtlichen Nierenpasteten-Orgien in der Speisekammer geschieht und dass Heiratsanträge auf Orangensaftbasis keine gute Idee sind.

Das ist herrlich komisch, lustig, kurzweilig und unterhaltsam: britischer Humor und grandiose Ironie vom Feinsten.

„Beim Gedanken an ein Verlöbnis mit einer Frau, die ganz unverhohlen über Feen schwafelte, die auf die Welt kämen, weil sich irgendwelche Sterne gerade das süße Näschen geputzt hätten – oder was des Humbugs mehr war-, packte mich das nackte Grauen.“

(S.133/134)

Großartig ist vor allem die Übersetzung von Thomas Schlachter, die man gar nicht genug loben kann, da er genau den richtigen Tonfall findet und dem Leser ein Lesevergnügen mit wundervollen Wortspielen und exquisitem Sprachwitz beschert.

Wer also britischen Humor liebt, ein wenig Heiterkeit, spritzig-prickelnde Unterhaltung und gute Laune sucht, dem sei P.G. Wodehouse wärmstens ans Herz gelegt. Mich hat bisher noch jeder seiner Romane großartig unterhalten und königlich amüsiert: die perfekte Lektüre, um ein paar Stunden abzuschalten und sich ein Lächeln aufs Gesicht zaubern zu lassen.

Buchinformation:
P.G. Wodehouse, Auf geht’s, Jeeves!
Aus dem Englischen von Thomas Schlachter
Insel Taschenbuch
ISBN: 978-3-458-36386-6

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich „Auf geht’s, Jeeves!“:

Für den Gaumen:
Very british – dazu passt gut und gerne ein gepflegter Gin Tonic und schon fühlt man sich ein bisschen wie auf einer Cocktailparty der englischen Adelsgesellschaft und Butler Jeeves könnte jeden Moment mit dem Tablett um die Ecke biegen.

Zum Weiterhören und Weiterschauen:
Musikalisch zur Zeit und dem Zeitgefühl passt die Musik des walisischen Musical-Komponisten Ivor Novello. Seine Musik hat auch den wunderbaren Soundtrack zum großartigen Julian Fellowes-Film „Gosford Park“ geprägt (zum Reinhören und Schwelgen empfehle ich „I can give you the starlight“, „The Land of Might-Have-Been“ oder „What a Duke Should Be“).

Zum Weiterlesen:
Es gibt noch einige weitere Bände von P.G. Wodehouse, die in den letzten Jahren bei Suhrkamp und Insel erschienen sind. In der gekonnten, geschliffenen und brillanten Übersetzung von Thomas Schlachter sind diese alle ein vergnüglicher Genuss und uneingeschränkt zu empfehlen, wenn man etwas Aufheiterung vertragen kann.

P.G. Wodehouse, Jetzt oder nie!
Aus dem Englischen von Thomas Schlachter
Suhrkamp Taschenbuch
ISBN: 978-3-518-45774-0

Spiegelnde Wirklichkeiten

Deborah Levy hat mit ihrem neuen Roman „Der Mann, der alles sah“ etwas geschafft, das außergewöhnlich ist: Sie wurde für ihr drittes Werk in Folge für den renommierten Booker Prize nominiert. Ein kunstvolles, vielschichtiges und anspruchsvolles Buch, das für aufmerksame und konzentrierte Leser, die sich darauf einlassen, eine besondere Magie entfaltet.

1988 – London, Abbey Road – es kracht. Ein junger Mann, der sich auf dem berühmtesten Zebrastreifen der Welt in Beatles-Manier von seiner Freundin fotografisch verewigen lassen möchte, wird von einem unachtsamen Autofahrer angefahren. Und als ob dies noch nicht genug wäre, eröffnet ihm die Fotografin Jennifer kurz danach, dass sie nicht auf ihn warten wird, wenn er demnächst nach Ostberlin gehen wird, um dort den Kommunismus – sein wissenschaftliches Fachgebiet an der Universität – weiter zu erforschen. Sie macht mit ihm Schluss.

Der Ich-Erzähler Saul macht sich verwirrt und verunsichert auf in die DDR und wird dort von seinem Gastgeber Walter in Empfang genommen. Dieser zeigt ihm Land und Leute und bringt ihn bei seiner Familie unter, erklärt ihm seine Sicht auf den Sozialismus. Saul Adler, der aus einer jüdischen Familie stammt und bereits früh seine Mutter verloren hat, verliebt sich in ihn.

„ „Was Sie auch tun“, sagte er, „wenn Sie Ihren Bericht über unsere Republik verfassen, schreiben Sie nicht, dass alles grau und bröckelig war, mit Ausnahme der farbenfrohen Unterbrechung durch an Gebäuden angebrachte rote Fahnen.“ “

(S.57)

Walter’s jüngere Schwester Luna, für die es bereits an eine Katastrophe grenzt, dass Saul das heiß ersehnte Gastgeschenk in Form einer Dose Ananas für ihren Geburtstagskuchen vergessen hat, ist eine ängstliche, junge Frau, die sich am liebsten aus dem System davonstehlen würde. Sie hat Sehnsüchte und Träume, die sie in der DDR nicht ausleben kann. Und auch mit ihr beginnt Saul eine Affäre, so dass er sich bald in völligem Gefühlschaos und einer komplizierten Dreiecksbeziehung wiederfindet, die keine Zukunft hat, zumal er wieder nach London zurückkehren muss.

Und wie ist er dann auf einmal wieder auf die Abbey Road und ins Krankenbett gekommen? Und was macht seine Ex-Freundin Jennifer an seinem Bett?

Nichts ist, wie es scheint und mehr als einmal hat man bei der Lektüre das Gefühl eines Déjà-vue. Traum, Wahn und Wirklichkeit zerfließen ineinander und es wird zunehmend schwer, Ordnung in die Gedankenwelt des Erzählers zu bringen. Ist all das nur eine Fieber- oder Komafantasie? Delirium oder doch Realität? Zeit und Raum lösen sich auf, verschwimmen und offenbaren unterschiedliche Schichten in der Wahrnehmung. Ein kunstvolles, literarisches Gewebe, das den Leser fordert, aber auch durch Raffinesse beeindruckt – ein kluges, intelligentes und verblüffendes Buch, das immer wieder mit einer Wendung oder Überraschung aufwartet.

Ich mochte, wie Levy atmosphärisch Sauls Zeit in Ostberlin schildert, die Beschreibung der Datsche und das Bild, das die Autorin vom Leben in der DDR vor den Augen des Lesers zum Leben erweckt. Einer Welt, die kurz vor dem Zusammenbruch steht – 1988, die Wende war nicht mehr weit und auch Saul hat Visionen, dass das Ende bereits nah ist.

Beeindruckt hat mich der sehr frisch und nahezu jugendlich anmutende Sound des Romans, mit dem die 1959 geborene Autorin sich sehr direkt und unmittelbar an ihr Lesepublikum wendet. Somit kommt man sofort in einen wunderbaren Lesefluss und fühlt mit den Figuren, die auf der Suche nach sich selbst und ihrer Identität sind. Zudem versteht Levy es gekonnt, mit sprachlichen Bildern zu arbeiten – immer wieder spielen z.B. Fotografien oder Spiegel eine zentrale Rolle, die den vielschichtigen Charakter und die verschiedenen Ebenen der Wahrnehmung auch sprachlich intensivieren.

Das ist große Literatur über die Macht der Bilder, über das Aufeinandertreffen von Systemen, die Vielfalt und Diversität von zwischenmenschlichen Beziehungen, aber auch über unerfüllte Sehnsüchte und Wünsche. Verwirrend und schön zugleich. Ein Roman wie ein Rausch über die Liebe, die Endphase der DDR, sowie über die Sehnsucht nach Freiheit und einem selbstbestimmten Leben.

Es bleibt abzuwarten, ob Deborah Levy mit dem nächsten Werk erneut für den Booker Prize nominiert wird und ihn dann auch einmal zugesprochen bekommt. Eine interessante, spannende und außergewöhnliche Autorin ist die in Südafrika geborene Britin, die jetzt in London lebt, auf jeden Fall und ich werde ihr Schaffen sicherlich weiter verfolgen.

Ich bedanke mich sehr herzlich beim Kampa Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Auf meine Meinung und Rezension des Buches hatte dies keinen Einfluss.

Beim Klick auf den Titel gibt es nähere Informationen zum Buch auf der Seite des Verlags.

Buchinformation:
Deborah Levy, Der Mann, der alles sah
Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke
Kampa
ISBN: 978 3 311 10028 7

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich „Der Mann, der alles sah“:

Für den Gaumen:
Dosenananas sind jetzt wahrlich nicht der kulinarische Hochgenuss, den ich unbedingt empfehlen will, aber sie spielen im Roman eine zentrale Rolle und stehen unter anderem symbolisch für das Unerreichbare, Exotische und Begehrte aus dem Westen, das in der DDR nicht oder nur schwer zu bekommen war.

Zum Weiterhören:
Luna ist verrückt nach den Beatles, dem Album „Abbey Road“ und vor allem dem Song „Penny Lane“ – sie wünscht sich nichts sehnlicher, als die wahre Penny Lane in Liverpool besuchen zu können. Die Sehnsucht nach Freiheit und der Möglichkeit, reisen zu können, all das und noch viel mehr steckt für Luna in diesem Lied.

Zum Weiterlesen:
Einen Roman, den ich vor kurzem bereits ausführlicher hier auf der Kulturbowle vorgestellt habe, der sich ebenfalls eindrucksvoll, aber auf ganz andere Art und Weise mit der Thematik des Zerfalls der DDR auseinandersetzt und mich sehr bewegt hat, ist „Machandel“ von Regina Scheer. Als gebürtige Ost-Berlinerin berichtet sie aus eigener Erfahrung und hat somit einen noch direkteren Zugang und Bezug zum Leben in der ehemaligen DDR als Deborah Levy.

Regina Scheer, Machandel
Penguin
ISBN: 978-3-328-10024-9

Morden mit der Schreibmaschine

Eine Verfilmung des Klassikers „Mord im Orientexpress“, die ich Anfang November im Fernsehen sah, rückte Agatha Christie wieder in mein Bewusstsein und auf einmal wollte ich mehr über die weltberühmte „Queen of Crime“ erfahren. Die im Frühjahr diesen Jahres im Osburg Verlag erschienene Biografie „Agatha Christie – eine Biografie“ von Barbara Sichtermann stellte sich hier als eine hervorragende Wahl heraus.

Wer war diese Agatha Christie, welcher der Rummel um ihre Person und die öffentliche Aufmerksamkeit stets unangenehm und unheimlich blieb? Wie wurde sie zur beliebtesten Krimiautorin aller Zeiten, die doch auch viel zu lange als trivial abgetan und unterschätzt wurde? Antworten auf diese Fragen konnte mir Barbara Sichtermann in ihrer sprachlich gelungenen und wunderbar lesbaren Biografie definitiv geben.

Das Buch begleitet Christie auf ihrem Weg zur erfolgreichen Berufsschriftstellerin, aber beleuchtet auch die private Seite der Autorin und ihre Rolle als Ehefrau und Mutter. So heiratet sie früh Archie Christie, doch die Ehe zerbricht. Mit ihrem mysteriösen Verschwinden in der Endphase der Ehe, das eine tagelange Suche durch Polizei und Medien nach sich zog, ging sie in die Annalen ein und sorgte für einen Medienrummel sondergleichen. Glücklich wurde sie jedoch an der Seite ihres zweiten Ehemannes Max Mallowan, der viele gemeinsame Reisen mit ihr unternahm und auch ihr Interesse für Archäologie und den nahen Osten weckte.

Sichtermann lässt den Leser der Geburtsstunde von Hercule Poirot und Miss Marple beiwohnen und gibt interessante Einblicke in die Arbeitsweise und das künstlerische Schaffen Christies. Sie verdeutlicht auch, wie hart Christie immer für den Erfolg ihrer Theaterstücke gearbeitet hat, die ihr so wichtig und stets Herzensangelegenheit waren. Bis heute ist „Die Mausefalle“ das Stück, das weltweit am längsten ununterbrochen im Londoner Westend zu sehen ist bzw. war (bis zum Corona-Lockdown im März 2020).

„Sich selbst gestand Agatha ein, dass sie, seit sie als Sechzehnjährige die Tosca studiert hatte, ihren Traum von der Bühne nie ganz beerdigen konnte. Wenn es denn wegen ihrer schwachen Mittellage zur Sängerin nicht gereicht hatte, dann sollte ihre Stimme wenigstens durch den Mund ihres listigen Detektivs oder eines infamen Killers auf den Brettern erschallen.“

(S.217)

Spannend fand ich vor allem auch die Charakterisierung der Krimiautorin, die zeigt, wie ambivalent sie in vielen Dingen doch war.
Ich durfte Christie, die eigentlich lieber Opernsängerin geworden wäre, als zupackende, reise- und abenteuerlustige Frau kennenlernen, die sich – wenn sie es für erforderlich hielt – über die Konventionen der damaligen Zeit hinwegsetzte und doch auch immer in der Tradition der britischen Klassengesellschaft verwurzelt blieb. So investierte sie bevorzugt in hochherrschaftliche Immobilien und führte gerne ein Leben in schönen Häusern mit entsprechendem Hauspersonal – da lebte die „gute, alte Zeit“ noch ein wenig fort. Und doch entschied sie sich auch gegen jede Konvention für eine Scheidung und in ihrer zweiten Ehe für einen 14 Jahre jüngeren Mann, was damals nahezu einem gesellschaftlichen Tabubruch gleichkam.

Sichtermann hat viel mit Originalzitaten aus Christie’s Autobiografie und ihren Briefen gearbeitet, welche dann stets kursiv hervorgehoben und kenntlich gemacht sind. Das gibt dem Buch einen stimmigen und authentischen Klang, weil man das Gefühl hat, Agatha Christie selbst zuzuhören.
Als sehr angenehm habe ich auch die flüssige Sprache der Autorin empfunden, welche in der Biografie nicht so sehr den Fokus auf die wissenschaftliche Vermittlung von Zahlen, Daten und Fakten gelegt hat, sondern vielmehr darauf, eine literarisch ansprechende Lebensgeschichte zu erzählen, die sich mit Genuss lesen lässt.

Und doch habe ich nach der Lektüre auch das Gefühl, viel erfahren und gelernt zu haben und jetzt ein wenig mehr über diese Grand Dame des Kriminalromans zu wissen. Eine interessante Frau im Spannungsfeld zwischen Tradition und Unkonventionalität, die stets ihren eigenen Weg ging und eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen aller Zeiten wurde.

Am Ende fand ich es noch spannend, dass ich – bei aller Unterschiedlichkeit und trotz des großen zeitlichen Abstands – einige Parallelen und Gemeinsamkeiten zwischen Christie und mir selbst entdecken konnte: Christie war von Kindheit an selbst eine passionierte Leserin. Sie liebte – wie ich – Shakespeare und benannte sogar eines ihrer Bücher, die sie unter dem Pseudonym Mary Westmacott verfasste, nach einem Shakespeare-Sonett „Absent in the spring“ (deutsch: „Ein Frühling ohne dich“). Zudem war sie zeit ihres Lebens eine große Liebhaberin des Theaters, das sie dem damals neu entstehenden und aufstrebenden Medium Film stets vorzog – auch das haben wir gemeinsam.

Wer sich also ebenfalls auf die Suche nach Gemeinsamkeiten mit Agatha Christie begeben möchte oder einfach nur mehr über den Menschen hinter den Büchern und die Schöpferin von so unsterblichen Figuren wie Hercule Poirot und Miss Marple erfahren möchte, dem kann ich Barbara Sichtermann’s Biografie wärmstens empfehlen.

Buchinformation:
Barbara Sichtermann, Agatha Christie – Eine Biografie
Osburg Verlag
ISBN: 978-3-95510-215-9

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich „Agatha Christie – Eine Biografie“:

Für den Gaumen:
Agatha Christie liebte Tee, d.h. in dieser Beziehung entsprach sie dem typischen Klischee der Britin, so wie wir uns dies gerne vorstellen. Sie zog den Tee stets dem Alkohol vor. D.h. die Lektüre verlangt geradezu nach einer gepflegten Tasse schwarzem Tee.

Zum Weiterschauen:
Hier möchte ich sehr frei nach Goethe zitieren: „Von Zeit zu Zeit seh’ ich die Alte gern“, denn ab und an kann ich mich wirklich immer wieder erneut für die Schwarz-Weiß-Verfilmungen der Miss Marple-Romane mit Margaret Rutherford aus den 60er Jahren begeistern – auch wenn Agatha Christie selbst diese nicht so sehr schätzte. Und dann schaue ich – gerne in der Winterzeit – in eine der x-ten Wiederholungen rein. Klar kann man das nicht immer sehen, aber ab und zu habe ich da wirklich Freude daran. Ein bisschen Nostalgie darf sein und wenn das Miss Marple Thema von Ron Goodwin mit dem typischen Spinett-Sound ertönt, bekomme ich gleich gute Laune.

Zum Weiterhören:
Agatha Christies letzter Fall für Miss Marple „Ruhe unsanft“ war ihr Vermächtnis, das posthum im Jahre 1976 veröffentlicht wurde und den sie bereits im Jahre 1940 in einem Tresor deponiert hatte. Der Hörverlag hat 2013 eine gekürzte Lesung dieses Werks herausgebracht, die mir gut gefällt – zumal diese von der grandiosen und unvergleichlichen Katharina Thalbach gelesen wird.

Agatha Christie, Ruhe unsanft
übersetzt von: Eva Schönfeld
Gekürzte Lesung gelesen von Katharina Thalbach
der Hörverlag
Hörbuch (CD) gekürzt, 3 CDs, Laufzeit: 3h 44 min
ISBN: 978-3-8445-1013-3

Zum Weiterlesen:
Meine letzte Agatha Christie-Lektüre liegt schon eine ganze Weile zurück, aber dennoch stehen einige Bände bei mir im Regal. So zum Beispiel der Band „Die Tote in der Bibliothek“, der mich als Büchermensch natürlich sofort angesprochen hatte: ein schmaler Band und ebenfalls ein Fall mit der unübertroffenen Miss Marple.

Agatha Christie, Die Tote in der Bibliothek
übersetzt von Barbara Heller
Atlantik
ISBN: 978-3-455-65005-1