Julibowle 2022 – Heißzeit und Vorhangzauber

Im Juli ging es mit vielen Hitzetagen und Temperaturen weit jenseits der 30 Grad-Marke oft heiß her. So waren während dieses turbulenten und nicht ganz einfachen Monats auch Schatten und Abkühlung gefragt und man wusste durchaus auch etwas Ruhe und Muße für gute Lektüre oder interessante Kulturgenüsse zu schätzen. Und auch wenn der Monat gefühlt sehr schnell an mir vorbeigezogen ist, ist doch einiges Merkens- und Bemerkenswertes zusammengekommen:

Sehr gut gefallen hat mir persönlich zum Beispiel der Livestream der Münchner Staatsoper (Staatsoper TV) von Leoš Janáček’s „Das schlaue Füchslein“ unter der Regie von Barrie Kosky (im Rahmen von Oper für alle). Die Inszenierung, die mit unzähligen, unterschiedlichen Vorhängen und geradezu magischen Lichteffekten wirklich unglaublich schöne Bilder auf die Bühne des Münchner Nationaltheaters zauberte, war wirklich etwas Besonderes – Vorhangzauber und Operngenuss!

Und auch im Fernsehen habe ich diesen Monat – trotz vermeintlichem Sommerloch – drei wirklich sehenswerte Filme bzw. Sendeformate, entdecken können:

So konnte ich endlich eine weitere filmische Bildungslücke schließen und mir den Schwarz-Weiß-Klassiker von Billy Wilder „Zeugin der Anklage“ mit Marlene Dietrich und Charles Laughton in den Hauptrollen aus dem Jahr 1957 nach einem Roman von Agatha Christie anschauen. Das kann man auch heutzutage wirklich noch sehr gut sehen.

Künstlerisch interessant und gelungen zusammengestellt fand ich auch den Dokumentar- bzw. Essayfilm „Brennender Sommer“ von Heinz Bütler, der auf 3Sat gezeigt wurde: Es ging um Hermann Hesse’s Zeit im Tessiner Ort Montagnola und vor allem auch um sein dort entstandenes Werk „Klingsors letzter Sommer“. Stimmungsvolle Bilder, Peter Simonischek liest aus Hesse’s Werk, Literaturexperten diskutieren darüber und Sänger Daniel Behle singt Ausschnitte aus Richard Strauss’ „Vier letzte Lieder“ (nach Gedichten von Hesse) – ein sinnenfreudiges, künstlerisches Gesamtkunstwerk. Da ich zudem vor kurzem erst den Krimi „Mord in Montagnola“ gelesen hatte, war dies ein schöner Anlass, sich nochmal mit dem Ort und dem Literaturnobelpreisträger zu befassen.

Ein völlig anderes, aber ebenso packendes Fernseherlebnis war die neue 45-minütige Dokumentation von Claus Kleber „Utopia – Irre Visionen im Silicon Valley“ (in der ZDF Mediathek verfügbar bis 19.07.27), in welcher er einen Eindruck vermittelt und auch kritisch beleuchtet, an welchen bahnbrechenden Technologien aktuell bereits geforscht wird, die unser Leben nachhaltig und wohl unausweichlich verändern werden.

Ein vollkommener Kontrast zur strahlend-glänzenden, durchgestylten High-Tech-Welt des Silicon-Valley – jedoch mit mindestens ebenso eindrucksvollen Bildern bzw. Fotografien – durfte ich in der aktuell noch bis zum 7. August 2022 laufenden Ausstellung „Spuren der Zeit“ in der Neuen Galerie Landshut erleben. Die expressiven Fotografien von Martin Waldbauer zeigen die Spuren, welche die Zeit zum Beispiel in menschlichen Gesichtern oder an den Händen von Holzarbeitern hinterlässt – Bilder mit einer großen Kraft, die einem direkt in die Seele zu blicken scheinen, wenn man vor ihnen steht. Auf der Homepage des Künstlers könnt Ihr Euch gerne selbst einen Eindruck verschaffen.

Und auch an Lesestoff hatte der Juli einiges zu bieten und führte mich gleich zweimal nach Norwegen, in die Weltstädte Paris und New York, an die legendäre Otto-Falckenberg-Schule in München, in meine Heimatstadt Landshut und zweimal nach Bella Italia – aber der Reihe nach:

Mit Sigrid Undset’s „Kristin Lavranstochter – Das Kreuz“ ging die nobelpreisgekrönte Trilogie und für mich eine Reise durch das mittelalterliche Norwegen zu Ende, die mich literarisch aufgrund der großartigen und zeitgemäßen Übersetzung von Gabriele Haefs wirklich sehr für sich eingenommen hat. In drei Bänden durfte ich Kristin Lavranstochter durch schöne, aber auch schwierige Zeiten begleiten und in den immer noch aktuellen historischen Romanen mitverfolgen, was es bedeutete, als Frau im norwegischen Gudbrandsdalen des 14. Jahrhunderts gelebt zu haben.

In ein völlig anderes Norwegen entführte mich dann Toril Brekke mit ihrem Roman „Ein rostiger Klang von Freiheit“ – und zwar in die Hauptstadt Oslo des Jahres 1968 – politisch aufgeheizte Zeiten, Studentendemonstrationen und -proteste und mittendrin die kurz vor dem Abitur stehende Agathe und ihr kleiner Bruder Morten, die sich in turbulenten Zeiten ohne ihre Mutter, die mit einem Liebhaber nach Kopenhagen durchgebrannt ist, ihren eigenen Weg ins Leben suchen müssen. Ein sehr atmosphärischer, intensiver Roman, der den Zeitgeist der 68er sehr gekonnt einfängt.

Um starke Frauen mit einer ganz besonderen Verbindung geht es in Catherine Cusset’s Roman „Die Definition von Glück“. Ein Buch, das viele heiße Eisen und ernste Themen anpackt und anhand der Lebensgeschichten von Clarisse aus Paris und Ève aus New York erzählt, was es bedeutet, eine Frau zu sein – mit allen Höhen und Tiefen.

Im Juli konnte ich außerdem persönlich endlich eine entsetzliche Lücke schließen und zwar kann ich jetzt vollumfänglich meinen geschätzten BloggerkollegInnen beipflichten, die den dritten Teil von Joachim Meyerhoff’s Romanreihe „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ einfach nur umwerfend gut fanden. Ein Buch zum Niederknien – witzig und traurig zugleich – und ein höchst unterhaltsamer Ausflug in die Nymphenburger Villenwelt bzw. das Haus der Meyerhoff’schen Großeltern, aber vor allem auch ein Blick hinter die Kulissen einer renommierten Schauspielschule – wie der Otto-Falckenberg-Schule in München. Herrlich – ganz großes Theater zwischen zwei Buchdeckeln!

Schon bald werde ich Euch mit einer Buchvorstellung auch ein Kapitel meiner Heimatstadt Landshut vorstellen dürfen, und zwar hat Richard Rötzer mit „Narrenträume“ einen historischen Roman über die Zeit des bayerischen Herzog Wilhelm V. verfasst. Und sein Hofnarr hat so einiges zu erzählen – also lasst Euch überraschen, denn mehr dazu gibt es schon in Kürze hier auf der Kulturbowle.

Und auch meiner Italiensehnsucht habe ich diesen Monat wieder einmal ausführlich – wenn auch nur literarisch – gefrönt und zwar mit zwei wunderbaren, neuen Büchern von zwei Autoren, die ich bereits in der Vergangenheit kennen- und schätzen gelernt habe:

Tim Parks machte sich mit seiner Lebensgefährtin auf einen anspruchsvollen Fußmarsch durch Italien auf den Spuren Giuseppe Garibaldi’s: das dabei entstandene Buch „Der Weg des Helden: Auf Garibaldis Spuren von Rom nach Ravenna“ – ich möchte unbedingt demnächst noch ausführlicher berichten – ist spannend und sehr interessant zu lesen.

Und der ehemalige, langjährige SZ-Korrespondent in Rom Stefan Ulrich, dessen bisher erschienene Bücher (wie z.B. „Quattro Stagioni: Ein Jahr in Rom“) ich sehr mochte, hat mit „Und wieder Azzurro: Die geheimnisvolle Leichtigkeit Italiens“ eine gefühlvolle Liebeserklärung an das Land seiner Träume verfasst, in welcher er versucht zu ergründen, was für ihn (und vielleicht für so viele Deutsche, Schweizer und Österreicher) diesen ganz besonderen Zauber Italiens ausmacht. Ein wunderbares Buch für alle, die Italien lieben. Auch hierzu gibt es hoffentlich in Kürze einen ausführlicheren Beitrag.

Was bringt der August?

Es gibt tatsächlich bereits den zweiten Bloggeburtstag zu feiern, den ich selbstverständlich gerne stilecht mit einer Bowle begehen möchte – ich werde berichten und vielleicht stoßt Ihr ja virtuell mit mir an.

Und dann ist August natürlich Festspielzeit – da gibt es viel zu sehen – auch im Fernsehen – von Bayreuth über Bregenz nach Salzburg gibt es für alle Fans Oper satt:

Am 6. August um 20.15 Uhr geht es mit 3Sat zum großen Finale des Ring des Nibelungen zur „Götterdämmerung“ auf den Grünen Hügel in Bayreuth – man darf gespannt sein auf die Neuinszenierung von Valentin Schwarz, der den Ring im Stil einer Netflix-Serie in Szene setzen möchte.

Am 13. August zeigt 3Sat um 20.15 Uhr die diesjährige Neuinszenierung von Giacomo Puccini’s „Madame Butterfly“ auf der Bregenzer Seebühne – die spektakuläre Bühne besteht dieses Mal aus einem großen weißen Blatt Papier.

Und auch die Festspielstadt Salzburg darf nicht fehlen: am 20. August um 20.15 Uhr zeigt ebenfalls 3Sat die Barrie Kosky-Neuinszenierung von Leos Janáceks Oper „Káta Kabanová“ aus der Felsenreitschule.

Ich wünsche allen einen schönen und entspannten August! Genießt den Sommer und den Urlaub – falls einer ansteht – und bleibt gesund!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight Juli:

Eine sehr schöne vegetarische Alternative zu einem der klassischen bayerischen Biergartengerichte schlechthin, d.h. zum Wurstsalat, sind für mich Essigknödel. Ein erfrischendes, perfektes Sommeressen: einfach Semmelknödel in Scheiben schneiden, Zwiebeln drauf und mit Salz, Pfeffer und einem Essig-Öl-Dressing schön sauer anmachen. Wird aber leider in Biergärten meist nicht angeboten, so dass es die in der Regel nur zu Hause gibt.

Musikalisches im Juli:
Hängen geblieben ist bei mir diesen Monat ein Song, den Marlis Petersen bei der Sommernachtsgala in Grafenegg (noch bis 15.08.22 in der 3Sat Mediathek zu sehen) gesungen hat: „Where is it written“ aus dem Film „Yentl“ (Komponist: Michael Legrand) – da lohnt es sich auch das Original von Barbra Streisand aus dem Jahr 1983 nochmal nachzuhören.

„Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.“

(Ausschnitt aus dem Gedicht „Morgenwonne“ von Joachim Ringelnatz 1883 – 1934)

Aprilbowle 2022 – Eustasiusschnee und Feuerzauber

Der April begrüßte uns tatsächlich noch einmal mit Schnee – am 2. April – dem Namenstag des heiligen Eustasius, der lange Zeit als Gründer des bayerischen Kloster Weltenburg angesehen wurde, was mittlerweile jedoch als widerlegt gilt – hatten wir tatsächlich noch einmal eine weiße Winterlandschaft.
Im Laufe des Monats konnten wir dann jedoch den Frühling begrüßen: Osterglocken, Tulpen und Vergissmeinnicht lachen fröhlich aus den Gärten und in den Parks… und heben die Laune in nach wie vor düsteren Zeiten.

Einen fantastischen Feuerzauber durfte ich endlich – mit zwei Jahren pandemiebedingter Verspätung – im Landestheater Niederbayern erleben, denn die Ring-Produktion konnte mit „Die Walküre“ fortgesetzt werden. Eine extrem kurzweilige und sehr unterhaltsame Inszenierung, Musik zum Schwelgen und ein spielfreudiges, gut aufgelegtes Ensemble machten den Abend zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Und auch vom Landshuter Schauspielensemble gab es die Premiere einer großartigen Produktion zu feiern mit einem Schauspiel von Thomas Jonigk nach Stefan Zweig’s Roman „Ungeduld des Herzens“, das als Studiostück in der intimen Atmosphäre des Landshuter Salzstadls besonders intensiv zur Geltung kam.

Neu für mich entdeckt habe ich diesen Monat den ZEIT Wochenend-Podcast „Und was machst du am Wochenende?“ und ich habe zwei Folgen gehört, die mir gut gefallen haben: und zwar die mit Axel Hacke, dessen Buch „Ein Haus für viele Sommer“ ich diesen Monat gelesen habe und das ich geliebt habe (mehr dazu später im Text und hier auf der Bowle) und die mit Ulrich Wickert, den ich sowohl als Journalist, aber auch als Krimiautor schätze (da er gerade einen weiteren Krimi fertiggestellt hat, darf ich mich hier wohl auch bald auf Neues aus seiner Feder freuen).

Der Lesemonat April war so vielfältig wie das Wetter draußen vor dem Fenster:
Von Lyrik, über Krimis und Reiseliteratur bis hin zu außergewöhnlichen und feinen Romanen war alles dabei und auch die Schauplätze haben mich erneut weit herumkommen lassen: ein Wallfahrtsort am Niederrhein, die Gaspésie-Halbinsel in Kanada, Helsinki, Hamburg, Sardinien, Montagnola im Tessin, die Insel Elba, französische Klöster, München und New York – all das in einem Monat, das kann nur Literatur. Wer gerne einmal sehen möchte, wohin mich meine bisherigen Kulturbowle-Lektüren schon geführt haben, kann jederzeit mal hier nach sehen: „Die Welt erlesen“.

Wundervolle und geradezu meditative Momente bescherte mir gleich zum Monatsbeginn der feine Lyrikband „Ein Vogelruf trägt Fensterlicht“ von Christine Langer: Ästhetische und sinnliche Gedichte, die erden und zur Ruhe kommen lassen – für mich die ideale Poesie für die Zeit zwischen Tag und Nacht.

Bernadette Schoog’s Roman „Marie kommt heim“ beschreibt die Rückkehr einer Frau in einen niederrheinischen Wallfahrtsort, dem sie vor vielen Jahren aufgrund der Enge den Rücken gekehrt hatte, um dort die Mutter beim Sterben zu begleiten, zu der sie nicht immer das beste Verhältnis hatte: eine Reise in die Vergangenheit und zu den familiären Wurzeln, die so manche, unerwartete Überraschung und Erkenntnis bereithält. Intelligent, fein beobachtet und sehr schön zu lesen.

Ging es in Schoog’s Buch um Mütter und Töchter, so könnte man durchaus eine Parallele zu Roxanne Bouchard’s „Die Korallenbraut“ sehen, das unter anderem auch eine Vater-Sohn-Geschichte erzählt. Aber als Kriminalroman, der auf der kanadischen Gaspésie-Halbinsel spielt und als zweiter Fall von Sergeant Morales erneut vor allem von der intensiven, maritimen Atmosphäre lebt, hatte diese Lektüre doch letztlich einen völlig anderen Charakter.

Absolut außergewöhnlich und in jeder Hinsicht sehr besonders war der Roman „Der Schildkrötenpanzer“ des finnischen Autors Mooses Mentula. Eine abenteuerliche Reise durch Raum und Zeit, in der die Grenzen zwischen Fakten und Fiktion verschwimmen und so mancher totgeglaubte Erfolgsautor wieder zu neuem Leben erwacht. Ein schräg-skurriles literarisches Roadmovie aus Finnland!

Auf eine Zeitreise in die Vergangenheit schickte mich dann auch Hartmut Höhne’s Kriminalroman „Mord im Gängeviertel“, welcher die Sülzenunruhen in Hamburg 1919 als historischen Rahmen gewählt hat. Ein lehrreicher, für mich informativer und auch unterhaltsamer historischer Krimi, der ein spannendes Kapitel der Hamburger Stadtgeschichte wieder zum Leben erweckt.

Weiterhin in Krimilaune – doch in wärmeren, südlicheren Gefilden – durfte ich dann mit den nächsten beiden Büchern schwelgen:
Der mit großer Spannung erwartete zweite Fall von Gesuino Némus’ Sardinien-Krimireihe „Süße Versuchung“ schenkte mir sonnige und kurzweilige Lesestunden im kleinen Örtchen Telévras, das ich schon aus „Die Theologie des Wildschweins“ kannte. Durch den Zeitsprung in die Gegenwart – der erste Teil spielte im Sommer 1969 – und die neuen Figuren hat dieser Band einen anderen Charakter als der erste Teil und ist doch auf seine Art ebenfalls wieder etwas Besonderes – ein extravagantes, charmantes, sardisches Krimivergnügen!

Eine neue Ermittlerin und den Auftakt zu einer neuen Regio-Krimireihe im schönen Tessin durfte ich mit Mascha Vassena’s „Mord in Montagnola“ kennenlernen. Sympathische, intellektuelle Figuren, eine urige, sonnige und authentische Urlaubsatmosphäre in dem Tessiner Ort, der lange Hermann Hesse’s Wahlheimat war, literarische und kulinarische Anspielungen – für mich ein ideales Sommerbuch für einen Abend auf Balkon oder Terrasse – auch wenn ich ihn temperatur- und witterungsbedingt noch auf der Couch gelesen habe.

Die Italiensehnsucht und das Fernweh hat mich dann endgültig gepackt, als ich das wunderbare neue Buch von Axel Hacke „Ein Haus für viele Sommer“ gelesen habe, in dem er sein Ferienhaus auf der Insel Elba, aber vor allem auch seine Begegnungen mit den Menschen dort, beschreibt. Ein zauberhaftes, lichtdurchflutetes, fröhliches Buch, das glücklich macht und mit Sicherheit einer meiner Lesehöhepunkte in diesem Jahr sein wird. (Eine ausführliche Rezension wird folgen.)

Wer nach etwas Ruhe in unruhigen Zeiten sucht, kann sich – wie ich es diesen Monat getan habe – in die Obhut der Reiseliteratur von Patrick Leigh Fermor begeben: in seinem schmalen Band „Eine Zeit der Stille – Zu Gast in Klöstern“, beschrieb er 1957 seine Erfahrungen, die er bei mehreren Aufenthalten als Gast in (vorwiegend) französischen Klöstern (u.a. einem Trappistenkloster) gemacht hat. Sprachlich sehr schön und besinnlich, so dass man auch als LeserIn die Welt um sich für die Zeit der Lektüre eine Weile vergessen kann.

Die letzten zwei Bücher des Monats standen ganz im Zeichen zweier besonderer Frauenfiguren:
Katharina Adler’s Roman „Iglhaut“, der im Mittelpunkt eine stachlige, eigenwillige Frau hat, die in einem Münchner Hinterhof eine kleine Schreinerwerkstatt betreibt und dort neben ihren eigenen Problemen auch die Sorgen, Nöte und unterschiedlichsten Lebensumstände der anderen Mieter des Hauses hautnah mitbekommt. Ein buntes Kaleidoskop an Erzählsträngen und Figuren, ein facettenreiches Spiegelbild unserer Gesellschaft mit einem ganz eigenen, besonderen Charme.

In jeder Hinsicht außergewöhnlich und besonders ist auch Tante Mame, der Star in Patrick Dennis’ Roman „Darling – Meine verrückte Tante aus New York“ aus dem Jahr 1955, der jetzt durch eine Neuauflage ein Revival für deutschsprachige Leser erfahren könnte. Ein lustiger, humorvoller Roman über eine gewitzte Lebenskünstlerin und Lebedame aus New York, die ihren Neffen und Ziehsohn mehr als einmal in die Bredouille bringt. Ich werde Euch diese spannende Dame bald näher vorstellen.

Was bringt der Mai?
Dieser Monat steht bei mir im Zeichen von kulturellen Nachholterminen und ich hoffe sehr, dass jetzt alles klappt:
Ein Stück im „Kleinen Theater“ bzw. den Landshuter Kammerspielen – „Die Geierwally“ als Ein-Personen-Stück mit Barbara Kratz unter der Regie von Diana Anders.
Nach zweimaliger Verschiebung finden nun hoffentlich endlich auch die ursprünglich für 2020 geplanten 20. Landshuter Hofmusiktage – ein europäisches Festival alter Musik – statt, das dieses Mal unter dem Motto „Frau Musica – Musik von, mit und über Frauen“ steht.
Am Landestheater Niederbayern hoffe ich im zweiten Anlauf auf die heiß ersehnte Premiere des Musicals „Me and my girl“, die wegen Erkrankungen im Ensemble vom März auf Mai verlegt werden musste.

Und auch einen Film habe ich mir wieder notiert: Am Sonntag, den 22. Mai 2022 zeigt ARTE um 20.15 Uhr „Il Traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra“ – ein Thriller nach wahren Begebenheiten und mit einer Dokumentation im Anschluss.

Das heißt der Mai hat kulturell einiges zu bieten und vielleicht kann auch die „Draußen-Lese-Saison“ endlich eröffnet werden. Denn lektüretechnisch freue ich mich jetzt verstärkt auf sommerliche Literatur und habe schon viel Schönes zum Schmökern bereitgelegt.

Ich wünsche allen einen kulturell und literarisch abwechslungsreichen, wunderbaren, gesunden, freundlichen und friedlichen Mai!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight April:
Es ist Bärlauch-Zeit! Eine schöne Zubereitungsmöglichkeit sind Bärlauch-Käsespätzle – die bringen Farbe auf den Teller und schmecken wunderbar. Einfach bei der Zubereitung des Spätzleteigs den Bärlauch hinzufügen und pürieren.

Musikalisches im April:
Es gibt ein wunderbares Musikstück des Herbert Pixner Projekts, das mich auch zur Überschrift meiner Aprilbowle (bzw. dem Eustasiusschnee) inspiriert hat und zwar „Antoni Schnee“ – stimmungsvoll zauberhafte Musik aus den Alpen und nur eines der vielen großartigen Stücke dieser Formation.

Leise zieht durch mein Gemüt

Leise zieht durch mein Gemüt
Liebliches Geläute.
Klinge, kleines Frühlingslied.
Kling hinaus ins Weite.

Kling hinaus, bis an das Haus,
Wo die Blumen sprießen.
Wenn du eine Rose schaust,
Sag, ich laß sie grüßen.

(Heinrich Heine)

Märzbowle 2022 – Eskapismus und Saharastaub

Der März hatte wettertechnisch nicht nur Saharastaub, sondern vor allem auch viele sonnige Tage zu bieten, was vom Weltgeschehen leider nicht behauptet werden konnte. Eskapismus (laut Wikipedia: auch Realitätsflucht, Wirklichkeitsflucht oder Weltflucht, bezeichnet die Flucht aus oder vor der realen Welt und das Meiden derselben mit ihren Anforderungen zugunsten einer Scheinwirklichkeit, d. h. imaginären oder möglichen besseren Wirklichkeit) in Form von kulturellen Erlebnissen oder Lektüren bleibt daher weiterhin eine Möglichkeit, um sich zumindest zeitweise abzulenken oder mit Positivem zu beschäftigen.

Auch wenn nicht alle geplanten Theaterbesuche diesen Monat wie gewünscht stattfinden konnten (leider musste die von mir heiß ersehnte Premiere des Musicals „Me and my girl“ in Landshut aufgrund einer Erkrankung im Ensemble abgesagt werden), habe ich es doch Ende des Monats immerhin zu einem sehr schönen Opernbesuch im Landestheater Niederbayern geschafft: Gaetano Donizetti’s Belcanto-Oper „Roberto Devereux“ – tolle Stimmen, eine wunderbare, stimmige Inszenierung und grandiose Musik. Ganz große Oper, die mich wirklich begeistert hat.

Auch das schöne und umfangreiche Streamingangebot des Literaturhauses München habe ich diesen Monat endlich einmal genutzt: Unter dem Titel „Hannah Arendt & Rahel Varnhagen“ gab es einen hochinteressanten Abend über die beiden Frauen – Hannah Arendt bezeichnete Rahel Varnhagen als ihre beste Freundin, die leider seit 100 Jahren tot sei. Eine Veranstaltung im Begleitprogramm der aktuell laufenden Hannah Arendt-Ausstellung „Das Wagnis der Öffentlichkeit“, die noch bis 24.04.22 im Literaturhaus München zu sehen ist. Liliane Weissberg (Professorin für Literatur an der University of Pennsylvania und Rahel Varnhagen-Experin) referierte und Sibylle Canonica – renommierte Schauspielerin am Münchner Residenztheater – las Stellen aus dem Werk Rahel Varnhagen’s und aus Hannah Arendt’s Biografie „Rahel Varnhagen – Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik“.

Sehenswert war diesen Monat der Fernsehfilm „Honecker und der Pastor“ mit Edgar Selge (sein Roman „Hast du uns endlich gefunden“ steht auch noch auf meiner Wunschliste) als Erich Honecker. Großartige Schauspieler und ein bisher wenig beleuchtetes Kapitel der deutschen Geschichte – für mich ein gelungener, interessanter Fernsehabend. Der Film ist noch bis zum 11.03.23 in der ZDF Mediathek verfügbar.

Der März war jedoch für mich vor allem ein richtiger Lese- und Schmökermonat. Denn statt Fernsehen und „Doomscrolling“ (wohl das neue Wort – oder Unwort? – des Monats) habe ich mich meist lieber in die Welt der Bücher zurückgezogen und bin literarisch auch ganz schön herumgekommen: Oslo, Paris, Griechenland, Triest, Sizilien, Sibirien, London, Elsass, Sylt … das ist normalerweise in einem Monat nicht zu schaffen.
Da einiges zusammengekommen ist, versuche ich, mich kurz zu fassen – die ausführlichen Rezensionen sind soweit vorhanden verlinkt (dieses Mal wird es mir wahrscheinlich nicht gelingen, alle noch in ausführlicher Form nachzuliefern, aber ein paar sind noch fest geplant):

Lene Therese Teigen’s Roman „Schatten der Erinnerung“ über Tulla Larsen, die Geliebte und Verlobte von Edvard Munch, war bewegende Literatur über eine Frau im Schatten eines großen Künstlers in einer toxischen Beziehung – anspruchsvoll, schmerzlich und traurig. Sehr lesens- und lohnenswert, aber keine leichte Kost.

Einer meiner Lieblinge diesen Monat war das wunderbare Buch „Das Herz von Paris“ der Autorin Veronika Peters. Einzutauchen ins intellektuelle, literarische Paris der Zwanziger Jahre und in Odéonia Sylvia Beach, Adrienne Monnier und Djuna Barnes sowie die legendäre Buchhandlung „Shakespeare and Company“ kennenzulernen war Balsam für die Seele.

Absolut kurzweilig und sehr amüsant war Stephen Fry’s „Mythos“ – seine Nacherzählung der griechischen Göttersagen ist so herrlich menschlich und urkomisch mit unwiderstehlichem britischen Witz erzählt, dass ich sie regelrecht verschlungen habe. Ein echter Glücksfall!

Very british ging es auch mit Marie Benedict’s neuem Roman „Mrs Agatha Christie“ weiter, in welchem sie nicht nur die Lebensgeschichte der Queen of Crime, sondern vor allem die mysteriösen elf Tage im November 1926 in den Mittelpunkt stellt, an welchen die Autorin verschwunden war und polizeilich gesucht wurde – ein ungeklärtes Mysterium bis heute.

Dann führte mich meine Reise weiter nach Bella Italia: Zunächst ins Triest des Jahres 1907 mit Günter Neuwirth’s „Caffè in Triest“ – dem zweiten Fall mit Inspector Bruno Zabini – K.u.K-Flair, Kaffeeduft, starke Frauen und ein Mord – eine stimmungsvolle Lektüre.

Eine opulente Familiensaga zwischen Sizilien und München bescherte mir Mario Giordano’s „Terra di Sicilia – Die Rückkehr des Patriarchen“. Die Geschichte über einen Sizilianer, der in München sein Glück sucht und eine Familiendynastie begründet, schwankt zwischen Lebenslust und Melancholie, sizilianischer Zitronenplantage und Münchner Großmarkthalle – ein überbordendes, sinnliches Leseerlebnis.

Kulinarisch und märchenhaft ging es weiter ins schöne Elsass mit Julia Mattera’s „Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach“. Eine verspielte, zauberhafte Geschichte über einen introvertierten Koch, der lieber mit seinen Pflanzen als mit seinen Gästen spricht und sich plötzlich doch öffnet und dem Leben zuwendet. Ein modernes Märchen und eine Ode an regionale, bodenständige Küche.

Eine kurze, intensive Lektüre bot mir Katerina Poladjan’s Roman „Zukunftsmusik“, der auch für den Preis der Leipziger Buchmesse 2022 nominiert war. Vier Generationen von Frauen in einer russischen Kommunalka und die Sehnsucht nach Veränderungen in einem Moment, als Verkrustetes aufzubrechen scheint. Monika Rinck bezeichnet das Werk als „Romanessenz“ – das trifft den Charakter des Werks wirklich gut aus meiner Sicht.

Ein wenig gehadert habe ich mit Nell Leyshon’s Roman „Ich, Ellyn“, denn mit dem Schreibstil hatte ich bei der Lektüre meine Probleme. Der Roman, der die Geschichte eines Mädchens aus einfachen Verhältnissen im England des 16. Jahrhunderts erzählt, das sich als Junge verkleidet, um an einer Singschule aufgenommen zu werden, beschreibt die Entwicklung des Mädchens und ihren unkonventionellen Weg zu Bildung. Dies bildet Leyshon auch im Schreibstil ab – so wird über weite Strecken in einer Sprache ohne jegliche grammatikalische Regeln, ohne Großbuchstaben und ohne Satzzeichen erzählt, bis sich gegen Ende des Romans die zunehmende Bildung des Mädchens auch in korrekten, vollständigen Sätzen mit Interpunktion widerspiegelt. Eine gute Geschichte, mit der ich jedoch sprachlich und stilistisch etwas gerungen habe.

Ziemlich zu Beginn meiner Kulturbowle habe ich „Ozelot und Friesennerz“ vorgestellt – die Geschichte einer Sylter Kindheit. Jetzt hat Susanne Matthiessen mit „Diese eine Liebe wird nie zu Ende gehen“ die Fortsetzung in Form des Romans einer Sylter Jugend vorgelegt, die mir erneut Einblicke in die Sichtweise einer gebürtigen Insulanerin gewährt hat. Man erfährt viel über das Sylt der 80er, aber bekommt auch einen Eindruck der gespenstisch-schönen Atmosphäre, die während der Corona-Lockdowns auf Sylt herrschte, als die Insel für eine Zeit lang wieder ausschließlich den Einheimischen gehörte.

Zeit für Paris und Krimis boten meine beiden nächsten Lektüren:
Alex Lépic fünfter Fall „Lacroix und der blinde Buchhändler von Notre-Dame“, in welchem er seinen Commissaire Lacroix, der scherzhaft auch Maigret genannt wird, im Milieu der Bouquinistes ermitteln lässt und der mich dann gleich in die Stimmung für ein Original versetzt hat, so dass ich dann zu Georges Simenon „Maigret amüsiert sich“ gegriffen habe. In beiden Fällen Krimis, wie sie für mich sein sollen und mich bestens unterhalten haben – doppelter Krimi-Genuss!

Eine völlig andere Zutat in meiner Kulturbowle – doch gerade die Mischung macht ja den besonderen Reiz für mich aus – war sicherlich das neu erschienene Sachbuch des berühmten Baritons Christian Gerhaher „Lyrisches Tagebuch: Lieder von Franz Schubert bis Wolfgang Rihm“. Seine Gedanken zu seinem Liedrepertoire, zu Aufführungspraxis, gesanglichen Herausforderungen und all das in Verbindung mit persönlichen Assoziationen und biografischen Schlüsselszenen seiner Karriere eröffneten mir eine völlig neue Perspektive auf die Entstehung von Kunst und insbesondere die Kunst des Liedgesangs.

Und last but not least durfte ich noch eine tolle Romanheldin kennenlernen: die Chemikerin und Fernsehköchin Elizabeth Zott in Bonnie Garmus’ Roman „Eine Frage der Chemie“. Eine starke Frau Anfang der Sechziger Jahre, die um Anerkennung und gegen sexuelle Diskriminierung kämpft und kein Blatt vor den Mund nimmt. Ich werde sie Euch bald näher vorstellen und Ihr werdet erfahren, was Chemie mit Kochen zu tun hat. Für mich ein fulminanter Abschluss eines wirklich starken Lesemonats.

Was bringt der April?
Am Landestheater Niederbayern steht Mitte des Monats die Premiere von Richard Wagner’s „Die Walküre“ auf dem Programm, die im März 2020 leider aufgrund des ersten Corona-Lockdowns ausgefallen ist. Jetzt also ein weiterer Anlauf zur Fortsetzung des Rings in Niederbayern – haltet bitte die Daumen, dass es jetzt endlich klappt!

Auf ARTE gibt es am 12. April (und anschließend in der Mediathek bis zum 17.06.22) eine 4-teilige Dokumentation über die „Geschichte des Antisemitismus“, welche die Zeit von 38 n. Chr. bis heute beleuchtet. Mich hatte letztes Jahr die Lektüre von Mirjam Pressler’s „Dunkles Gold“ sehr berührt, das sich diesem wichtigen Thema auf literarische Art nähert. Jetzt fundiert in dokumentarischer Form das Wissen wieder aufzufrischen, habe ich mir fest vorgenommen.

Vielleicht auch mal wieder eine Ausstellung besuchen… mal sehen, was sich ergibt. Und wie immer weiterlesen: für den April habe ich mir wieder ein paar sehr schöne Bücher vorgenommen und zurechtgelegt. Von Lyrik bis Krimi wird alles dabei sein – für Abwechslung ist also gesorgt und ich werde berichten.

Ich wünsche allen viel Kraft, Mut und Stärke und einen guten Start in den April! Bleibt gesund und zuversichtlich!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight März:

Diesen Monat habe ich ein neues Rezept aus dem ZEIT-Magazin ausprobiert. Chefredakteur Giovanni di Lorenzo persönlich hatte eines seiner privaten Notfallrezepte verraten, wenn nicht mehr viel im Kühlschrank ist: „Besoffene Nudeln“ bzw. „Pasta und Primitivo“ Nudeln in Rotwein-Parmesan-Sauce. Schmeckt wirklich vorzüglich und hilft gegen Sorgen und schlechte Laune – oder wie Herr di Lorenzo es formuliert gegen „melancholische Anflüge“. Kann ich also wirklich empfehlen.

Musikalisches im März:
Mein musikalisches Glanzlicht diesen Monat war sicherlich die Oper „Roberto Devereux“ – wunderschöne Musik – unter anderem die großartige Bariton-Arie des Nottingham „Forse in quel cor sensibile“ oder die traumhafte Arie der Elisabetta „Ah! Ritorna qual ti spero“, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Der Einsiedler
Joseph von Eichendorff

Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd’,
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.

Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.

O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so müd gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Laß ausruhn mich von Lust und Not,
Bis daß das ew’ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.

Februarbowle 2022 – Frühlingsboten und Alltagsfluchten

Zu Beginn des Monats hoffte man auf länger werdende Tage und die ersten Frühlingsboten. Doch der Februar war nicht nur stürmisch, sondern je heller die Tage wurden und je mehr Schneeglöckchen, Winterlinge und Krokusse aus dem Boden spitzten, um so dunkler und bedrückender wurde es leider.
Trost, Zuflucht und Ablenkung suchte ich bei Theaterbesuchen und in Büchern – kleine Alltagsfluchten und etwas Eskapismus waren ebenso Teil des Februars.

Die große Bandbreite, die Theater und Schauspiel bieten kann, durfte ich mit zwei großartigen Stücken am Landestheater Niederbayern erfahren.
Vom sehr ernsten, schwermütigen, eindrucksvollen und unter die Haut gehenden Fassbinder-Stück „In einem Jahr mit dreizehn Monden“ mit einem grandiosen Joachim Vollrath in der Hauptrolle der Elvira zur luftig-leichten Boulevardkomödie „Das (perfekte) Desaster-Dinner“, die mir zwei Stunden Lachen und gute Laune bescherte. Theaterabende wie sie unterschiedlicher kaum sein können und genau das macht aus meiner Sicht die Faszination aus.

Einen guten Film habe ich auch gesehen im Februar:
Akte Grüninger“ (2014), der noch bis zum 04.03.22 in der 3Sat-Mediathek zur Verfügung steht. Basierend auf einer wahren Begebenheit erzählt der Film, wie Im Jahr 1938 der Schweizer Polizeihauptmann Paul Grüninger jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland zur Flucht in die Schweiz verhalf, indem er ihre Einreisevisa vordatierte.

Doch Bücher spielten definitiv wieder die größere Rolle und für den kürzesten Monat des Jahres war mein Lesepensum dieses Jahr mit zwölf Büchern ziemlich erstaunlich.
Gleich zu Beginn des Monats konnte ich eine wirkliche Krimiperle und eine für mich neue Autorin entdecken, die mich sehr begeistert hat: Josephine Tey und ihren Kriminalroman „Nur der Mond war Zeuge“. Faszinierend wie ein Krimi aus dem Jahr 1948, der schon weit über 70 Jahre auf dem Buckel hat, nichts an Spannung eingebüßt hat.

In seinem autobiografischen Werk „Am Ende der Via Condotti“ beschreibt der Ungar Sándor Lénárd, wie er als jüdischer Flüchtling 1938 aus Wien nach Rom kam und sich dort ein völlig neues Leben aufbaute, die Sprache lernte, die Stadt und die Menschen kennenlernte. Zugleich beobachtet er mit scharfem Blick, wie Italien zunehmend in die Diktatur abgleitet. Ein Buch, das mich bewegt und berührt hat – und mich zugleich ein paar Stunden in die ewige Stadt entführen konnte.

Von Rom nach Berlin: Maxim Leo’s neuer Roman „Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse“ erzählt, wie schnell aus einer kleinen Unwahrheit ein großes Lügengebäude entstehen kann. Ein Hochstaplerroman, der mit viel Augenzwinkern und einer gehörigen Prise satirischem Witz eine deutsch-deutsche Geschichte 30 Jahre nach dem Mauerfall erzählt.

Hochspannend und packend war Hartmut Palmer’s Roman „Verrat am Rhein“, der vom gescheiterten Misstrauensvotum gegen Willy Brandt von 1972 handelt. Interessante Hintergründe aus der Feder eines langjährigen, erfahrenen politischen Journalisten über gekaufte Stimmen, Geheimdienste und Spionage verwoben mit einer fiktiven Familiengeschichte – fesselnde Literatur über ein bislang literarisch wenig behandeltes Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Etwas mehr erhofft hatte ich mir persönlich von Tim Finch’s Roman „Friedensgespräche“. Ein erfahrener Diplomat, der auf die Vermittlung bei Friedensverhandlungen spezialisiert ist, sinniert bei einem Einsatz in einem abgeschiedenen Hotel in verschneiten Bergen über Musik, Literatur, das Leben und die Liebe. Er trauert um seine vor kurzem verstorbene Frau und so bekommt der Titel eine besondere Doppeldeutigkeit, denn er sucht nicht nur nach einem Weg zum Frieden zwischen den verfeindeten Delegationen, sondern auch nach seinem persönlichen, inneren Frieden. Neben schönen, poetischen Szenen finden sich auch einige Abschnitte, die auf mich eher befremdlich wirkten – so war für mich das Werk über die Trauerarbeit und das Hadern der Hauptfigur, nicht gemeinsam mit seiner Frau alt werden zu dürfen, letztlich leider nicht ganz rund.
Eine ausführliche Rezension gibt es bei Deutschlandfunk Kultur.

Ein absolut beeindruckendes und außergewöhnliches Debüt durfte ich mit Mattia Insolia’s „Die Hungrigen“ lesen. Wahrlich keine leichte Kost über zwei junge Männer in Süditalien, die in armseligen Verhältnissen und ohne jede Zukunftsperspektive leben. Eine herzzerreißende Geschichte über zwei Brüder, die es nie gelernt haben, ihre Gefühle zu zeigen und die sich in einem Strudel von Armut, Gewalt und Kriminalität verlieren.

Sybille Bedford war eine Reisende und sie war eine wahre Europäerin: in ihrem autobiografischen Werk „Treibsand“ erzählt sie über ihr Leben zwischen Sanary-sur-Mer, Rom, Paris, London und Neapel und ihre Liebe zu Kunst, Kultur, gutem Essen und Literatur. Sie war Zeitgenossin und unter anderem befreundet mit Aldous und Maria Huxley, Klaus und Erika Mann – sie führte ein schillerndes Leben als Journalistin und Schriftstellerin, das viel Erzählstoff bietet.

Eine schöne Überraschung war Gianna Milani’s Krimi „Commissario Tasso auf dünnem Eis“, den ich bei Mona’s Krimiliteraturquiz auf ihrem Blog „Tintenhain“ gewonnen habe. Glück bei der Verlosung und viel Freude bei der Lektüre dieses charmanten Südtirol-Krimis, der in den Sechzigern spielt und ebenfalls eine herrliche Alltagsflucht in die verschneite italienische Bergwelt bietet – was will man mehr?

Mit Amanda Cross’ „Die letzte Analyse“ konnte ich einen weiteren Krimiklassiker entdecken, der gerade eine Renaissance erlebt. Die Literaturprofessorin Kate Fansler schlittert eher zufällig in ihren ersten Fall, als eine ihrer Studentinnen auf der Couch des Psychoanalytikers ermordet wird, den sie ihr persönlich empfohlen hat. Ein Kriminalfall im New Yorker Intellektuellenmilieu aus dem Jahr 1964. Unterhaltsam!
Es gibt bereits sehr schöne Besprechungen bei Anna auf buchpost, bei Leseschatz, Letteratura oder literaturleuchtet, die einen ausführlichen Einblick geben.

Eine weitere Zeitreise – allerdings ins Wien der Fünfziger Jahre – schenkte mir Elisabeth de Waal’s Buch „Donnerstags bei Kanakis“. Atmosphärisch dicht wird erzählt, wie ein jüdischer Wissenschaftler aus der Emigration in den USA in seine alte Heimat Wien zurückkehrt. Doch schnell wird klar, dass er sein altes Leben nicht zurückbekommt – zu viel hat sich zwischenzeitlich verändert. Und auch die junge Amerikanerin mit österreichischen Wurzeln Marie-Theres wird im Nachkriegsösterreich nicht glücklich. Ein authentisches Zeit- und Sittengemälde!

Dass er auch schon vor zehn Jahren ein grandioser Geschichtenerzähler war, konnte ich bei der Lektüre von Ewald Arenz’ Roman „Das Diamantenmädchen“ aus dem Jahr 2011 feststellen. Ein funkelndes Schmuckstück aus dem glitzernden Berlin der Zwanziger Jahre mit sympathischen Figuren, das ich regelrecht verschlungen habe – hier möchte ich bald noch ausführlicher berichten.

Und last, but not least ein Werk aus Frankreich: Louise De Vilmorin „Belles amours“. Der Roman aus dem Jahr 1954 über eine verhängnisvolle Dreiecksbeziehung mit ausdrucksstarken, feinen Charakterzeichnungen in einer Neuübersetzung von Patricia Klobusiczky – ein ästhetischer, intelligenter Lesegenuss – auch hierzu gibt es sehr bald einen ausführlichen Beitrag.

Was bringt der März?
Im Landestheater Niederbayern freue ich mich ganz besonders auf die Premiere des Musicals „Me and my girl“ (Musik von Noel Gay). Schon das erste Reinhören in ein paar Songs und auch die Werkeinführung war sehr vielversprechend und so hoffe ich auf einen unterhaltsamen, fröhlichen Theaterabend, der mit wunderbarer Musik aus den 30er Jahren hoffentlich die Sorgen für ein paar Stunden vergessen und die Seele tanzen lässt.

Die Bayerische Staatsoper bietet voraussichtlich am Sonntag, den 06.03.22 um 18.00 Uhr auf Staatsoper TV einen Videolivestream aus dem Münchner Nationaltheater von Benjamin Britten’s „Peter Grimes“ in einer Neuinszenierung von Stefan Herheim an. Die Titelrolle singt Stuart Skelton und Rachel Willis-Sørensen ist als Ellen Orford zu sehen.

Für Opernfans könnte aber auch die Ausstrahlung der „Aida“ aus der Dresdner Semperoper auf ARTE am 13.03.22 um 16.25 Uhr ein besonderer Höhepunkt im März werden. Die Inszenierung ist von niemand geringerem als Katharina Thalbach und der von mir sehr geschätzte Georg Zeppenfeld gibt sein Rollendebüt als Ramfis. In den Hauptrollen sind Francesco Meli und Krassimira Stoyanova zu erleben.

Neugierig bin ich auch auf den Fernsehfilm „Honecker und der Pastor“, der am 18.03.2022 um 20.15 Uhr auf ARTE und am 21.03.22 um 20.15 Uhr vom ZDF ausgestrahlt wird. Edgar Selge spielt Erich Honecker und es geht um die zehn Wochen im Jahr 1990, in welcher Honecker und seine Frau beim evangelischen Pastor Uwe Holmer Zuflucht fanden.

Mein Bücherstapel – oder wohl besser meine Bücherstapel – bieten noch reichlich Stoff für etwas Eskapismus und weitere Alltagsfluchten bzw. literarische Reisen im März, von welchen ich auch weiterhin berichten möchte.

Hoffen wir also das Beste und ich wünsche allen einen guten, gesunden Start in den Frühling und den März! Passt auf Euch auf!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight Februar:

Die kulinarische Neuentdeckung des Monats habe ich Nanni und ihrem Blog „Helden der Vorzeit“ zu verdanken: Es gab zum ersten Mal Tartiflette – allerdings eine vegetarische Variante ohne Speck: Kartoffeln, Zwiebeln, Weißwein und Reblochon, ein wenig würzen und ab in den Ofen… und relativ schnell hat man eine wunderbare, wohlige und würzige Mahlzeit.

Musikalisches im Februar:
Ein emotionaler, musikalischer Moment war in diesem Jahr erneut (wie auch schon in 2021) der Song „Halt mer zam“ der A-cappella-Band Viva Voce bei der Fastnacht in Franken im Bayerischen Fernsehen. Ein Stück, das auch nach einem Jahr nichts an Aktualität und musikalischer Qualität verloren hat.

„Ich mag die Bibliothek sehr und bin stolz darauf, dass ich unter Millionen Büchern stets den gesuchten Band finde. Ein wenig ist das so wie das Spiel auf einer Riesenorgel oder als ob jemand in einer Millionenstadt nach der für ihn bestimmten Frau sucht – Bücher haben ein Schicksal, so wie ihre Leser auch: Alles hängt davon ab, ob und wann sie sich begegnen.“

(aus Sándor Lénárd’s „Am Ende der Via Condotti“, S.290)

Januarbowle 2022 – Grautöne und Winterlicht

Nach einem geradezu frühlingshaften Neujahrstag, der uns einen bayerisch weiß-blauen Himmel wie aus dem Bilderbuch bescherte, war der Rest des Januars eher geprägt von viel Grau und zahlreichen Tagen mit zähem Hochnebel, der sich nur äußerst selten von der Sonne durchbrechen ließ.

Kulturell und literarisch war der Januar hingegen deutlich freundlicher und so kann ich den Start ins neue Jahr diesbezüglich als gelungen bezeichnen:

Zu Beginn des Jahres habe ich es noch geschafft, die Ausstellung „Winter im Licht“ (27.11.21 – 09.01.2022) mit Werken des Landshuter Malers Bernhard Kühlewein in der Heiliggeistkirche zu besuchen. Zumal sich der Winter im richtigen Leben diesen Januar nicht von seiner prächtigen Seite zeigen wollte und uns keinen dauerhaften Schneegenuss bescherte, waren diese schönen Gemälde mit stimmungsvollen Winterlandschaften eine willkommene, lichte Abwechslung.

Letztes Jahr noch digital in der Mediathek und dieses Jahr endlich live im Landshuter Theaterzelt konnte ich das großartige Schauspiel von Ayad Akhtar „Die unsichtbare Hand“ (Regie: Oliver Heinz Karbus) erleben. Das brisante Drama um den von Terroristen entführten Investmentbanker, der sich sein Lösegeld durch Aktiengeschäfte selbst verdienen muss, ist hochspannend. Eine grandiose schauspielerische Leistung des Ensembles und insbesondere auch von Stefan Sieh in der Rolle des Nick Bright, die unter die Haut geht.

Dank der Ausstrahlung des ORF2 konnte ich diesen Monat von meiner Couch aus große Oper aus dem Theater an der Wien verfolgen: Puccini’s „Tosca“ mit der hervorragenden und ausdrucksstarken Sopranistin Kristīne Opolais in der Hauptrolle. Regisseur Martin Kušej inszeniert das Stück als ziemlich brutales und grausames Drama im Schnee und erntete hierfür viele Buhrufe des Publikums.

Gehört habe ich auf BR Klassik die diesjährige Hörbiografie „Doppeltes Spiel“, die dem russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch gewidmet ist, welche bis zum 15.01.22 in der Mediathek zur Verfügung stand und jetzt als CD erhältlich ist. Gelesen von Udo Wachtveitl und Ulrich Matthes erhält man einen umfassenden Einblick in das turbulente Leben des Künstlers, der über die von Julian Barnes im Roman „Der Lärm der Zeit“ beschriebene Zeitspanne deutlich hinausgeht und mit zahlreichen Hörbeispielen unterlegt ist.

Ebenfalls empfehlen kann ich die Hörspielkrimis mit Bjarne Mädel „Sörensen hat Angst“ und „Sörensen fängt Feuer“ in der ARD Audiothek.
Nach Anna’s begeisterter Besprechung der Sörensen-Krimis von Sven Stricker auf ihrem Blog buchpost habe ich mich ausnahmsweise mal für die Hörspielvarianten entschieden. Die dritte Folge „Sörensen am Ende der Welt“ werde ich mir sicherlich auch bald noch zu Gemüte führen.

Und was gibt es Filmisches zu erwähnen?
Der stärkste und wichtigste Film, den ich diesen Monat gesehen habe, war zweifelsohne „Die Wannseekonferenz“ (noch bis zum 24.01.2023 verfügbar in der ZDF Mediathek) mit einem großartigen Schauspielerensemble (u.a. mit Philipp Hochmair als Reinhard Heydrich und Maximilian Brückner als Dr. Eberhard Schöngarth) unter der Regie von Matti Geschonneck. Ebenso empfehlenswert ist unbedingt die dazugehörige 44-minütige Dokumentation, die ebenfalls in der ZDF Mediathek neben weiterem Informationsmaterial zur Verfügung steht.

Schmunzeln hingegen konnte ich bei der französischen Komödie aus dem Jahr 2017 „Das Leben ist ein Fest“ („C’est la vie“). Ich bin wahrlich kein Fan von Hochzeitskomödien und mache da normalerweise einen Bogen herum, aber dieses Werk der Macher von „Ziemlich beste Freunde“ war wirklich amüsant.

Der Auftakt in mein Lesejahr 2022 war sehr gelungen, ergiebig – die langen Wintertage und -nächte sind einfach eine gute Zeit zum Lesen – und auch sehr vielseitig. Sachbuch, Krimi, Lyrik, literarische Europareise, große Gefühle… da war alles und sehr viel Schönes dabei.

Gleich zu Beginn des Jahres konnte ich mit Florian Illies’ „Liebe in Zeiten des Hasses“ ein großartiges, überbordendes und wunderbares Buch über die Zeit von 1929-1939 lesen. Kleine Szenen und Anekdoten, die in der Summe ein schillerndes Kaleidoskop dieser Zeit ergeben, das sich zu einem stimmigen Ganzen zusammensetzt. Ein Sachbuch über Literatur, Kunst, Kunst- und Zeitgeschichte, das ich uneingeschränkt empfehlen kann.

Kriminell gut ins neue Jahr gestartet bin ich mit Richard Osman’s Bestseller „Der Donnerstagsmordclub“, der in einer luxuriösen englischen Seniorenresidenz vier rüstige, pensionierte Bewohner auf Mörderjagd schickt. Herzerwärmend, amüsant und kurzweilig – ein Tipp für Krimifans, die Humor und das feine Florett dem blutigen, brutalen Krimisäbel vorziehen.

Endlich habe ich es auch geschafft, meine Literarische Europareise bzw. Europabowle fortzusetzen und konnte mit Nataša Kramberger’s Roman „Verfluchte Misteln“ Slowenien bereisen. Die Schriftstellerin, die aus Berlin in ihre slowenische Heimat zurückkehrt, um dort den Bauernhof der Familie zu übernehmen und auf biodynamische Bewirtschaftung umzustellen und dabei mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen hat, wird mir sicherlich im Gedächtnis bleiben.

Tiefe Einblicke in das Privatleben der großen Opernsängerin Maria Callas und ihre Liebesbeziehung zu Aristoteles Onassis gewährte mir Eva Baronsky’s wunderbarer Roman „Die Stimme meiner Mutter“, der mich sehr berührt und begeistert hat. Große Oper, große Gefühle und eine eindrucksvolle Frau!

Jarka Kubsova nahm mich in „Bergland“ mit nach Südtirol und erzählt eine Familiengeschichte über mehrere Generationen, die auch symbolisch für die Veränderungen und die wechselvolle Geschichte der Region gelesen werden kann. Ein Roman, der klar macht, dass jede Zeit und jede Generation ihre eigenen Herausforderungen zu bestehen hat.

Letztes Jahr hatte ich mir bereits vorgenommen, „mehr Poesie zu wagen“ und nachdem ich das feinfühlige, faszinierende Buch „Was wir scheinen“ von Hildegard E. Keller gelesen hatte, wollte ich unbedingt mehr über die Gedichte erfahren, welche Hannah Arendt verfasst hatte. Jetzt hatte ich endlich die Muße, mich dem Lyrikband „Ich selbst, auch ich tanze“ zu widmen und durfte Hannah Arendt nun auch von ihrer poetischen Seite entdecken. Ein Genuss für stille Momente und um die Gedanken fließen zu lassen!

Von Zeit zu Zeit greife ich gerne zu einem Krimiklassiker: Diesen Monat war dies mal wieder ein Werk von Georges Simenon und zwar „Maigret und die Keller des Majestic“. So bin ich mit dem Pfeife rauchenden Kult-Kommissar dieses Mal abgetaucht in die Katakomben eines Luxushotels und durfte erleben, wie er in all der Betriebsamkeit des Hotelbetriebs auf seine unnachahmliche Art und Weise ermittelt und letztlich (natürlich) den Fall lösen kann.

Die Entstehungsgeschichte von Hans Fallada’s großem, letzten Roman „Jeder stirbt für sich allein“ durfte ich dank Oliver Teutsch’s neu erschienenem Roman „Die Akte Klabautermann“ näher kennenlernen. Beeindruckt hat mich vor allem die intensive, atmosphärische Schilderung des Nachkriegsberlins der Jahre 1945/46 und wie sich das kulturelle Leben nach dem Krieg wieder Schritt für Schritt die Bühnen, die Leinwand, die Bibliotheken und die Herzen der Menschen zurückerobert.

Vom Berlin der Vierziger ging es ins Rom der Siebziger Jahre: Gianfranco Calligarich’s Roman „Der letzte Sommer in der Stadt“ aus dem Jahr 1973 wird gerade wiederentdeckt und ist nun auch in einer deutschen Übersetzung von Karin Krieger erschienen. Die ewige Stadt ist für mich immer eine Reise wert! Einen ausführlichen Bericht über meinen literarischen Ausflug in die italienische Hauptstadt habe ich fest geplant und werde in Kürze sicher Näheres dazu berichten.

Was bringt der Februar?
Im Landestheater Niederbayern steht die Premiere der Komödie „Das (perfekte) Desaster-Dinner“ auf dem Programm, auf die ich schon sehr gespannt bin.

Am 17.02.22 um 20.15 Uhr sendet ARTE die Dokumentation „Die große Flut von Hamburg 1962“, da sich die Flutkatastrophe zum 60. Mal jährt. Ein Termin, den ich mir vorgemerkt habe. Letztes Jahr habe ich Robert Brack’s Sturmflutthriller „Dammbruch“ hier auf der Kulturbowle vorgestellt.

Zudem ist das Bücherregal gut gefüllt und bietet viel Schönes zu entdecken, so dass der Februar sicherlich auch literarisch kurzweilig und abwechslungsreich werden wird.

Dann wünsche ich allen einen inspirierenden und schönen, kürzesten Monat des Jahres! Genießt den Februar mit guten Büchern, Kunst und Kultur und passt auf Euch auf!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight Januar:

Nachgebacken habe ich im Januar dieses schöne Rezept, das Nina auf ihrem Blog Wippsteerts mit uns geteilt hat: Biscotti al limone. Ein sommerlich-sonniger Gruß aus der Backstube mit herrlichem Zitronenaroma – perfekt als kleine Zugabe zum Nachmittagsespresso. Sie sind wirklich fein geworden, so dass da sicherlich bald wieder Nachschub gebacken werden muss.

Musikalisches im Januar:
Musikalisch bin ich nicht mit den Wiener Philharmonikern, sondern mit der Sopranistin Pretty Yende ins neue Jahr gestartet. Sie war dieses Jahr – neben Tenor Brian Jagde – als Solistin zu Gast beim „Concerto di Capodanno – La Fenice“ in Venedig, das traditionell an Neujahr von ARTE ausgestrahlt wird. Mit Opernklassikern ins neue Jahr – immer ein schöner musikalischer Auftakt.

Ach, aus dieses Tales Gründen,
Die der kalte Nebel drückt,
Könnt ich doch den Ausgang finden,
Ach wie fühlt ich mich beglückt!
Dort erblick ich schöne Hügel,
Ewig jung und ewig grün!
Hätt ich Schwingen, hätt ich Flügel,
Nach den Hügeln zög ich hin.


(Ausschnitt aus Friedrich Schiller „Sehnsucht“)

La Divina – ganz menschlich

Als ich von Eva Baronsky’s Roman „Die Stimme meiner Mutter“ erfahren habe, war für mich sofort klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen möchte. Aus mehreren Gründen: Aus Liebe zur Oper weckt ein Roman über eine berühmte – wenn nicht die berühmteste – Opernsängerin aller Zeiten – Maria Callas natürlich sofort mein Interesse. Zum zweiten war ich vor vielen Jahren sehr begeistert von Eva Baronsky’s „Herr Mozart wacht auf,“ das mich köstlich unterhalten hat.

Bereits der Titel gibt einen entscheidenden Hinweis auf die raffinierte und ungewöhnliche Erzählperspektive, welche Eva Baronsky für dieses Buch über ein sehr privates Kapitel aus dem Leben der großen Maria Callas ausgewählt hat.
Erzählt wird von Omero, dem ungeborenen Kind von Maria Callas und Aristoteles Onassis. Dieser blickt aus der fiktiven Perspektive des Sohnes auf die außergewöhnliche Liebesgeschichte seiner Eltern und offenbart so sehr private, intime Momente dieser Beziehung, welche selbst den allgegenwärtigen und sensationslüsternen Paparazzi verborgen geblieben waren.
Ein Blickwinkel, in welchen man sich schnell einliest und der diesem Roman einen ganz besonderen Dreh verleiht.

Im Jahr 1959 ist Maria Callas in vielerlei Hinsicht mit ihren Kräften am Ende. Ihre Gesundheit und ihre unvergleichliche Stimme lässt sie teilweise in entscheidenden Momenten im Stich. Die Opernszene, das Publikum und die Medien reagieren ungnädig und offenbaren wenig Verständnis für die schwächelnde Diva. Die Ehe mit dem viele Jahre älteren Giovanni Battista Meneghini, der zugleich ihr Manager ist, kriselt ebenfalls.

Im Sommer 1959 nimmt das Ehepaar die Einladung des milliardenschweren Reeders Aristoteles Onassis zu einer Mittelmeerkreuzfahrt auf seiner Luxusyacht Christina an. Zu den illustren geladenen Gästen an Bord zählen auch Winston Churchill und seine Gattin Clementine. Diese schicksalsträchtigen drei Wochen auf See zwischen Nizza und Istanbul werden das Leben der Callas für immer verändern und in die Geschichte eingehen. Sie bilden das Kernstück in Eva Baronsky’s Roman.

Sie gewährt ihrer Leserschaft intime Einblicke in die aufflammende Affäre der beiden Weltstars der damaligen Zeit. Sie lässt uns Zeuge werden, wie Maria Callas den Avancen ihres griechischen Landsmannes nachgibt und sich rettungslos in ihn verliebt – all das vor den Augen der jeweiligen Ehepartner und den weiteren Passagieren an Bord.

Baronsky zeigt Callas vordergründig nicht als die große Operndiva, sondern als Frau mit ihren Sorgen und Sehnsüchten. Es ist die private, weibliche Seite des Weltstars, die sich geschmeichelt fühlt von der Aufmerksamkeit dieses durchsetzungsstarken und attraktiven Mannes, mit dem sie die griechischen Wurzeln verbinden, der für sie erfrischend wenig Interesse und Verständnis für die Oper mitbringt und sich auch für die Seiten hinter der Fassade des Opernstars zu interessieren scheint.

„Sie hätte ihm etwas über Hingabe erzählen können, über die Herausforderung, schwierigste Partien mit größter Leichtigkeit zu singen und gleichzeitig eine Rolle zu verkörpern; über Verantwortung einem Werk und einem Komponisten gegenüber, über physische Kraft, die das Singen und die Kontrolle über die Stimme erforderten, und manchmal auch das Tragen der Kostüme. Aber sie lächelte nur milde und schwieg, denn all das betraf die Callas. Meine Mutter hatte an diesem Abend nur den Wunsch, eine Frau zu sein.“

(S.81/82)

Die Umstände für die Liebesbeziehung der beiden könnten kaum schwieriger sein. Beide sind mit anderen Partnern verheiratet, stehen im Licht der Öffentlichkeit und unter der ständigen Beobachtung durch die Paparazzi. Zudem scheinen sich auch die Erwartungen, was die Zukunft betrifft, zu unterscheiden.

„Die Kabine meiner Mutter war besonders geräumig und nach der Insel Ithaka benannt. Mein Vater rühmte sich gern damit, welche Berühmtheiten schon darin geschlafen hatten. Eine Aufzählung, die meine Mutter nicht stolz, sondern eher ein bisschen traurig machte, ohne dass sie hätte sagen können, warum. Ihre Seele wäre leichter davongekommen, wenn er ihr eine nur für sie bestimmte Kabine in seinem Leben eingerichtet hätte, (…)“

(S.100)

Natürlich wissen wir heute, wie sich diese Geschichte weiterentwickelt hat und dass den beiden leider kein gemeinsames Happy end beschieden war, aber Baronsky hat mit ihrem Roman eine faszinierende und bewegende Erzählung aus dieser bekannten Liebesgeschichte gemacht. Zarte und kraftvolle Momente wechseln sich ab und „Die Stimme meiner Mutter“ ist ein berührender Roman mit großen Gefühlen und Emotionen. Der Mensch bzw. die Frau Maria Callas steht im Mittelpunkt und man leidet und bangt mit ihr und wünscht ihr nichts mehr, als dass all ihre Hoffnungen und Sehnsüchte sich erfüllen mögen.

Und so ist Baronsky’s Buch nicht als Biografie zu lesen – auch wenn natürlich zahlreiche Aspekte der Lebensgeschichte anklingen – sondern vielmehr als gefühlvolle und intensive Liebesgeschichte, die eine weltbekannte Persönlichkeit in völlig neuem Licht erstrahlen lässt. Einfach wunderschön.

Weitere Besprechungen gibt es unter anderem beim Leseschatz und bei BR Klassik.

Mit Eva Baronsky’s „Die Stimme meiner Mutter“ habe ich einen weiteren Punkt meiner „22 für 2022“ erfüllt – Punkt Nummer 14) auf der Liste: Ich möchte ein Buch, in dem Theater/Oper eine Rolle spielt lesen. Auch wenn mehr das Privatleben im Mittelpunkt steht – ist ein Buch über Maria Callas immer auch eines über die Oper.

Buchinformation:
Eva Baronsky, Die Stimme meiner Mutter
Ecco Verlag
ISBN: 978-3-7530-0005-3

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich Eva Baronsky’s „Die Stimme meiner Mutter“:

Für den Gaumen:
Kulinarisch verbindet Maria Callas und Aristoteles Onassis aufgrund ihrer Wurzeln auch die Liebe zu griechischem Essen – so zum Beispiel zu Saganaki.

„Sie spürte, wie ihr Gesicht heiß wurde, denn tatsächlich war der in der Pfanne gebratene Schafskäse einer der Gründe, warum sie als junge Frau so unfassbar dick gewesen war.“

(S.40)

Zum Weiterhören (I) oder für einen Opernbesuch:
Bis heute sind zahlreiche Aufnahmen bestimmter Opernarien von Maria Callas unsterblich geworden. Die mit 91 Aufführungen am häufigsten von ihr verkörperte Rolle war mit Abstand die „Norma“ von Vincenzo Bellini. Die Arie „Casta Diva“ wird für immer mit „La Divina Callas“ untrennbar verbunden bleiben.

Zum Weiterhören (II) oder für einen Opernbesuch:
Im Buch wird erwähnt, dass Aristoteles Onassis Maria Callas zum ersten Mal als „Medea“ auf der Bühne erlebte und sie ihn so faszinierte, dass er sich zum ersten Mal in seinem Leben eine Oper bis zum Ende ansah. Die Oper von Luigi Cherubini wurde durch Maria Callas erst wirklich populär.

Zum Weiterlesen:
Mit an Bord der Yacht sind auf der schicksalsträchtigen Reise im Jahr 1959, welche das Kernstück des Romans bildet, auch Winston Churchill und seine Gattin „Clemmie“ – Clementine Churchill. Über diese faszinierende Frau, habe ich letztes Jahr einen Roman auf der Kulturbowle vorgestellt: Marie Benedict’s „Lady Churchill“ – ebenfalls eine lohnende Lektüre.

Marie Benedict, Lady Churchill
Aus dem amerikanischen Englisch von Marieke Heimburger
Kiepenheuer&Witsch
ISBN: 978-3-462-05381-4

Weihnachtsbowle 2021

Das letzte Türchen des Adventskalenders ist geöffnet und auch dieses Jahr möchte ich all jenen, die ihren Weg auf meine Kulturbowle gefunden haben und mich auf meinem Blog begleiten von ganzem Herzen frohe Weihnachten und schöne Feiertage wünschen. Nehmt Euch die Zeit für die Menschen und die Dinge, die Euch wichtig sind und am Herzen liegen, passt auf Euch auf und bleibt gesund!

Ich möchte Euch aber nicht in die Weihnachtszeit entlassen ohne ein paar Kulturtipps, die ich zusammengestellt habe. Vielleicht ist ja das eine oder andere für Euch dabei und versüßt Euch ebenfalls die Zeit zwischen den Jahren, die wir erneut am besten ohnehin zu Hause verbringen sollten.

Das Landestheater Niederbayern – das Stadttheater meiner Heimatstadt – hat dieses Jahr ein ganz besonderes, digitales Weihnachtsgeschenk in der theatereigenen Mediathek bereitgestellt. Ab heute steht das diesjährige Kinderstück „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler als digitale Vorstellung – kostenlos (gerne gegen eine freiwillige Spende) in der Mediathek zum Abruf bereit (online verfügbar bis 9. Januar 2022). Das freut mich sehr, haben mich doch die Bücher und Figuren von Otfried Preußler wie der Räuber Hotzenplotz, das kleine Gespenst oder eben die kleine Hexe schon in meiner Kindheit begleitet – sicherlich ein Vergnügen für Groß und Klein bzw. die ganze Familie.

Das Theater Nikola Landshut hat im letzten Jahr einen Weihnachtsgeschichten-Klassiker zum Hören aufgezeichnet, der auf YouTube abrufbar ist. Wer sich 12 Minuten Zeit nehmen und in Weihnachtsstimmung versetzen lassen möchte, kann sich hier die besinnliche, festliche Geschichte „Das Geschenk der Weisen“ von O. Henry anhören.

Der Bayerische Rundfunk veröffentlicht jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit großartige Hörbiografien von Komponisten. Dieses Jahr steht Dmitri Schostakowitsch im Mittelpunkt – als Sprecher sind Udo Wachtveitl und Ulrich Matthes zu erleben. Da ich schon Julian Barnes’ Buch „Lärm der Zeit“ über Schostakowitsch großartig fand, möchte ich mir unbedingt die Zeit nehmen, mir die Folgen, die auf der Website von BR Klassik zur Verfügung stehen, anzuhören.

Ein wunderbarer Pflichttermin ist alljährlich das traditionelle Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker auf ARTE (am 31.12.21 ab 18.35 Uhr), das auch dieses Jahr von Kirill Petrenko geleitet wird. Solistin ist heuer die Violinistin Janine Jansen. Ich freue mich sehr auf ein ansprechendes Programm unter dem Motto „Wiener Melodien und Kaffeehaus-Klänge“ mit Max Bruch’s erstem Violinkonzert und weiteren Werken von Richard Strauss, Fritz Kreisler, Erich Wolfgang Korngold und Maurice Ravel.

Musikalisch ins neue Jahr starten werde ich am 1. Januar 2022 mit dem Neujahrskonzert aus dem Teatro La Fenice in Venedig, das ebenfalls auf ARTE übertragen wird (ca. 18.15 Uhr). Als Solisten treten dieses Jahr die von mir sehr geschätzte Pretty Yende und Tenor Brian Jagde auf. Für Opernfans kann so das neue Jahr schon gut und schwungvoll beginnen.

Wer hingegen ein Freund der großen, traditionellen Weihnachts-Mehrteiler im Fernsehen ist, könnte Anfang Januar auf seine Kosten kommen: in ZDF und ORF2 wird am 3./4. und 5. Januar 2022 jeweils um 20.15 Uhr vermutlich große Show geboten: „Der Palast“ (u.a. mit Svenja Jung, Anja Kling und Heino Ferch) stellt den Berliner Friedrichstadt-Palast und eine deutsch-deutsche Geschichte ins Zentrum des Geschehens.

Wie Ihr seht, ist die kulturelle Szene keineswegs im Winterschlaf, sondern hat weiterhin viel Schönes für uns zu bieten. Viel Spaß und vielleicht war ja die eine oder andere Anregung für Euch dabei.
Genießt die Feiertage bei gutem Essen, schöner Musik und mit guten Büchern!
Bleibt gesund, offen, neugierig, interessiert und zuversichtlich!

Oktoberbowle 2021 – Atempause und Herbstleuchten

Der Oktober war in weiten Teilen wirklich ein goldener und verwöhnte uns mit zahlreichen Sonnenstunden und bunt gefärbten Blättern: ein Monat zum Genießen, Durchatmen und Energie tanken. Lange Herbstspaziergänge, emotionaler Operngenuss und gute Lektüre – dieser Monat zeigte sich von seiner besten Seite.

Auch kulturell war einiges geboten, denn in Landshut durfte ich im Oktober gleich zwei Premieren von wahren Opern-Klassikern erleben: Mozarts „Die Zauberflöte“ und Puccini’s „Madama Butterfly“ – live im Theater – ließen mein Herz als Opernfan höher schlagen.

Stimmungsvoll war auch das „Orgelkonzert bei Kerzenschein“ im Moosburger Münster St. Kastulus mit Werken von Johann Sebastian Bach, Felix Alexandre Guilmant und Ad Wammes: eine von Kerzen erhellte Kirche und feierliche Orgelmusik – ein schönes und besinnliches Konzerterlebnis der anderen Art.

Auch die Lektüre im Oktober war bunt – wie die farbigen Blätter an den Bäumen:
Den Auftakt bildete Sibylle Schleicher’s „Die Puppenspielerin“ – ein emotionaler und berührender Roman über das Abschiednehmen von einem geliebten Menschen. Die österreichische Autorin erzählt die Geschichte der Zwillingsschwestern Sarah und Sophie, die auch angesichts der lebensbedrohlichen Erkrankung einer der beiden Kraft und Trost aus gemeinsamen Kindheitserinnerungen schöpfen.

Tragisch und turbulent war auch das Leben der legendären Tänzerin Isadora Duncan, welches Michaela Karl in der neuen Biografie „Lasst uns tanzen und Champagner trinken – trotz alledem“ erzählt. Die Geschichte eines der ersten weiblichen Weltstars während der Belle Epoque, welche durch ihren innovativen und eigenwilligen Stil die Welt des Tanzes revolutionierte und als Vorreiterin des Modern Dance gilt.

Ein kleiner, feiner Band aus der Insel Bücherei eröffnete mir Einblicke in „Max Liebermanns Garten“ (herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Gloria Köpnick und Rainer Stamm) – mit zahlreichen Gemälden des Künstlers, welche in seinem Sommerhaus am Wannsee entstanden sind und zugehörigen Erläuterungen. Seit 2006 ist die Villa als Museum zugänglich, das ich bei Gelegenheit auch einmal gerne besuchen würde.

Mit Hans Fallada’s Roman „Wir hatten mal ein Kind“ stand eine klassische Rügen-Lektüre auf meinem Programm. Mit ca. 600 Seiten und einer Hauptfigur, mit der ich persönlich nicht warm wurde, eine fordernde Lektüre, die jedoch aufgrund der Stilistik und treffenden Personen- und Milieubeschreibungen dennoch lohnenswert war.

Nachhaltig beeindruckt hat mich die Ausstellung und das Sachbuch „Sacrow – Das verwundete Paradies“ von Jens Arndt. Anhand des wunderschönen Ortes an der Havel, dem Schloss und der Heilandskirche wird die deutsche Geschichte der letzten beiden Jahrhunderte intensiv erfahrbar. Von der preußischen Monarchie über beide Weltkriege, das NS-Regime und die Teilung Deutschlands, den Mauerbau und die Wiedervereinigung hinweg – Sacrow symbolisiert wie kaum ein anderer Ort die wechselvolle, deutsch-deutsche Geschichte.

Ein völlig anderer Schauplatz erwartete mich bei Santo Piazzese’s Kriminalroman „Blaue Blumen zu Allerseelen“: Palermo, die Hauptstadt Siziliens. Commissario Spotorno ermittelt dort in mehreren Mordfällen und unweigerlich auch bald im Milieu der organisierten Kriminalität.

Noch einmal ein geschichtsträchtiger Ort und ein großer Name: „Adlon“Felix Adlon, der Ururenkel des Hotelgründers eines der wohl berühmtesten deutschen Hotels erzählt die Geschichte seiner Familie. Spannend, hochinteressant und kurzweilig zu lesen – ein wahres Familienepos, das man sich so kaum ausdenken könnte.

Ein bunter Lektüre-Strauß im Oktober: mit Roman, Sachbuch, Biografie, Kriminalroman, Familiengeschichte und einem Klassiker waren wirklich viele unterschiedliche Genres vertreten.


Was bringt der November?

Die Tage werden rasant kürzer und die langen Abende laden dazu ein, es sich mit einem guten Buch und einem Getränk auf der Couch gemütlich zu machen. November ist Schmökerzeit und ich habe große Lust, mich literarisch in andere Zeiten und Länder entführen zu lassen. Vielleicht ist jetzt auch wieder mal die richtige Gelegenheit für einen schönen, historischen Roman – es liegt so einiges Verlockendes auf meinem Lesestapel bereit – ich werde berichten.

Zudem freue ich mich auf eine weitere Opernpremiere in meinem Heimattheater: Auch Gaetano Donizetti’s „Roberto Devereux“ wird mich in eine andere Welt – ins London des Jahres 1601 – versetzen. Ich bin schon sehr gespannt.

Zudem habe ich auch Lust, mir wieder mal einen guten Film im Fernsehen anzusehen – auf ARTE steht am Sonntag, den 14. November um 20.15 Uhr zum Beispiel Hitchcock’s Klassiker „Der unsichtbare Dritte“ mit Cary Grant auf dem Programm. Das wäre doch etwas.
Oder doch wieder mal ein Hörspiel oder Hörbuch?
Ihr seht, auch die dunkle Jahreszeit bietet unzählige Möglichkeiten…

Ich wünsche Euch einen gemütlichen und entspannten November – macht es Euch schön, schafft Euch stimmungsvolle Momente und genießt das, was der Däne als „Hygge“ bezeichnen würde: eine Kerze anzünden, in die Decke kuscheln, eine Tasse Tee, guten Lesestoff oder Musik…

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

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Gaumen-Highlight Oktober:

Herrlich in diesen farbenfrohen Herbstmonat passte für mich heißer Sanddornsaft – wärmend und vitaminreich. Dazu die intensive Farbe im Glas – meine herbstliche, kulinarische Entdeckung in diesem Monat.


Musikalisches im Oktober:
In Sibylle Schleicher’s „Die Puppenspielerin“ begegnet man der fünften Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy – der Reformationssinfonie. Musikalisch trifft sich das gut in dem Monat, in welchem auch der Reformationstag am 31. gefeiert wird.

Der Herbst

Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,
Wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,
Es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,
Wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.

Das Erdenrund ist so geschmückt, und selten lärmet
Der Schall durchs offne Feld, die Sonne wärmet
Den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen
Als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen

Die Zweig‘ und Äste durch mit frohem Rauschen
Wenn schon mit Leere sich die Felder dann vertauschen,
Der ganze Sinn des hellen Bildes lebet
Als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet.

(Friedrich Hölderlin)

Gefühlvoller Schmetterling

Ganz große Oper – in jeder Beziehung – durfte ich vor kurzem im Landestheater Niederbayern erleben. Die Premiere von Giacomo Puccini’s weltberühmter Oper „Madama Butterfly“ in Landshut war ein ganz besonderer und sehr emotionaler Abend, der mir wohl unvergessen bleiben wird.

Wenn vor einer Vorstellung – und schon gar bei einer Premiere – der Intendant die Bühne betritt, verheißt das meist nichts Gutes: In diesem Fall informierte er das Publikum, dass die Hauptdarstellerin des Abends Yitian Luan die Rolle der Butterfly Cio-Cio-San an diesem Abend aus gesundheitlichen Gründen leider nicht würde singen können. Doch der lange herbeigesehnte Premierenabend konnte dennoch gerettet werden, da mit Elizabeth Caballero, welche derzeit die Rolle an der Oper Stuttgart singt, kurzfristig ein hochkarätiger Ersatz gewonnen werden konnte.

Emotional war aber auch die Tatsache, dass die Niederbayerische Philharmonie zum ersten Mal seit März 2020 wieder vollzählig im Orchestergraben Platz nehmen und so die Zuschauer wieder in den Genuss des vollen Puccini-Orchester-Klangs kommen konnten. Bisher hatte man sich im Musiktheater während der Pandemie mit reduzierten Instrumentierungen und kleineren musikalischen Formationen beholfen.

Die Geschichte von Giacomo Puccini’s „Madama Butterfly“ ist wohl weitestgehend bekannt – daher nur in Kürze: Ein amerikanischer Offizier geht während seiner Stationierung in Japan eine „Ehe auf Zeit“ mit der Geisha Cio-Cio-San ein. Sie verliebt sich unsterblich in ihn – obwohl dies für sie bedeutet, aus der Familie und japanischen Gesellschaft verstoßen zu werden – doch für ihn ist im Geheimen immer klar, dass er eines Tages eine amerikanische Frau heiraten wird. Er verlässt sie und sie wartet Jahr um Jahr darauf, dass er zu ihr und ihrem Sohn – von dem er nichts weiß – zurückkehrt. Bei seiner Rückkehr Jahre später bringt Pinkerton nicht den Mut auf, ihr gegenüber zu treten, sondern lässt ihr übermitteln, dass er den gemeinsamen Sohn mit nach Amerika nimmt, um ihm dort mit seiner Ehefrau eine bessere Zukunft zu bieten. So verliert Cio-Cio-San alles: ihren Geliebten, ihre Ehre und ihr Allerliebstes – ihren Sohn – und nimmt sich verzweifelt das Leben.

Großartig war die einfallsreiche und stimmige Inszenierung von Amir Hosseinpour und Jonathan Lunn, welche die bekannte Opernhandlung umrahmten: So tritt gleich zu Beginn – aber auch als roter Faden während des Stücks – der gemeinsame Sohn von Cio-Cio-San und Pinkerton „Dolore“ immer wieder auf die Bühne, der im New York der Fünfziger Jahre die „Butterfly Bar“ betreibt und sich nun anhand von Erinnerungsstücken mit der schmerzhaften Vergangenheit und Geschichte seiner Mutter auseinandersetzt. Ausdrucksstark rezitiert Uli Kirsch als Dolore aus Gedichten Rilke’s (in englischer Fassung) und überzeugt durch expressive Tanzszenen.

Lösch mir die Augen aus

Lösch mir die Augen aus: ich kann dich sehn,
wirf mir die Ohren zu: ich kann dich hören,
und ohne Füße kann ich zu dir gehn,
und ohne Mund noch kann ich dich beschwören.
Brich mir die Arme ab, ich fasse dich
mit meinem Herzen wie mit einer Hand,
halt mir das Herz zu, und mein Hirn wird schlagen,
und wirfst du in mein Hirn den Brand,
so werd ich dich auf meinem Blute tragen.

(Rainer Maria Rilke)

Die beiden Welten, die im Stück aufeinanderprallen: Japan und Amerika hat die Ausstatterin Andrea Hölzl, die für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnet, hervorragend umgesetzt. So mischt sie die asiatischen Elemente (in Form von farbenprächtigen Kimonos und Kostümen) in kräftigem Rot mit amerikanischen Anklängen, die an Andy Warhol erinnern – die Bar, die Cola-Dosen, das Petticoat-Kleid – Cio-Cio-San ist auch durch die unterschiedlichen Kostüme schon in ihrer Zerrissenheit zwischen japanischer Heimat und dem amerikanischen Geliebten, für den sie alles aufgibt, erkennbar.

Musikalisch war es ein Genuss, wieder vollen Orchesterklang hören zu dürfen und Puccini’s Oper ist dafür geradezu prädestiniert. Dirigent und GMD Basil H.E. Coleman durfte so endlich wieder einmal aus dem Vollen schöpfen.
Jeffrey Nardone gibt einen stimmlich kraftvollen Pinkerton und auch Kyung Chun Kim überzeugt als US-Konsul Sharpless mit seinem warmen Bariton. Reinhild Buchmayer singt eine gefühlvolle Suzuki, die vor allem auch im Blumenduett wunderbar harmoniert.

Der Star und Retterin des Abends war aber die quirlige, lebendige und stimmlich grandiose Elizabeth Caballero, die sich als kurzfristiger Ersatz und Gast hochprofessionell in die Inszenierung einfügte, schauspielerisch überzeugte und gesanglich wirklich glänzen konnte. Die schwere Partie der Cio-Cio-San meisterte sie mit einer souveränen Leichtigkeit und einer großen Variabilität im Ausdruck. Das Premierenpublikum war begeistert und bedankte sich mit tosendem Applaus.

Eine fulminante, umjubelte Premiere, die das Publikum berührte und im wahrsten Sinne des Wortes „ganz große Oper“ bescherte. Wieder einmal wurde klar, was in den vergangenen Monaten gefehlt und warum man dies vermisst hat.

So gehen am Ende noch beste Genesungswünsche an Yitian Luan, die hoffentlich in weiteren Vorstellungen ebenfalls in den Genuss kommen wird, das niederbayerische Publikum als Butterfly zu begeistern.

Gesehen am 22. Oktober 2021 im Landestheater Niederbayern (Landshut – Theaterzelt)

Madama Butterfly“ ist in dieser Spielzeit noch an einigen Terminen in Landshut, Passau und Straubing zu sehen. Genaue Daten und weitere Details findet man jederzeit auf der Homepage des Landestheater Niederbayern. Zudem findet ihr dort auch schöne Fotos der Aufführung, wenn Ihr Euch ein Bild machen wollt.

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Wozu inspirierte mich bzw. woran erinnerte mich „Madama Butterfly“:

Zum Weiterhören:
Wer jetzt Lust auf die Oper bekommen hat und ein wenig hineinhören möchte, kann das zum Beispiel wunderbar mit der Arie der Butterfly „Un bel di vedremo“ tun. Zu den bekanntesten Interpretationen gehört sicherlich die von Maria Callas.

Zum Weiterlesen (I):
Eine schöne Möglichkeit, sich lesend und literarisch mit Giacomo Puccini zu beschäftigen, ist Helmut Krausser’s Roman „Die kleinen Gärten des Maestro Puccini“. Dem Autor ist es für meinen Geschmack hervorragend gelungen, biografische Elemente zu einem spannenden und sehr unterhaltsamen Roman zu verweben.

Helmut Krausser, Die kleinen Gärten des Maestro Puccini
Dumont
ISBN: 978-3832179892

Zum Weiterlesen (II):
Madama Butterfly ist wohl eine, wenn nicht die bekannteste künstlerische Auseinandersetzung mit dem Mythos der japanischen Geisha. Für mich unvergessen bleibt jedoch auch meine Lektüre des Romans von Arthur Golden „Die Geisha“, der 1997 erschien und den ich wohl kurz nach der Jahrtausendwende als englische Originalversion („Memoirs of a Geisha“) geliehen bekam und verschlungen habe.

Arthur Golden, Die Geisha
Aus dem Amerikanischen von Gisela Stege
Penguin
ISBN: 978-3-328-10045-4

Augustbowle 2021 – Waschküche und Draußenzeit

Statt dem erhofften stabilen Sommerwetter hatte der August viel Waschküche im Programm: viel Regen, hohe Luftfeuchtigkeit und doch bot sich ein wenig mehr „Draußenzeit“ an. So konnte auch die Außengastronomie sich zumindest ab und zu wieder über mehr Gäste freuen, auch wenn die Zahl der richtig lauen Sommerabende dieses Jahr wohl zumindest gefühlt eher einstellig geblieben ist.

Ein wunderschöner Abend, der eigentlich auch für „draußen“ geplant war und dann doch „drinnen“ stattgefunden hat, war der Liederabend von Christian Gerhaher und Gerold Huber im Landshuter Rathausprunksaal – ein besonderer Abend, über den ich schon ausführlich berichtet habe.

Die Salzburger Festspiele standen dieses Jahr unter anderem im Zeichen von Mozart’s Oper „Don Giovanni“, die noch bis zum 05. November 2021 auf ARTE Concert zu sehen ist. Achtung, da kommt so einiges von oben auf die Bühne gekracht… die Neuinszenierung von Romeo Castellucci sorgte durchaus für Diskussionen.

Einen Grund zu Feiern gab es diesen Monat ebenfalls: am 14. August durfte meine Kulturbowle ihren ersten Jahrestag feiern – stilecht mit einer Himbeer-Heidelbeer-Geburtstags-Bowle. Und ich freute mich über die zahlreichen, schönen Rückmeldungen in den Kommentaren. Danke!

Im Haus der bayerischen Geschichte in Regensburg läuft aktuell (vom 23. Juni 2021 bis zum 16. Januar 2022) die bayerische Landesausstellung „Götterdämmerung II – Die letzten Monarchen“. Eine für meinen Geschmack sehr gut gemachte, kurzweilige, informative und interessante Ausstellung, die sich lohnt. Der Museums- und Ausstellungsbesuch hat mir viel Freude gemacht (vielleicht finde ich demnächst noch die Zeit, ausführlicher zu berichten) und die Stadt Regensburg ist sowieso immer einen Ausflug wert.

Der August entpuppte sich dieses Mal als etwas schwächerer Lesemonat für mich. Gerade einmal fünf Bücher habe ich gelesen. Auch hier merkt man, dass es diesen Monat möglich war, mehr Zeit draußen und mit anderen Aktivitäten zu verbringen.
Die fünf Bücher, welche es in meinen August geschafft haben, waren aber allesamt lesenswert:
Einen herrlich britischen Krimischmöker, der mir das regnerische Wetter auf der Couch mit Tee erträglich machte, war Susan Hill’s „Schattenrisse“. Der erste Fall von Inspektor Serrailler im Kathedralenstädtchen Lafferton überzeugte mich mit stimmigen Figuren, einer durchdacht erzählten Geschichte und konnte mich zugleich mit einer unerwarteten Wendung überraschen.

Für eine Theaterbegeisterte wie mich war Klaus Pohl’s Roman „Sein oder Nichtsein“, der jetzt endlich auch einen Verlag gefunden hat und als Buch erschienen ist, ein ganz besonderes Leseerlebnis. Der Blick hinter die Kulissen der „Hamlet“-Inszenierung von Peter Zadek aus dem Jahr 1999, der zugleich tief in die Seelen der beteiligten Schauspieler blicken lässt, ist ein Fest für alle, die Literatur und Theater lieben. Dass das „literarische Quartett“ den Roman ebenso positiv besprochen hat, wie ich in meiner Rezension (bereits ein paar Tage zuvor), freut mich daher sehr.

Schon bald werde ich auch ausführlich über Clare Chambers „Kleine Freuden“ berichten. Ein charmanter und liebenswürdiger Roman aus Großbritannien, der über eine Journalistin im London der 50er Jahre erzählt, die recherchiert, ob es tatsächlich einen Fall unbefleckter Empfängnis gegeben hat. Was das werden soll? Lasst Euch überraschen.

Die literarische Bewegung der Harlem Renaissance erfährt derzeit ebenfalls wieder eine Renaissance. Mit Wallace Thurman’s „The Blacker the Berry“ habe ich eines der wichtigsten Werke und einen Schlüsselroman dieser Strömung aus dem Jahr 1929 gelesen, der jetzt in einer deutschen Erstausgabe vorliegt. Ein intensives, schmerzhaftes und ungemein wichtiges Buch über Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung.

Last but not least: Uwe Wittstock „Februar 33 – Der Winter der Literatur“ – ein großartiges Sachbuch über diesen entscheidenden, einschneidenden und dunklen Monat in der deutschen Geschichte, der so viele Literaten und Schriftsteller gezwungen hat, ihre Heimat zu verlassen und sich ins Exil zu begeben. Wenige Tage voller dramatischer Veränderungen, die der Autor konzentriert und dicht für den Leser auffächert und einordnet.

Was bringt der September?
Die neue Spielzeit am Landestheater Niederbayern geht los und ich freue mich schon riesig auf die erste Premiere des Schauspielensembles: „The King’s Speech“. Ein Stück, das sicherlich mit großen Rollen fantastische Möglichkeiten gibt, zu brillieren und da ich schon den Film sehr mochte, bin ich sehr neugierig und voller Vorfreude auf die Liveversion im Theater.

Ein bereits liebgewordene Tradition im September ist auch die Übertragung der „Last Night of the Proms“ aus der Royal Albert Hall in London: dieses Jahr auf 3Sat zu sehen am Samstag, den 11. September 2021 um 22.15 Uhr oder ab 20.00 Uhr bereits in voller Länge live im Radio zu hören bei NDR Kultur.

Am Freitag, den 17. September 2021 um 19.00 Uhr überträgt die Bayerische Staatsoper kostenfrei per Livestream „Oper für alle: Konzert für Bayern“ vom Karlsplatz in Ansbach mit Jonas Kaufmann und Ekaterina Semenchuk – ein buntes Programm aus Mittelfranken unter der musikalischen Leitung des neuen Generalmusikdirektors Vladimir Jurowski.

Viele Bloggerkollegen haben in den letzten Wochen eine Sommerpause eingelegt oder waren im Urlaub und kehren jetzt schön langsam wieder ins Geschehen zurück. Auch meine Monatsbowle ist im August (vermutlich auch aufgrund der geringeren Lektüre) ein wenig kürzer als sonst ausgefallen – vielleicht ist das meine reduzierte Form der Sommerpause.

Aber einige fotografische Sommerimpressionen aus diesem Monat möchte ich natürlich – wie mittlerweile üblich – noch mit Euch teilen.

In Niederbayern herbstelt es in den letzten Tagen schon deutlich, aber auf einen schönen Altweibersommer darf man ja vielleicht noch hoffen. So wünsche ich allen einen guten Start in den September und falls der Sommer nicht noch einmal zurückkehren will, eben gleich einen schönen Herbst!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

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Gaumen-Highlight August:
Ein Höhepunkt im August war sicherlich die Himbeer-Heidelbeerbowle zur Feier meines einjährigen Blogjubiläums. Frische Beeren, Wein, prickelnder Sekt, gute Laune und dazu die zahlreichen Gratulationen und freundlichen Kommentare meiner Leser haben mich sehr gefreut. So geht man motiviert ins zweite Bloggerjahr.

Musikalisches im August:
Auch wenn ich den Film dieses Mal nicht in voller Länge gesehen habe: die „Blues Brothers“ liefen im August ebenfalls wieder mal im Fernsehen. Musik, die mich schon lange begleitet und spätestens seit einer genialen Inszenierung der Musicalversion meines Heimattheaters in der Spielzeit 2018/2019 wieder mit unsterblichen Ohrwürmern wie „Everybody needs somebody to love“, „Gimme some lovin“, „Think“ und so weiter und so weiter… stets gut gelaunt werden lässt.

„All the world’s a stage,
And all the men and women merely players;
They have their exits and their entrances;
And one man in his time plays many parts…“

(William Shakespeare, „As you like it“)