Theaterglück mit griechischem Chor

Aktuell ist die Kulturbowle – aufgrund der Schließung von Theatern und kulturellen Einrichtungen – fast ausschließlich eine „Bücherbowle“. Aber ich dachte mir, dass ich jetzt nach einigen Wochen des „Lockdown light“ die Durststrecke der theaterlosen Zeit mit einem Rückblick auf einen sehr schönen Theaterabend vielleicht ein wenig verkürzen kann. Denn Ende Oktober – zwei Tage bevor die Theater wieder geschlossen werden mussten – durfte ich noch eine sehr schöne und amüsante Premiere von Woody Allen’s Komödie „Geliebte Aphrodite“ (in der Bearbeitung für die Bühne von Jürgen Fischer) im Landestheater Niederbayern erleben.

Lenny and Amanda – New Yorker Intellektuelle – sind verheiratet und bisher kinderlos glücklich, doch plötzlich wünscht sich Amanda ein Kind. Jedoch hat die aufstrebende Galeristin keine Zeit für eine zeit- und kräfteraubende Schwangerschaft, daher beschließt sie, ein Kind zu adoptieren. Sie setzt das Vorhaben kurzerhand in die Tat um ohne groß Lenny’s Zustimmung abzuwarten, der sich anfangs nicht mit dem Gedanken anfreunden kann.

Doch der kleine Max entpuppt sich als Sonnenschein und wahres Wunderkind. Die außergewöhnliche geistige Begabung des Jungen weckt in Lenny den Wunsch, mehr über die leiblichen Eltern seines Adoptivsohns in Erfahrung zu bringen. Er beginnt zu recherchieren – die Suche nach dem Vater endet schnell, weil dieser bereits verstorben ist – aber bei der Mutter gelingt es ihm, diese aufzuspüren.

Um so mehr schockiert es ihn, als er feststellt, dass diese als Pornodarstellerin und Prostituierte ihren Lebensunterhalt verdient und ihr Bildungsniveau gemäß seinen Ansprüchen deutlich zu wünschen übrig lässt. Lenny setzt sich in den Kopf, Linda Ash – die leibliche Mutter seines Sohnes – wieder auf den Pfad der Tugend zu führen und ihr einen geeigneten Mann zu suchen, der sie glücklich macht, so dass er sich als Kuppler versucht – zahlreiche Verwicklungen natürlich inbegriffen.

Ergänzt wird die Handlung durch Figuren der griechischen Mythologie – wie unter anderem Kassandra (herrlich komödiantisch dargestellt durch Friederike Baldin), dem blinden Seher Teiresias (Joachim Vollrath) oder Ödipus (Stefan Sieh), um nur einige zu nennen. Doch vor allem wird die Bühnenhandlung stets begleitet, moderiert und kommentiert durch den Chorleiter und einen griechischen Chor angelehnt an die Tradition der griechischen Tragödie.

„Geliebte Aphrodite“ ist eine subtile Komödie, die durchaus auch mit leiseren, gefühlvollen Szenen aufwartet – kein Schenkelklopfer, der einem die Lachtränen in die Augen treibt, sondern vielmehr ein liebevolles, amüsantes und kurzweiliges Schauspiel, das durchaus ernste Themen in witzige und tiefgründige Situationen verpackt. Und zugleich doch auch ein Stück, das mit einiger Ironie und scharfzüngigem Witz viel Charme versprüht und dem Publikum gute Laune bereitet.

Diese Filmvorlage Woody Allen’s scheint gerade durch den Kunstgriff des griechischen Chors und der Kommentierung des Geschehens durch Chorleiter und Chor ohnehin wie gemacht für die Bühne und auch das Bühnenbild dieser Inszenierung mit den Säulen, hinter welchen die Chormitglieder Stellung beziehen und mit Masken spielen, verstärken die Parallelen zum griechischen Schauspiel. Das ist geschickt gelöst und bietet zugleich den nötigen Corona-Abstand zwischen den Schauspielern, ohne dass dies gekünstelt oder aufgesetzt wirkt. Sowohl Regisseurin Veronika Wolff als auch Ausstatterin Beate Kornatowska haben hier das richtige Händchen für diesen Komödienstoff bewiesen und eine rundum stimmige Inszenierung auf die Bühne gezaubert.

Jochen Decker spielt einen sehr liebenswürdig neurotischen, zerknautschten und wuseligen Lenny Weinrib – eine tolle Rolle, in der er viele Register seiner Schauspielkunst ziehen kann. So gibt er einen sehr sympathischen, verklemmt-verwirrten Intellektuellen, dem man gerne zusieht und dem die Herzen der Zuschauer zufliegen – eine perfekte Besetzung.

Großartig fand ich persönlich Olaf Schürmann als herrlich verschmitzten, humorvollen und allwissenden Chorführer, der im Hintergrund stets die Geschicke und das Schicksal Lenny’s lenkt und versucht, ihn unbeschadet durch die Höhen und Tiefen seines Lebens zu steuern. Das ist mit viel Augenzwinkern und wunderbarer Leichtigkeit gespielt, die einem als Zuschauer gute Laune pur bereitet, was man in diesen Zeiten ja auch wirklich mal gebrauchen kann. Seine Tanzszene am Ende des Stücks zaubert allen ein Lächeln ins Gesicht.

Ella Schulz schlüpft in die Rolle der rotzig-trotzigen Prostituierten und Pornodarstellerin Linda Ash, die davon träumt, eine große Schauspielerin zu werden. Sie verkörpert anfangs mit ihrer lauten, ordinären Art den klaren Kontrast zur feinsinnig-intellektuellen Kunsthändlerin Amanda – hervorragend gespielt von Katharina Elisabeth Kram.

Das Stück erfordert durch zahlreiche Nebenrollen und den Chor, der stets kommentiert und begleitet, ein großes Aufgebot und so kommt fast das ganze Landshuter Ensemble zum Einsatz.
Es hat große Freude gemacht, die wunderbare und gelungene Gesamtleistung der Schauspieler/innen und die Spielfreude erleben zu können und so verlässt man das Theater beglückt. Durch die amüsante und witzige Komödie ist man gut gelaunt, aber doch auch traurig in dem Wissen, dass jetzt wieder pausiert werden muss und dies für längere Zeit wieder der letzte schöne Theaterabend gewesen sein wird. Das Premierenpublikum war begeistert, der Applaus lang und anhaltend und jeder wünscht sich, bald wieder in den Genuss von Live-Theater kommen zu dürfen.

Gesehen am 30. Oktober 2020 im Landestheater Niederbayern (Landshut)

Wenn es die Coronasituation zulässt, ist „Geliebte Aphrodite“ hoffentlich in dieser Spielzeit noch an einigen Terminen in Landshut, Passau und Straubing zu sehen. Genaue Daten und weitere Details findet man jederzeit auf der Homepage des Landestheater Niederbayern.

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Wozu inspirierte bzw. woran erinnerte mich „Geliebte Aphrodite“:

Für den Gaumen:
In der Landshuter Inszenierung führen Lenny und Amanda zu Beginn ein Gespräch über Kinder mit einem befreundeten Ehepaar in einer italienischen Trattoria und sprechen dort ordentlich dem Rotwein zu. Daher war es naheliegend, den Theaterabend auch zu Hause bei einem schönen Glas Merlot ausklingen zu lassen.

Zum Weiterschauen:
Vorlage für das Stück ist selbstverständlich Woody Allen’s Film „Geliebte Aphrodite“ aus dem Jahre 1995, in welchem er neben Drehbuch und Regie auch die Hauptrolle des Lenny selbst übernahm. Mira Sorvino erhielt für die Darstellung der Linda den Oscar als beste Nebendarstellerin. Ich gestehe, dass ich den Film bisher nicht gesehen habe – was aber wohl dem Theatergenuss sogar zuträglich war, da man dann nicht ständig Vergleiche anstellt. Sollte sich jetzt aber mal die Gelegenheit bieten, werde ich mir den Film gerne mal ansehen.

Zum Weiterlesen oder Weiterschauen:
Der griechische Chor und der Seher Teiresias erinnern natürlich sofort an die griechische Tragödie und Sophokles‘ „Antigone“, die ich in der Spielzeit 17/18 am Landshuter Theater sehen konnte. Wer Lust hat, sich mal wieder einem Klassiker zu widmen und festzustellen, wie zeitlos auch Stoffe aus dem Jahre 442 vor Christus heute noch sein können, der ist hier gut aufgehoben:

Sophokles, Antigone
Reclam
ISBN: 978-3-15-019075-3

Margherita – Venedigs First Lady

Jana Revedin hat in ihrem Roman „Margherita“ der Großmutter ihres Mannes ein literarisches Denkmal gesetzt und den Lesern ein atmosphärisches, interessantes und anregendes Buch geschenkt. Wer Italien, Venedig, Kunst und Kultur liebt und sich für Zeitgeschichte interessiert, wird große Freude an der Lektüre haben.

Wir begegnen der jungen Margherita – einer einfachen Zeitungsverkäuferin, die jedoch eine gute Schulbildung genießen konnte – am Neujahrstag des Jahres 1920, also ziemlich genau vor 100 Jahren. Es beginnen die Zwanziger Jahre, so wie jetzt auch für uns wieder Zwanziger Jahre anbrechen. Damals ist gerade ein Weltkrieg und die schreckliche Welle der spanischen Grippe zu Ende gegangen. Margherita lebt in Treviso – einer Stadt im Veneto – mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern in einer einfachen Unterkunft, die einem Kloster angegliedert ist. Der Vater hat die Familie schon vor langer Zeit im Stich gelassen und die vier Damen haben sich mit dem von ihm hinterlassenen Zeitungsladen und den Schneiderarbeiten der Mutter eine eigene Existenz aufgebaut. Margherita, die Mittlere der Schwestern, liebt es, morgens die Zeitungen zu studieren und sich dann gepflegt und gewitzt mit ihren Kunden darüber auszutauschen. Einer dieser Kunden ist der adelige Conte Revedin – der Erbe einer trevisianischen Dynastie, dem das Schicksal Eltern und Geschwister genommen hat. Er genießt die Konversation mit Margherita, mit der er sich fundiert über Tagespolitik, Kunst und Kultur unterhalten kann und die ihm als frischer Wind aus dem Volk in der verkrusteten, konservativen Welt des italienischen Hochadels einfach „gut tut“, wie er es selbst ausdrückt.

Und plötzlich nimmt ein wahres Märchen seinen Lauf, denn der Conte hält um Margheritas Hand an und sie wird hineinkatapultiert in ein Leben voller Kunst, Kultur und Annehmlichkeiten, das sie sich kaum hätte erträumen können. In Paris wird sie während ihrer Verlobungszeit in die hohe Gesellschaft eingeführt und schon bald verkehrt sie mit all den großen Künstlern ihrer Zeit – Giacometti, Poulenc, Coco Chanel, Cole Porter und Pablo Picasso. Sie findet in Eugenia Errázuriz, Jean-Michel Frank und der eigenwilligen und unangepassten Peggy Guggenheim wahre Freunde. Ein aufregendes Leben als „First Lady“ in Venedig beginnt und sie erobert sich an der Seite ihres Mannes einen Platz in der Gesellschaft am venezianischen Lido. Sie erlebt den touristischen Aufschwung Venedigs und trägt ihren Teil dazu bei, dass sich die Lagunenstadt zu einem kulturellen Mittelpunkt Europas entwickelt – als Kurort, Stadt der Biennale und der Künste und als Ort des weltberühmten Filmfestivals. Doch auch dieses Märchen verläuft nicht ohne Schicksalsschläge…

Die Lektüre der 300 Seiten verging für mich wie im Flug und auch wenn der Roman nicht besonders reich an Handlung ist, so habe ich es sehr genossen in diese Zeit, das Flair und den Zauber der „Serenissima“ Venedig einzutauchen. Man wünscht sich regelrecht, bei einem der rauschenden Feste der venezianischen Bohème dabei gewesen zu sein, welche die Autorin so sinnlich beschreibt. All die Anspielungen auf die Künstler, die verschiedenen Kunstrichtungen – von bildender Kunst über Musik und Oper bis zur Architektur – sind genau nach meinem Geschmack und auch die kulinarischen Aspekte kommen nicht zu kurz. Ich fand es spannend, mehr über die schillernde und unabhängige Persönlichkeit von Peggy Guggenheim zu erfahren – auch wenn sie nicht im Zentrum des Buches steht – und ich bin mit einem Füllhorn an Ideen und Inspiration aus der Lektüre herausgegangen, was man noch alles nachlesen, nachhören und weiterrecherchieren könnte. Also ein Buch wie für mich geschrieben, da man viel über Zeitgeschichte und auch die Stadtgeschichte Venedigs erfährt. Lesegenuss, etwas Neues erfahren und Inspiration, was will man mehr?

Explizit erwähnen möchte ich auch noch die wunderschöne Aufmachung des Buches. Der Aufbau Verlag hat hier eine herrliche Ausgabe mit Lesebändchen und einem sehr edel gestalteten Umschlag geschaffen, die man gerne zur Hand nimmt und die zu einem Schmuckstück im Bücherregal wird, welches jedem bibliophilen Leser Freude bereitet.

Der Roman gibt Einblicke in das „Who is who“ des italienischen Hochadels und die Welt der Großindustriellen und wird vor allem kunstsinnigen und zeitgeschichtlich interessierten Lesern gefallen, die sich für geschichtliche Hintergründe und verschiedene Kunstrichtungen interessieren. Wer jedoch nur auf der Suche nach einem einfachen, klassischen Liebesroman unter italienischer Sonne ist, der sollte lieber die Finger davon lassen. Für mich war diese Reise ins schöne Venedig jedoch eine wunderbare, erfrischende Urlaubslektüre, die mich abtauchen ließ ins Gewirr der Gassen und Kanäle und mich zumindest gedanklich einen Tag ans Meer, auf den Markusplatz und an den Strand am Lido entführt hat. Achtung: Fernweh inbegriffen.

Buchinformation:
Jana Revedin, Margherita
Aufbau
ISBN 978-3-351-03830-4

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Welche weiteren sinnlichen Genüsse passen zu „Margherita“:

Für den Gaumen:
Ein Espresso und ein „Veneziano“ (die italienische Variante des „Spritz“) – und falls man danach hungrig sein sollte, ein Teller mit herrlicher italienischer Pasta… denn Pasta macht glücklich.

Für Augen und Ohren – oder für den nächsten Opernbesuch:
Der Roman beginnt mit der Arie „Vissi d’arte“ aus Giacomo Puccinis Oper „Tosca“ – eine der größten, italienischen Opern aller Zeiten. Ein Meisterwerk, das man immer wieder sehen und hören kann, das häufig auf den Spielplänen steht und hoffentlich auch nach der Corona-Pause wieder in den Opernhäusern zu erleben sein wird.

Für weiteren literarischen Genuss:
Wer jetzt Lust auf „mehr Italien“, „mehr Meer“ und „mehr Liebesgeschichte“ bekommen hat, dem lege ich folgenden wunderschönen und stimmungsvollen Roman ans Herzen – ein wahres Fest für die Sinne und wunderbar zu lesen:

Hanns-Josef Ortheil, Die große Liebe
btb
ISBN: 978-3-442-73964-6

Così fan tutte in Salzburg

Gerade derzeit „machen es eben nicht alle so“, sondern die Salzburger Festspiele sind aktuell das große Kulturereignis, das es anders macht – es findet statt. In eingeschränkter Form, aber Salzburg versucht und wagt es, ein Zeichen zu setzen, dass Kultur auch in Zeiten der Pandemie einen Platz finden kann und muss. Dies erfordert Mut und es bleibt zu hoffen, dass dieser belohnt wird, so dass diese Jubiläumsfestspiele als besonders, aber gelungen in die 100-jährige Geschichte eingehen werden und ein positives, ermutigendes Zeichen setzen.

Die Neuinszenierung von Mozarts „Così fan tutte“ in einer gekürzten und coronatauglichen Form (d.h. ohne Pause), leistet ohne Zweifel ihren Beitrag zum Gelingen der Festspiele. Die reduzierte Fassung, welche die Dirigentin Joana Mallwitz – als erste Frau am Pult der Salzburger Festspiele – und Regisseur Christof Loy in der Kürze der Zeit gemeinsam erarbeitet haben, ist stimmig und verschafft dem Publikum den so dringend ersehnten Mozartgenuss: Balsam auf die Seele all derer, die so lange auf Oper verzichten mussten.

Mozarts Kammeroper mit sechs großen Partien, Liebeswirren und zeitloser musikalischer Schönheit erweist sich als bestens geeignet für die aktuell gebotenen Möglichkeiten, Opern aufzuführen. Die Wirkung des Stücks leidet nicht unter den Einschränkungen, welche die Pandemie dem Opernbetrieb auferlegt.

Fiordiligi und Dorabella – zwei junge und unbeschwerte Schwestern – lieben ihre Verlobten Guglielmo und Ferrando und fiebern der Hochzeit entgegen. Durch die heimtückische Wette, die Don Alfonso bei seinen Freunden anzettelt – er möchte den Beweis antreten und sie warnen, dass keine Frau wirklich treu ist – stürzt er die vier jungen Menschen in große Liebes- und Gefühlswirren. Den Schwestern – Elena Dreisig und Marianne Crebassa als hinreißende, unbeschwerte Damen, die in mir mehr als einmal die Assoziation von „Schneeweißchen und Rosenrot“ weckten und sich stimmlich, wie spielerisch wunderbar ergänzen – erzählt Don Alfonso, dass ihre Verlobten einrücken müssen. Die folgende Abschiedsszene und die Arie „Soave sia il vento“, ist für mich musikalisch und emotional einer der Höhepunkte und der Gänsehautmoment der Aufführung, zumal die warme Stimme des Weltklasse-Baritons Johannes Martin Kränzle und die frischen, jungen Stimmen der beiden Sängerinnen eine Harmonie und Klangfarbe erzeugen, die unter die Haut geht.

Wer „Così fan tutte“ kennt, weiß, wie es weitergeht: Mit Hilfe der durchtriebenen Kammerzofe Despina – Lea Desandre beweist in dieser Rolle ihr komödiantisches Talent und brilliert auch in den Szenen als verkleideter Arzt und Notar – schleust Don Alfonso die verkleideten jungen Burschen unerkannt zurück ins Haus, wo sie dann mit allerlei Tricks versuchen, die Verlobte des jeweils Anderen zu verführen.

Am Ende spricht einem der Schlusschor – derzeit aktueller denn je – aus der Seele, der in C-Dur den Menschen glücklich preist, der die guten Seiten sieht und auch in den Wechselfällen des Lebens lacht und Ruhe bewahrt.

Mich hat vor allem die immense Intensität und die enorme Energie beeindruckt, welche von dieser puristischen Fassung und der spielfreudigen Besetzung ausgehen. Gerade durch die Reduzierung aufs Wesentliche – die Bühne als großer, freier Raum ohne Requisiten und Möblierung – nur Treppen und Türen und ein Spiel mit Weiß und Schwarz – trägt dazu bei, dass sich alles auf die Musik und die Figuren konzentriert.

Die Sänger füllen diesen Raum mit Leben und Emotion und nutzen die Chance, die sich in der Einfachheit bietet. Jeder der sechs Akteure ist dieser Herausforderung, sich nur auf sich selbst und Mozarts Musik zu verlassen, zu jeder Zeit gewachsen. Stimmlich und darstellerisch agieren sie auf Augenhöhe. Der Star ist das Ensemble und wird zu Recht vom Publikum im Saal mit stürmischem Beifall bedacht.

Joana Mallwitz führt die Wiener Philharmoniker umsichtig und stellt die Musik in den Dienste der herausragenden Sängerriege: Allen voran die 29-jährige Elsa Dreisig, die der Fiordiligi vor allem in den Höhen eine unvergleichliche Leichtigkeit gibt und doch darstellerisch auch die Gefühlstiefe nicht vermissen lässt. Marianne Crebassa ergänzt Dreisigs klaren, hellen Sopran um einen dunkleren und warmen Mezzo – eine höchstklassige Besetzung der beiden Rollen, wie man sie nur äußerst selten erleben darf und zwei Sängerinnen, denen große Opernkarrieren offen stehen. Dem stehen der russische Tenor Bogdan Volkov und der Bariton Andre Schuen kaum nach und meistern ihre Partien sängerisch ebenfalls mit viel Gefühl und großer Bühnenpräsenz. Johannes Martin Kränzle präsentiert sich als Don Alfonso in hervorragender Verfassung und darf auch dank seiner grandiosen schauspielerischen Fähigkeiten bei Mimik und Körperhaltung aus dem Vollen schöpfen. Der erfahrene Bariton ergänzt so perfekt das junge, vibrierende Ensemble, denn auch die temperamentvolle Lea Desandre als Despina sprüht vor Spiellaune und beweist große Ausstrahlung auf der Bühne.

Christof Loys wohl durchdachte Personenregie schafft die Voraussetzung, dass das Publikum einen Opernabend erlebt, der getragen von der unsterblichen Musik Mozarts, vor allem durch die puren, intensiven gesanglichen und authentischen, emotionalen schauspielerischen Leistungen der Hauptakteure im Gedächtnis bleiben wird. Man spürt regelrecht mit welcher Lust und Freude die Akteure des Abends auf der Bühne stehen und es genießen, endlich wieder vor Publikum spielen zu dürfen.

Salzburg, Mozart, die Festspiele und die Wiener Philharmoniker sind untrennbar miteinander verbunden und werden hoffentlich in dieser Konstellation noch viele Besucher und Opernbegeisterte in den kommenden Jahrzehnten begeistern und verzaubern.

Gesehen auf ORF2, 07. August 2020, 20.15 Uhr

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Ich liebe es, während und nach einem kulturellen Erlebnis, die Gedanken fließen zu lassen, den Moment auszukosten, mir die Sinne umschmeicheln und mich inspirieren zu lassen. Kultur ist für mich das Zusammenspiel der Sinne (Hören, Sehen, Schmecken, Riechen und Fühlen) und regt mich zum Nachdenken und genießen an. So klingt und wirkt das Erlebte länger nach und hinterlässt dauerhafte Spuren. Für die Salzburger „Così“ sind das für mich:

Für den Gaumen: ein sommerlich-fruchtiges, gekühltes Glas Spätburgunder-Rosé

Für die Ohren: Zum immer wieder Nachhören die Arie „Soave sia il vento“. Sie ist musikalisch wie eine frische Brise am Meer, die Segel blähen sich und flattern fröhlich und ruhig im Wind, wenn die Streicher den wunderbaren Gesang der harmonierenden Frauenstimmen begleitet vom Fundament des erfahrenen Baritons fließend untermalen.

Und natürlich die Musik Mozarts in jeglicher Couleur – jeder, der ihn liebt, wird seine ganz persönlichen Lieblingsstücke haben – für mich gibt es unzählige…

Für literarischen Genuss:

Spontan fallen mir hier ein und stehen in meinem Regal:

  • Eva Baronsky „Herr Mozart wacht auf“;
    Aufbau Verlag, ISBN: 978-3-7466-2696-3
    (Das ich vor vielen Jahren in einem Wellness-Urlaub gelesen habe und das mich damals köstlich amüsiert hat, weil es mit viel Augenzwinkern geschrieben ist.)
  • Hanns-Josef Ortheil „Das Glück der Musik – Vom Vergnügen, Mozart zu hören“; Luchterhand, ISBN: 978-3-630-62082-4
    (Einer meiner absoluten Lieblingsautoren, der – neben vielen anderen Vorzügen – wie kein Zweiter über Musik schreiben kann)

Und als baldige Rezension im Blog geplant:

Auf zu neuen Ufern

Hallo Welt!
Hallo liebe Kulturbegeisterte, Bücherliebhaber und Genussmenschen!

Ich freue mich, dass Ihr da seid und den Weg auf meinen Blog gefunden habt. Mit diesem ersten Beitrag sende ich ein erstes, herzliches „Hallo“ hinaus in die Welt.

Hier schreibt Eine, die sich schon als Kind auf den Weg machte, die ersten großen Lieben ihres Lebens zu entdecken: Bücher, Musik, Theater – Kultur in ihrer Vielfalt und die schönen Dinge des Lebens. Die Vorlieben für gutes Essen und Trinken, Reisen und die Oper gesellten sich dann ein wenig später dazu. (Mehr zu mir könnt Ihr jederzeit gerne unter „Über mich“ lesen).

Das Jahr 2020 ist ein Jahr der Veränderung und des Umbruchs. Der Virus hat uns, unserem Leben und unseren Gewohnheiten eine neue Prägung gegeben. Gerade als jemand, der für sein Leben gerne ins Theater, die Oper oder in Konzerte geht, musste ich dieses Jahr viele schmerzliche Absagen und traurige Verluste hinnehmen und auf Ereignisse verzichten, auf die ich mich sehr gefreut hatte.
Trost suchte und fand ich unter anderem in Büchern und – auch wenn dies ein Live-Erlebnis im Theater nicht ersetzen kann – in einigen Fernsehübertragungen oder Livestreams aus Opernhäusern und Konzertsälen.

Auch meine Urlaubspläne habe ich dieses Jahr den Umständen angepasst und verbringe meine freie Zeit in meiner Heimat und bleibe zu Hause statt zu verreisen. Und da war dann auf einmal dieser Gedanke, eine andere Reise zu beginnen: Meine Liebe zu Kultur und Büchern zu teilen und da ich gerne schreibe (früher auch bereits auf einer Buchplattform Rezensionen verfasst habe), war da die Idee, dem Ganzen Raum und eine Form zu geben und diesen Blog zu starten – mein Sommerprojekt 2020. Sehr frei nach dem Motto, „wenn Dir das Leben Zitronen schenkt, mach’ Limonade draus“ – warum also nicht eine Bowle – meine Kulturbowle – daraus machen?

Auf zu neuen Ufern – ich freue mich auf diese neue Erfahrung, diesen neuen Weg, diese neue Reise. Kultur und Literatur bereichern mich und lassen mich wachsen, machen mich zu dem Menschen, der ich bin und lassen mich zugleich offen und wach in die Welt schauen. Wenn der eine oder andere durch diese Seite verlockt wird und Lust bekommt, zu einem Buch zu greifen, ins Theater oder die Oper zu gehen, Musik zu hören oder ein gutes Essen zu genießen und sich dann darüber zu freuen, habe ich mehr erreicht, als ich mir wünschen kann.

Kultur verbindet und macht das Leben lebenswert – dies möchte ich weitertragen und Menschen dafür begeistern.
Wenn Ihr mich daher auf meiner Reise begleiten wollt, seht Euch gerne in meinem Blog um. Seid offen, zuversichtlich, positiv und genießt es!