Junibowle 2022 – Sommerfrische und Herzensangelegenheiten

Etwas später als üblich gibt es aber natürlich doch auch diesen Monat wieder meinen gewohnten Monatsrückblick – die Junibowle 2022.

Die erste Jahreshälfte ist vorbei. Der Juni präsentierte sich sehr sommerlich und sonnig und da ich viel Zeit zum Lesen hatte, ist vor allem bei den Lektüren einiges zusammengekommen, so dass ich dieses Mal versuchen möchte, mich bei den einzelnen Büchern kurz zu fassen – ausführlichere Rezensionen sind verlinkt oder folgen in einigen Fällen noch.

Doch vorab möchte ich auch nicht versäumen, noch einen oscarprämierten Film zu erwähnen, den ich diesen Monat auf ARTE gesehen habe: „Reise nach Indien“ (Regie: David Lean) – obwohl ich in der Regel kein besonderer Fan von Literaturverfilmungen bin, fand ich diese filmische Version aus dem Jahr 1984 von Edward Morgan Forsters Roman „Auf der Suche nach Indien“ (1924) sehr sehenswert.

Und auch den Fernsehfestspielsommer habe ich für mich mit dem „Sommernachtskonzert Schönbrunn 2022“ eröffnet (in der 3Sat-Mediathek noch bis 30.07.2022 verfügbar). Die Wiener Philharmoniker und der Cellist Gautier Capuçon zauberten ein vielseitiges Programm vor der stets grandiosen Kulisse von Schloss Schönbrunn auf die Bühne.

Doch jetzt zu meinen Juni-Lektüren, die in den meisten Fällen unter das Motto „Sommerfrische und Meeresbrise“ eingeordnet werden können:

Das ganze letzte Jahr hatte ich irgendwie auf die richtige Sommer- und Ferienstimmung gewartet, um in Ruhe das Buch zu lesen, von dem alle schwärmten: Ewald Arenz „Der große Sommer“. Letztes Jahr war mir dann nicht danach, aber jetzt war es endlich soweit und was soll ich sagen: auch dieser Arenz ist wirklich, wirklich gut! Ein feines, tiefgründiges Sommerbuch!

Alle Jahre wieder warte ich auf den nächsten Band der Bruno-Reihe von Martin Walker, der als Taschenbuch erscheint. Ein literarischer Pflichttermin, auf den ich mich alljährlich freue. „Französisches Roulette“ ist ein Périgord-Krimi wie man ihn kennt und liebt: kulinarisch anregend, stimmungsvoll und spannend. Das Wiedersehen im nächsten Jahr ist bereits fest eingeplant.

Besonders viel Freude hat mir der Beginn einer neuen Reihe auf meinem Blog gemacht – die Herzbowle. Hier möchte ich in unregelmäßigen Abständen Bücher wiederlesen und vorstellen, die mir besonders am Herzen liegen und die meine Lesebiografie geprägt haben. Als würdigen Auftakt zum Mittsommerfest habe ich Astrid Lindgren’s „Ferien auf Saltkrokan“ gewählt und über die vielen schönen Rückmeldungen und Kommentare habe ich mich sehr gefreut.

Das Thema Insel und Meer führte mich dann auch mit Sylvia Frank’s „Das Haus der Winde“ auf die Insel Hiddensee. Im Roman verschmelzen wahre und fiktive Momente der Lebensgeschichte der Schauspielerin Asta Nielsen, die sich mit ihrem geliebten Sommerhaus Karusel in den Dreißiger Jahren ein gemütliches Feriendomizil und einen Rückzugsort auf der Ostseeinsel geschaffen hatte.

Schon eine ganze Weile auf meinem Lesestapel lag der zweite Teil der „Alle Toten fliegen hoch“-Reihe von Joachim Meyerhoff: „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“. Auch dieser Band konnte mich aufgrund der lebendigen, berührenden Art zu erzählen und dem geschickten Verflechten von Tragik und Komik wieder überzeugen. Jetzt bin ich schon gespannt auf den dritten Teil, der von vielen ja als der Beste der Reihe angesehen wird.

Eine kleine, feine Entdeckung war Elizabeth Taylor’s Roman „Mrs Palfrey im Claremont“ aus dem Jahr 1971, der mich in die melancholische Welt eines Londoner Hotels führte, das wie seine Bewohner schon glanzvollere Tage erlebt hat. Die liebenswerte, zarte Geschichte, die sich zwischen Mrs Palfrey und dem Möchtegern-Schriftsteller Ludo entspinnt, ist bewegend und fein gezeichnet. Hier möchte ich bald noch ausführlicher berichten.

Dann wurde es kulinarisch und appetitanregend mit dem ungewöhnlichen und überraschenden, dünnen Bändchen von Massimo Montanari: „Spaghetti al pomodoro“. Wem bei diesen launigen und kulturhistorischen Erläuterungen zum allseits beliebten Leibgericht nicht das Wasser im Mund zusammenläuft… der Pasta-Appetit ist definitiv vorprogrammiert!

Ein weiteres Herzensbuch, das ich im Juni wieder einmal zur Hand genommen habe, ist Helen Hanff’s „84, Charing Cross Road“. Und auch bei wiederholter Lektüre hat dieser zauberhafte Briefwechsel zwischen einer lesebegeisterten Amerikanerin und einem Londoner Antiquar nichts von seiner Magie verloren. Die nächste Herzbowle folgt also bestimmt und bald.

Mehr über Hiddensee und die Künstlerinnen und Künstler, die auf der schönen Insel weilten, durfte ich mit Unda Hörner’s Buch „Auf nach Hiddensee!“ erfahren. Asta Nielsen, Joachim Ringelnatz und natürlich Gerhart Hauptmann – der bebilderte, schön gestaltete Band, lässt die Bohème und die ausgelassene Ferienstimmung vergangener Tage wieder lebendig werden.

Maritim ging es weiter nach Litauen und den beliebten Ferienort der Familie Mann mit Frido Mann’s „Mein Nidden“. Der Enkel Thomas Mann’s erzählt die Geschichte des Ferienhauses seiner Familie auf der Kurischen Nehrung, das heute Kulturzentrum ist.

Und endlich habe ich es auch geschafft, Christa Wolf zu lesen: „Sommerstück“ ist ein wunderbares, feines Buch für lange, helle Sommertage, das beschreibt wie mehrere Familien ihr Glück in einem kleinen Dorf in Mecklenburg-Vorpommern suchen. Tiefgründig, nachdenklich und zudem sprachlich ein Genuss!

Dass auch Clara Schumann und Johannes Brahms ihr Herz an die Insel Rügen verloren hatten, konnte ich durch Reinhard Piechocki’s Buch „Beziehungszauber – Clara und Johannes auf Rügen“ erfahren. Kompakt erzählt er zudem die komplexe Lebens- und Liebesgeschichte der beiden, die bis heute Rätsel aufgibt und vielleicht deshalb für viele einen besonderen Zauber hat.

Zwei wunderbare Maigret-Romane, die in Ferienstimmung versetzen, habe ich last but not least auch noch gelesen: Georges Simenon „Maigret macht Ferien“ und „Maigret in Kur“. Wer noch auf der Suche nach Urlaubs- bzw. Strandlektüre ist – das wäre eine gute Möglichkeit, denn mit Maigret macht man nie etwas falsch.

Da die Bücher diesen Monat teils schneller von mir verliehen wurden, als ich mein Beitragsbild machen konnte – fehlen dieses Mal ausnahmsweise zwei… kann auch mal passieren.

Doch weil Bilder ja bekanntlich manchmal mehr sagen als Worte, gibt es dafür dieses Mal natürlich auch wieder fotografische Juni-Impressionen am Ende des Beitrags.

Was bringt der Juli?

Auf jeden Fall weitere Konzert- und Festspielhöhepunkte im Fernsehen – dankenswerter Weise wird hier kulturell einiges geboten:

Am 09.07.2022 um 20.15 Uhr zeigte 3Sat das „Eröffnungskonzert des Rheingau Musikfestivals 2022“ aus der Basilika des Klosters Eberbach u.a. mit Felix Mendelssohn Bartholdy’s Sinfonie Nr. 2 B-Dur op. 52 „Lobgesang“ (noch bis zum 08.08.2022 in der 3Sat Mediathek verfügbar). Wirklich sehr schöne Musik!

Am 16.07.2022 hat man dann die Qual der Wahl zwischen „Klassik am Odeonsplatz“ auf 3Sat um 20.15 – die Münchner Philharmoniker spielen Filmmusik unter der Leitung von Sir Simon Rattle oder dem Livestream der Münchner Staatsoper (Staatsoper TV) von Leoš Janáček’s „Das schlaue Füchslein“ unter der Regie von Barrie Kosky um 20.00 Uhr (im Rahmen von Oper für alle).

Ich wünsche allen einen schönen und friedlichen Juli! Passt auf Euch auf und bleibt gesund!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight Juni:
Bevor die Rhabarberzeit traditionell mit dem Johannistag am 24. Juni endet, gab es diesen Monat noch einen feinen Rhabarberkuchen. Der gehört für mich einfach zu einem gelungenen Sommerbeginn.

Musikalisches im Juni:
Schwungvolle, lebhafte und fröhliche Musik beim stimmungsvollen Sommernachtskonzert in Schönbrunn, z.B. mit Bedřich Smetana’s Ouvertüre zu „Die verkaufte Braut“ und Gioacchino Rossini’s Ouvertüre zu „La gazza ladra“.

Wir gehen am Meer im tiefen Sand

Wir gehen am Meer im tiefen Sand,
Die Schritte schwer und Hand in Hand.
Das Meer geht ungeheuer mit,
Wir werden kleiner mit jedem Schritt.

Wir werden endlich winzig klein
Und treten in eine Muschel ein.
Hier wollen wir tief wie Perlen ruhn,
Und werden stets schöner, wie die Perlen tun.

(Max Dauthendey, 1867-1918)

11 Kommentare zu „Junibowle 2022 – Sommerfrische und Herzensangelegenheiten

  1. Das hört sich nach einem wunderbaren Juni an — ein paar Deiner Lektüren kenne und mag ich auch sehr gerne (Arenz, Meyerhoff, Hanff).

    Ich hoffe, der Juli wird ähnlich angenehm!

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    1. Mengenmäßig wird der Juli bei mir wohl sicher nicht an den Juni herankommen – zumal er ja mittlerweile auch schon zur Hälfte rum ist – aber ich bin überzeugt, dass ich sicherlich wieder einige feine Lektüren zusammenbekomme. Und den dritten Meyerhoff habe ich mir auch mal auf meinen Juli-Plan gesetzt – der liest sich ja immer herrlich flüssig und schnell. Dir wünsche ich ebenfalls einen angenehmen Lesemonat Juli und schöne Sommertage! Viele Grüße, Barbara

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      1. Teil 2 und 3 von Meyerhoff sind auch meine beiden Favoriten. Gerade die Großmutter im dritten Teil ist ein echtes Unikat. 🙂

        Gestern ging es in Axel Hackes Kolumne im SZ-Magazin wieder einmal um das Dorf in Italien und den Torre. Leider überschattet von Corona-Infektionen. Vielleicht hast Du das ja schon gelesen. Falls nicht, kann ich Dir die Kolumne gerne auch zumailen.

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      2. Lieber Christoph! Vom dritten Meyerhoff habe ich bisher nur Gutes gehört und gelesen und bin mir daher sehr sicher, dass er mir gefallen wird.
        Die gestrige Kolumne von Axel Hacke habe ich nicht gelesen, aber da die Corona-Inzidenzen ja leider gerade allerorten hoch sind und weiter steigen, kann ich mir gut vorstellen, dass dies auch auf der Insel Elba ihre Schatten wirft. Corona wird vermutlich leider auch vor dem ehrwürdigen Torre nicht Halt machen. Herzliche Grüße und ein schönes Sommerwochenende! Barbara

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  2. Was für eine hübsche Bowle, Hanff will ich auch schon sooo lange mal wiederlesen; Meyerhoff, ach wie schön, wenn man das noch vor sich hat, ein echter Knaller :-); Mrs Palefrey hat mir auch sehr gefallen und nun muss ich mal stöbern gehen, der Titel von Christa Wolf sagt mir (noch) nichts. Ich wünsche dir einen angenehmen Sommer mit der immer passenden Lektüre und Musik anbei. LG Anna

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    1. Danke, Anna. Ja, im Juni konnte ich wirklich viele schöne Sommerbücher lesen… so richtig zum Schwelgen. Dir wünsche ich ebenso viel Spaß beim Stöbern, Schmökern und Schwelgen und eine wunderbaren Sommer mit viel Zeit, Muße und guten Büchern! Liebe Grüße! Barbara

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