Septemberbowle 2026 – Kostproben und Kinobesuche

Aktuell fällt es manchmal nicht leicht, mit der vorbeirauschenden Zeit Schritt zu halten. Das Leben fordert viel Aufmerksamkeit, Kraft und Zuwendung und hatte im September – trotz allem – aber auch viel Schönes zu bieten. Doch selbst – und das ist wirklich ungewöhnlich – zum Lesen blieb viel weniger Zeit als üblich. Dafür gab es Neues zu verkosten, italienisches Lebensgefühl zu genießen, viel Musik und – ebenfalls ungewöhnlich für mich – viel Kino.

Nicht verpasst – trotz allem Trubel – habe ich die traditionelle „BBC – Last Night of the Proms“, die mir dieses Jahr mit Solist Nicky Spence wirklich ausnehmend gut gefallen hat.

Und da die Landshuter Theatersaison für mich erst im Oktober beginnen wird, gab es sogar Zeit und glücklicherweise auch Gelegenheit, zwei großartige Filme im Kino anzusehen:
„Vaterland“ mit Sandra Hüller und Hanns Zischler, der mich wirklich begeistert hat. Faszinierend, welche Intensität die Schwarz-Weiß-Szenen – gerade zwischen Vater Thomas Mann und Tochter Erika – entfalten bis hin zu einer zutiefst berührenden Schlussszene, die mir unvergessen bleiben wird.

Sehr gut gefallen hat mir auch „Spaziergang nach Syrakus“ mit Charly Brückner und Lina Beckmann nach einer Erzählung von Friedrich Christian Delius. Hier habe ich sogar ausnahmsweise gegen meinen Grundsatz „Erst lesen – dann schauen“ verstoßen und habe es nicht bereut, denn der Film ist wirklich großartig. Und Delius ist mit seinen Werken im Anschluss auch gleich mal auf meine „Sollte ich Lesen -Liste“ gewandert.

Im September blieb weniger Zeit zu lesen und so manche Lektüre erforderte auch mehr Zeit und Konzentration, so dass ich dieses Mal tatsächlich nur über fünf Bücher zu berichten habe:

Italien war im September eines meiner Hauptthemen, daher tauchte ich mit Olivia Laings „Buch der Träume“ ab in die italienische Filmgeschichte und die Welt der Cinecittà. Im Venedig der Siebziger begegnet der Kostümdesigner Danilo Donati einem jungen Mann aus England und eine rauschhafte Affäre nimmt ihren Lauf. Laing lässt die Filmwelt um Pasolini und Fellini wieder lebendig werden und hat ein atmosphärisches Buch geschaffen, das einen bei der Lektüre unweigerlich in seinen Bann zieht und neugierig macht auf italienische Filmklassiker.

Ein besonderes Leseerlebnis – zumal ich mich an ein Werk in italienischer Sprache herangetraut habe – war auch Giovanni Montanaros „Il libraio di Venezia“, das demnächst auch in deutscher Übersetzung („Der Buchhändler von Venedig“) erscheinen wird. Erzählt werden die schicksalshaften Tage eines venezianischen Buchhändlers im November 2019, als die große Flutkatastrophe über Venedig hereinbrach und in seinem Laden großen Schaden anrichtete. Szenen, die das Herz bluten lassen und doch auch ein Buch, das Mut macht angesichts des Zusammenhalts, der Unterstützung und unverhofften Hilfe, die ihm in der Serenissima zuteil wurde.

Ebenfalls im Original – jedoch in diesem Fall auf englisch – habe ich den Debütroman von Stephanie Sy-Quia „A Private Man“ gelesen. Inspiriert durch die Geschichte ihrer Großeltern erzählt sie die unaufhaltsame und steinige Liebesgeschichte zweier tiefgläubiger Menschen, die lange gegen ihre Gefühle ankämpfen. Im Großbritannien der Sechziger Jahre verlieben sich ein katholischer Priester und eine junge Lehrerin, die weit mehr verbindet als jeweils eine längere Zeit in Rom verbracht zu haben, ineinander. Ein intensiver, sinnlicher und kluger Roman, der sich zudem tiefgründig und kritisch mit Themen und Fragen des Glaubens und der Institution Kirche auseinandersetzt. Ende Oktober erscheint auch die deutsche Übersetzung unter dem Titel „Den Himmel bewegen“ im Suhrkamp Verlag.

Wer sich etwas näher mit römischer Geschichte befassen möchte, kommt an Mary Beard und ihren Werken nicht vorbei. In „SPQR“ befasst sich die britische Historikerin, die in Cambridge als Professorin arbeitet, ausführlich mit der Geschichte des römischen Reichs. Eine sehr lohnende Lektüre, die jedoch definitiv auch etwas Zeit und Konzentration erfordert.

Und vorbereitend für einen hoffentlich auch realisierbaren nächsten Kinobesuch habe ich Jenny Erpenbecks „Heimsuchung“ gelesen. Die wechselvolle Geschichte eines Sommerhauses an einem brandenburgischen See und seiner Bewohner, die zugleich auch deutsche Geschichte von den Weltkriegen bis hin zur Wende- und Nachwendezeit erzählt. Der Film von Volker Schlöndorff mit Martina Gedeck, Lars Eidinger, Susanne Wolff und vielen weiteren renommierten SchauspielerInnen ist ab dem 15. Oktober 2026 in deutschen Kinos zu sehen.

Was bringt der Oktober?

Der Lesekreis hat sich mit Emily Brontës „Die Sturmhöhe“ einen echten Klassiker ausgewählt, den ich tatsächlich auch bislang noch nicht gelesen hatte. Hier kann ich also eine Bildungslücke schließen.

Zudem steht ein weiterer literarisch inspirierter Kinobesuch auf dem Plan, denn im Landshuter Kinoptikum läuft endlich „Ingeborg Bachmann – Jemand, der ich einmal war“ mit Sandra Hüller – so dass ich hier auch dem Bachmann-Jubiläum dieses Jahr noch etwas Aufmerksamkeit schenken kann.

Große Vorfreude empfinde ich im Hinblick auf das lange herbeigesehnte Konzert von Mendelssohn-Bartholdys Oratorium „Elias“ in der Landshuter Christuskirche.

Und auch die Theatersaison 26/27 beginnt für mich endlich mit „Fantasio“ von Jacques Offenbach im Landestheater Niederbayern.

Und auch Italien wird im Oktober nochmal Thema bleiben.

Zudem freue ich mich auf schöne Herbstmomente und wünsche allen einen guten, bunten und farbenfrohen Herbst mit kultureller Vielfalt, bereichernden Begegnungen und feinen Büchern!

Die ausführlichen Rezensionen – soweit vorhanden – sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight September:
Der Aperitivo ist aus dem norditalienischem Lebensgefühl nicht wegzudenken und wollte daher auch entsprechend zelebriert werden.

Musikalisches im September:
Der Bach-Choral „Wohl mir, dass ich Jesum habe“ bzw. „Jesus bleibet meine Freude“ begleitet mich schon sehr lange. Zumal ich ihn bereits viele Male selbst im Chor gesungen habe, habe ich die ersten Takte des Orgelvorspiels im Film „Vaterland“ sofort erkannt und so berührte mich vor allem die Schlussszene des großartigen Films zutiefst.

3 Kommentare zu „Septemberbowle 2026 – Kostproben und Kinobesuche“

  1. „Vaterland“ möchte ich mir auch noch unbedingt anschauen. Heute werde ich es mir allerdings mit Buch, Tee und später einem Dram Whisky vorm Ofen bequem machen. 🙂

    Wünsche Dir noch einen schönen Sonntag

    LG aus der kriminellen Gasse

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    1. „Vaterland“ lohnt den Kinobesuch auf jeden Fall. Aber Dein Plan klingt für diesen eher grauen Oktobersonntag (zumindest bei uns hat es die Sonne noch nicht geschafft, durch die Wolken zu kommen) auch sehr gemütlich. Schöne Sonntagsgrüße zurück in die „kriminelle Gasse“!

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  2. Das sind sehr stimmungsvolle Urlaubsbilder, liebe Barbara! Träumen von Italien ist eine gute Möglichkeit, der Oktober-Tristesse ein wenig zu entfliehen. Den DDR-Parmesan aus „Spaziergang nach Syrakus“ überlasse ich dann aber doch lieber anderen. 😉

    Einen schönen Sonntag
    Christoph

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