Novemberbowle 2021 – Laubrascheln und Schmökerstunden

Der November machte sich dieses Jahr keine Mühe, um mit untypischem Wetter zu überzeugen. Vielmehr erfüllte er meist das Klischee, hatte viel Nebel und Grau im Angebot und am Ende sogar ein kleines bisschen Schnee. Dennoch gab es Gelegenheiten zu Spaziergängen durch raschelndes Herbstlaub und vor allem auch lange Leseabende zu Hause. Die Corona-Lage bereitet leider erneut sehr große Sorgen und auch für die Kultur steht wieder ein harter Winter ins Haus.

Doch im November hatte ich noch die Möglichkeit, zwei Ausstellungen in Landshut zu sehen:

In der Neuen Galerie Landshut durfte ich in der Ausstellung „Ungesehen – Venske & Spaenle“ (22.10. – 14.11.21) sogenannte Smörfs aus Laaser Marmor des Künstlerehepaares Julia Venske und Gregor Spänle kennenlernen. Weiße Marmorwerke, die an kleine Wesen erinnern und mich in gute Laune versetzten.

Nachdenklicher stimmte mich die aktuelle Ausstellung im Landshuter Koenigmuseum „9/11 und die Koenig Kugel“ (11.09.21 – 11.02.22), welche Fritz Koenig’s bekanntestes Werk – die große Kugelkaryatide vor dem World Trade Center, welche den Anschlag beschädigt überlebte – in den Mittelpunkt stellt, aber auch Kunstwerke anderer Künstler zum Thema 9/11 – anlässlich des 20. Jahrestages – in Kontext mit dem Werk des Bildhauers setzt.

Der November war für mich ein richtiger Schmökermonat. Mit einigen Büchern knapp an die 500 und mehr Seiten, großartigen historischen Romanen und winterlicher Lektüre habe ich zahlreiche Stunden und viele lange, dunkle Abende gemütlich eingekuschelt in einer Decke auf der Couch verbracht. Von dort reiste ich quasi klimaneutral ins Berlin der Zwanziger Jahre, nach Kalmar in Schweden, an den New Yorker Broadway, ins Rom der Renaissance, an den Küstenpfad entlang der Südwestküste Englands, ins Elsass, ins neblige Essex, zu Polarlichtern und ins norwegische Gudbrandsdalen nach 1900. Man könnte sagen, ich bin ganz schön herumgekommen diesen Monat.

Einblicke ins Leben der jüdischen Malerin Lotte Laserstein und ihres Lieblingsmodells Traute Rose bot mir Anne Stern’s Roman „Meine Freundin Lotte“. Literarisch mehr über die Lebensgeschichte und das Werk eines Künstlers zu erfahren, ist immer reizvoll und bei der Verbindung von Kunst und Literatur kann ich sowieso nur selten widerstehen.

Leider nicht ganz meine – wohl zu hohen – Erwartungen erfüllen konnte Ethan Hawke’s Theaterroman „Hell strahlt die Dunkelheit“. Die Geschichte über einen Filmschauspieler, der in einer Ehe- und Lebenskrise steckt und eine Nebenrolle am New Yorker Broadway im Shakespeare Stück „Heinrich IV.“ annimmt, hatte für meinen Geschmack zu viel Fokus auf „Sex, Drugs and Rock’n Roll“ und zu wenig auf den wirklich interessanten Schilderungen des Theaterbetriebs. Mit den Figuren in Hawke’s Roman wurde ich persönlich leider nicht so richtig warm. Eine ausführliche und positiv überraschte Rezension zum Buch findet man hingegen bei Sören Heim.

Ein richtig toller Schmöker war für mich Michael Römling’s historischer Roman „Mercuria“, der mich abtauchen ließ ins Rom der Renaissancezeit und mir wirklich fesselnde Lesestunden bescherte. Ein grandioser Schauplatz, ein spannender Plot und sympathische Figuren – das war ein opulentes Lesevergnügen ganz nach meinem Geschmack und wie geschaffen für die dunkle Jahreszeit.

Eine außergewöhnliche und inspirierende Lektüre war Raynor Winn’s „Der Salzpfad“. Dieser Reisebericht, in welchem sie die Wanderung auf dem Küstenpfad entlang der Südwestküste Englands gemeinsam mit ihrem schwerkranken Mann beschreibt, nachdem sie alles verloren und obdachlos geworden waren, ist ein ganz besonderes Leseerlebnis, das erdet und demütig macht und trotzdem einen ungezähmten Optimismus versprüht.

Müsste ich einen heimlichen Favoriten dieses Monats küren, wäre es – trotz starker Konkurrenz – vermutlich Pascale Hugues‘ „Mädchenschule“. Die Journalistin, die nach einigen Jahrzehnten ihre Klassenkameradinnen von 1968 wiedertrifft, die sich damals in ihrem Poesiealbum verewigten, und so die Geschichte einer ganzen Frauengeneration erzählt – ein warmherziges, grandioses und für mich unvergessliches Buch!

Noch einmal in die Abteilung historische Romane griff ich mit Sarah Perry’s „Die Schlange von Essex“ – einer meiner Regalschlummerer, der schon länger bei mir wartete und für den jetzt endlich die richtige Zeit gekommen war. Preisgekrönt und mit einem zweifellos zeitlosen Thema: Wissenschaft und Glaube versus Aberglaube. Aktueller geht wohl kaum und doch spielt der Roman in Großbritannien gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Perfekt in die Jahreszeit passte die Lektüre von Katherine May’s „Überwintern. Wenn das Leben innehält“, in welchem sie beschreibt, dass Menschen häufiger in ihrem Leben Phasen des Winters durchleben, der bei ihr im übertragenen Sinn für große Krisen, Umbrüche oder Schicksalsschläge im Leben steht. So schildert sie, wie man diesen Lebensphasen begegnen und was man sich hierfür auch aus der Natur und der Tierwelt abschauen kann. Anhand ihres Lebens zeigt sie beispielhaft auch Verhaltensweisen und Wege auf, um gesund bzw. gestärkt durch und aus dem Winter zu kommen. Positiv und wärmend gerade in diesen Zeiten!

Und wenn wir schon bei der Kälte sind: Lars Mytting’s zweiter Band der Schwesterglocken-Trilogie „Ein Rätsel auf blauschwarzem Grund“ ist erschienen, den ich nach „Die Glocke im See“ unbedingt sofort lesen wollte. Der Leser erfährt, wie es im norwegischen Gudbrandsdalen mit Pfarrer Schweigaard, der Glocke im See und der nächsten Hekne-Generation weitergeht. Ein ideales Winterbuch!

Viele Bücher, die mich wirklich begeistert haben und ein wirklich starker Lektüre-November, bevor es jetzt im Dezember auf die letzte Leseetappe im Jahr 2021 geht.

Seit langen gab es auch wieder einmal ein Hörerlebnis auf der Kulturbowle und nostalgische Gefühle kamen im November nicht nur bei der Neuauflage von „Wetten, dass“ mit Thomas Gottschalk, sondern eben auch beim Hören der brandneuen Hörspielproduktion des Theater Nikola Landshut von Edgar Wallace „Der Hexer“ auf – spannendes Theater für die Ohren auf CD und somit für die Couch zu Hause.

Zwei Bildungslücken im Filmbereich konnte ich auf ARTE mit den Klassikern „Tod in Venedig“ von Luchino Visconti und Alfred Hitchcock’s „Der unsichtbare Dritte“ schließen. Als ebenso sehenswert habe ich jedoch den deutschen Fernsehfilm „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ (2021) empfunden, der für den 3sat-Publikumspreis nominiert war und die Anfänge der friedlichen Revolution in Leipzig Ende der Achtziger Jahre aus der Sicht eines jungen Paares beschreibt, das sich zunächst in einer Umweltgruppe engagiert und sich unter dem Schutz der Kirche gegen die Umweltverschmutzung und die Zerstörung der Natur einsetzt. Bis zum 20.02.2022 ist der Film noch in der 3sat-Mediathek verfügbar.

Ein wunderschöner Höhepunkt diesen Monat war auch mein Losglück und der damit verbundene Gewinn auf Manuela Mordhorst’s schönem Blog, der mir ein goldenes Glänzen in Form einer wunderschönen Kunstkarte nach Hause zauberte. Hier seht Ihr das Prachtstück, das ich persönlich viel zu schade zum Versenden finde und das daher demnächst gerahmt einen Platz in meinem Zuhause finden wird. Nochmals vielen lieben Dank, Manuela! Und daher mache ich jetzt ausnahmsweise sehr gerne auch einmal unbezahlte *Werbung* für Manuela Mordhorst’s Kunstblog, dem es sich aufgrund ihrer eindrucksvollen – meist von der Natur inspirierten – Gemälde in prachtvollen Farben zu folgen lohnt, und für ihren Shop, in welchem man neben diesen glanzvollen Karten auch kleinere Gemälde erwerben kann.

Karte: Manuela Mordhorst; Foto: Kulturbowle

Und so bot der November trotz aller schlechten und traurigen Nachrichten sowie all der grauen Tage doch auch Schönes und so manchen Lichtblick, auch wenn es kulturell wieder eine schwierige Zeit werden wird.

Was bringt der Dezember?
Viel Zeit zu Hause, Kontakte reduzieren, lange Winterspaziergänge, gutes Essen und gute Bücher. Plätzchen essen, Adventsstimmung mit Kerzenlicht und schöner Musik schaffen und hoffen, dass die Corona-Maßnahmen greifen und sich die Lage in den Krankenhäusern hoffentlich wieder verbessert.

Zu meinem Heimattheater werde ich über den Adventskalender auf der Homepage des Landestheater Niederbayern Verbindung halten, der hinter den 24 Türchen Einblicke ins Theatergeschehen und hinter die Kulissen gewährt.
Zudem gibt es als Weihnachtsüberraschung einen Krimipodcast des Theaters – „Flashback“ – in drei Folgen, die jeweils an den Weihnachtsfeiertagen (25. / 26. und 27. Dezember 2021) freigeschaltet werden. Spannend!

Im ARTE-Programm habe ich eine interessante Dokumention über Albrecht Dürer entdeckt, die ich mir vorgemerkt habe: „Dürer“ wird am Samstag, den 4. Dezember um 20.15 Uhr auf ARTE ausgestrahlt.

Das Bücherregal ist – wie unschwer zu erahnen ist – gut gefüllt und hält auch wieder viel Schönes für lange Leseabende bereit.

Ich wünsche Euch einen ruhigen, besinnlichen und vor allem gesunden Dezember sowie eine schöne Adventszeit. Für Weihnachtswünsche ist es noch zu früh. Macht das Beste aus der Situation, passt auf Euch auf und bleibt zuversichtlich!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

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Gaumen-Highlight November:
Bevor die klassische Lebkuchen und Plätzchen-Zeit begonnen hat, gab es dennoch seelentröstendes Gebäck – einen Hauch Skandinavien und etwas Hygge für zu Hause: selbstgebackene Zimtschnecken. Für eine schwedisch inspirierte Fika (Pause) mit Kaffee oder Tee sind Zimtschnecken der ideale Begleiter.

Musikalisches im November:
Der Advent hat dieses Jahr bereits im November begonnen und somit gab es auch schon das erste Adventskonzert im Fernsehen, welches ich traditionell gerne ansehe und zwar das aus der Dresdner Frauenkirche. Leider pandemiebedingt wieder ohne Publikum in der Kirche, dafür mit sehr schöner Musik von Sopranistin Katharina Konradi, Tenor Jonathan Tetelman, Pianist Lang Lang, Organist Samuel Kummer, dem Dresdner Kreuzchor, sowie dem Sächsischen Staatsopernchor Dresden und der Sächsischen Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Petr Popelka. Besonders faszinierend und für mich neu war der Psalm 24 „La terre appartient à l’Eternel“ der Komponistin Lili Boulanger und sehr berührend auch das von Katharina Konradi gesungene „Pie Jesu“ aus Gabriel Fauré’s „Requiem“ zum Gedenken an die durch Corona Verstorbenen.
In der ZDF Mediathek ist das Konzert noch bis zum 28.05.2022 kostenlos abrufbar.

„Kann man überhaupt jemals genug Erinnerungen haben?“

(aus Raynor Winn „Der Salzpfad“ – S.309)

Novemberbowle 2020 – Nebeltage und Couchabende

Zeit zum Lesen gab es in diesem November genug, denn aufgrund des partiellen Lockdowns gab es an den Abenden keine anderen kulturellen Möglichkeiten – Theater, Kinos, kulturelle Einrichtungen und auch die Gastronomie blieben geschlossen. Das Wetter präsentierte sich häufig von der trüberen Seite und oft hielt sich der Nebel den ganzen Tag über. Dennoch war Zeit für einige herbstliche Spaziergänge und gemütliche Abende auf der Couch mit guter Lektüre, so dass wieder einiges zusammengekommen ist diesen Monat:

Den Auftakt bildete der wunderbare Roman „La Fenice“ von Lea Singer, der mich ins Venedig der Renaissance entführte und mit dem mich die Autorin wieder einmal absolut überzeugen konnte. Sie erzählt die Geschichte der Muse und des Modells Tizians, welche er in seinem berühmten Gemälde „Die Venus von Urbino“ verewigte. Ein bewegender Roman über Venedig, Kunst und ein aufrüttelndes Frauenschicksal.

Während des US-Wahlkampfkrimis zu Beginn des Novembers las ich den ersten Band aus Joachim Meyerhoffs „Alle Toten fliegen hoch“-Reihe „Amerika“ und irgendwie passte dieser Roman perfekt zu diesen verrückten Tagen. Gebannt schaute man abends auf die Karte mit den rot und blau gefärbten Bundesstaaten und parallel verfolgte ich den Amerika-Aufenthalt und die Anekdoten, welche der jugendliche Meyerhoff in seinem Austauschjahr an der amerikanischen High School im sehr ländlichen Staat Wyoming erlebt hat und auf sehr unterhaltsame Weise schildert. Meine Lust und Neugier auf die Folgeromane ist definitiv geweckt.

Ein absolutes Muss im November war für mich der neu erschienene achte Gereon-Rath-Fall von Volker Kutscher „Olympia“. Gleich am Erscheinungstag stattete ich abends meiner örtlichen Buchhandlung einen kurzen Besuch ab und dann wurde der Band zeitnah und genüsslich verschlungen. Für mich einer der stärksten Bände der ohnehin herausragenden Reihe, der mich vor allem durch die Schilderungen der olympischen Spiele 1936 in Berlin, die Atmosphäre, die längst liebgewonnenen Figuren (Gereon, Charly, Fritze) und die spannende Handlung mit großem Paukenschlag absolut gepackt hat.

David Foenkinos „Die Frau im Musée d’Orsay“ konnte mich danach hingegen leider nicht so wirklich überzeugen und ich hatte mir in Summe mehr von diesem französischen Roman erwartet. Ein Kunstprofessor wirft seinen Job hin und arbeitet plötzlich als einfache Museumsaufsicht im legendären Musée d’Orsay – das klang zunächst spannend, aber der erhoffte künstlerische Aspekt ist mir persönlich etwas zu kurz gekommen und auch die Liebesgeschichte hat für mich nicht gezündet.

Deutlich spannender fand ich dagegen „Agatha Christie. Eine Biografie“ von Barbara Sichtermann. Inspiriert durch eine „Mord im Orientexpress“-Verfilmung (mit Albert Finney als Poirot und weiteren Hollywoodstars wie Ingrid Bergman, Lauren Bacall und natürlich dem leider vor kurzem verstorbenen Sean Connery aus dem Jahre 1974), die ich im Fernsehen sah, wollte ich auf einmal mehr über die bekannte Krimiautorin wissen. Eine interessante und aufschlussreiche Lektüre, in welcher ich auf unterhaltsame und gut lesbare Weise viel Neues über die „Queen of Crime“ erfahren habe. Flankiert habe ich das Ganze noch mit dem Hörbuch „Ruhe unsanft“ – dem letzte Fall Miss Marple’s – gelesen von der unverwechselbaren Katharina Thalbach, welche den vielen Figuren auf großartige Art und Weise jeweils ihren ganz eigenen, markanten Tonfall verleiht – absolut hörenswert!

Mit Agatha Christie teile ich die große Leidenschaft fürs Theater und da diesbezüglich im November ja leider keine Möglichkeit bestand, diese auszuleben, konnte ich mit Christian Knull’s „Wir probten die Liebe“ zumindest literarisch die Bretter, die die Welt bedeuten, erkunden. Er beschreibt aus Sicht eines 12-köpfigen Theaterensembles die heiße Probenphase bis zur Premiere von Arthur Schnitzler’s „Reigen“. Dass das erotisch aufgeladene und ehemals skandalträchtige Stück auch bald zu Spannungen zwischen den höchst unterschiedlichen Laienschauspielern führt, versteht sich fast von selbst. Ein Buch, auf das ich ohne Bloggen und den Blog „Der Bücheratlas“ wohl nicht aufmerksam geworden wäre. Danke dafür!

Mit Deborah Levy’s „Der Mann, der alles sah“ durfte ich einen sehr vielschichtigen, raffinierten und literarisch anspruchsvollen Roman entdecken, welcher den Londoner Studenten Saul ins Ostberlin der späten Achtziger Jahre, den zerfallenden Sozialismus der DDR und dort in eine komplizierte Dreieckskonstellation der Gefühle führt. Verwirrend schön und ein besonderes literarisches Erlebnis.

Besonders nachhaltig beeindruckt und beschäftigt hat mich jedoch ein anderer Roman über das Lebens eines Künstlers in der ehemaligen DDR: Reinhard Kuhnert’s „Abgang ist allerwärts“. Ein großartiges, poetisches und sprachlich unglaublich schönes Buch, das inspiriert durch die autobiografische Geschichte des Autors erzählt, wie Zensur und Einflussnahme des Regimes einen Künstler letztlich dazu bringen, einen Ausreiseantrag zu stellen und sein Land zu verlassen. Mit großer Klugheit, Herzenswärme und Lebensweisheit hat der Autor rückblickend sehr gefühlvoll und mit viel Fingerspitzengefühl seine eigene Geschichte geschrieben.

Der Advent ist mittlerweile da, Weihnachten steht vor der Tür und so habe ich tatsächlich auch schon ein wenig Weihnachtsstimmung in meine November-Lektüre einfließen lassen und mit Alex Lépic’ „Lacroix und die stille Nacht von Montmartre“ einen klassischen Weihnachtskrimi (und den dritten Band der Reihe um den Pariser Commissaire Lacroix) gelesen. Mit gerade mal 200 Seiten war das ein kurzes, aber auch sehr kurzweiliges Lesevergnügen zum Entspannen und Seele baumeln lassen. Viel Pariser Lokalkolorit, viel Kulinarisches und romantische Stimmung, wenn es in der französischen Hauptstadt zum ersten Mal seit 1962 wieder ein weißes Weihnachtsfest gibt und der Commissaire in den schneebedeckten Straßen von Paris ermittelt.

Und mit meinem heimlichen Liebling des Monats (wenn auch in keinster Weise vergleichbar mit einem großen Kaliber wie „Olympia“, das quasi außer Konkurrenz zu sehen ist) bin ich dann auch noch ein wenig in Frankreich und bei der Kulinarik geblieben mit Jacky Durand’s „Die Rezepte meines Vaters“. Ein Junge wächst quasi zwischen den Kochtöpfen und Herdplatten in der Restaurantküche seines Vaters auf und hat bald schon den sehnlichen Wunsch, selbst Koch zu werden. Doch wenn es nach seinem Vater geht, soll er etwas Anständiges lernen, studieren und nicht Tag und Nacht in der heißen Küche am Herd stehen müssen. Dieser kleine und feine Roman ist ein unglaublich sinnliches und gefühlvolles Buch über Väter und Söhne, über die Leidenschaft fürs Kochen und die Gastronomie und hat mein Herz im Sturm erobert.

Den Abschluss meines Lesemonats bildete dann – last but not least – noch ein fast als Pflichtlektüre zu betrachtendes „Die rechtschaffenen Mörder“ von Ingo Schulze, das als Lesung den Abschluss der 20. Landshuter Literaturtage (19.11.20 – 04.12.20) bilden sollte und die jetzt ersatzweise digital stattfinden wird. Auf der Website der Veranstalter, kann das Video ab dem 04.12.20 bis zum 31.12.20 abgerufen werden – zudem gibt es noch einige weitere Audio- und Video-Lesungen der Literaturtage zu entdecken, welche dieses Jahr unter dem Motto „In Zukunft. 16 Tage, 16 Visionen“ standen.

Ein herbstlicher, ruhiger und leiser November – ohne Theater, Oper oder andere Live-Veranstaltungen – geht zu Ende. Die erhoffte Besserung im Infektionsgeschehen ist leider (noch) nicht eingetreten und so bleiben auch im Dezember die kulturellen Einrichtungen geschlossen. So wird es wohl dieses Jahr auch ein besonders stiller und besinnlicher Advent werden, mit viel Zeit zu Hause zum Lesen, Musik hören und Konzerten im Fernsehen. Zünden wir also unsere Adventskerzen an, bleiben wir zu Hause und versuchen wir die Advents- und Weihnachtsstimmung trotz allem ganz bewusst zu genießen. Einen schönen Advent und bleibt gesund!

Die ausführlichen Rezensionen sind jeweils auf den farbig hinterlegten Titeln verlinkt und ein Klick führt direkt zum jeweiligen Beitrag, wo dann auch die entsprechenden bibliographischen Angaben zu finden sind.

Gaumen-Highlight November:
Passend zu den Couchabenden gab es ab und zu geröstete Maroni – das passt wunderbar in diese Jahreszeit und so kann man sich auch ein wenig Südtiroler Törggelen oder Christkindlmarkt-Feeling ins eigene Wohnzimmer zaubern.

Musikalisches im November:
Bevor es jetzt im Dezember auch musikalisch besinnlicher und weihnachtlicher wird, habe ich im November noch einmal einen schwungvollen Abstecher ins wilde Berlin der 20er und 30er Jahre gemacht und mir passend zu Volker Kutschers „Olympia“-Lektüre auf ARTE TV ein Konzert des Moka Efti Orchestra angesehen. Großartige Musiker – nicht nur im Studio für die Soundtrack-Produktion zu „Babylon Berlin“ – sondern auch live ein absolutes Erlebnis.

„Fasst frischen Mut, so lang ist keine Nacht,
dass endlich nicht der helle Morgen lacht.“

(aus Shakespeare, Macbeth IV,3)

„Die hellen Tage behalte ich, die dunklen gebe ich dem Schicksal zurück.“

(aus „Die hellen Tage“ von Zsuzsa Bánk)